Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 14 (5.4.1871)
- Date
- 1871-04-05
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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tml nicht W'i deffelb«. In unserer Religio«, in aüoi Edlen, Großen und Erhabene« heißt «» Thun, nicht bloß Denk«. Sir müssen zum Opfer stetbereit bleiben. Wer de- Feste- Dauer hindurch die gewohnte Speise nicht entbehre» mag, mit der Matzah sich nicht beAügen kann — sollte der OpfeiWhigkett und Opferfreudigkeit besitzen? Der »Weife* glaubt enicht! Sie lautet nun die Frage de- Verächter-, de- Feindselige«, de- Hochmütigen, also depirn? Sie lautet ganz wie in der Haggadah: »Wasoll euch dieser Formendienst?* Dort lautet nun die Antwort: »Euch und nicht ihm —, so mache ihm die Zähne stumpf und sage: ja wohl mir und nicht dir, wärest du in Egypten gewesen, so wärest du noch nicht erlöst.* Da» läßt sich benutze». Sage zu jenem also: Du rühmst die Fortschritte de- Zeitalter», die hohe Entfaltung der «iffeufchastlichea Erkenutniß, die Entwickelung der Industrie, die Llüth« de» Verkehr-. Jndeffen diese materiellen Fortschritte laffen wir hier au» dem Spiele, denn wenn du auf Dampfe- Flügeln Länder und Meere durcheilst, so bist du darum nicht klüger »och weiser denn deine Vorfahren, die davon nichtgeahnt haben. Aber du rühmst die Fortschritte der geistigen Entwickelung, der Aufklärung, der Gesittung. E» sei! Aber von wem hast du sie denn? Hast du sie audir geschöpft? Von wem, durch wen, venu nicht von un-, oder doch durch un»? In der That, wäre J-rael nicht, »so würdest du noch nicht erlöst sein*; du würdest noch tobte Götzen cmbeten, gleich deinen heidnischen Vorfahren, oder gar nicht verehren und ehren, ewürde dir nichtheilig fein! Sieh doch die Griechen, wie sie nach kurzer Blüthezeit versunken find in Machtlosigkeit, Geistlosigkeit, Sittenlofigkeit, wie sie mit der alten Götterlehre brachen, ihre Weltweisen verlachte», atchtmehr ehrta-Kal» ihren eigenen Bettelstolz auf einstige Größe» und wie sie die Sklaven, Kinderhüter, Lustigmacher ihrer Herren wurden. Sieh die Römer, die mächtigen, prächtigen, stolzen, wie sie im E taube krochen vor ihren Kaisern, ihre Zuchtruthe küßten und st: nach dem Tod« zu Göttern machten, nachdem sie Feuilleton. r Die Schwärmerin. «me Geschichte. Boa Leopold -owpert. (Fortsetzung-) Wochen und Monate warm vergangm. Da» größte »Ereigniß* der »Gaffe*, seit Mmschm gedmkm konnten, war, wmn auch nicht vergessen, doch von der Wucht anderer Thatsachm in dm Hintergrund geschobm wordm. Einer, dm man für sehr reich hielt, konnte seine Schuldm nicht zahl«, weil eia großer Bauquttr in Wim, deffm Gläubiger er war, auch nicht im Stande wäre seine Schuldm zu zahlm; dadurch war die »halbe Gaffe*, die ihre Gelder dnu reichen Manne zur Verwaltung übergebm hatte, in schmerzliche Mitleidenschaft geriffm wordm. Die hattm Verluste wirktm wie eine verheermde Krankheit; kaum da» dritte Hau» war davon verschont geblieben. Seltsamerweffe unterlag die Gemischtwaarenhandlung der Wittwe Veile Damberger der allgemeinm Heimsuchung nicht. Im Gegentheil! Sie hatte jetzt Gelegenhett, ihr gute» Herz zu beweism; sie half, wo sie konnte, und Mancher wurde nur durch ihr Geld in dm Stand gefetzt seine »Zahlunzm* wieder aufzunehmen. Dennoch war e- Belle selbst, die die Leute nicht vergeffm ließ, daß Dorette nicht mehr der »Gaffe* angehörte. Go oft ein Brief von der feram Tochter cuckam, war er da- Gemeingut -liier, die de- Wege» daher kamen. Sie rief die Schulkinder ron der Sttaße zu sich, und ließ sich die Botschaft Dorettm» so lange vorlesm, bisie