Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 18 (8.5.1871)
- Date
- 1871-05-08
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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He üüiftiate btt jüdisch«, Gemeind« i» SÄdenstchland; besonder« in Bayers banne ich später MÜL * SftruHtt, 18. April. (£>ri«^<io«*ft>.) An dm de», nächst zosaurmeutteteud« Landtag ,»»ser« Monarchie' tritt «ine Krage Hera«, «eich« zwar aüht da» Universum, auch «icht einmal Europa, wohl aber die Herz«, unserer Ritter »id die Stü-en der„Rittettank" i» Bewegung setze» wird. Der Cöthmsch« Wahlkreis hat ein« erledigt« Sitz iu der Kamm« einem Jsrarlit«, de« Conuuerzimrath Kriedheim i» Eötheu, übertrag», >»d z«Mmit 64 u»ter 66 — natürlich zum allergrößt« Thttl chrtst. liche» — Stimm«. Aber die Verfassung der anhaltinstch« La»>e uutersagt d» Eintritt eines Judm i» die geheiligt« Hall», 1» ivelchm das Wohl — und Weh«! — «users christlich» Staate» bacthm wird. Die nächste Folge wird fei«, sagt die hiesige Zeitung, daß a« die geheiligt» Pforten des Ständesaales eia Go!)« Jacob« nunmehr anpochm und mtt dem Zeigefinger auf die Wahlattm deutend gebieterisch Einlaß begehr« wird in di« aärüichm Hall», welche bisher »och kein jüdischer Stiesel «1. weiht hat. Indessen wird der Strem der Zett «öglicherwttse a»ch hie Ritterbank bespül«; sie wird ihre mit der Muttermilch rin geschlürfte Abneigung wohl oder übel bekämpf« müff«; der Jude ist offenbar nicht blos zu de« Zwecke in die Welt gesetzt, Geid zu leih« oder allmsalls, mit guädigstrr Genehmigung der Herr« Junker, auch seine Kinder in dm zum Schutz« de» Later laude» «nternomm« Krieg« todtschieh» zu lass«; man kann ihm auch dal Recht nicht verweigern, gleichzeitig mtt de« adelig« Schloß- Hern unter dm grün« Tisch zu Dessau sein« Fuß zu steck«, falls da» Lettraum der Mttbürger ihn auf dies« Platz berust. Im Jahre 1855 oder 56 ward kn der aahalt-bernburgischm K immer von dm Abgg. Piesscher und Oelze vergebens der Anttig eingebracht, d« häßlich«, eine ganze Klasse von Staatsbiirgem unter AuSnahmestaud versetzend« Paragraph«, wonach' kein Jude ein« Sitz.in der Stände-Versammlung einnehmm durfte, aus der Verfassung auszumerzen. Steckt im heutig« Sehetmmrathe Oelze noch der nämliche geistige Stoff, der damals d m lebhaft freisinnig« Advocatm im Kampfe für Toleranz, für rttigiöse und polittsche Freihett in dm Vordergrund trieb? S»hl, 24. April. Der .Lolttztg.^ wird über ein» hier vorgekomm«« Akt von Intoleranz, der in neuerer Zeit wohl kespiellos dasteht, berichtet: ,ES besteht fett kurzer Zett am hiesig« Platze eine Privatschule, die von dem Archidiakonu» Kannegießer und dem Rector Damm gegründet wurde, auch von dies« Herr« verwaltet wird. Viele hiesige Einwohner fehm aus dem «Sruude, wett die erwähnte Schule dm gmanntm Geistlich« (Kannegießer) zum Lehrer hat, davon ab, ihre Kinder in diesem Institute unterricht« zu lassen, weil die religiös« Anschauung« »er hiesig« orthodoxen Geistlichkeit im Widerspruch« mit dm zeitgemäßeren Ansicht« der meist« Bürger steh«. Allein man hat hier keine große Wahl der Schul«, weil außer der dttreffeudm Privatschule nur noch die städtssch« sogmannte Volksschule besteht, der« Leistung« für dm Bürgerstaad uagmügend sind. Ans diesem Grunde entschloss« sich unsere Mttbürger Simson und Meyer ihre Kinder der hiesig« Privat-Lehranstatt anzuverttaum. Di« Anmeldung der Kinder fand bet dem obengenannt« Rector statt und wurde die Aufnahme der Kinder von diese« Her« bereitwilligst zugesagt. Einige Tage nach der stattgeftwden« Anmeldung aber erhält Herr Meyer d« Besuch des Rector Damm, ba ihm folgend« Mttchttlnng -berbriugt: „Ah bedaure schmerzlich Ihn« die für Sie wie für «ich gewiß gleich «um,« geuehme Meldung «ach« zu müssen, daß der Archidiakonu» Kannegießer dir Aufnahme Ihres Kchche» «ad Ihre» verwandt« verweigert hat. D« G»a»ch! giebt an, dqß «r sitz protesta» tisch« GMlich«rAch«I^>M»^^ Um, «Mw «» diese» Grunde sttne äafßbmmm m de, CmMw der Klnder in lein« «Schule verwetge» z» müsse», wmnglttch chm die-anttli» Simso, und Meym als chrmwetthe bttcmM sei«." .Das Benehmen des.ArchidLckomr» charaktettfitt sich so sehr am selber, b*, mtt «n» eine» lltthttl» wohl enthalt» könne». Lhatsächlich führ.