Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 12 (22.3.1871)
- Date
- 1871-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/5369809-5934989-5935461--0659-5370347- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
01 nicht wurflrt ttötu, daß. so »st tfo kurzer Unlans in dieser «ichtrng Versucht »«che, di« ganze tarn Zerrisseahett mb Zerisahrochett der Gegenwart auch uach Auß« hi» au die Oberfläche trat, mb, wie z. B. bet Gelege»heit der letzte« Petition des .jtdisch-theologische» Lereius, gewisse Parteirichtuogen keinen Unstand »ahmm sich öffentlich dagegen zu erklären und selbst Gegenvorstellung»» bet den Behörde» nicht verschmähten. Sollte «» jene» stet« »er»»inenden Geistern nicht schon längst zu« Bewußtsein gekommen sei», daß sie mit solchen Sonderbestrebungm «nd Gegenvorstellungen nur der ganzen jüdischen Sach« schaden, nur in ihr eigene« Ketsch schneiden? Sollten sie »och immer nicht ersahreu haben, daß uni alle uns bisher Schritt für Schritt, eingeräumtm Rechte nicht als Inden, nicht als Bekenner» unsere« Glauben», sondern nur al« Menschen, al» Staatsbürgern gewährt wnrdm? Al» Menschen, al« Staatsbürger, ja da find wir in Preußen heutzutage beinah« emaueipirt; al« Jude», aber schleppen wir «och immer an der alten mittelalterlichen Sklaven» fettr, in unserem Glauben «erde« wir noch fortwährend gekränkt, zurückgesetzt uud mit einer Nichtachtung behandelt, die schlimmer ist al« der offene Haß. Die Zurücksetzung der jüdische» Schule ist uur rin einzelne« Evmptom von einem ganzen gegen unser» Glaube» beobachtet« System, ei» einzelner Ring au« einer groß«, vtelgliedrigm Kettel Und bi« Traurigste ist, daß wir Juden selbst an solch« Zuständm Schuld habm, «eil wir selbst bisher nnr seit« den Muth gefunden, auch für da« Judeuthu« die bisher in Pr«ß« uns versagt« Rechte zu fordern; und wo einzelne schüchterne Stimm« die« dennoch versuchte«, »urd« diese sofort — horribile dietu — von Juden, von Gla«bensg«offm selbst überschrie«» die e« sogar für gut fand«, ihre Stich- und Schlagwürtrr au« der Rüstkammer einer m» fremd« Kirche hervorzuholen uud von hierarchisch« Bestrebung« zu sprechen, hinter jeder für di« jüdische Religion ausgesprochen« Forderung «tu« Rabbiner zu wittern, der vielleicht nicht übel Lust hätte, unter der Aegide de« Staate« sich zu einem?ontif» wnuiwu» hinaufzuschwtng«. Rabbiner und hierarchisch« Bestrebung«! Judenthum «nd hierarchische Gelüste! Ich d«ke, vor solch« Gefpmstem braucht sich auf dem Loden de« Zudenthum« Niemand zu sürcht«! Und wer die« dmnoch etwa sollte» dm hat mau nur «äthig auf jene Länder hinzu» »eis«, di« wie Frankreich, Belgim, Jtalim, Bad« auch unserm Glaub» dieselb« Recht« eingeräumt haben» wie jedem christlich«; könnt« dort etwa hierarchische Gelüste im Boden unserer Religion Wurzel schlag«? Nein! Nun so können wir auch bet un» über selch« Befürchtung« uns hinwegsetz«». Warum soll« wir »«einig sei», wo e« die Ehre und di, Achtung unsere» gemeinschaftlich« Glaubens gilt? Warum sollt« wir selbst msere ärgst« Feinde sein? Möge« wir doch im Innern immerhin über diese oder jme religiöse Einrichtung verschiedener Ausicht fein, — nach Außen hin sollte jeder Partetzwist verstum««, da sollt« «Ir alle wie Ein Mann uns in unserem Gewiss« ängstlich und redlich berathen, welch« tief« Schaden dem Jude», thum selbst ein« solche Zwietracht beizubrtng« geeignet ist. Nach Außm hin müff« wir Alle wie St« Mann zusammmstehen; und wahrlich, wir Hab« e» aöthig! Wir habm genug zu thuu, dm Kampf mtt tmfcra Gegnern durchzufechten! Sie werdm uns zunächst entgegn«, da» freieste