Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 13 (29.3.1871)
- Date
- 1871-03-29
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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100 hier nicht in Betracht, den» dieser einjährige Dienst bezeichnet ja nicht hervorragende» Patriotismus. Zwar hat Herr Dr. Ph., nachdem ihm vcn et« paar Dutzend Gemeinden List« etagesendet waren, schon aoSpofannt, daß sich sehr erfreuliche Resultate über KriegStüchtigkett und Patriotismus der Juden ergäbt» — weil au» 3—4 Gemeinden, die 10—30 Familien zählen, unverhältuißmäßig viele Angehörige einberufen worden sind. Thorheit! wer eiabtrufen wird der geht, nad wer tüchtig ist, wird nicht verschont. Da» (tzesammtresultat ändert sich nicht. Auch lagen 1870 die Verhältnisse ganz anders als 1813,, eS gab jetzt der Militärpflichtigen genug. Ebenso ist die Absicht de» Herrn vr. Ph. gar nicht ausführbar. Wer giebt ihm ein Berzeichniß aller Nein« Gemeinden, aller zerstreut Wohnenden? Die großen Gemeinde« können vollständige Listen gar nicht liefern. Biele, die al» Commis «. dgl. au« großen Städten auSmarfchirt find, kann man in diesen nicht in den Liften finden, well sie nicht besteuert waren, andere werde» doppelt gezählt werden, am Aufenthaltsorte und in der Hetmath. Insbesondere aber müffe» die Zähler in Zweifel sein, welche Einberufene sie in Rechnung bringen sollen. E» find noch in den ersten Tagen de» März theil» Rekruten pro 1871, thcllS ganz alte Landwehr. Jahrgänge zum Garnijondimste einberufen worden viele haben 14 Tage »auf der Commission' gearbeitet und sind dann wieder entlasse« worden «. dgl. m. — Gehören diese auch dazu? Oder nur die, welche in Frankreich gewesen find? Die Müitärbehörden allein sind im Stande» di« Catezori» zu sondern; diese werden den Bestand an einem gewiffen Tage als Norm annehmen. WaS versteht unser Ein» davon? Dagegen ist eine genau- und vollständige Liste »über die gefallenen, gestorbenen, verstümmelten und decorirten Juden auch in der größten Gemeinde leicht zu Stand«' zu bringe«. Richtig ist die Ansicht de» Herrn vr. Ph,., daß die Listen nur al» Manuskript gedruckt werden sollten; der genannte Herr X.« Korrespondent hat Sehnlicher empfohlen. « » » Wir fügen nun weitere Notizen in der frühere» Weise und einen Brief deS Herrn vr. Blumensteiu an. Jnowroelaw, 17. März. Der Seronde-Lieutenant der Reserve de» 7. oomm. Jnf.-Rrgt-. Nr. 54, Herr Adolf Levy, Sohn de» hiesigen Kaufmann- Herrn Michael Levy, ist für besondere Auszeichnung beim Sturme des Dorfe« Deaux (im Jura) im Februar, wobei derselbe mit feinem Zuge von 120 Mann davon TurcoS besetzte und thell« verbarricadirte Dorf stürmte und dabei 170 Mann zu Gefangenen machte, im Allerhöchsten Aufträge vom General von Manteuffel mit dem eisernen Kreuze decorirt worden. Lieutenant Levy hat dm Feldzug gegm Oesterreich alS Einjährig-Freiwilliger beim Garde-Füsilier-Regimmt mitgemacht, hat im jetzlzm Kriege mit dem Jnfanterie-Regimmt Nr. 54 an allen Gefecht«, an der Cernirung von Metz, Pari» und speziell bei Champizny und später an dm Gefechten im Jura Thell genommen, ohne auch nur einm Tag außerhalb der Compagnie zu sein. (Osw.Zcg.) In Baden find vier JSraelttm zu LieutmantS ernannt: Grumbacher, Bielefeld und Hermann auS Karlsruhe, Kohn aus Mannheim; der Erstgmannte hat dm Ordm vom Zähringer Löwm 2. Klaffe mit Schwertem, Hermann und Götz in Grab» habm Berdimstiuedaillm erhaltm. (Isr-kchr.) Salomo» Kuttaer au» Fllehne vom 14. Jnf.