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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-03-15 · 11 (15.3.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
11 (15.3.1871)
Date
1871-03-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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86 Mit durch DtvtsionSb^ehl bd Prinz« »lbrrcht (Sohn) besohl»» »wrd«; Graf Lalleyrand-Pörigaud, Adjutant de» Commandant« von ««im», besorgt« da« Betlokal. In Rücksicht ans dm «he bevorfteh«d« Friedentschluß hielt ich dt« predigt über di« Wort« Samuel« I, 7, 12: »Und Samuel nah« «in« Stein — — und nannte seinen Ra«m Eben Hasser und sprach: vt» hierher hat uns der Ewige betgestandeu.' Dt« Mannschaft«, die dem Gotte»di«st« beiwohnt«, gehört« meist«» dem 10. Regt, an, da» au» der provtnz Pos« rekmtirt ist. Auch zwei meiner christlich« College», et« katholischer und ei« «aageltscher Feld« geistlicher der Nordarmee, wohnt« dem Gottesdienste bei. Nach de« Schlüsse der Andacht stellt« sich beide Herr« mir vor und fordert« «ich aus, st« zu besuch«; «b«so bot« mir beide da» von ihn« zur Andacht benutzte Zimmer im hiesig« Museum für mein« religiös» Gebrauch an, zumal ja, wie sie sagt«, keinerlei Bilder sich in dem Raum« befind«. Bon dem evangelischen Geistlich«, Her« Auler (bet Aach« zu Hause), hatte ich hier schon früher RühmmSwerthe» gehört, indem er sich in wohlwollender Weise der jüdisch« verwundet« aunahm, einzelne sogar mtt Geld unterstüpte. Dm jüdisch« Soldat« versprach ich beim Abschiede auf Purim wieder ein« Gottesdimst. Wie sehr da» Bedürfniß nach religiöser Erbauung bei allen Soldaten aller Eonfession*» Vorhand« ist, beweist folgend« Lhatsach«: Al» ich vergang«« Freitag auf dem Bahnhofe in Tergnier d« deutsch« Postzug au» Rheim« erwartete, um mtt diesem «ach Amim» zu reis«, kam« einige christliche Landwehrleute vom 48. Landwlchr-Regtmente (Frankfurt a. O.)» die gerade di« Wach« auf dem Bahnhof« hatt« und mich durch die violette Binde, welch« ich trug, al» Feldgetstlich« erkannt«, an mich heran mtt der Bitte: »Ach, Herr Prediger, wollt« Sie «n» nicht eine Rede halt«; wir habm schon fünf Woch« nicht» von Gotteöwott gehört, unser Pastor hat un» sein« Besuch versproch«, aber er ist noch nicht dazewcsen/ (Ipaiaalwn rerba!) Ich glaubte »ich durch dies« Worte in die Zeit versetzt, von welcher der Hirt« au» Lekoa prophezeiht: »Siehe, Lage kommen, ist der Sp«ch Gotte», de» Herrn, daß ich Hunger sende in da» Land, nicht Hunger nach Brot und nicht Durst nach «Lasier, sondern zu hör« dt« Worte de» Ewig«.' (Amo» 8,11.) Nachdem ich die nach Gotte» Wort gierig« Wehrmänner auf die Unmöglichkeit der Gewährung ihrer Litt« aufmerksam gemacht, da ich ja uur für di« jüdischen Soldat« der I. Arme« acereditirt sei, schied ich von ihn« mit dem Wunsch«: der Bater Moltke möge sie recht bald in di« Hetmath smden und alsdann hoffe ich, daß sie «ach so viel« überstand«« Gefahr« ebmso gottesfürchtig sein mög«, wie in d« gegmwättigm außerordmt« lich« verhältnisim. — Mtt der Mittheilung, daß ich für dt« wette« sieb« Tage de» Waffmstillstandr» (10.—26. Febr.) heute abermal» 28 Th», durch dt« Intendantur auf Rechu^g der Bmeral-Kriegskafle erhalten, will ich eine Bemerkung verbindm, zu der mich Ihr elegischer Leitartikel in Nr. 8 der Wochenschrift veranlaßt. Sie sprechm dort von unserer Zulasiung al» Feldgetstlich« und von der für un» demüthtgmdm Form, in welcher dies« gewähtt wurde. Wett «tfernt, Mühler'scheMaximm vertheidtgm zu wollm, muß ich doch bemerk«, daß alle außeretatsmäßtg angestevtm Feldgeistlichen dieselb« Eompetmz« Hab« — nicht mehr und nicht weniger — wie die jüdisch«. Nur die