Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 12 (22.3.1871)
- Date
- 1871-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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abend orbritm?' Je würde er geantwortet haben: »Ganz natürlich, wie könnt ihr nur denke», daß ich an solche» Dinge» Anstoß nehmen werte?!' Und ma« hat denn a»ch gar nicht gefragt, »ad da« 3ulxitti«m rst geschädigt worden. Ander« 1, Hob. land, wo mcn a» Smt«stnbe» lesen kann: »Die« Bnrea» ist am Gonnabend geschloffen.' Ander« Crömieux, der, wie wir vor einigen «Locken erzählt haben, den Rabbinern geschrieben hat, daß sie da« Religion-gesehalten, am Gabbat kein Selb annehme», daher den Gottesdienst (behuf« einer Collect« für die Kriegsgefangenen) Freitag« halten sollten. Sr braucht« da« »icht zu sagen, bl* Rabbin« wissen «• ohne sein Circular — er hat offenbar al» Minister öffentlich bekunden wolle», daß er de» Judenthum licht« vergeben wiffen wolle. Ob er für fich daß Gesetz hält, geht Menschen nicht« an. So habe» wir Katholiken gekannt, die al« Staatsdiener unter überwiegend protestantischer Bevölkerung ihrem Katholizitmu« nicht da« Geringste vergaben, obgleich fie im Privatverkehr sich freidenkend über ihre Dogmen und Satzungen äußerte». Aber Juden- («chln» folgt) Briefe jur Schulfrage. gkra Dt. Salomo» G«ldsch«idt, gUUian. (Vchlut.) IV.! Colberg, den 12. Februar 1871. Der Zeitpunkt, an dem wir in geschloffenen Reihen Vorgehen müsse», um an den Stufen de« Throne« und t« Saal« der gesetzgebenden Männer Gerechtigkeit für di« jüdische Schule zu fordern, ist für Niemand ein Geheimniß, der ihn wiffen will, — auch wenn der Herr CultuSminister v. Mühhn nicht so freundlich gewesen wäre, ihn un« ganz genau wiffen z» lassen. Man wird fich erinnern» daß die viel genannte Petttton de« jüdisch-theologischen Verein« vom Cultu«minister mit dem Bemerken abgewiesea wurde, die darin au«gesprochenen Forderungen könnt m nur im «Lege der Gesetzgebung erledigt «erden. Die Stunde ist aber nahe bevorstehend, io welcher di« gesetzgebenden Faktoren de« Staats mit vollem Ernste an ein organische« Schulgesetz werden herantteten müssen, — und in derselben Stund«, in der die« geschieht, müssen auch unsere Stimmen von dem ganzen Lande vernommen werden. De»» wen» auch die stete» Bestrebung« de« jetzige« Chef« «settß LultnSnitntst». rium«, Meiotyn gingen, die freiheitlichen Verheißung« der verfaffuug durch da« Zustandrbringen eine« seine» Verwaltung»- System« so viel al« «nözlich entsprechende» Unterricht«.Gesetze« zu veretteln, bi« heut« an der geschloffene» Phalanx der di« Majorität de« Hause« beherrschenden liberal« Partei« geschettert find: so kann, wa« gestern »och unmöglich war, heute oder «arg« bei der neuen Parteigruppirung im Abgeordnetenhaus» möglich, ja selbst wahrscheinlich werden. (Siehe unfern Lettarttkel i» Nr. 48 v. I. Red.) Wir Hab« vielleicht schon in der nächst« Sitzung«periode de« Landtage« die Einbringung de» alt«, bekannten. vielleicht nur unwesentlich verändertm Unterrichttgesetze« zu erwart«, und mit einig« Zugeständniff« an die klerikale und die conservattv« Partei« könnt« — wenn wir unsere Hände müßig in den Schooß leg« — leicht ei» Gesetz zu Stande komme», da», ganz abgeseh« von d« darin «thaltrn« unangenehm» lleberraschungm für jeden freisinnig d«k«d« Man», über dt« jüdisch« Schule und ihre Forderungen einfach durch vornehme« Stillschweigen zur Lage»ordn««g