Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 13 (29.3.1871)
- Date
- 1871-03-29
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/5369809-5934989-5935462--0671-5370358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
102 und dem Vorsteher -er Arm« »Anstatt Eliot Pollak 1400 fl. zur gemeinschaftlich« Lerchetluug au Arme aut -er tsraeltttsch« Gemeinde und außerdem 1100 fl. für die verschieden« israritti» sch« Wohlthätigkeit«»Anstalt« übergebe«.' Außerdem theilt ma» uut mit, daß der durch seine Wohlthätigkeit bekannte Herr, der sein« Geburtsort Hannover 1866 verließ, aut demselb« Anlaß dem Bürgermeister von Wim 1200 fl., dm christlich« uud jüdisch« Arm« zu Hannover je 500 Lhlr. übermachte und dem von ihm am letztgenannten Orte gegründet« Waifmhause jährlich ein« Zuschuß von 400 Lhlr. zuficherte. Kumäniea. Berla-, 16. März. (Orig.»Corresp. aut de» Hebr. übers.) Et ist bekannt, daß t 7 der rumänischen Constitution von 1866 (eiugegraben auf die Mauern der damall zerstört» Synagoge in Bukarest) dm Judm die Rechte Cingrbcrener entzieht; dagegm blieb un« da« alte Recht, Im Lande zu «ohum uud Gewerbe zu treib«. Auch alt daun Bratiauo d« Judm veckot ia d« Dörfern zu wohn«, blieb« uns noch die Städte off«. Im Jahre 1868 aber bracht« 81 Abgeordnete da« bekannte schändlich« »Projekt' eia, welchet indeffm vor de« Uawillm Europa« und durch die Bemühung« der Alliance J«r. llniv. nicht zur Au-führung gelangte. Dennoch wurde j«e« Prosect d« Städten zur beliebig« Dmchführung übergebm, viele derselb«, in dm« die »Roth«' die Oberhand halt«, erließ« »ach Belieb« höchst feiudselige Verordnung« gegm die Jud«, und jede Primarie hinderte sie auf da« Schändlichste in Äutübung jeglichm Gewerbe«. Di« schwache Hoffnung, die wir auf da« Wohlwollm de« Minister« de« Innern (Ep ureano) setzt«, ließ un« i« Stiche, und mm vernahm« wir zu unserm Entsetz« aut der Hauptstadt, daß 32 Abgeordnete ein neue« »Projekt« eingebracht haben, nach welchem auch tu den Städten kein Jude «o^,« darf ohne schriftliche« Zeugntß von der Primarte, «elche« alljährlich erneuert «erd« muß, und wofür eine beliebig hohe Summe alt Stmer zu mtrichtm ist. Die Primart« soll ferner jrdm Nichtchristm auSweism und al« Bagabuudm behandeln dürfm, ohne daß irgmd Jemand — Minister oder Fürst — ihr dabei entgegmtreten könne. Welch ein traurige« Loo« ist ununglücklich« Judm in Rumänim beschiedm! Wenn nun auch da« Projekt nur eine Unterschrift mehr trägt al« im I. 1868, so ist doch die Stimmung Aller gegm un«, alle Partei« steh« wider un«, und die Minister, an ihrer Spitze Ghika, find gegm un« verschwor«. Niemand führt für un« da» Wort, wm soll« wir um Hilfe angeh«? Wo ist die »Alliance', wo? Jnmittm all dieser Roth und Bedräugniß schöpf« wir neu« Lebm-muth au« dem Schreib« unsere« Glaubm«bruder«, Hem» B. Peixotto» de« neuen amerikanisch« Consul« in unserem Lande, welche« er al« Antwort auf rin von mir und unserer Gemeinde an ihn gerichtete« Begrüßuogtschreibm erlass« hat. Woll« Sie dasselbe Ihr« Lese« mittheilm; wie fie sich über dessm Inhalt freu« werden, so mög« fie ihr Gebet mit dem unsrigen vereinig«, daß der Allmächtige und Allwaltende die gut« edlm Absicht« mit Erfolg krön« möge. E. Tauber, Distrikts» Rabbiner. Da« Schreib« lautet wörtlich: Consnlate of the United States of America for Ronmania. Bukarest, dm 8. März 1871 (5631). Hochgeehrter Rabbi! Ich erhielt Ihr« und der Vertreter Ihrer Gemeinde »arm«, zu großmüthig«, zu gut«, ,u freundlichen, zu fchmeichel- Haft« Gruß de« Willkommen« in diesem Land« — Ihrem Land Rumänim, dmu et ist Ihre«, trotz