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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-03-15 · 11 (15.3.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
11 (15.3.1871)
Date
1871-03-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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83 Wir kommen nun zu den höher« Schul«. Bei dies« ist e< «ach Ansicht hervorragender Jurist« (ich nenne nur beispielsweise Herrn Professor Gneist) fast zweifellos, daß sie nach der Verfassung ronfesfionSlo» find. Demnach ist der Religionsunterricht auf ihn« zwar nicht jeder ReligionS-G«ossmschaft überwies«, aber doch wie jede andere Sprach- oder Realwiffenschast in dm Lehrplan ausgenommen und für jedm christlich« Schüler von der unterst« btt zur oberst« Klaffe in seiner stofmwei« aufsteigmdm Entwickelung verpflichtend. Soll nun der konfessionslose Charakter dieser Lehranstalten in Wahrheit durchgeführt werdm, so uuterliegt eS keinem Zweifel, daß auch für dm jüdisch« Schüler dasselbe gefordert werdm kann, waS dem christlich« gebot« ist. Müssm doch alle Schüler dieselbe Summe Schulgeld zahl«, werden doch diese Lehranstalt«, sie mögm Staats- oder Communal-Schulm sein, von all« Bürge« ohne Unterschied d«S GlaubmSbekmntnisseS unterhcltm — warum also auf dm Unterricht der ein« Konfession eine größere Sorgfalt und Aufmerksamkeit verwrndm, als auf den der andern? Man stelle, wo ein Bedürfniß Vorhand« ist, hier ebenso jüdische wie christliche Religionslehrer an, man verpflichte hierzu d« jüdisch« Schüler ebmso wie dm christlichen von der Sexta bi» zur Prima, — oder man streiche jedm Religionsunterricht überhaupt aus dem Lehrplan dieser Schulen, erkläre ihn für facultativ und verweise ihn an die betreffmdm ReligionSgenossmfchastm. Dieser Gegenstand ist bereitin der viel genannt« Petition deS jüdisch-theologisch« BereinS erschöpfend behandelt Word«, nur daß da» aut — aut nicht in seiner ganz« Schärfe hingestellt ist. Ich kann mich demnach hier auf meine kurz« Bemerkung« beschränk« und im Uebrigen auf da» verweis«, wa» in jmem Aktmstücke bereits gesagt ist. Zuletzt bleibt mir «och übrig, einige Worte über dm Lehrplan de» Religionsunterrichts zu sag«. E« versteht sich von selbst, daß dieser ebmso wie der Lehrplan in d« ande« Wissenschaft« von der Staatsbehörde, natürlich unter Zuziehung geeigneter jüdsscher Sachverständiger, wird «tworfm und in fein« Grmz« festgestellt und gmehmigt werdm müssm. — Leicht möglich, daß dann höchst wichtige Principim-Frage», wie z. v. der Unterricht im Hebräisch«, spruchreif und zur Entscheidung gestellt und gebracht werdm; ja, »S wäre nicht unwahrscheinlich. daß die Staatsbehörde erklärt, daß der Unterricht in der hebräisch« Sprache al» integrirender Theil de« jüdischen Religionsunterricht» in d« Lehrplan einer Volksschule auS Mangel an Zeit und au» ande« Gründen gar nicht, und auf dm höher« Lehranstalt« nur höchst begrmzt einzeführt werdm kann. Eine solche Erklärung wäre aber für die Pflege deS hebräisch« Sprachunterricht» in jüdischen Gemeinden keineswegs niederschlagend, weil, wie Herr vr. Buchholz a. a. O. ganz richtig auSgeführt hat, jeder Synazogen-Gemeinde noch überlassen bleibt, ihre bereit» bestehende sogenannte ReligicnSschule in eine hebräische UnterrichtSanjtalt umzuwandeln, und wo solche biS heute nicht Vorhand« find, neue in» Leben zu «fm. In solcher Weise wäre meines Dafürhalten» die Lage der jüdisch« Schule auf'S kräftigste zu heben und daS in ihr tief wurzelnde Uebel zu «tfernen. In meinem nächst« und letzten