Laad auf dieser Erde, Amerika — unsere Gegner bezieh« sich gern ans Amerika, wo ti ihnen «| paßt — habe zwar die Judm ebenfalls emancipirt, ohne daß , dmnoch dort ihr Eultus staatliche Pflege gmießt. Ader das Beispiel paßt nicht, well dort die Idee der Trmnung des Staate« von der Kirche vollständig und gewissmhast durchgeführt ist, und der Staat der christlich« Kirche ebmso wenig wie der Synagoge irgmd ein« Borzug einräumt. — Ein Zweiter wieder wird uns zurufm: »Ihr Juden seid eine verschwtodmde Minderheit in unserem Staat; wie dürft Ihr gerade nach parlamentarischem Rechte, wo die Majorttätm entscheiden, eine Berücksichtigung für Euern Glaub« verlang«?' Ein solcher Einwand muß uns schon von vom herein gewaffnet find«, muß uns zwingm, alle wie Ein Mann für unsere Fordemngm etnzustehm. Dm» es ist zwar wahr, daß wir in Preußm eine verschwindende Minderheit bildm, — aber eine Minderheit von fast 400,000 Seel«. Das Grvßherzogthum Mecklenburg. Schwerin zählte im Jahre 1864, «m« ich recht unterrichtet bin, 552,612, — Mecklmbmg- Strehlitz gar nur 90,060 Seel«; dmkt man etwa daran, diese beiden Mecklmburg und viele andere dmtsche Bundesstaat«, die die Seelenzahl der preußisch« Juden bet Weitem nicht erreich«, so zu majoristrm, daß man einfach über sie hinweg zur Tagesordnung schreitet? Und un» Judm wollte man ganz tobt «ejortstrm?Nein! So lange wir wie Ein Mann Schulter an Schulter in gefchlossmm Gliedern für die Rechte des Judmthums einstrhm, so lang« man an der recht« Stelle weiß, daß hinter dm vittstellem sich ein Massen-Hintergrund von 400,000 Seelen befindtt, so lange wird man sich astz^ unfern gerechten Fordemngm nicht verschließ« könn«. als «an gewöhnltch aunimmt. Du meinst, du hast das geheimste Triebwerk deines Thuu «nd Lass«» ihr« Augm eatzogm, aber wie «tt banuender Kraft mH« sie darauf; es ist, al» ob es wie Off«barung über sie käme, uud plötzlich liegt es da vor ihn«, nnenthüllt »nd in aller Blöße aufgedeckt! Ost gmügt dazu ein einziges Schlagwort. »Sie thut das »ur aus Schwärm erel,' hieß diese» Wort. Wamm haste sie das Kind .Dorette' gmannt? Wamm hatte sie es »erzog« und verhätschelt? Wamm ließ sie Dorette «tue Rolle spiel«, daß kein ehrlicher Junge in b<? Gasse sich an sie heranwagte? Also nur au» »Schwärmerei' für ihr Kind beging sie ein« Schritt, der sett Menschengedeuken unerhört in ihrer Gemeinschaft war. Sie erriethm fast Alles, «nd wußtm doch so wmig, wie es sich eigentlich zugettagm. Da hatte eine Mutter, eine alletnstehmde, auf sich selbst und ihr kräftiges Wollm augewiesme Fra», die kein« Rathgrber zur Sette hatte — in einem Strickbeutel ihrer Tochter ein Briefchm gefnnd», das dort vielleicht vergeffm lag. Als sie H gelesen, hatte sie da» volle Bewußtsein, daß das Ktud, welche» sie mtar chrem Herz« getragen, daß di« Blüth« uud der Dust ihres einsam« Lebens ihr nicht mehr gehörte. Eil hatte sich losgertfl« von che; zauberisch« Klänge hattm es Isinweggelockt und ein Anderer war Herr «nd Gebieter, wo dt« Mutter Alleinbefitzerin sich wähnte. Da» Uralt« und Naturgewaltige — w«n et zum ersten Male an eine Mutter herantrttt, ist noch immer das Nme uud Ungewohnte! In der Nacht saß da» Kind zu ihren Füßm und weinte still vor sich hin. War die schwerste Stunde ihres Leben« bereit» vorüber oder sollt« sie noch kommm? (Fortsetzung folgt.) Zeitgemäße» krausparent-Gedicht. Sa* Imucht dem, b« tat S»sch herum? Ich §!«lb' '» ist ei» Nouststorium, Da» »ist bi»«» t»»«r«a Friede», wir ober r»seu l«U «u» fest Nllesammt von Ost uud west, vom Rartat »nd vom Süden: Da« deutsch« «oifrrthmn sei »er Friede»! «. L