Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 20 (17.5.1871)
- Date
- 1871-05-17
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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150 Pvse^ 8. Mai. Vesten» versammelt« st- «in« erheblich« Anzahl Mltglierer der hiesig« Brüdergemeinde zu einem gemist,. samm Mahle, am ihrem scheidenden Rabbiner, Hrn. Dr. Perlet, der eine« ehre »volle« Rufe nach München folgt, auch äußerlich einen Beweis ihrer Hochachtung und Lieb« zu geben. Nachdem ein Mitglied de« Vorstände« in «armen, anerkennend«« Sorten die Amtsthätigkeit de« Herrn 0r. Perle« geschildert und ihm im Namen der Gemeindemttglieder ei» der Geber würdige« Andenken, «inen kostbarer, kunstvoll gearbeiteten Tafel-Aufsatz, überreicht hatte, hoben;,««< andere Vorstandsmitglieder die beiden, de« Gefeierten besmders auszeichnenden Eigenschaften hervor: di« wahre Toleranz, eine Frucht wahrer und aufrichtiger Religiosität, und die anspruchsloseste Bescheidenheit, ein Ausfluß tiefer und vielseitiger G? ehrsamkett. Nach den officiellen Reden offenbarte sich der Charakter dieser Feier als der eines großen, gemeinsamen Familienfestes: heitere und ernste Trinksprüche wechselten in bunter Folge, und mit Befriedigung verließen die Thqilnehmer an diesem Feste den Saal mtt dem Wunsche, e» möge der Bruder- Gemeinde beschieden sein eine» würdigen Ersatz zu finden. (Ostd. Ztg.) Stuttgart, 6. Mai. Der heutige »Etiats-Anzeiger für Württemberg* enthält eine Notiz und eine daran geknüpfte Bemerkung, die burch den officiellen Charakter des Blattes doppelt interesiant finl>. Der Arttkel lautet: »Von dem Stiftungsrathe und der Loealschulinspertion zu Hochberg, O.A. Waiblingen, wurde vor eiaizer Zett an den dorttgen israettischm Lehrer Mainhardt einstimmig der Antrag gestellt, der Oberklasse in der christliche« Schule Sprach» und Realunterricht zu ertheilen. Bon der Bezirks- und der Ober- Schulbehörde wurde dieser Plan genehmigt. Es dürfte diese Einrichtung gewiß um so mehr verdienen auch in »veiteren Kreisen bekannt zu «erden, als sie zugleich einen der besten Beweise liefert, wie durch die in unserem engeren Baterlande mehr und" mehr fortschreitende Schulbildung da» sicherste Mittel geboten ist, nicht blo» un.'er den verschiedenen Confessio»« den Frieden zu' erhalten, sondern auch gegenseitige Achtung und Zuneigung zu begründen und zu fördern.* Festland steigt und daselbst bi» zum nächsten Sonnenuntergang verbleibt. Lehrend dieser Zett geht er nicht in's Wasser, ißt nicht und rülirt sich nicht, mag man ihn auch schlagen oder zu Tod« peinig« n. Sobald mit Sonnenuntergang die Nacht auf den Sonntag eintritt, springt er nach Att der Frösche mtt großer Schrelligkett in's Meer: er hat seine Sabbathruhe beendet.* — Endlich ist es der »Judenstein' (alhigr alsahüd), von dem Kazwlnt*) zierst eine ausführlich« Beschreibung nach Jbn Sink bringt uitd kann nach einem andern Gewährsmann meldet: »Es findet sich an der Küste des mauretanis«h«n Meere» eia Stein, der in seiner Fundgrube sich an allen Tagen bewegt, mtt Ausnahme des SabbathtageS, weshalb man ihn auch Judenstein genannt hat." — Zum Schluffe mögen hier noch zivei »ruh. Traditionen einen Platz finden, die beweisen, daß der Islam in seinen Anfängen sich ebenso bemühte, die feststehend« Heiligkett des Sabbath» zu bekämpfen, wie die ältere Schwester-Religion. Zu der Koranst-lle: „Zu Gott flehen die im Himmel und auf Erden sind, und Er ist jede» Tag in Tätigkeit" (Sure 55, B. 29) bemerkt der berühmte Commentator Beidhüwt 1#): „Diese Thätigkett testeht nach der Tradttioa darin, daß Gott Sünden verzeiht und Leid aufhellt, die Tinen erhebt, die Anderst erniedrigt. Dies ist ette Widerlegung für die Ansicht der Juden, die da behaupte». x»h Gott am Sabbath gar Nichts richte" (!). — Die andere Tradition befindet sich in der Sunna res Bochilri") und lautet: „Tin Jude sagte zu« Chalifea Dinar: . ... , | ' ' , '1 Krlmkreich. Pari«, Mat. Da« Peßachfest ist den abermal« «tag»-; schloffen«, und gequälten Israel ittn .