einer Euch enterbeudeu Constitution und der Gesetze, die Euch zu Paria« zu stempeln such«. Von Herz« danke ich Ihn« für Ihr« Gruß, und bitte Sie glaub«, daß ich nicht da« schönste Laad der Welt, dessm Justttutioam voR Jedermau« geftgpet «erd«, dg» kein» tato schied nach Geburt oder Religio» «acht, ein« Heimath -er Fx«de uud de« Wohlsein« verlass« habe, um hierher, iu die« Ihr zweite« Egypt» ohne bestimmt« Ztveck zu komm«; jmer Zweck ist aber Ihre Befteiung, Ihre Emancipatton, Ihre Erlös»»«. Sie ftag« mich, wa« Sie für mich thun köuum? Ich antworte: Beobachtet die Gesetze, so lauge fie besteh«; fie werdm uur kurze Zeit »och existir«, und bald wird unter de» Segm de« Gotte» J»ra«l» Freihett Such ftuchtm. Geduld, die erhabene Tugmd ist alletu nothweudig, uud Zeit. Gebt mir diese und Eure unterstützende Hand, und unserr Arbett wird nicht vergeblich sein. Jnzwischm mach« Sie mich mit Ihr« besonder« Leid« bekannt, damit mein« Seel« sich mit noch mehr Kraft zum Kampfe, d» ich Jhrrtwegm unternehme, sich um gürte. — Ich könnte mehr sag«, aber Worte find leer. Wir leb« in Thal«, nicht in Wort«! Ich bitte Euch Alle Euch zu er» iuuern, welche stolze Erbschaft un« von Israel gebltebml Seid stolz. Lasset alle Jtraelitm ihre Häupter erheb«, ihre Augm gm Himmel richtm, und al« frei« Mmschm einher» geh«! Kein« Thal soll uns«« rein« Ramm befleck«. Gewahret ihn rein, und lasset ihn immer reiner «erd«. Aufrichtig, ehrlich, tugendhaft, «ohlthätig und verzeihend!' Da« fiud die stark« Waffen, die un« dm Weg zur Freiheft bahn« sollen. Al« tu alter Zeit Israel zum Verderb« verurtheilt war, da gab Gott ein« Mordochai und eine Esther, Israel wurde befteit und erhalt«. Wft feie« jetzt diese« frohe Purim-Fest; in dieser Zeft fiud uusere Herz« dankbar für dt« Erinnerung» der Vergangenheit, «ad verttaumd iu die Gunst der Zukunft. Möge der uächste Jahrettag dieses glücklich« Feste« Euch tu Rumänim dt« Gnade bringe», welch« unser« Vorfahr» zu Thrll wurde. Ich bitte Sie Alle, meine herzlichstm Sympathtm entgegm zu uehmm und zu glaub«, daß ich bin Ihr treuer Bruder Benjamin F. Peixotto. Afrika. Llgier. »Etoile Beige' vom 12. d. Mt«, berichtet über dm ia Algier am 1. März ausgebrochmm Aufstand nach' dem »Moniteur de l'Algörie' wie folgt; Durch die kräftig« Maßregeln, welche die Behördm er» griff« Hab«, Hab« sich die bedauernswerthm Ereignisse de« gestrig« Tage« hmte am 2. nicht wiederhott. Die verschi«»« Truppen-Abtheilung« blieb« die ganz« Nacht unter Waffen und durchstreift« die Stadt nach all« Richtung« Die Ursachen der Bewegung find rein localer Natur. Jeder» mann kennt die schreckliche Gereizthett, die hier von jeher -wisch« Arabern und Judm besteht. Der geringste Borwaud genügt, Conflirte, wie der gestrige einer war, herbeizuführm. Echo» früher kam« kleinlich« Streitigkeit« zwischm Arabern und Israelit« vor, aber der Hauptgrund der Unordnung» scheint auf d« Ereigniff« de« vergaugm« Sonuabmd« zu beruh« Ein ge» borme hattm an diese« Tage Strett wft jüdisch« Handelsleuft» angefang« C» kam zu heftig« Drohung«, und die Haudels» lmte erhob« desweg« Klage. Geste« fand nun die Verküudigung de» llrtheil« statt. Einer von dm Arabem wurde ver» uriheilt Abbitte zu leist«, uud ia diesem Umstande erblickt« die Eiugebormm ein« casns belli. Gegm 3 Uhr stürzt« sich bewaffnete Band« auf die ahnungslos« Jud« und begann« ihre Waarmmagazine in graumhaster Weise zu plündern. Sofort trat« Miliz und Garnison zusammm, uud es begann eine kräftig« Verfolgung der Empörer. Biele Verhaftung« »mdeu unverzüglich vorgmommm und die Urheber der llnord-