etatSmäßigm, die in FrtedmSzeüm Garnisons-Prediger find, Hab« Besoldung, Wag« «ad Bedienung. Die außeretatsmäßigm Geistlich«, die bereit» Anstellung haben, erhatt« durch di« Synode ein« Stell- Vertreter, habm auf dem KriegSschauplatze Offiziers-Verpflegung und «üssm sich, ebmso wie wir, ein« Wag« durch die Com« mandautur requirir«, fall» sie eine» solch« bei der Ausübung ihre» Amte» bedürfe«. Nachschrift. Der g«au»te Herr Pfarrer Auler hat mtt für di« jüdischen Soldat« krciür« »nd Zeitung«, erster« der deutsch« Literatur angehörmd, «ttgetheilt. Der Erlaß de« Ober-Kirchenrath» erregt auch hier t» Feld« große Sensatto» und wird von Offizier« und Geistlichen lebhaft besproch» «ad gemißbilligtV Einig« Tage später theilt Herr vr. Blummstetn mit, daß er durch Sttapatzm und dt« Auftegung beim Anblicke so rttler Schwervenvundetm unwohl gewordm war «nd ein« Reise »ach Abbeville zur IS.Divtstou verschieb« mußte. Sounabmd (*TCt t) wollte er in Rouen predig« und Purim wieder in Amten« Gette«- dtmst halt«. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Herr von Senfft-Pilsach, so erzählt die »Trtb/, erschien vor einig« Tag« bei dem Rabbiner 0r. Hildesheimer und wünschte Belehrung darüber, wie «ad wo da» wahre und reine Iudmrhum zu find« sei und ob die» nicht selbst gegm btt Gleichstellung mtt dm Christ« opponir«. Herr Hildesheimer, von dem seltsam« Besuche offmbar überrascht, empfing ihn mtt aller Auszeichnung, belehtte ihn aber zunächst darüber, daß eS «ach auß« bin und bezüglich der Ansprüche an die staatsbürgerlichen Rechte, wtt der pflichtttmm Ausübung staatsbürgerlicher Pflicht« kein« Unterschied unter-den Jud« gebe und daß er über innere Frag« de» Judmthmn» sich nur zu einem Nachweise bereit erklär« könne, daß daS orthodoxe Judmthum mtt dm Anforderung« de» mode«« Leb«» in Politik und Gesellschaft nicht in Wtderspmch steh«. Ob da» vielbelachte Notizbuch de» Her« von Smsst-Pilsach durch da» Collegium mtt Her« vr. H. au Schätz« bereichert wordm — da« muß die nächste Debatte über die Iudmftage im Herrmhause lehr«. Magdeburg, 0. März. (vrig.^korresp.) Der hiesige vorstand hat auf Anttag de» Her« Rabbiner» beschloss«, in Sach« de» oberkttchmräthlichm Erlasse» eine Immediat- Eingabe an dm Kaiser zu richtm. Oesterreich. Lemberg. Der hier erscheinmde »JSraeltt' bringt folgmdm Nekrolog: »Mtt tiefem Schmerze zeigt der gefertigte hiesige israelitische SpitalSrath d« unerwartet eingettetmm Tod seine« ehrmhaftm und thätigftm Mitgliedes, G. Samuely"), T?1 ocnwon "roan Vi ^jnoKD aber Tvno naon rm an. — @« tft Niemandem mehr al» un» bekannt, mit welcher Aufopferung und unermüdlichem Eifer er für die Hebung und Entwickelung de» Spital» thättg war. Sr fchmete kein« Mühe, um dies« Zweck zu erreich«; und außerdem, daß er sich selbst bet der ungünstigst« Witterung täglich um 7 Uhr früh im Spitale einfand, um sich von dem Befind« der Krank« zu überzmg«, überraschte er nicht seit« in der MtttemachtSstuude da» Gpttal, um wahrzunehmm, ob die Krankenwärter ihrer Pflicht nachkämen. — Wtt bewein« in dem theuerm Hingeschiedmm ein« liebevoll« und treu« College«, die ganze Stadt aber eine Zierde ihrer Mitbürger, der mit Edelmuth und Mmschlichkeit seine Bürgerpflicht« zu erfüll« wußte. — rrbv rratro b d7en ndrub to: vrmo’ Mn Skd i'n'STi'jji Lemberg, den 16. Februar 1871. Der israelitische SpitalSrath.- 0. An» Ungar», 8. Febr. (Orig.-Corresp.) Da« Jqtemffe, welches der Berich» in der »Neuzeit* Nr. 4 über dtt Berhaudlungm de« Wimer israelitisch« Porstaude» in der Sitzung vom *) Schwiegervater de» ncUMasntm Gelehrten H. Halberfiavna in Sieütz. («ed.)

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