Sott für Wott und Bnchi» Lebm sie verwtnscht hatten, «ud wie sie ratergt»g»,hne Zncht rad Eitle »nd Ehr«. Daß dn ntcht je»« gleich bist, deS verdankst d» znnächst deiner Rettgtt« die an» de« Jndmthn« den belebmdm «nd erheltnchm Keim trieb, dm erleuchtend« Funk« der Wahrheit genommen. Und wiederum, wen» ihr nicht mehr Bilder anbettt oder verehtt, wen« ihr nicht «ehr vor de« Priester knitt, und wmn «re Könige nicht mehr barfnß tat Büßergewaude seine Gnade anflehm, wen» di» SchetterhrafSnicht mehr flammm (auch für mch!) und Kerker und Fdlttr (auch mch) nicht mehr drohm — wem verdankt ihr «-» wen» nicht dm Jude», die die echte Echttft «nd die echte Au-leg»»g vor der Fälscher Trug geretttt «ud mit ihrem Herzblnt immer wieder erkauft habm? Senn ihr nicht mehr glaubt, In de« ge» weihetm Brote Gott selbst zu genieß«, wem dankt ihr diese Aufklärung, wmn nicht dm Judm, di« mch daungesäuerte Brot zeig«: »Daist ja unser Opferbrot.* »Such und nicht «ir,* spricht der Spötter. Sagt ihm: Du spottest deiner selbst! Die Juden, die alle Leiden, welche Glaubm-wuth, Wahn, Rohheit und Raublust über sie bracht«, fest und furchtlo» getragen habm, die habm dich mit befreit. Wenn d« Toleranz, Glaubm-freiheit, Gewiffm-freihett, Lehrfreiheit (nm von staallicher Freiheit zu schweig«) auch nur de« Ramm nach kennst, wem verdankst du da»? Hittm unsere Vorfahr« nachgegebm, wärm sie abtrünnig gewordm, hätt« sie ihr Pesachfest mit andern Festen vettauscht «nd ihr« Protest gegm Fälschung, Religion-mmgerei und Mmschmbergötterung zurückgezogen, so würde längst alle-, wa» du jetzt gleich unlängnest» al» einzige Wahrheit geltm und die Tiara de-'Prtester- und die Kapp« de» Mönch» würdm längst daletzte Fünkchm de- Lichte» an-gttöscht »nd dm letzt« Hauch der Gewiffm-freihett erstickt habm. »Wa« sckll mch dieser Dienst?' Immer noch die alt» Bräuche, immer noch die alt« Geschicht« —I Spricht der Verächter so, »so mache ihm die Zähn« stumpf*. Sage ihm: Für- Faben für Buchstabm an-wmdig konnte. ' Bluch üb« diese »Schwärmerei* spottttm die Leute. 1 ,J' Ettanai stand in eine« solch« Briefe Folgend«-: »Ich bin wie nn Himmel, geltebteste Mutter, ich kan» Dtt nicht sag«, wie mir ist. Meta Heinrich geht mit «ir rat, alt wäre ich au» lauter sein« Spitz« zusammengesetzt. Denk Dtt! Rmlich hat er eine Diebin, der ein Ander« wenigstenfünf Monate schwere- Gefängniß zuerkaunt hätte, zu einer ganz leicht« Strafe verutthellt. Willst Du «Um, warm»? Well sie Dorothea hieß..... Werther soll auch so etwagetha» Hab«.. .* Ein andere- Mal hieß «- ganz am Schluffe: »Geliebte Mutter! Wir habm mit einander a»-gemacht: er soll Heinrich heißm, wie sttn Bat«. E- U «in so schöner Name! Gefällt er Dtt nicht?' - . Al- Beile diesen-Brief erhiett, überkam sie jme- Gefühl bangender Unruhe, wie edm meist« Müttem in solch« Lag« eigemhümlich ist. Bon diese« Tage an ttat eine beftmtdMd« Schweigsamkett ihre» Wesen» ein; sie sprach nur wenig von de« Glücke ihrer Tochter «nd ebmso wenig gönnte sie ftemd« -tag« die Einsicht in die Botschaft« ihre- Kinde» I Man wollte anch bemerken, daß ihre »Frommheit* von da an eine Att Verzückung anuahm, dtt mau sonst au ihr nicht kanntt; sie war dtt Erst« «ud Letztt unter d« Beterinnen, und oft, wenn dtt Synagoge geschloffm werd« solltt, saß ftt noch da »nd flüstert» Gebetr vor sich hm. dtt eigmttich gar nicht in dtt Tage-ordnnng der Andacht gehörten. »Ich bin «tt «ttne« Sattt »och nicht fertig,' pfttgtt st, zu rufen, wenn der SynagoMittner durch da- Staffel» fetale Schlüssel zn« Aufbrnch mahnte. Denn ihn, der zu« Frühstück eilte» ürgertt dtt »Schwärmerei* Veüe chamberger-. —