Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 11 (15.3.1871)
- Date
- 1871-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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82 ist ein Princip, daS Princip der Gewalt, deS erlogenen Schwertrechte», der Satz» daß da» Recht soweit reich«, al» da» Schwert der Gewalt. Diese» ist e», welche» vertilgt werden soll. Wird nicht auch dieser Krieg dazu beigetragen haben, in der Menschheit die Sehnsucht nach dauerndem Friede» zu befördern? Mag man bei unfern bisherige» KriegSfeindm ucch viel von der zukünftigere Rache reden, wir urtheilen darüber milde, denn, wie untere stöessm in humanster Gesinnung sagen 1» »man soll Niemand wegen der Worte, die er in seinem Schmerze au»stößt, hart tadeln'. Aber dieselben Weisen sagen auch: der Name Gotte» ist nicht vollendet, bi» da» Andenken AmalekZ auSgelöfcht ist. So lange wir noch Bettage vor einem Kriege und Friedensfeier nach demselben abwechselnd begehen, so lange ist e» nicht der Name Gotte», der die Völker regiert, in dem sie wandeln. In der Welt, in der wir leben, da sprechen wir wechselnd von dem »gerechten Richter' und von dem »Güttgen, Gute» erweisen, bat* und »preisen ihn für das Böse, wie für da» Gute'. — Dereinst wird Alles seine Güte erkennen—). Dann wird der »Name Gotte» Friede' sein. Briefe zur Achulfrage. Bo» Dr. Salomo» Soldschmidt, Rabbiner. III. (Schloß.) Colberg, den 3. Februar 1871. Mit der bloße» Anerkennung und Einrichtung auch der jüdischen confessionellen Volks- resp. Simultan-Schule ist die Sache je roch bei Wettem noch nicht erledigt. Zu einer Schule gehört uicht bloß eine gute Organisation und eine bestimmte Anzahl von Schülern, — vor allen Dingen sind auch ordenttich und tüchig zu ihrem Berufe vorbereüete Lehrer nöthig, und wie «) r« bo CBTO DT» r» —l) P^ach. 50. t» -w» wn rran rnn» ba t* e» bei un« damit bestellt ist, hat mein erster Brief in kurzen Strichen gezeichnet. Nicht al» ob di« geprüften Lehrer in ihre« profan« Wiffm hinter ihr« chrtstl. Kollegen zurückstehm; — im Gegenthell! «an kam bei dem Lehröftaude unserer GlaubenSgenoffm vielleicht durchfchnMich etnm höheren WiffmSgrad Nachweisen, weil die Candchaten in der Regel ihr ganze» Wiffm nicht einzig unb allein dem sie vorbereitendm Lehrerseminar verdanken, sondern meist vorher »och eine höhere Lehranstalt bi» zu einer Mittelklafle besucht haken. Aber die Borbereitung im religiös« Wiffm ist fast durchgehend» lückmhaft und ungmügmd, und der Grund hierfür liegt wiederum in dem Umstande, daß die StaatSregierung bet der-Prüftmg de» jüdischen Lehrer» wohl in dm profan« Lehrgegmstäudm «ine ge» wiffe Summe de» Wiffm» fordert, um die ReligionSwiffmfchast aber sich gar nicht kümmert. Diesem Haupt-Uebelstande muß N zunächst ein End« gemacht und so Abhilfe geschafft «erden. Bon Seitm de» Staate» müffm jüdisch« Organe in» Lebm gerusm werdm, vor dmm der jüdische Lehrer-Aspirant auch über sein Religion»-Wiffm Rechenschaft abzulegm hat. Der Staat hat nicht einmal nöthig, solche Schöpfung« nm zu gründm; er braucht bloß die in gewisser Anzahl in Preußen bereit» bestehenden Lehrerseminarim anzuerkmnm und sie mit allm dm Recht« auszustattm, die ihre christlich« Schwesteranstaltm bereit» besitz«. Für LehramtS-Caadidatm, die vorziehm eia christliche- Lehrer-Seminar zu besuchm und dort zur Lehrerprüftmg zugelassm zu werdm, wird die gesetzliche Bestimmmg