Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 12 (22.3.1871)
- Date
- 1871-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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93 Mete nicht ganz, weil er d« Anschauung« de« Zettgetste« kt«« Rechmmg trägt; thettt wär« die Met« litt solche, der hebräischen Sprache weg«», i» der fie verfaßt, unverständlich; »der sie halte» di« Gebetzett für ungelegen »ad die Dauer de« Gottrsdtmstes, welch» incl. der Predigt über zu«! Stunden be- «spracht, für übermäßig laug«. (I» 'Parenthese wolle» wir bemerken, daß di« Gestaltung de« Wochm-Gottesdieuste« nie eine Cabinetsfrage geworden, und daß mau hier I>ea »tntn» qno ruhig belassen hat, well selbst die extremste Part» da keine Vergewaltigung ««üben mag, wo sie sich darchau« passiv resp. theil- »ahmle« verhält.) Eia wesmtlicher Mißstaud jedoch, dessen Abstellung dm gerechtestm Anspruch auch von couservattver Sette erheb« müßte, ist der, daß unsere her«wachsmde 3ugmd währmd der Svnagogeazeit immer in dm Lehranstalt« zurückgehalt« wird, also « unser« feierlich« Gotte-dimste nicht participirm kann, eine Abaormttät, welche dt« religiöse Zukunft der korunmden Generation«» die auserkoren sind träger unsere« Glaribm« zu werdm, «f« tiefste gefährdet. Während die Schuljugend der christlich« Eoafesfion« von ihr« Lehre« und Directoren mehrmal« wöchentlich zu dm Statt« der Andacht geführt und dort überwacht und «ntrolirt wird, sehen wir e« in unverzeihlich«: Indifferenz mü an, wie sich unsere Söhne und Töchter der Synagoge entfremden. Und bei alledem kann e« ebmsowmig verlangt werden, die Stundenpläne der verschieden« höher» Lehrcmstalt» der Art umzuäude«, daß die Sabbat »Vormittage für die Schüler au«- fall«, wie andererseits ein Diöpen« vom Unterrichte für die jüdisck« Real- oder Gymnasial-Schüler, ohne der« Fortschritte zu hemmen, kaum al« wüuschmswerth erachtet werd« kann. (¥?) i^t.) Lyck, 27. Februar. <Orig.-Corresp.) Ihre Wochmschrtft bracht« schon, öfter Artikel über da« zu gründmde jüd. Wats«- hau« in Ostpreußen und tu Rr. 7 ein« au« Schippmbekl, welch« der Berichtigung bedarf. Rach Schließung seiner Wirksamkett im ffrühltng 1868 hat da« damalige Unterstützung« »Comitö in Echippmbeil in Folge Beschluffe« einer General-Versammlung im August 1868 mtt d« ihm verblieb«« Mtttelu im Bettage vor, 5666 Thl«. ein 8atsm»P«fionat tprovisorisch am 17. September 1868 in Schippenbeil errichtet» aber keineswege« mit der Bestimmung, n»r Kinder, der« Elte« am Typhu« gestorbm, aufzunehmm, denn ich glaub« wohl die Behauptoug aufstellm zu könnm, daß Gott sei Dank ta Ostprmßm kein Jude am Hungertyphu» gestorben ist. Don dem erwähnt« Fond« wurdm 4566 Thlr. bei Rosmbaum in Rösiel deponirt» wo sich solche gegmwärttg »och befind« und zur Errichtung eine« Waismhause« in Schippmbeil wohl »tcht werdm hergegebm werdm. Am 15. November 1868 Hab« sich die beid« Mitglieder de« gmannten Comitö'«' L«y und Brinn in einem Immediatgesuch an Se. Majestät dm F'öittg mit der Bitte um Erthellung der lande-herrlichm Genehmigung zur Errichtung eine« israelitisch« Waismhause» in Schtppendell gewendet, wozu fl« allein nicht befugt warm. Nachdem 1« Mai 1869 der Hülfsvereia für Ostpreuß« de« Comitö 8660 Thlr. zum Zwecke der Verpflegung und Erziehung dnrchau« hülstbedürfttger jüdischer Kinder, welche durch dte Typhu«»Epidemie 1867/68 Waisen geworden sei», bewilligt hatte, wnrd« unterm 17. Juni 1869 von slmmtlichm Comitö» lUttgliederu «ine General-Versammlung aus dm 14. Juli nach < Schippen beü beruf«, welcher u. a. die Beschlußfassung gehörte, r b >«d wo ein Waisenhaus gegründet «erd« sollte. In dieser lgersammlung — zu welcher all« Gemeinden Ostpreußens ein» jiriab« wurdm und auch ich