Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 12 (22.3.1871)
- Date
- 1871-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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92 Darum auf, ihr Glaubmtgrnoff»! Der rechte Lug», blick zum Handeln ist da! Eher heute al« morgen! Roch raucht da« frisch« IHot vou dem roch gefärbt« Bo dm Fraukreich«, »o Ehrist undJude neben einander für da« grmrinfchafRiche Batmland kämpstm! Wie könnte da unsere gemeinsame Mutter «och einen Thell chrer Kinder gegen den ander» zurücksetzm; de« einen seiner Söhne versagen, wa» sie dem ander» mit voll« Händen gewihrt? Laßt un« nur zu ihr muthvoll hiutretea und da« rechte Wort zur rechte» Zeit sprechen, — lieber heute al« morgen! Laßt ua« für die bisher stiefmütterlich behandette jüdische Säule die Rechte fordern, die ihr zustehen »ie jeder wnfessioneüm Schule. Will man die Schulen de« Confessionali«mu« entkeid«, — gut; wen» aber nicht, so verlange» »ir , gerade so v el, wie jeder andere» Coufesfioa gewährt wird. Aber schnell muß geschehm, wa« geschehe» soll! E« ist Gefahr im Verzüge! — Berichte und Corresprmdenzen. Aeutschlaud. Stettin» 15. März. Ja der Provinz Pommern existirt eia Pastor Ouistorp» der al« eia Haupt, oder richtiger al« ein Arm oder Mundstück der pietistischen Partei im Lande bekannt ist und sich durch frommen Eifer und durch rührige Thätigkeit, wo e« für kirchliche Zwecke Geld zu schaffe« gilt, einen Namen gemacht hat. Hat er doch zu diesem Ende sogar in kaufmännische Speculatirnm recht gewagter Natur fich einzulaffen kein Bedenken getragen. Er redigirt auch Blättchen unter wechselnd verschiedenem Titel, gegenwärtig .die deutsche Wacht, ein christlichnationale« Volksblatt'. Dasselbe brachte einen »offenen Brief an Herrn Dr. TrmenfelS', welcher gegen die .Ansprache' in Betteff doS oberkirchearäthliche« Erlasse« polemifirt. Der Re» dacteur und Verfasser hat mir da« Blatt übersendet, da ich sonst von dessen Existenz nicht« erfahren haben würde. E« wäre unnütz, hin den Inhalt de« offenen Briefe« anzugeben, oder ihn zu widerlegen. Nur da« mag immerhin mitgetheilt werden, daß der relatto wichtigste Paffu« de« Artikel« die Behauptung aufstellz^pt werde »in officiellen Acten de« jüdischen Rituals Christus mit den r rrächtlichsten Ausdrücken belegt uud jeder zum Christenthum Ueöertretende in den stärksten Ausdrücken verflucht'. So klein, nun auch der Kreis der Leser jenes Blättchens ist, so schien e« mir doch geboten, jene Behauptungen mit kurzen Worten al» unwahr zu bezeichnen und den Herrn Pastor aufzufordern, den Beweis für dieselben zu erbringen. Schweig« hätte doch leicht al« Eingeständniß auSgelezt werden können. Ob noch weitere« folgt» fttht abzuwart«, für jetzt genügt diese Notiz. N. Berlin, 14. März. (Oriz.-Corresp.) Zu Nr. 10 Ihrer Wochenschrift interessirt Sie vielleicht folgende Notiz. Da« Gedicht ,9 m Jahrestage der Schlacht bei Belle-Alliance', welche« Ihr Einsender sich .irgendwo' abgeschrieben, ist abgedruckt in Riesser'N »Der Jude', periodische Blätter für Religion und GewissenSfreihmt, Land I. Nr. S (6. Juli 1842). Eine Anmerkung daselbst nimmt Bezug auf ein Gesuch der braunschweigisch« Jud«, in welchem e« heißt, .daß eS bekannt sei, das bei Waterloo 55 jüd. Offiziere allein von der pr«ßischm Landvrhr gebliebm find.' An der Richtigkeit dieser ange'"ch« Thatsache habe ich die erheblichsten Zweifel; ich will mich iadeß nach dir Quelle bemühen. Bon desto größerem und jedenfall« direkterem und praktischerem Interesse wäre e« vielleicht, die Theilmihme der Jud« an dem geg«wärttgen Kriege authentisch festzust>Äm. Ich lese Ihre Kriegl^achrtcht« sehr aufmerksam. Aber Sie werdm doch nur Aphoriimm liefe« könnm. Wäre e« möglich, etwa« Vollständige« und Authentische« herzu stell«? (vir »erd« im nächst« Blatte »n« hin»» weiter ««■> lassen. — Die Zahl ,55' kan» nicht richtig ftilch e« wäre am interessant zu ermitteln, woher der Jrrthum entstand« fM> mag. E« be«ht nur auf eine» versehen, tftft bei Atbrnckl jätet Gedicht« der Zweifel an der Richtigkett d» Zahs nicht ttv einer Anmerkung avßgesproch« wurde. Red.) M. Berlin, 16. März. (Orig.