Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 15/16 (19.4.1871)
- Date
- 1871-04-19
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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US ftfetr fxr| und lang eiueAeuderuug eiutret» «tff«. Bei diese« gegeUwärtss« Eharaktrr uufer« lfiegieriwg ist ei «atürlieh, daß sie die Mische Bevölkerung iu der alte», Weise lguortrt, so lauge dies« nicht selbst zur Gelteudmachuog ihr« Ansprüche schreitet, daß st» aber mehr oder weniger Nachgiebigkeit zeigen wird, wen» wir mit bestimmt« Snträgm an fie herautretm. Zum Belege unserer Ansicht nur einige Beispiele. Ja d« Statut« einer Breslauer Realschule fand sich bi» vor einig« Zahr« ein Paragraph, nach dem jüdische Schüler am Sabbat vom Schreib« nicht dispeufirt werd« dürft«. Gin dortiger Bürger wcudte sich beschwerdefihrend an da» Eultusministerim», und selbst Herr v. Mühl« hob rächt nur dm betreffend« Paragraph« arif, soudem verbot sogar für die ganze Monarchie die Lusübung irgend eine» Glaubeu»zwange». Roch mehr hat uns die jüngste Zeit tu diesem Sinne belehrt. Ll» bei« Beginne de» Kriege» d« Herr Redakteur dies« Zeitung fich mit dem Besuche mn Anstellung jüdisch« Feldgeistliche» an die Regierung waudte, «hielt « zuerst ablehnende Antwort. Schon hielt « die Sache für «ledtgt, da wurde « einige Monate spät« durch die Mittheiluug überrascht, daß sein Gesuch die All«höchste Genehmigung «langt Hab«. Zwar war die Anstellung nur in der Kenn einer Erlaubniß für die betreffend« Herr« «folgt, ab« gerade der Militärbehörde gegmüb« darf man diese Errungenschaft »ich: unterschätz«. Beweis genug, wie sehr auch an un» selbst die Schuld liegt, daß wir »och nicht eine aagefehmere Stellung genieß«; Beweis genug, daß wir fie genieß« würden, wenn wir mit mehr Math und Eutfchi«d«heit darauf htnarbettften. Doch sprech« nicht gegm uu» die viel« Zeich« ausschlteßen« d« Gefim ung, welche selbst an dm Tag« national« Eiamüthigkeit zu Tage trat«, ssudm wir nicht schon unsere Wid«legung 1» dem jittigstea Erlaß d« Ob« - Kirchenbehörde, d« eine so große Ausregung selbst in christlich« Kreis« hervorgeruf« hat? Mau hüte sich wohl, d«artig« grhäsfig« Kundgebung«, so buch. Sie sagte ihr« Leut« kurzweg Lebewohl, küßte andächtig di« Stelle, wo d« Rame Gotte» durch «in gläserne» Fmstnchm ^an d« Thürpfoste zu seh« war, und trat dann auf di« Gaffe hinaus. Wie wett und lang dehnte sich d« Weg, d« vor Beile Bamberg« lag! Reg«scha»« kam« und ging«, dann brach »ted« St«umschein hervor und trocknete dt« schlüpfrig gewordmc .Straße» worauf ihre »alt« Füße* so oft ausglitt«. Daun kam »ted« ei« «fftg« WÜrdstoß dah«gefahr«, und trieb ihr feuchte Tropf« tu da» heiße Antlitz. Fuhrwerke und and«« Wand««, Städtchen und Dörf«, Feld« mtt bereit» grünmd« Saat«, Mensch« und Laudschaftea, da» All«» wandelt« wie im Traume an der gtetsm Fußgäugert» vorüb«! Hie und da kehrte fie tn «in au der Straße liegende» vtrthshan» ein, um daselbst zu -übernacht« »d« auszuruheu. von dm mttgenommmm Leb«»« Mitteln fristete st« da» vedürfntß ihre» Körper». St« schritt tmuwr vcnvärt», tmm« wett«, und oft mußt« sie fich selbst sagmt »Hättest Du da» von Dein« alt« Knochen Dir vorstell» köimm, daß die fich als solche „varjius" (tüchttg) beuehm« rxr dm?' Hie und da grüßt sie «tu Bau», d« zu Markt« fährt. .Mohtu, Mttterch«?" _ »3u meine» Kind« auf Besuch!" Zu ihre» Kinde! Da «üblich tauch« am viert« Tage chmr Wanderung dt« Thürme der Stadt