ausreichend sein, nach welcher sie vorher der PrüfungS-Commission ein Zeugniß über eine bereit» vor der dazu bestimmtm Behörde bestandene Religionsprüfung vorzulegm hätten. DaS Urtheil über ihr Wiffm in dm Gegmständm der ReligionSwiffmschaftm wird dann stet», wie bei den christlich« Caudidatm, in da» «n officio zu ertheilende Reife-Zmgniß.nebm dm UttheÜm über die anderm Fächer zu vermerk« und gleichzettig die gesetzliche Bestimmung zu tteffm sein, daß nur in solcher Wesse geprüfte Männer an öffentlich« BolkSschulm al» Religion»- oder Schullehrer an-! gestellt werdm und wirk« dürfm. Feuilleton. Die Schwärmerin. Lme Seschichte. Bon Leopold »ompert. Der Kirchmfürst stand in einer der hohm Fmstemifchm seines ArieitSzimmer», in den Händm ein Papier haltmd, woran ein groß,» amtliche« Siegel zu fehm war, und la» gar eifrig darin. Ist e» nicht sonderbar, daß man von einem eisigm Lächeln sprechm darf? Draußm glitzert ftöhlicher Sonnmschein um die seinstm Spitz« und Thürmchm der Eathedrale, und hat sogar seine Botm hereingesandt, um das violette Käppchm auf dem weißen Haupte de» hohm Geistlich« zu vergolden. Warum feine Lippm allein unberührt zu sagm schimm: Wa» geht da» un» an? Daß da draußm die feinstm Spitzchm und Thürmchm leuchten und funkeln .. sollte e« vielleicht ander» sein? Sind sie nicht da, um hoch obm über dem Qualm der Mmschheit dm Triumph unserer Sache zu verkündm? dm mdlichm Sieg? Bi» dahin haben wir da» Lachm verlernt! . Dmm trat er raschm Schritte« zu einem Tische, an welchem ein jungir Mann in schwarzem Habit saß. Er warf ihm da» amtlich: Schreib« mit einer fast ungeduldig« Geberde hin. »Schreiben Sie kurz und bündig die Antwort/ gebot er. »Wrlche Antwort?' ftagte demüthig der junge Geistliche. ,8<m Eie .. und sie wird Ihn« von selbst in die Feder fließen.' An demselben Tage, vielleicht um die nämlich« Stunde, saß ein anderer Mann in einer von Bücher« und Tabakdunst gefüllt« Stube und hielt gletchfall» ein mit einem groß« Siegel versehene» Schreibm in dm Händm. Auf dem Tssche vor ihm lag ein riesiger Foliant, so groß und gewaltig, daß man fast nicht begreifm konnte, wa» die kraus« Buchstabm alle» enthalt« könnt«. War da» Antlitz de» noch jung« Manne» darum so frühzeittg .. blaß gewordm? Von der Stube au» konnte «an dm Blick auf ein« düster« Hof werfm, und auf ein alte« Gebäude, da» hoch ob« an seinem Giebel zwei ineinander verschluagme Dreiecke zeigte, wie sie gewöhnlich an dm Synagogm zu sehm find. Da» ist der »Schild David'»', da» uralt heilige Wappen, und auch über ihm lag Sonnenschein, daß er lmchtete und funkelte, al» wäre er au» blankem Erze. Der Mann la» aber geraume Zeit in dem Schreiben. Seine Stime hatte sich in Faltm gelegt, da» schwarze Käppchm auf seinem Kopfe worein dem Zustande äußerster Rathlofigkeit. Bald sprang er auf, ging heftig« Schritte« in der Stube umher, bald setzte er sich wieder an den Tisch, worauf der riesige Foliant lag. »Eine herbe Frage!' murmelte er, indem er sich habet dm Bart kraute, wie soll ich mtt ihr fettig werdm?' Dann schim ihn ein trefflicher Gedanke zu durchblitz«. Mit einer hastigm Geberde schlug er da» vor ihm liegmd« Luch um einige Llattseitm zurück,.und die Blätter rauscht« dabei, al» wäre ein Windstoß in sie gekommm. Endlich hatte er gesund«, wa» er suchte. Sei» Athem stockt-, währmd er la», da» schwarze Käppchm war dabtt unbemerkt seinem Haupte entglitten.