-R«gmt., gegenwärtig dem Ersatz-Bataillone in Mainz attachtrt, hat am 2. December in der Schlacht bei Champigny und Brie für be» wtesme Tapferkeit da» eiseme Kreuz erhaltm. So meldet der , J-rael it'. Ei« Unteroffizier Kuttner au» Fllehne im 14. Regt, ist aber noch am 29. Novbr. in Stettin gewesen. Ist dieser ein Luderer? Ucber die Thätigkeit de« bei dm großherzogltch heffisch» Truppen all jüdischer Feldgeistlicher wirkend» Hr». Ehr «an» enthält der »JSraelit' einm erst« Bericht. Herr vr. Blumensteiu schreibt an» SmienS, dm 13. März 1871. Soeben Nachmittag« 4 Uhr komme ich von dem Lazarethe, da« in dem hiefigm Museum sich befindet, ««selbst ich die Ehre hatte mtt dm übrig» Geistlich» der beidm christlich« Eonfesfionm Sr. kaiserl. Hoheit dem Kronprinzen vorgesteüt z« «er» den. Die hiesige Commandantnr hatte.im Einverstäudniffe mit de« Ober-Pfarrer Huyffm auSErmznach dieBorstellung der »Geistlichkeit' im Lazareth anbefohlea. Letzterer denachrichtigte «ich hiervon mit der Aufforderung, mich der Vorstellung auznschließm. Rach Abhaltung der Parade besuchte Se. kaiserl. Hoheit in Begleitung de« Präfectm da« Lazareth. Am Eingänge desselben erwartet« wir in Gemeinschaft «st dem gesannntm SanitätS-Persoaale d« hohm Gast. Durch dm Ober-Pfarrer, einen altm biedem Herrn, «urdm sämmttiche Geistliche dem Kronprinzen vorgestellt, worauf dieser ein» jedm nach Heimath, Erlebntff» u. f.«. fmg. Ungefähr 5 Miuutm unterhielt sich dieser in der ltebmSwürdtgstm Weise mtt den ihn empfangend» Person«, bald zu Einzelnen, bald zur Gesammthett sich wendend. Hierauf begleitet« «tt dm Kronprinzm durch die Säle de« Lazareth«. Der Zufall wollte e«, daß derselbe, dm nur flüchttg die Stattonm besuchte nud nur zu weil» mtt dm Verwundeten und Krank« einige Wort« wechselte, an dem Bette eine« krank« jüdisch« Soldat« <Seelig au« vtschoftheim) Halt macht« und sich »ach deffm Befind» erkundigte. Heute vormittag fand auf dem 7 Kilometer von hier mtfemtm Schlachtfeld« Ouerrieux (23. December) eine groß« Rmu« über da» 8. Armee-Eorp« statt, der ich ebenfalls anwohnm konnte, da meine Herr» Lolleg» in ihre« Wag« für mich ein» Platz reservirt hatt». — Geste» früh 7% Uhr hielt ich GotteSdimst ab mtt etwa 50 Man» an« d» Regimentern 69, 29 und 19. Unter der andächttg» Schaar war« drei Ritter de« eifern» Kreuze«: Loui« Wronko an« Herzfeld«; Moritz Wolf au« Mandel, Jul. Ullmann au« Hetgerloch (Hohmzollem). Wir verrichtet» da« Morgmgebet, und nach diesem predigt« ich über Palm 118, 23: »Bon dem Ewig» ist die« gescheh« jc* Fast alle Soldat» warm im Besitz« der Tephülin; die dnrch Ihre Bermtttlung übersandt» Gebetbücher fand» rasch« Absatz. Da unter dm anwesend» Soldaten ein Leidtragmder sich befand und einer, der am folgend» Tage dm TodeStag seine« VaterS beging, so versammelten wir unS Abend« 5*/« Uhr zum Mincha» und Maariw» Gebete; e« waren ungefähr 25 Mann erschienen; auch heute früh 61/, Uhr war deshalb GotteSdimst, und morgm Abend (Dimstag 14.) wird ebmfall« ein solcher ftattfindm, da ein 29er Jahrzeit hat. Der Ort der religiös« Versammlung war derselbe wie vor drei Wochen. An Purim konnte, keine Andacht ftattfindm, obwohl ich eigm» deshalb hierher gekommm war, da mein Brief der Commandantnr zu spät zu Händ« fa», Dm darauffolgenden Sonnabend ließ sich die Sache auch nicht mach» und so blieb mir Nicht» übrig — so ungern ich die« auch that — al« Sonntag GotteSdimst abzuhattm, zumal viele Soldaten weg» der stattzufindmd» Parade in Amien« war«. Bergan,zmm Dimstag empfing mich der Commandtrmde der 3. Reserve-Division, Prinz Albrecht (Sohn). Ich hatte «ich nämlich zu dem Zwecke de« Prinz» vorgestellt, um dmselbm zu veranlaffm, für seine Division einm Frieden«-GotteSdimst anznordnm, da die Auflösung dieser, wie ich hörte, in der nächst« Zett bevorstand. Der Prinz war sehr freundlich und mtt meine» Vorschlag« einverstanden, fall« die durch dm Kaiser oder Kro»- prtnzm abzuhaltmde Rmu« die« utcht verhindem würde. Die Auflösung wurde tndeß «och vor dies» vollzogen. — Für di« Tage vom 26. Februar «S 2. März erhielt ich «eitere IS Thir., fo daß ich also i« Ganz« 182 Thlr. empfang« Hab«; ebenso