Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 18 (8.5.1871)
- Date
- 1871-05-08
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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188 heilig» Schrift» und ihre» Verfasser». sich »»r »it Achtung «de», heutzutage i» Deutschland geringer ist, als zu all« frühe« Zeit». d löaran» würde sich für »n« Jude» i»Szesa»v»t, so lauge wir »och «tuen Knicken de- Gefühlfür die Eh« anfeier Religion habe» die Pflicht ergebe», mit aller Kraft, «it Ueberzeuzungs» treue und Math den zahllos« und verschied«artigstm Angriff« entgeh«- »»d für die Berchckdigung und Rechtfertigung desJud«. chmnt einzutret«. Aber geschieht dieetwa? Wieder komm« wir «nf d« früher betont« und beklagt« Punkt zurück: wo die Dud, n, ihre rechtliche Stellung, ihr bürgerlicher Eharakter, ihr Au» und Lass« anzegriff« «erd«, da find« sich Bertheidtger; HtzMpr der Angriff de« Judenthnm gilt, da — nun allerdingsMa fehlt eauch nicht an Zurückweisung und Apologie, aber zuweist^n Buche« und Zeitschrift«, die Pcht in die Hände derer gelang«, die fich eine- Besser« belehr«! sollt«, und die Hehi^hl der Jud« niuunt «- mit solchen Angriff« sehr leicht, jaFchädtgt durch ihr Lerhalt« die Ehre de- Judenthnm». Da ist zunächst eine große Klaffe, welch« e« für gerathen hält, i» d« tspott über die Bibel, über die erhab«stm Lehr« der Re» ligion, über jüdische Geschichte, Satzung«'' und Gebräuche herzhaft nnzustimmen, ja wohl gar dm Chor anzuführen. Man fleht trotz der Anonymität leicht, daß ein gar nicht geringer Theil der Frivolität«, nicht-würdig« Witzelei«, ja degiftigst« Hohne-, anjüdisch«, gleichviel ob getavfteu oder ungetanst« Federn gefloff« ist, daß mancher aufeinem früher« jüdisch« Leb« und Wissen nur ein paar Witzworte bewahrt hat, die er nun zum Ergötz« seine- Publikuman dm Mann zu bring« sucht. Man tritt den Feind« der 3ud« mtzeg«, um aber zu zeigen, daß man belleib« keine Sympathi« für Religiösebefitze und „unparteiisch" sei, läßt man dabei d«Witz« über Reli» gion und Judenthum die Zügel schieß«. Nichtfleht schärfer als der Haß; daher hat die Krenzzettnug ganz richtig herau-gefühlt, daß unter k» Lite»»«, welche tag. täglich alle religiös« Gefühle zmn »espäAe «ach«, gar nicht wmige, ja vorchältnißwäßig viele Msch« AÜKuumung find. Aber anch Andere trag» grvße Schuld. Da» find die sehr Bicken, wckche bck jeder «ckegeuhett z» erkenn« geben. daß fie zwar Jnd« find und bleib«, weil fie fich nicht tauf« laffm wögen, daß ihn« ab« die jüdische Rcktgton gleichgültig sei, daß fie Satzung und Rckigion-Übuug d«s«tg« übeckaff«, welch« noch „so wett zurÜckgeblieb« find", d« Ungebildet« oder d« Hmchle«, d« Amgstlich« und Besang««, d» Lrödlau und polnisch« Bettlern. Sie hör« demgemäß Verunglimpfung des Judmthmnmit aller Ruhe, ja mtt stillem oder gar laute» Zuzeständntß an und erfreu« fich dafür recht oft an» christlichem Munde de- Eomplimmt»: „Du bist uns ein lieber Kamerad, obzlckch wir im Allgemein« dein» Glaub«-genoffm nicht recht hold find, wckl wir zwar vorurthett-frck find, aber doch geg« da» verrottete Judeuthum- und die llnfitt« seiner Anhänger Anti» pathie heg«; du bist aber auch eigentlich gar kein Jude." Solche Amßerungm »erd« täglich gemacht, fie find nicht so böse gemeint; da» ist aber böse, daß fie beifällig Lufgenomm« werden. Bon allem, wa» an der Zurücksetzung de» JudmthumI Schuld ttäzt, ist aber da» Schuldvollst« die überhand nehmend« Unwiffmhckt. Früher warm Tausende schlichter jüdischer Haufirer wohl im Staude Angriffe zu parireu und d«j«kg«, wacher an ihn« sein Müthch« kühl» oder