Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 15/16 (19.4.1871)
- Date
- 1871-04-19
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/5369809-5934989-5935466--0687-5370372- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
* . - 116 welche diese versuch«, Haß «ud Feindschaft gegen die Inden »nd Verachtung de» Judmthnm» zu »erdretten, mit den gebührend« Worten verurt heilen. — Herr Dr. Alfred Dove in Leipzig veröffentlicht in der von ihm herau-gegeb«« Wochenschrift „Im neue« Sketch" <1871, Nr. 11)'eine» Aussatz unter der Ueberschrist: Humboldt all Judmgmoffe." Diese epigrammatische Aufschrift ließ mich neue Jnvecttve» gegen Juden «nd Judenthum befürchte«, aber «ein« Befürchtung rnirde durch den Aussatz jfelbst glänzend beseitigt, der «ich zugleich überzeugte, daß die einigermaßen feindselig klingende Ueberschrist, durch da> zu besprechend« Buch (.Humboldt und da- Juden thum") hervorgerufen, diesem allein und nicht den Juden gilt. Herr vr. Dove ahn sagt in dem erwähnten Aufsatz«: „Ss giebt Geister, ivenn sie ander« diesen Namen «och verdien«, an denen Jahre, selbst Jahrzehnte doch spurlos vorübergehen. HSch« st«» spinn« sie sich dichter ein in dafeffelnde Netz thter dürftig« Gedanke», statt sich kräftig darau« hervor z« entwickeln. Man glaubt w.hl, fie bewegt« sich rückwätt-, doch auch daist mir eine scheinbare Bewegung: da- Zettaster eilt rastlos an ihn« oorbei, fie selbst aber steh« still, heute wie gestern, auf dem Fleckchen, da» ihn« Gebutt und, was fie etwa an Unter» richt gmoff«, einmal angewiesm haben. Wer mit dem Strome der Zeit fährt, mag an ihn« die Sttecke Wegeermesse», di« er zurückgelegt hat, wie fie da kleiner und kleiner erschein« — «blich sieht men sie gar nicht mehr; wohl ihn«! dann sind fie vergesse«. „Unsere Junker und Pfaff« — fie selber sorg« dafür, daß wir v n d« all« Scheltnam« nicht lass« könn« — Hab« wieder einmal d,r Rafton ein traurige« Schauspiel solchegeistig« Stillstände« d«r:geboter> Wer unter un« hat noch d« Muth, über di« Brutalität der n«m russisch« Kleiderordmmg für die Jud« Polm» jM zürnen oder zu lach«, wen» er der Sitzung Es mochten die erst« Laute tu der Sprache Zion« sein, die jemals an diesem Orte erklungm waren. Spät am Abend machte der Kriedhof-wächter fein« gewöhn» lichm Gang dmch die öd« Räume feine« Gebiete«; er fand die fremde Krau, der Kopf müde auf die Brust gefunken, ans einem Grab« fitzend; daaufgeblättette Gebetbuch lag vor ihr. Tr berührte fie leis« an der Schulter» und fie fuhr auf. „Ist'- schon'au der Zeit?" „Der Friedhof muß gespertt werdm." Sie richtet: sich mühsam auf; dann ging fie wie schlaf« trunkm fort. Am acht« lLage, gmau wie fie es vorausgesagt, befand fich veile Bamberg« wird« in d« alt« Heimat; noch an demselben Tage lieh fie fitt 1« der „Gemischtwaarmhandlung" sehe». — Die Wanderung der astm Wittwe hatte übrig««, wie e» leicht vorau«zuse!>« war, da« nie ruhende Schlagwott von d« „Schwärmnei" Bettewird« unter die Leute gebracht. Neb« tiefftem Mttleid vngessm alltäglich« Menschennatmm fette», daß da« selbstständig; Walt« eineeigmthümltch angelegt» Eha» ratt«s, d« nicht in ihr« Bahn« wandelt, etwa- Heraus» fordernde« hat» iiem fie «tt d« Waffm des Spotte» mtgegm» tretm müssen. „Hätte fie nicht bequemer habm könn«, wen» da- Kind in der Gaff« gellieb« und bei ungeftorbm wäre? Muß da die alte Schwärmerin metlenwett zu Fuß wände«! und wenn fie selbst einmal dm Weg in di« jmsettige Welt gcht, liegt dt« Eine hier und die Andere liegt dort!" vielleicht Hilten die Leute derartige Anklag« unterdrückt, wen» fie gewußt hält», daß Beil« vamberger, ohne daß fie 1» ihrer Gegenwart gesprochen wurde», fie dmnoch »tt jene» -«schürf» tat Verständnisse vernahm, welche» auf