« wir nur noch an. daß di« Famüi», der« Kinder von der lSchule zurückgcwiesm Word« find, z« d» acht» barst» nnferer Stadt zähle». Der «ine Familienvater ist Stadt» verordnet« und erfreut sich de» Verttanen» sei»« Mitbürger. In d« andem Familie herrscht gegmwärtig »och Tr«« um «in« Sohn, d« in d« Blüthe sein« Jahre im Kampfe für da» Vaterland in Frankretch sein« ehrenvoll« Tod gesund« hat.« Ddeffa. JDie bis jetzt vorliegend» Nachricht« üb« die kur, erwähnt» Epceffe gegm die Jnd« besag«: (Teiqr- D<p. vom 12. Apr«, Nachmittags.) während d« russisch» Öfters «r plünderte d« Pöbel drei Tage lang die Hänser d« Judm, «brach die Läd« und Comptotts und richtet« daselbst große Verwüstung au. Es Herrschi allgemein« Schrecken, auch »nt« d» Christen. D« «gerichtete Schab» ist «norm. Di« vehördm Ivmttm, wie es scheint, nicht« gm Schutze der Bevölkerung thim.* Dem .P. Ll.« wird geschriebm: »Die Nachricht« üb« die Verfolgung d« Jud» in Odessa bestätig« sich leid« 1» ihre« ganz« Umfang«. Mehr«« Jud» wnrd« getödtet und verwundet während de» ftjc ernst« Sturmes, der drei Tage danett«. Das Comptoir des Llankter« Rafalovicz wurde ausgeranbt und den«, litt. Da« find die edlm Früchte russisch« Eivtl statt» Das Petei4burger Regierungsblatt selbst metdtt «nt« de« 14. Apttl: .Montag, Dienstag und Mittwoch fand» in Odessa Excesse gegm Jud« statt. Die Kriegsmacht stellte di« Ordnung wird« her, einige Gewölbe der Jnd» »urdm geplündett, und kam» mehrere Verwundung« vor, es wnrd« etwa 1-66 Person« verhaftet.* Giebt es wohl ein« vernünftig« Mensch«, d« da glaubt, daß es dm russische» Behörd» an Macht und — wen» sie «voll« — an gewalttgst« E»«gie zur Unterdrückung von Pöbel» Exeefl» fehle? Eia österreichisches Blatt sagt daher in eimm läng«« Arttkel üb« die Odessa« Vorfälle: »Frag« wir nach dm Ursache» dies« effecttvm Machtlofigkett btt äußmiich so «ngeheuer scheiumd« Machtfülle, so glaub« wir di« Erklärung hierfür bereÜs gesund» zu haben. Es giebt, sett der Bertrttbnng Jsabella's aus Spant«, kein zweites Land, tu wttchem die Corrnptto« so wett gedieh», in wttchm» Protection, Käuflichkttt, Pattttlichkttt »ehr z» Hause wären» als lllußland. Ein Land, wttches nicht einmal die Mtttt besitzt, di« Ruhe und d» Besitz sein« eigen» Untetthau» zu schütz», wttches in einem Falle, wie btt dm Juden-Exrrssen in Odessa an d« jüngst« Ostestrtettageu, nicht einmal so viel Macht besitzt, solche llnznkömmltäikttt» zu hindern od« zu unterdrück»; ja deff» Regierung »an in diesem unlautere» Spitt« «ine geradezu verdächtig« Roll e tnfinuitt, indem «au vorausfetzt, daß ihr« Schwäche «elche che tt» Ginscheett» umuöglich »achte; n» ein« stngttte, au« nnredltö,« Mett»« entstand«« gewttm stt r «in solches Land »tt «in« solch« Ragieruag ist hobt und morsch im Inner», ist schwach und fttg nach Anß». D« »rterieüe Schade», d» di» Epoedent« in Odessa am gmtchttt halmz, »ich; so groß « amh sein möge, bald wich» ersetzt sein; »itt größ« ist d-moraistch-, d» da« russisch-«ttch nnd seine Negierung nach «nß» hch, wie im Jmm» «littm, indem ch ** d»MMM«ttt stt»Schmäche; febeVmkumm’ ßttt nnd Eibärmlichkttt von Nm«, anfgedeckt hat.*