Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 14 (5.4.1871)
- Date
- 1871-04-05
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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110 bezeichnet den fraflichm Schritt al« »unehrruhast, ja entehrend'. Da« ist ga stark — wen« aber di« .Wahrheit' diese tiMMnmg als ein Setteastilck z» de« bekannten Couststorial-Erlaß bezeichnet, so ist die» auch wieder eine llchertretbuag. Heber die, na« natürlich nab Banaten, Spezialttite» und Motive de« Einzelfalle« haben wir frellich kein Urthetl. Red.) ZranKreich. Paris. (ßichluß der Bericht« über die BelageruugSzeit.) E« verlohnt sich wohl zunächst, über die von Herrn Alb. Sohn am Channrka — bei der pattiotischen Feier im Confistortal» Tempel — gehaltene Ansprache, welch« so peinliche« Aufsehen erregt hat, einige Wort« uachzutrageu. Die Rede war' damal« durch die »Jnd. lllelge' verbrett«t worden. Die nun zugänglich gewordenen Paris«! Blätter stimmen, so weit un« erinnerlich, mtt dem Resumö der ,Jnd.' überein; nur zwei Punkte, die nicht unerheblich find, weühen ab. Die Pariser sagen nicht, daß E. ein Preuße von Gebutt sei, sondern ganz ausdrücklich ei» .Oesterreicher', stdann hat er nach ihnen nicht von ,100,00V' Juden gesprochen, sondern von »sehr zahlreichen'. De» Hauptpunkt aber berichtigt C. selbst in einer Zuschrift an den .GauloiS': »Herr Redactmr! Sie haben die Güte gehabt die kiel»« Rede zu erwähnen, welche ich-gehalten habe. Haben Sie die Güte folgende Worte aufzuaehmen, welche ich bei jener Gelegenheit gesprochen habe: .Der preußische 3ude ist guter Pa» ttiot in Preußen, der englische Jude in England, der russisch« in Rußland und so überall; aber in Frankreich können unsere Bruder mehr mit Freudigkett handeln, denn während ich unter den 500,000 (!) Juden, welch« jetzt Preußen bewohnen, - in der Liste der genannten Offiziere vergeblich dm Ramm eine« Judm gesucht habe, zähl« unsere 100,000 ftauzöfischm Glaubensgenoffm nue bettächüiche Anzahl in der mllttärischm Hierarchie, i» dem ärzttichm Corps, her National- und Mobilgarde. Empfang« Sie x. Alb. Eoha, geborm in Zießburg in Ungarn 1814, in Part« fett 188V.' Daß letzterer Zusas nicht umsonst gegebm ist, sieht Jeder. Daß die Blätter au« Pari« von Erbitterung gegm „I» PniM«“ überfließeu, ist nicht ausfallmd, der .llniv. Jsr.' macht seinem Grimme ost in mehr unschädlicher Weis« in allettei Witz«, V2V Anspielung«, NVD VttN (z. v. ,VpBb*B .DO - 'brbi ,<ooi3) und ähnlich« .Wöttchm' Luft. Während die Journale zahlreich« Beispiele von Tapferkeit, Wohlthättgkett, Hingebung x. Seiten« der Pariser Judm auf« zähl«, hat ein Atbö Moigne im .Stbcle' doch auch Risch»« losgelass«, desgleichen der .Figaro', dieser »»ehr gegm di« deutschen Judm gelichtet. An Abfertigung« hat e« nicht gefehlt. Dagegm hat Beuülot im (kathol.) .Naiver«' nicht umhin gekonnt dm Patriotismus der Judm zu rühm« uud besouder« einen Herrn vomsezu lob«, der eiue Ambulauce in seine« Hause eingerichtet und sich nebst feiner Gattin tu aufopfernder Weise der Pflege dcir Krank« gewidruet hatte. Boa Herrn vr. Blumeustetu haben wir die hier folgenden Briefe erhalten: Amte»«, 20. März. Bergaagmm Sonnabend war durch Commandantur - veehl GottcSdimft angeordnet. E« erschimm einige 40 Soldat« au« dm Regiment»« 28, 29 und au» dem 22. Landlvehr-Regiment. Di« Mannschaft«, unter dm« sich siele Einjährig-Freiwillige befand«, find bei ESln «ad Bonn zu Haufe. Sin 22 er trug da« Gchachri«- uud Musaphgebet sehr angemeffm vor; zwei Letdttagende warm glücklich, nach so langer Unterbrechung da« Kadischgebet wieder sag« zu können. Nur ein Gedanke bemächtigt sich gegmwärttg aller jüdisch« Soldat«, die ich seit vierzehn Tag« gesprochm Hab«: »wie «erden wir diesmal nDC halten können?' — Die Portioa-zuschußgelder von 4 Thlr. grv Tag «erd« vom 2. bi« End« d. Mt«. weiter bezahlt, in Fol,« Veff« erhielt ich heute durch da« Ob«. Commando für die Zett vom 2. bi« 18. «ärz inel. «4 Thlr. Da« Mühler'sche Reieript, welch«» in so naiver «eise di« Mische Feldseelsorge gestattete, sofern dam Mllitärfoad« keinerlei Kost» erwachs«, ist also glücklicherweise überwunden. Btelletcht interefstrt Sie noch folgend« Mitthellung. Nach einem hmte von mein« Elte« an« Mannheim erhalt«»'Brief« beehrte mich Se. Exceümz der General v. Manteuffel ck. ck. Dijon, 11. März, mit feiner Photographie, die ihn in der großen General«- Uniform darfieüt; aus der Rückfette de« Bilde« befindet sich die eigmhändtg« Widmung de« Gmeral», der« Inhalt ich noch nicht! kenne. Da« Schreib« ist nach M. gerichtet, «eil Se. ErcKlenz mich schon zu Haufe glaubte. »miens, 28. März. Geste«, an de« Geburtstage de» König«, fand mtt dm hier garntsontrmdm jüdisch« Soldat« Gottesdienst statt im Saale de» Mufmm». In de« von der Commandantur am 21. d. auSgegrbmm Tagesbefehl hieß «St .Morgm um 10 Uhr findet au« Beranlaffung de« Geburtstage» Er. Majestät de« Kaiser» und König« Gottesdienst statt für die Soldat« aller drestConfefflonm u. s. «.' Me Soldaten, nnter den« sich der mtt dem eisern« Krmze decorttte hiesige Garnison- Arzt vr. Oppler befand, war« in voller Armatur erschienen, well nach dem GotteSdimste große Parade abgmomm« wurde. Ich leitet« die Feier mtt der Recttatio» der Psalm« 21 unb 72 ein, worauf die Predigt folgte, in welcher ich über di« Worte de» Psalmist« 85, 11 und 12 sprach. Rach dem Gebete für Kaiser uud Reich wurdm die Psalm» 29 und 150 recttirt und der GotteSdieust, der etwa */« Stunden dauerte, war beendigt. E« hat hier in all» mllttärischm Kreise dett best« Eindruck gemacht, daß auch die Judm dm königlich« Geburtstag durch ein« Gotte»dimst gefeiert habe». Nachmittag» 8 Uhr war ich bet dem von dem hiesig« Chefuud Gmeralarzte für sämmtltche Aerzte und Geistliche veranstaltet« Diner. Der hiesige kath. Lazareth-Pfarrer vr. Panli au» Moutjoie (bet Aach«) überbrachte mir die Einladung mtt der Bemerkung, der Herr Generalarzt leg« Wetth darauf, daß sämmtltche Geistliche erschein», nnd wenn derselbe auch wohl wisse, daß ich bet de« Diner nur passiver Zuschauer sei, so möge ich dennoch Theil »ehmm, et» Vorschlag, dm ich um so eher aunehmm konnte, al« fast sämmtlich« Herr« mir von d» Lazarethm persönlich bekamt war». Amiens, 27. März. Bergaagmm Somabmd mpn D war hier Gottesdienst «tt 40 jüdisch« Soldat« au« dm Re» gttumtern 28 und 29; auch einige Civllist« aus dem Fuhren» parke sowie einige Lieferant» war« anwesend. Auch der als ReconvaleSceat im hiesig« Offizier» Lazartthe sich befindende Stab«arzt vr. Döbld» ist Inhaber de« eisern« Krmze«. Ueber», Haupt herrscht darüber um eine Stimme, daß die jüdisch« Soldat« sehr tapfer und tüchtig war«. Die Offiziere sag«: die Kerle geh« d'rauf, nicht »eil, sonde» obgleich sie Judm sind. Dt« erst« Mm«, die betGem Sturme auf St. Quentin tu die Stadt ritt«, war» zwel Ach« au« dem 7. rhetnssch« Manen» Regiment, Herz und Appel, wobei der Rittmeister v. Ost« die Bemerkung «achter nun soll mtt noch Einer sag«, dtt Jnd« fiub' nicht tapfer; wo keiner vorgehm will, da «eldm sich diese frei» »illig. Der Bruder de« obmgmauptm Man» Herz 1» 41. Juf.-Rcgt. nah« am 2. August bei Saarbrück» d« erste» ftauzös. Offizier gefmgm und wurde mtt de« esse«» Kreuz» und später «tt dem Hohmzoller'schm HauSordm deeorttt. FaKb Herr Maler »Pietsch' später seine Erlebuiffe dem deutsch» Publikum zu erzähl» beabsichtigt» so bitte ich denselben, dtt eben, gmaantm Facta nicht zu übersehm! Venn derselbe unbefangm «tt ächtm Färb« dm litrrattschm Griffel führ« will, so birr ich bereit, an« meinem Lagebuch« demselben noch «anch«« tapfer» Soldateustückchm von «ein« GlaubeuSbrüdern mitzuthell«.-