Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 12 (22.3.1871)
- Date
- 1871-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Sache der Tongreßpatttt bat Wort geredet. Ei» bedmtende« Symptom; et zeigt, woher der Wind jetzt weht. Nach dem »pester 8lo»»d* steht die Verhandlung über die Petition der Fortschritt «Partei t» baldiger Aussicht, und allem Laschei»« «ach wirb der Beschluß vom 18. März v. I. desavouitt werde», die Herren Deputittm werden «tt einem pater peccari den Sch. Hadath den Krieg erkläre». (Wir wolle» abwartea. Und da«»? — Red.) Wir st,che» demnach jetzt am Vorabend« eine« neuen Sturme«, da die Eongreßgegner nicht so leicht sich da« schon halb zewo»»«»e Terrain entreißen lasten werden. Sie find gar eaergisch« Leute, nicht bloß uns Ungarn allein haben fie e» abgesehen, sie dehne» ihr Wachte,amt auch auf Ei«letthanien au«; kaum vernahmen fie» daß di« dortige Regierung eine jüdisch-theologische Faalltät «tzn errichten beabfichtigt, so veranlaßten fie einen Urgonantenzug . »ach der Kriserstadt, um bittend gegm Errichtung dieser Anstalt einzuschreiten. Zwar geht fie Cisletthanim gar nicht« an, aber fie glauben, wenn dort eine jüdrsch-theologische Lchranstalt gegründet «e:de, so werde e« auch in Ungarn geschehen. Sie haben aber nun einmal eine« instinktiven Haß gegen alle«, wa« Wissenschaft, Bildung u. s. w. heißt-. Rußland. Warschau, 20. Februar. Die Moskauer Blätter berichten von einer interessanten U»tersuchung«sache, die Ende vorigen Monat« vor dem Eriminalgericht in Moskau gegen eine» gewtffen Kitzmann verhandelt wurde und die «inen tiefe« Einblick in da» in Rußland herrschende abscheulich« Verfolgungssystem gegen Aader-zlaubende gewährte. Der Angeklagte ist beschuldigt, von der rusfisch» orthodoxen Kirche zu« Judenthn« übergettete» zu sein, und deshalb durch da« Besetz «tt lebenslänglicher Deportation «ach Sibirien bedroht. Er gtebt di» ihm, fchuldgegebone und durch da« Besetz zum schwersten Verbreche» gestempelt« Eonverfion in Bezug auf die äußere Handlung zu, leugnet fie aber in Bezug auf die innere Besinnung, und fuhrt zu seiner Brtthetdiguug an, daß er von jüdischen Eltern geboren, in seinem ,ästen Lebensjahre aber heimlich und auf gewaltsam« Weste au« dem elterlich« Hause entführt und tu «ine entfernte Soldatensäml« gebracht worden sei, wo man ihn durch Monate lang sortgstetzte körperlich« Mißhandlungen und andere hatte Strafe« gezwuuge» habe, die christliche Tauf« anzuuehme». Er Hab« »och bi« zum letzte» Augenblick, als er schon in Begenwatt de« Geistlichen vor dem Taufbrunnea stand, gegen di« ihm äuget Hane Bemalt jammernd und weinend protestttt, aber auf seinen Protest fei keine Rückficht genommen worden. Er habe deshalb die gewaltsam an ihm vollzogene Taufhandlung zwar dulden wüsten, er Hab« sich aber nie al« Bekenner der ott ho boxen Kirche betrachtet und auch nie an dem chttstlichen Gottesdienst oder an den Sacramenten Thell genommen, sondern sei in seinem Herzen der jüdisch« Religion tteu geblieben und habe tu spätere» Jahren, al» fich ihm die Gelegenheit dazu bot, sich auch wieder offen zu derselben l'ekannt. Die» mtt sichtbarer innerer Rührung abgelegte und durch unverdächtige Beweise der Wahrheit unterstützt« Lekmntniß macht« auf die Richter und auf alle Anwesen» den einen so tiefen und erschütternden Eindruck, daß dem 28jäh» rigen jung« Manne, der ttotz aller Verfolgungen «nd Mißhandlungen seiner religiösen Ueberzeugung tteu geblieben war, von vielen Seiten die innigste Thestnahme kundgegeben wurde, und durch einstimmigen Richterspruch seine gänzliche Freisprechung erfolgte. Dn« mit aller bisherigen RechtSpraxi« und selbst mtt dem Buchstaber de« Gesetze« im Widerspruch stehende freifprechende llttheil hai« Lager der