^orresp.) So «h« erhalt» ich Ihre Wochmschrist vom gestrig« Datum und' «an» nicht »»- hin, zu dem die Wim er Reformvorschläge besprechend« Brief» auS Ungarn eine charakteristische Parallele zu liefe«. ,Lüge^ werdm die Gebete um Erbauung Jerusalem«, Opfereultu« u. f. un gmannt, und da« ist ja schon hundert Mal gesiegt. Ich will darüber nicht« weiter schreib«. Aber wa« ist nun da«, wa« ich Ihn« erzähl« will? Am vorig« Purtmabenlv besucht« ich die Synagoge in der Oranimburger Ettaße, ich woilte einmal d» Art und Weise de« dorttgm Festgottetdimste» kenn« lern«. Ich war frühe gekomm«, e« begann ebm da» Mtnchagebet und wurde ganz so, wie überall üblich, verrichtet. — di« Haft«» de« Fasttages wurde von Henm vr. Aub vorgetragm. Et, dachte ich, fastet ihr denn? Doch ich sagte mir: die Vorlesung au« Thora »ad Prophet« redet ja nicht vom Fast«. Jetzt wurde .eiagehoben', der Chasan begann tfttf laut, Kedusiha wurde gesung«, dann Me Andacht. Ganz zweckmäßig, Ing und weife, sagte ich mir, da wttd die Frage nach'dem Fasttage Umgang«, todtgeschwieg«; spreche nun tvv, «er gefastet hat» die ander« Überschlag« die Stelle. Aber ich hatte kaum Zeit, mir dies« Gcdankm recht zu verdeuttich«, da ertönt« wieder laut und feierlich de« Cantor« Stimme: .Erhöre ua«, o Gott, erhöre un« au diesem unser« Fasttage!' Und vr. Geiger ist auch da — .an diesem unser» Fasttage' (in vr. G'« Gebetbuch« ist selbst am Bersöhnung-tage t« deutsch« Texte de« Fastens mit keiner Silbe gedacht); die ganze Richtung, der die Letter der * neuen Synagoge, Dr. Aub eingeschloffm» angehören, und Fast« am 13. Adar?! Wenn da« nicht gefltssenüiche, gesuchte Lüge, Hmchelei widerlichster Art ist-Ihr könnt ja so leicht schweig«! Doch jeder Leser «acht seine Bemerkung« darüber selber. — Eül», 7. März. (Orig^Soresp.) Herr Rabb. vr. Schwarz ' hat dem Borstande der hiesig« Synagogm-Gemetade »achstehmde» Promemoria, .die Einführung eine« feierlich« Mittag«» Gottetdimste« an dm Sabbat-Tagen betteffmd,' überreicht: ' Die divergirmdm Ansicht« uud Wünsch« tu Betreff des öffentlich« GotteSdimsteS, zuvörderst an dm Sabbat-Tage», find j so verbreitet, daß die daran« entstand«» Zerklüftung» i» Schooße dm größer« Gemeind« Deutschland« schon sett Jahrzehnten beständig zunehm« und üb« lang od« kurz ein totales * AuSeinandergeyen, wie « leidm schon mehrfach stattgefund«, zu befürcht« ist. Selbst die partiell« odm gänzliche Umgestaltung dm Agende hat ihr« Zweck in kein» Weise erreicht, auf beid« Seit« ist die Unzufriedmhett geblieb«, oft gerade dadurch der Bruch hmbeigeführt wordm. Und doch scheint da« Schibboleth, in Form und Wes« einm neu« Einrichtung, Vorhand« zu sein, da« für tmmer die Trmnung vmhindm» und die Partei« besiiedigm kau», die eine, » well die projectirte Novität nicht im geringst« geg» dt« Satzung verstößt, die andme, weil ihr fast Alle« gebot« wmd« kann, wa« sie vmlangt, und sie durch da« freudige Ergreif« des ihr - Dargeboten« dm Beweis zu lief«» vermag, daß sie in Wahrheit nicht dem Nihilismus huldigt. Zur Sache! Dm Haupt-Gottesdtmst am Sabbat wird im 7 Berhältniß zur Mttgltederzahl 1» dm größm« Gemeind« unr sehr spärlich besucht. Die da« Gottrsh«»« nicht Freqnenttrenc dm wissm — ob mit Recht od« Unrecht, bleib« hi« unaörtat, wir registrttm nur Thal fach« — verschiedene Entschuldigung«. Gründe vorznschütz«. Thetls genüge llnwn der Inhalt tn}