Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 13 (29.3.1871)
- Date
- 1871-03-29
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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98 nicht geschrieb,» zn »erd« braschte; aber ein Kind schreibt nicht, drei schreib« — da ist selbst in Privatschalen, »eiche von viel« Joden besticht werden, »nd der« Vorsteher Rücksicht «chm« müßten, schwer zn helfe». Und »ie nn« erst, wenn der Direktor erzählt: Die Matter hat mir gesagt: «eine Tächter soll« nicht schreib« »ad der Later hat mir gesazt: ach» sie können auch schreib«-. Hält mau unt mm entgegen, da- Zudenthmn sei doch nicht gleichbeveutmd mit dies« Sabbatgesetzm — so Hab« wir e« hier nur mit oer Auffassung der Christ«, nicht mit der Berbindltchkett oder Äereihiigung jmer Gesetze zu thmr. W«n ihr Herr« Staat und Gesellschaft «nd die Ansichten der Mehrheit nach «rem Belieben und Gutsiridm gestalt« könntet, dann lieh« sich weiter darübe: red«. Ihr verlangt, Staat »ad Gesellschaft soll« sich um die Religion gar nicht kämme«, soll« zwisch« dem „Bekmnec der jüdisch« Religion" «nd dem „Bürger jüdischer Herkunft' unterscheid«. Ober ihr ändert die Verhältnisse nicht! Man Iiekümmert sich allerdings um die Religion und macht jmm Unterschied nicht! Wenn nun Jndm und Jod«, thum darunter leid«, so ist r< eig«e Schuld, denn ve«ünftize M«sch« müsen die gegebenen Verhältnisse in Rechnung bringen. W«n mim nun noch sag« könnte, daß die Verzichtleistung aus dal jüdische Religioatgesetz» die Nachgiebizkett in all« Fäll«, welche Colltfion« zwisch« diesem und dem bürgerlich« Leb« herbeisührm, die Judenfeindlichkeit entwaffnet hätte! Ober ein Jeder weiß, daß sie nicht dm mindest« Unterschied zwisch« Juden und Ir dm macht, gleichviel wa» sie eflm oder nicht eff«, halt« oder nicht halt«; bleibt ihr doch der getaufte Jude auch noch „der Jute". Noch mehr; hundertfach hat sich gezeigt, daß unsere hestigstm Gegner: Ultramontane, Pietist« und Fmdale von der Senffi-Pilfach'sch« Gattung von dem orthodox« Jude« mtt einem gewiss« Respekt red«, d« geg« die Religion Jndtffermtm abir ans da» Grimmigste Haffen. Wir red« hier natürlich wieder nur von d« Thatsach« de» öffmttich« Leb«»; d» Gtrett zwischen Orthodoxie nnd Reform gedenk« »Ir nicht durch die genanal» Gegner entscheid« zn taff«. Ber Auttzeil der teutsche» Jude« « 9e« »rie-e »»» 1870-1871. Bald nach de« Kneztantbruche veröffentlicht» wir ei« .Aufforderung und Mahnung' (S. 287 v. I.), 1» der »ft unler ander« die Znsammmstellung einer jüdisch« privat« Krieg»« statistik als erforderlich bezeichaetm. ,8» ist/ sagt« «ft, »nicht parttkularistische Ruhmsucht, nicht Neugier, e» ist eine ftaurtge Nothwendigkeit, welch« gebieterisch fordert, daß alle» zusammm« gestellt, zuverlässig und gmau verzeichnet »erde.' Biele unserer Eorrespondmtm Hab« diesem Gedaak« zngestiunnt, ihn Wetter au»zesührt und un» mit Notiz« unterstützt. Desgleichen Hab« ander« Blätter gethan. Nur dft »>. Z. d. 3-' hat abfällig darüber geurtheilt, später jedoch sich ander» besonn« und ebenfall» gelegentlich einschlägige Notiz« gebracht. Dageg« wäre nicht» zu sag«, dmu in solch« rein praftischm Frag« mag mau seine Ansicht ände«. Daß wft wiederum nicht daran denk« konnten, vollständige Angab« in unser« »Krieg» - Nachricht«' zu sammeln, versteht sich ganz von selbst und war »ie unsere Absicht.') Nmerding» ist