vor ihr auf, wo Dorette .. . «in gauza« Jahr ihre» juug« Leb«» so glücklich gewel« war. vm Minute g» Minute, mit jede« Schritte, dm fie vorwärts itßut, verkleinert fich d« Ramm >d« »wisch« ihr uud Dowtt» Lagt! " 7. Ist da» aameulos« «ch>, wie e» tu dftfe« «ugeublt», die Seele «tu« arm« Mutt« durchschallt» «ich «ne» von d« beklagm«werth fie auch find, ein« zu hoh« Werth betzulegea. E» iß ein Unterschied zwischen d« persönlich« Meinungsäußerung und d« «ffprechmdm prakttschm Handlungsweise. Da» judeirfeindliche BorurtheU wttd wohl bewirk«, daß «anwiderwillig «nsereWünsch« erfüllt, keineswegs ab«, daß mau überhaupt uns«» Ansprüchm gar keine Berückfichtigung schmkt. Unsere Regierung verficht die Zett zu gut, als daß fie, nachdem fie die Bewunde». rung d« ganz« Welt durch die Erfolg« nach Auß« hin auf sich gezogm, ihre Würde in dm Augm Europa» herabsetzm soL:«, indem fie im Innern dem modernen Geiste gradezu in» Gesteht schlägt. Sorg« wir dafür, daß, währmd aus all« Gebiet« «i» bedmtmd« Aufschwung fich bemerkbar macht, in d« jüdisch« Angelegmheitm kein Stillstand eintritt. Mag e» auch lange und viele Känipfe kost«, unverdroffme Thättgkett uud muthige A«»dau« wird «n» endlich zum Siege führ«. Unsere Zrennde. B. Stargard in Pommer». Bei dm mehrfach« Beleidigung« und Angriff«, welch« da» Judmthum und die Judm in dm letzt« glorreich«, festlich« Wo chm in «in« der höchst« poltttschm und von d« höchst« geistlich« Körperschaft unsere» «gern prmßischm Daterlante» wiederum zu «duldm hattm, gleichsam al» sollt« wir an läe Ewigkeit der in d« Hagada schel Peffach aufgmommmm Wahrheit« erinnett werdm, daß „nicht Pharao allein gegm un» «nssstaud, um un» zu »«nicht«, soudem in jeglichem Zettalt« fie fich üb« un» und gegm un« «heb«, um un» zu vernichtm, ab« d« Heilige, gelobt sei «, rettet un» au» ihr« Haud", ist e» «sreulich, au» christlichem Lag« Stimm« zu vernehmen, Geheimniflm de» groß« Weltgeiste»? Zitt«n und wank« vor ihm nur verlöschende und entstehend« Welten, ob« tritt auch!>« äNageruf de« einzeln« gequält« Mmfchenthume» vor ihu, daß es vemommm ««de? .. Rach viele« Umftaz« hatte Beile Bamb«g« d« Deg «. fahr«, d« zum Kttchhofe sühtte. Die Messt«, bet dm« fie sich erkundigte, sah« sie mit verwundert« Mime an. Wie kam die Frau mit b« fremdartig klingenden Spraeh« dazu, nach dem Friedhofe dies« Stadt zu ftagm? „Mutt«," sagte ihr Ein«, „Ihr wollt wahrscheinlich nach einem and«« Orte; d« ist ab« vin Meilm von hi«, wo steh eine Gemeinde von Euem Lmt« befindtt.." „Rein, nein," rief Beile, „g«ade d«, dm ich suche, ist d« rechte." Sie stand rndlich am Ziel« ihr« Wanderung. An d« Seite de» Friedhof»wächt«s, dem fi» zuvor et» retche» Geldgeschenk in die Hand gedrückt hatte, durchschrettet fie dt« lang« Reih« d« in frisch«» Frühling»grü« gebettet« Male, die dm Staub von ganz« Geschlecht«« mthielt«. D-rt da» Kreuz mtt de« steinern« Engel, d« «8 ltebmd zu uussaffm schetut ... ein Auffchrei, daß « tn d« Lüftm widerhallt, ei« Wehemf, wie « vielleicht noch ntemal» vemommm word« ... uud Bell« Bamb«g« liegt hingeworfen üb« Dorett«» Grabhügel! D« Friedhostwächter hatte fich «nssemt. Kannte! « berett» die Gesehichte dies« Mutt« au» «in« „böhmffchm Gaffe"? .. 1 Al» fi« fich sattsam ,M»gewet»t", hotte fi« an» de« mitgenowwen« Bündel da» diele Gebetbuch h«au» und begau» da» üblich« Gebet für die Todttr, da» mtt d« Wort« ausäugt: »Muhe saust, unter dm Ftttig« d« Allwacht, mtt all' dm Hellig« und FMsmt.