de» Gründe , «ine» tiefen de« preußisch« Herrenhaus^ vom 1«. Febrmrr oder gar der verfü-nn, de« Ober-Ktrchemath« über d« Uebertrttt der Sttdm daneb» gedenft? Fast ei» viertrljahrhnndert ist verstriche«, fest, dem zmn erst« Male*) in Prenß« in »ffrntttcher R^e p Gunst« der JudetfEmaneipatio» all, ftssch« »nd «dl» Eultur» gedauk« moderner Humanttät von rheinisch« Bürge« uud schlesisch« «dellent» siegreich in» Feld geführt werden »nd heut komm« «ns dies« Kleist und Sensst «tt d« all» bos» hast» und neidisch« Späßm über jüdisch« Sittm »nd jüdisch« Reichthu«, «tt dmselbm «tttelatterltchm Argnmentar angeblich ' christlicher Engherzigkeit, die man «inst tt» vereint-t» Landtag etwa bei« Abgeordnet« von Bismarck»Schöuhans« »eg« der naiv« Ursprüngltchkett ihrer A«ßeru»g belächeln durfte. Welch schneidender Anachroni-tnn-l Dieser Man» ist seitdem heran», gettet« in di« frei« Lust der Neuzett, eine ungeheure Umwälzung der deutsch« Geschicke hat fich nntrr fein« Händ« vollzogen, unser« volk-genoss« jüdisch« Glauben» Hab« ihm dabet nicht minder zugejauchzt al» wir andere», nicht «Inder Gnt und Blnt dafür hdtgegeb«, »nd jme seine alt« Freunde «nd Gesinnung-» genoss« mm damals find bet ihr« kümmerlich« Krmzzüg« steh« geblteb« «nd ruf« «och heut ihr „Eonsuln, habt Acht!" über die Staat-grfahr, daß dm unehelich« Kinde« jüdischer Mütter die zudrtttgllch« Gnade der Zwangstaufe nicht mehr ans» erlegt werdm soll. Möchtm fie doch ruf« was fie »oll«, wär' es nicht 1» dm Räum« eine» prmßisch« Oberhauses l „Doch fürwahr, dageistige Aergerntß, da» diese schlicht«, ländlich« Gemüther geben, Ist klein gegm da« sittlich«, davon unserem hochgelahrt« Ober»Ktrcheurathe au-gegangen, der fich „evangrlssch" nennt. Gemeinde-Mitglieder, die zu« Judmthum *) Dove btnft oa de» veretui-t» Saabtog (1847), ab« sch« 1848 (18. Amt) hatte der -iheta. Vrovtarlal.raabte- -ch »tt bedeutender Majarttitt für vaaßtludt-e Aleichßttluuder Jade» au-gesprache». («». d. I«. «wch.) Wehe'» entspringt. Sie hörte fie nicht nur, in ihr selbst wuchs« fie täglich und stündlich, und nahm« zuletzt eine so übermächtige Gestalt an, daß nur fie daschwache Gewebe ihre» Lebenbildet«. Sett ihrer Rückkehr hatte veil« merkwürdiger Weis« viel Verkehr «tt einer Persönlichkeit» di« «ine Art Schrecken-Popanz für die „Gaffe" bildete. As war die» der att« Advoeat vr. Pfeffer, den Client und Gegner weg« seiner schneidig« Rabulisterei gleichmäßig zu fürchtm hatten. Er war auch dar»« nur »oa Dm« gesucht, die «tt einer verzwetfeltm Sache durchaus tri«», phirm wollte». Was hatte Pfeffer bet Lette Bamberg« zu thun? Welche Prozesse könnt« fie behellig«? od« «acht» fie Testament? Au» dem fadenscheinig« Rabulist« war trotz all« Schmeichelet nicht« herau-zubrtugm; « blieb stumm wie et» Fisch. Dt« Besprechung« «tt der Wittwe fa»d«U bet geschloffen« Thür« statt. Es mußte einmal «ine heftige Seme zwisch» dm Beide« vorgefallm sei«; dm» man erzählt« fich, daß vr. Pfeffer «tt hochgeröthetem Gesicht ingrimmig die Thür aufgertssm Hab« «nd fortgeeilt sei. Noch aus der Haulflur soll er zornig die Worte au-gefioßm Hab«: »Willst Du «tt Deiner Schwärmerei die Wett auf d« Kopf stell«, alte« Weib? Ich sage Dtt: Du richtest nicht» au», uud wen» Dir selbst der Kaiser die Gnade erweist und will Dft Dein« Bitte bewillige». Heber de« Kaffer ficht »och «tue Macht uud die heißt: Vertrag «tt Rom! Und da will die Wittwe Vamberger dagegm auftommm? vollständiger Wahnwitz!" Trug dt, Mutter Dorrtteu» wirklich so «chne, Himmel, stürmende Plä« tu ihre« schwach« Kopf«? Sie feite etuer Wett von festgegliedertm Gesetz« Trotz bietat wollen, di, dir schneidige Rabulist selbst für unanfechtbar hiett? Wie »erd« 4.4-* --** 0 ■!-> -- M»-... iw op ifHw cSjiytoi mmi