al« Deputirter der hiesig« Ge» inetnd« erschien« war und zu« Vorsitzende«! gewählt umrde — ist beschloss« worden, da« Waisenhaus in Li»ck zu errichten, »veil i» Dchipp»b«il keine höhere Lehranstatt — Gymnasium oder Realschule — Vorhand« ist und e« an eine» aulreichend» Unterrichte im Hebräisch« sowie in der Religion fehlt, endlich die dortige israelitisch« Gemeinde nur vier oder fünf Mitglieder zählt. — Gleichzeitig wurde ein Vorstand von sieb« Mttgltrdern, wovon drei in Lyck ihr« Wohnsitz haben, gewählt, wozu ich auch gehöre. In Folge obig« Beschluffe« habe ich, im Auftrag« des Borstaodes» durch Immediatgesuch an Se. Majestät dm König unterm 23. Juli 1869 die landesherrliche Genehmigung zur Errichtung de« qu. Waismhausein Lyck nachgesucht, auch drinnächst Gesuche an d« Cultusminister und d« Ober-Präsidmtm der Provinz Prmßm gerichtet, d« letztem auch — nachdem wir vom Civil-Cabiaet die Mitthellung zugegangen, daß Se. Excellenz zur Berichterstattung aufgefordert vord« — persönlich um seine Befürwortung gebet«, und ist mir noch kein definitiver Bescheid zugezaagm. Wenn der Einsender de« Artikels in Rr. 7 sagt, daß mein* Gesuch ohne Erfolg bleib« muffe, so weiß ich nicht, »vas ihn dazu berechtigt. Jedmfall« würde sein Gesuch keine Berückfichtigung sind«, wmn die Behörd« die Rr. 14, 34, 38 teS .Hamagid' vom Jahre 1868 lesen könnt«, worin der Herausgeber da« Verfahr« deS Schippmbeiler Comitö'« währmd deffen Thättgkett im Nothjahre 1867/68 unter Anführung von Tatsachen näher bcleuchtet hat. Schließlich bemerke ich noch, daß Herr A. H. Hevmann in Berlin auf mein Gesuch — nachdem ihm 866 Thlr. au« Sa»ct Francisco zur Unterstützung der Nothleidenden in Ostprmß« zugegang« warm — dem Waisenhaus 496 Thlr. übermittelt hat. M. Alexander. Oesterreich. -r*. Wie«, 8. März. (Orig.-Corresp.) Zur Vervollständigung meine« Berichte« über di« Reform-Angelegmheit theile ich Ihn« mtt, daß dem Vorstande eine Petttion von 566 Mitgliedern bez. Tempelbesuche« überreicht wurde, welch« darauf dringt, dm Maunheimer'schm GotteSdimft, wie er ist, zu belast«. An der Spitze steh« die Barone Rothschild» Köaigswarter, TodeSco, Schey, Wtmer u. s. w. Gleichzeitig ist eine Apologie der vorgeschlagmm Reform« von einem angeblich orthodox« Rabbiner Lm Karmi (Psmdonym) erschiene». Sie könnm dmkm, daß Niemand die« Machwerk emstlich als da« Erzmgniß eine« halbwegs religiös Gesinnt« «»sieht. Da die Tage wärmer werden, so ist wohl Aussicht Vorhand«, daß die Predigten wieder beginn«, und es steht zu erwart«, daß endlich auch unsere Prediger, di« bi« jetzt geschwiegm Hab«, off« erklär« «erden» wie sie zu der Sach« steh«. Sie müffen nimltch wiffm, daß hier im Winter der Gottesdimst — einfriert. Sonst ist hier lach dm paar aufgeregt« Wochm schon wilder vollständig der alte Jadiffereattsmu« eingetret« bl. G. Lus Ungar», 12. März. (Orig.-Corrrsp.) Mt dem Tode de« weil. Baron Eötvö« scheint nicht der Congreß zu Grabe getrog« word« zu sei», der n«e Cultusminister inauguiirte feine erste Thättgkett durch Erlaffung eine« Rescripte«, welche« die Distrikts »Präsident« einbcruft. Set» cisletthanischer <College hat auch d« Judm seine erste Thättgkett gewidmet; bekanntlich berief er Vertrauensmänner zur Berathung über die zu errichtende jüdisch-theologisch« Facultät. Sie seh« also, daß unsere Cultusminister die Gleichstellung der Jud« ander« auffass« al« eia gewisser Cultusminister, der d« intelligent ist« Staat vertritt. Meine Mtttheilungm tq meinem letzt« verichte haben sich also bestätigt: da« roa dem Landtag«-Depu1irtm Vahrmann eingereichte Memorandum muß seine Wirkung nicht verfehlt Hab«. Di« Tage«blätter. der Deal-Partei, di« .Reform' und der »Pest« Lloyd', Hab« Umkehr gemacht und tu Lettarttkein der