russische» Orthodoxen große Entrüstung »nd Bestürzung Hervorgerufe», ist aber von alle» edeldenkend«» Rüster, und auch von eine» Thell der rusfisch«» Tagespreffe «tt lautem Beifall ausgenommen worden. (vsts-Ztg.) Vermischte und neueste Nachrichten. Leipzig. Fra» «abv. vr. Goldschmidt hielt dies«» Vinter Lotträge über di« Stellung der Frauen in imlturgrschichtlicher Bedeutung. Da« „tdtzag. f. d. 8. d. A." läßt fich über dieselbe» sehr lobend au«. Mainz, 5. März. Bei der vorgestern stattgehabten vahl zu» ersten Reich »tag wurde im ««unten hessisch«» Wahlbezirk unser Blanbensgenoste, der bekanntt Ludwig vamberger von hier, zum Abgeordntten ernannt; er vereinigte auf sich fast 1600 Stimme» mehr al« der chm am nächsten kommende Gegen» Eandidat, Domcapttular Moufang. Da« Ergebniß ist für Herrn Bamberger um so ehrenvoller, da er unter einer zu« größte« Thell katholischen Bevölkerung al« Bewerber anfttat gegenüber einem hochgestellten und al« Lolksredner besonder« beliebten Würdenttäger der Kttche, der von der gesummte» Betstlichkeit empfohlen war. Der Erwählt« bekannt« fich in seiner Eandidaten» rede öffentlich al« Jude, indem er daran die Mahnung schloß, all« vorurtheile der Eonfesfion gegen einander schwinde» zu laste». Keine Stelle de« überaus glänzenden Vortrag« .fand eine günstigere Aufnahme; donnernder Beifall verkündtte di« Heberet»- sttmmuug der nach Tausenden zählende« Versammlung mtt dm Ausführungen de« Redner«. (Im.) (Es find ferner Judm in dm Retchstag gewählt r Lasker, I Wolffon in Hamburg, Sonnemann in Frankfntt a. M.) Prag. Der in d. Bl. schon mehrfach erwähnte hochverdiente Herr Jos. pollak ist am 24. Februar fast 101 Jahr alt gestorbm «nd hat mehrere Anstaltm mit «amhastm Legat», bedacht. Saatz (vöhmm). Herr Rabbiner vr. -rank, de« der , Religions-Unterricht am hiesigen Ober-Bymnafin» obliegt, hat. selnm Einfluß dahin gelteud gemacht, daß Anfang« 2, gegenwättig aber an 1v Bymnafialschüler an dem von ihm in zeitgemäßer Weise ettheiltm Talmud-Unterricht« thellnehm« und» angeregt dnrch Inhalt «nd Form de« Gegenstandes, erfreuliche Fettschtttte mach». Gewiß wird diese« die Dmkkrast schärfend« Studium dm betreffenden Bymnafialschüler» einst, welchem Stand« fie immer angehöreu werde», zu Bute komm». Pest. Einem stattststchm vettcht der ,U. I. G.f entnehmen wir die Notiz, daß da« Pester Rabbtnat i« Jahre 1870 zeha Ehaliza« «nd einundzwanzig Ehescheidungen vorgenommm hat. Warschau. Anfangs März ist eine neue Kleiderordnung für Inden beiderlei Geschlechts pnblicttt worden. 24 tzg bestimmen genau, was als »jüdisch« Kleidung* anznsehm und verpönt ist, was als msfische» polnstche und »deutsche* Tracht erlaubt ist. Di« Dttall» habm mehrere politische Blätter gebracht. Wesentlich find es die alten unter Nikolaus ettaffmm Bestimmungen, doch ist nicht zu verkennen, daß das »me Reseript der Willkür und Rohhett der polizetbeamten vorbeugm will. Das »Dresdener Journ.' bemerkt: »Die Verordnung ist jetzt hervorgesucht worden aus Leranlaffuag einer Willensäußerung des Minister» in St. Petersburg. welcher auf die Erfahrung chtn» weist, die Deutschland und Frankreich in de« jüngst»-Kriege gemacht habm, daß nämlich die Judm jmer Länder von de« gleichen Patriotismus wie die anderen Landeskinder beseelt war«. Diesel wird der Bleichhett zugeschrieben, in der die Judm t» West» Europas äußerlich (i) zu dm übrig» Einwohnern steh», und da« Reseript bezweckt ebenfalls dieselbe Bleichhett. (Also der Rock macht'«?! Wunderbare «oskowitisch« Weisheit! Red.) I» Bezug auf das Verbot des Bartes bet moderner Kleidung ist zu bemerken, daß es i» Jahr« 1851 nicht »nr für Juden, st «der» mehr »och für Ehrtstm galt, da der Bart damals als rin demokrntstches Merkmal rnGtschm wurde." Dir,^krenzztg." setzt