böswillig« Spott über das Jndmthum ergeh« laffm wollte, gehöckg abzuferttzm; jetzt kmnm unsere Gebildck« weder Bkbck noch spätere jüdffch« Literatur, weder der Gesetze Inhalt noch der» Sinn; dagezm les» fie die Anklag« und Verunglimpfung« so oft, daß fie fie schließlich sckbst für wahr halt«, und daß man die einschlägig« Phras« oft gmng an» jüdischem Munde zu hör» hat. Feuilleton. Pit Ach«ar«eriu. c«ch"ch.) Alr die erhitzt« Gemüther fich sattsam in die tiefste Auf» regmig hilieingeredet halt«, trat allmäliz ein Mommt der Ab» pamiung ein, d« da» jüngste Mitglied dieser Versammlung, wckchesich bi» dahin an der lärmmdm Debatte nicht bethcklig hatte, vorttefflich zu bmützm verstand. Wolf Lilimberz gehörte zur »Link«' de- Borstande- und war ckner der best« Redner fer Versammlung; man sagte ihm nach, daß er in sckner Jugmd, bevor er in'» »Geschäft' gekommen, zu dm Gckftlichen in die Schule gegangm sei. »Wenn,' begann er, »ckner meiner geehrten Borredner in Bezug auf die Unmözlichkckt, da- Testament der Wittwe Bam» bergi.1 au-zuführ«, dakühne Glckchniß vom Monde gebraucht hat, so ist er allerdings hierzu vollkommm berechtigt. Dennoch, glaub ich meine unmaßgebliche Ansicht dahin au-sprechm zu müss«, besteht doch ckn gewaltiger Unterschied zwisch« dem Mond« und dem letzt« Will« Bckle Bamberger». Während zu dem erster« hinaufzustckgm für Mmschmkräfte ckne Möglichkeit >:ich : besteht, muß ich doch anderfettS in Abrede, und mtschied« in Abrede stellen, daß zur Ausführung de» Testament» Menschen» hülfe nicht htnrckchm solle.' »Daist auch Schwärmerei!' schrie« einige Stimm«. »Laßt Wolf Lllimberg an-redm,' rief« andere dagezm, begiisterte Anhänger de- Redner». Dieser begann wieder: »Allerdings ist «ckne Ansicht, so wie die Umstände einmal find, eine Schwärmerei, und ich bin der Erste, sie al» solche zu bezeichn«. Aber die Sache liegt einmal anders. Nicht um die unmöglich« Bestimmung« des Testamentes handckt e» fich hier; fonde« um die Frage: Ist die Gemeinde verpfiichtck oder nicht, Alle», watu ihr« Kräft» steh«, anzuwmd«, damtt der letzte Dille der Frau zur Geltung komme?' »Wie willst Du da» anfang«?' unterbrach« ihn höhnische Stimm«. »Laßt ihn an»red«!' ckes der Anhang. »Wie ich da» anfang« will?' fuhr Wolf Lilimberg fort. »Daist nämlich so. Ich habe leider schon viel mtt Erbschaft»- Angelegmhcktm in «cknem Leb« zu thun gehabt, und da bin ich gmöthigt Word«, mich mtt de« bürgecktch« Gesetzbuch« bekannt zu mach«, damit ich nicht ganz und gar der Willkür der Advocatm prckSzegebm sei. Run erinnere ich mich dort gckes« zu Hab«: »In dem Falle, daß ei» Auftrag nicht g«au erfüllt werd« kann, muß man demselb« wenigste»- nach Möglichkett trachzukommm such«. Kann auch dienicht geschchm, so behält doch der Bckastcke, wofem au» de« Will« des Erblassers nicht da» Gegenthckl erhellet, d« zugedacht« Nachlaß.' S» «tstcht mm die Frage: Äegt hier ein Auftrag vor, oder nicht? Nach meiner Ansicht liegt Einer vor; folglich ist et nufere Pflicht, demselben nach Möglichkckt nachzukomm«.' »Wir find kckne Jurist« wie Wolf LÜt»berg.' »Wolf Lilienberg hat Recht.' »Warum läßt man ihn nicht zu Ende ko«««?' Der Redner ließ d» n« au-gebrocheum Sturm nchtg vorüber tos«; er stand aufrecht tu der Brandung und das war ein Mckfterzug Wolf Lilienbergs. »Man wird mir einfach einwend»,' fuhr er fort, »die Gemeinde könne, um all« Verlogenheit« zu «tgeh«, erklär», sie entsage der Erbschaft. Das gcht aber nicht so loicht an, als es flQ vW {PRUI vdM ftwgflfi 1|t $%9t fWMTmß ltsche Körperschaft^, «ch a» ftlche ftcht che Wtcht Za» -lacht " ... -j',