nun Herr vr. Philippson Wetter vor» gegang«, hat an dft Synaaog«» Gemeind« Circulare «tt der Aufforderung erlaff«, ihm dft Nam« sämmtlicher im Heere dimmder Juden, mir Angabe de» Truppmtheil», zu übersend«, angeblich zu dem Zwecke, auf Grund dieser Ta bell« dft Anstellung jüdischer Feldgeistlichm zu betreiben. Daß er sich dabet so gerirt, al» ob kein Anderer vor ihm daffrlb« gewollt und betrieb«; daß er in seinem Blatte über da» von And«« bereit» Erreichte, *) »lach habe» wir mm M< „«»laich»»HP»»", ft »eit es ftr um* chmUich war, rwtirl; eine „verluftltftt" z» sammeln erta»m« wft gleich als m«m»gl!ch. Feuilleton- Die Schwiirmeriu. «i»e llftschichi«. von Leopold «ompert. (Forts«»»») »Dorette/ klagte sie, ,Du hättest so nicht an mir handeln sollen. Hast Du'» so schlecht bei mft gehabt, daß Du Dich «ezsehnftk Hast Du Dich über etwa» zu beklag«?' »Wft kamst Du so red«, Mutter?' »Und w«nn ich Dir nun nachgebe .. glaubst Du, ich kann e» verantwort« vor Gott unv Deinem todt« Later? Ich werde d« Letten ja nicht unter dft Augm tretm könnm, und sie werdm m t Finge« aus mich weis«, wft auf Eine, die sich untt« geworlwn ist .. «ad sich schwer vergangm hat.' »Ist dmn da» ein Unrecht, w«n ich meiuem Herz« folge?' .Und »sm Du sottgehst von mft, in die Fremde sott .. Du bist wette, wette Meilm von mir gettmnt, ich kann Dich nicht seh«, nicht hör«, und ich soll nicht in jedem Augenblicke wiffev, ob Du nicht etwa» brauchst von mir. Da kan« ich sterb« »nd Niemand ist bet mir. Wo bist Du, wo bin ich? Du darfst vielleicht nicht einmal an mein Grab komm«, und ich bin da allein .. mutterseelmallein .. »Red' nicht so, Mutter! Du wirst leb« «nd Dich an meiuem Glücke erftenm! Ist Dft da» nicht da» Höchste?' »Glück? «a« heißt Glück?' »Da» »«ißt Du nicht? Wenn inan so recht im Herz« zuftiedm «nd selig ist, daß man «tt keiner Kaiserin tausch« möchte.' »Und Do weißt bestimmt... daß Du so glücklich sei» wirst?' »Ja, Mutter!' Der Morg« graute bereit», nnd noch immer halt« Mutter und Tochter sich nicht auözeredet. Vielleicht ruhte da» Kind zum letzt« Male so in ihrem Gchooße, und dann .. dann Wat e» draußen in der namenlos« Fremde alle« Unwetter de» Leb«» prettgegeb«. W«n sie unglücklich war, durste sie zu de« Gotte ihrer Elte« um Erlösung bet«? Stand nicht im Leb« und Tode, hier und drübm eine Scheidewand zwischen ihn«? Wat war dageg« da» Daheim? Sie behftlt dann da» Kind für sich; sie brauchte e» nicht herautschleudern zu laff« au» der altgewohnt« Bahn, die Mmsch« hatten dann über kein« Eingriff in ihre hettigst« Empfindung« zu klag« «nd Alle» blich bei« Alt«, wie et sett unvordenklichen Zett« Satzung und Gebot erheffcht. War da» aber da» Glück, wie r» ihr Kind verstand? Erst al» da» Helle Tagchltcht hereinbrach, - hatten Mutter und Kind d« Etnigung-puntt gesund«, wo sie sich gegenseitig ttafm, ohne i« Voll« und Wünsch« selbst nur um eine» Faden» Brette auseinander zu stehen. »Dorette,' sagte veift, »ich will «ich bezwing« .. Dein Glück ist da» Erste «nd Höchste» und da muß Alle», Alle» davor schweige». Soll« sie rch« wo» sie wollen! Ich will «ich bezwing« .. vielleicht hüft «ft Gott dazu.' Sin Kuß, et« langer, von all« Selkgkett« der Gegenwart und Zukunft getragener Kuß .. und da» arme Weib «tt! der »Gaffe' hatte «in Opfer an»gefproch«, für welche« die Leute um dft vezeichnnng »Schwärmerei' hatten.