«och weit traurige, da Hst»-- gegangen, als di« Herbstfetertage. Während damal« die Syna- zogen, obgleich die Verteidigung viel« auf dt« välle gerufen hatte, überfüllt gewesen «arm. uud nur dt« schwache Besetzung de« Chor«, der großmthell« au« tnzwischm vertrieb«« Deutsch« bestand« hatten unmittelbar an dea Krieg erinnerte, »arm die Tempel am Prßach fast öde. Biele der besser gestellt« Familt« hattm Pari« verlass«, währmd ein großer Thetl der Männer unter d« Waffm gehaltm wurde. Riedergeschlagmhett, Trauer, Verzweiflung auf all« Gesichte«, Thränm in allen Augen. Die Rabbiner, Z. Kahn im Consistorialtempel, Lazard im portugiesisch«, hielten am erst« Festtage kurze, warme Ansprachen. .Möchten wir wmtgstms ein KV HOB nach Beendigung des Bürgerkrieges feierst können, nicht mehr betrübt durch d« Anblick grausiger Menschenopfer (DTK Vtib 0*00), nicht mehr abgeschnitten von der Außmwelt und, was noch ttauriger, getrennt von dm Herz« unserer Brüder (npm yro 1H)*-diese Hoffnung ist leider nicht in Erfüllung gegangm; der 15. Isar ist vorüber. Keine Mittheilung, kein Ledenszeichm von der französisch« und ausländischen Judenheit gelangt zu uns. »Hätten wir die Flügel der Taube* (Ps. 55, 7) und die Ballonpostm wieder, wie während der Prmßeri-Belagerung! Inzwischen betritt die Commune die Wege von 93. Welche Gegmsätze in Frankreich! Während der „köre Duchßne“ vom eidevant-Diea spricht, schlägt in Versailles ein korsischer De« putirter, Gavardi, vor, jeden, der das Dasein Gottes, die Unsterblichkeit der Seele, die heilig« Dreieinigtett, die unbefleckte Empfängniß u. s. w. läugnet, zuchtpolizeilich veruttheilm zu lass«. Indessen hat der israelitisch« Cultu» noch keine Angriffe zu erduld« gehabt, abgesehen davon, daß die Commune da» Cultusbudget unterdrückt hat, so daß also die Geisttichm nicht mehr vom Staate besoldet werdm. Der Gmeral»Direktor der Ambulanrm hat im »Journ. officiell* nachstehende Erklärung erlass«: »In Erwägung, daß die Commune die Trennung der Kirche „O Fürst der Gläubig«! Euer Buch «thält ein« Der», welcher un« Judm, wäre er «ns offenbart Word«, gewiß bewog« hätte, d« darin erwähnt« Tag als Fest zu begehen." — „„Welcher Vers ist dies?"" ftagte der Ehaltfe. — Da erwidert« der Jude: „Folgmder: An diesem Tage Hab« ich Eue« Glaub« vervollkommnet- und mein« Huld über euch vervollständigt und «ch gnädig dm Islam gewährt als Religion." — Omar versetzte: „„Wir kenn« dies« Tag ganz wohl und auch d« Ort, au dem dies dem Propheten offmbart wurde; er stand damals auf dem 'Arafa (eia Berg bet Mekka) und der Tag war ei» Freitag." " — Al» Hintergrund dieses Gespräches muh man sich ge» ' wiß eine Polemik über dm zu feiernd« Ruhetag hinzudenke», welch« die jütisch« Religtonsurkund« so klar bezeichnen, während die des Islam im Unklar« darüber lass«, was die ironische. Frage de» Judm au dm Chaltf« veranlaßt«. vr. Wilhelm Bacher. t) Hirt. Not XXXI, 18. *) SibbAb R. P. «L Altoo» 7a. *)Xiin«ck rabbo zu Echo 2, 6. *) Kocwtnt, Koanogimphie od. WBrtonfold Bd, Q, «. 17. ») «.«.O. I, 180. 1 11.284. y 1,182. 1)1,128. ») I. 222. M) «d. Floiacber II, 308. u) BdeoeQ im Tradition» Mohorortooco, «1 Krehl I. 19.