Briefe komme ich auf die Frage zu sprechm: Wann Hab« wir in dieser Richtung vorzugehm? Nachrichten vom Kriegsschauplätze. Die Mission deS Her« vr. Lew in geht mit dem Friedensschlüsse zu Ende. Ein »EinzugS-Gottesdienst' ist überhaupt nicht gehaltm wordm (wie unsere Leser bereits bemerkt haben werden). ES ist daher natürlich, wenn auch für Her« vr. 8. unerfreulich, daß der General v. Kamecke ihn nicht mit nach Pari» nehm« wollte, weil er ihm dort keine Function anweism konnte. Am "TOT V hat er in Versailles Gottesdienst gehaltm und mit dem Rabbin, Her« Weil, einträchtig zusammen fungirt; dieser predigte vor dem AuShebm französisch, jmer nach Mussaf deutsch. — Im Gegensätze zu dem Benehmm mancher Anderen — »WaS zerbreche ich mir länger den Kopf?' flüsterte er fast unhörbar. »ES geht nicht .. und da steht eS ja geschrieben.' Run war er «higer gewordm. Er nahm ein« Briefbog« von »amtlicher' Größe, bog ihn »halbbrüchig' auseinander, »nd schrieb nun gleichfalls seine Antwort. Aber die Tinte war «och nicht getrocknet, mit der er in demüthigmSchriftzügm seine »RammSfertigung' niedergeschrieben hatte, al» ihn nmerding» die peinlichste llarnhe zu ergreif« schim. Da stand die Antwort auf die amtliche Frage, und da stand seine Unterschrift darunter mit deutlich« Lette« .. soll er sie wieder vernichten? Wieder rauscht« die Blätter d«S riesig« Buche», daS vor ihm auf dem Tische lag; wieder versmkte er sich — und fein Athem stockte dabei, «nd feine bleich« Wange» nahm« dabei ein« Schimmer «»gewohnter Röth« an — in die Geheimnisse der darin aufgespetchertm Schätze. Gleichsam in tieftnnerster Seele erleichtert, fuhr er nach einer Viertelstunde mit den Finge« über dm schwarz« Bart, rückte dam» sein Käppch« zurück «nd trat an da» Fenster, von wo man auf die düstere Synagoge dm Blick hatte. »Ich finde nicht» .. «nd ich »verd« nicht» sinden. Wer soll a»ch daran dmk«, daß einmal so eine Schwärmerin mit einem solch« Auliegm komm« »ottd? Al» »v«n mcm nicht» anderes zu thun hätte, al« auf solche »nüsfig« Frag« Antwott zu geb«! Und ich möchte Dm sehen, der «tt dieser Sache ander» fertig geworden wäre, wie ich..' So kam e» in leise flüsternd« Tön« über die Lipp« de» Rabbiner»; in abgebrochenen Sätze», mühsam «nd qualvoll rang sich seinem bedrückt« Gemüthe die Erlösung ab. Er ging wieder an fein« Tisch und siegelte da» AntwortSschreibm zu.- Da ist im still« Selbstgespräche eines Mensch« ein anklagmdeS, herbes Wort gefall«, daS Ein« angeht, der nicht gegmwärttg ist. Hat daS Wort da«m wmiger Bedmtung, weil e» ungehört verklingt, und weil Trrjmige nicht da ist, gegen dm sich fein« Bitterkeit wmdet, sollte Niemand eS wagen, eS in sich aufzunehmm und für den Femstehmden daS gute Recht der Abwehr auSzuüb«? Wir voll« Deine Geschichte erzählen, arme »Schwärmerin' ... ein Stück uralt«, unauögeweinten Menschenleids, da» nicht sterbm will, weil eS nicht sterben darf, und bi» ihr sie zu End« gelef« habt, ist der geflügelte Bote schon längst mit d« beidm Antwortschreibm auf dem Wege, die au» so verschied«« Häufe« hervorgegangen — da» eine au» der Residmz de» Bischof», daS andere au» der Stube eine» böhmisch« Rabbiner»! Aortfetz-ug folgt.) Line Zriedensfeier ln der Synagoge. (Schluß.) Hannover, Ende Februar 1871. Es ist daher auch nicht mehr zu ermitteln, «er der Verfasser deS Gedichte» rc. gewesen ist. Die Bermuthung de» Her« vr. Shrmberz, daß rt fein Vater, der «eil. Inspektor der Samsonschul« zu Wolfmbüttel, S. M. Ehrmberg, gewesen sei,

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