übergeht. De« muß bei Zette» schon vorgeb«gt werde«. Schon heute ist e« nöthig, daß IW VT *jti, «ackere und gotteSfürchtig« Männer, V3H ma 1VW nax, Männer der Wahrheit und die jeden Gewinn durch persönlich« Nebenabsicht« Haffen» in all« La»de«. l heilen zusammentrrt« und ein« Agitation in« Leb« ruf«, die alle Gemeind« de» Lande« beherrscht. Dann muß ein Central- Comitö au« Fachmännem gebildet werde», da« «ine Petttton mtwirst, welche weder polittsch« Sonderbestredung« fich anschlieht noch halb« Forderung« stellt, sondem einzig und allein auf Grund jÄe« auch immer herrschend« System« Gerechtigkeit für die jüdisch« Schul« fordert, dabet aber da« gesammte Schulwesen zur Bafi« nimmt, die niedrigste Dorfschule eb«so wie dt« höher« Ünterrichtö-Anstaltm in ihr« Gesichtskreis zieht und d« Gegenstand erschöpfmd behandelt. Diese petttton zu unterzeichn«, müßten nicht bloß die Gemeind«ertretu»g«, sondem alle Glaubmögenoffm in Preußen eingelad« werdm — und w.an die rechte Stunde schlägt, müssen wir mit ihr hervortret«. Welcher Jude könnte fich weigem, unter et» solche« Aktmstück seinen Ramm zu setz«, ohne seiner heiligst« Ueberzeugung in'« Gesicht zu schlag«? Welcher Glaubensgenosse könnte bet solche« Kampfe, der für die staatliche Anerk«nung unsere« Glaub«« geführt wird, seine Mithilfe versag«? Frellich kan» hier leider Feuilleton. Die Schwärmer! n- Sioe Grschichte. Boa Leopold tkompert (FoNsetzung.) ES war nicht weit mehr zum Wochmfest, also mittm im Monat Mai. Da verbreitete fich in der .Gaffe' erst leise, dann immer bestimmter austretmd eine Nachricht, die eine ungeheuere Aufregung »«rursachte. Dorette, da« einzige Kind der Wittwe veile Bambiiger, die di« schönste .Gemischtwaarmhandlung' besaß, sollte heirath«, und zwar, so hieß c« Anfang«, ein« Graf« oder Baron. Später stellte e« fich heran«, daß der Bräutigam de« schön« Mädchen« der blonde Secretär vom Krei«gerichte fei. und nun stand e« mit blendender Klarhett vor Aller Augm, wa» feine täglich« Spaziergänge vor der »gemischt« Handlung' zu bedeut« gehabt hatte». Wa« w,rr da geschehen? Dir Lerte stand« mtt hochaufgerichtet« Köpf« vor eine» Geheimnisse, deff« Lösung unter dicht« Schleie« verborg« lag. veile, die fromme Beile Bamberger, die alle Montag »nd Donnerstag mit ihrem dick« Gebetbuch zur Synagoge ging, die kein« Fasttag vorübergehen ließ, ohne fich zu kasteie«, di« ihr ,eig«e« Haar' nicht tmg — fie sollte zugegeben Hab«, daß ihr einzige« Kind fich an ein« Man» wezgab, deff« Ahn« .. .nicht am Berge Sinai' gestand« waren? Eine« Tage« kam« drei gewaltige Ktst« au« Prag, die vor Beile Bamberger« Hause abgeladm wurdm. Sie enthielt« die vollständige Ausstattung Dorettm« — und nun mußte jeder Zweifel verstumm«. Da« Wunderlichste an der Sache aber war, daß mtt der Wittwe so gar keine Veränderung vorgegangen war. Sie zeigt« fich anscheinend so mhig und gelassen, al« ob »icht über ihr Hau« ei« Ereigniß hereingebrochm wäre, welche« »ach der Anficht der Mehrhett in der Gaffe wie ei» schwerer Todesfall bettachtet wurde. Mau verstand fich nicht auf veile Bamberger! Wenn ma» in versteckter Weife auf da« Bevorstehende auspiette, den« off« wagtt man nicht mtt ihr darüber zu sprechm, so l«chtet« ihr« Augm in erhöhtem Glanze auf, und über ihr Antlitz flog ei« Schimmer rosiger Röthe, wie fie nur da« Gefühl ttefinnersten Befriedigtsein« erzeugt. Aber die Mensch» find von Ratm an» feinere veobachter,