Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 11 (15.3.1871)
- Date
- 1871-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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r-yv N£ lt- 1871* r. Aahrgaug. Wochrrt-Schrifl für die religiöse« u«d socialen Interesse« des Judenthums. »rlchei« 1»«, Vitt» och. ftt\M vterteljs-iltch 90 CUinfctf^mf*J Ml kRÜptUiat Petitzeil« «kn Uta Ratm IV. «gt. SnosttwriliAn Itibatus. asb trraalgrin Rabbiner Dr. Z. IreMAfeks in Stettin. Breslau, 15. März 1871. Zu bezithm dunall« Vuchhaudluugr» und Pafiaaftalteu. hi Mi Vchlmersschen Buchhandlung (H. B kutsch) tu Brei lau. Anhalt. Kettend« Artikel r Alte» «ad Ne»rste». «riese ,ur «chalsrage. HI. Vachrtchtm »«« »rte^schanplatze. Aeutlleto». Dir Och»sr««ria. «tu» Fkiede»«f»t»r tu brr «hnagoge. («chlu».) Vertcht« »ud «omespo»de»,e»: »rutschlaud: Berka. Magdeburg. Oeßerrelchi inuberg. «ul Uugarn. <u» Ungarn. Frankreich: Pari«. Vermischte und neueste Vachrtchteu: veruburg. Brüssel. London. Ktteratardertcht. Erkltruug. Vaeauzeu-Astr. Inserate. Altes und Neuester. r -pn pm rron m« nrm orrrr'? Der Zwischenfall, welcher uns in de» beide« vorige« Leit« artikeln beschäftigt hat, ist abgethaa und dmch den Helle» Friedensjubel vollends in de» Hintergrund gedrängt. Immerhin ist es jedoch bemerkeulwerth, wie fast alljährlich um die Zeit der Purimfestes, bald hier, bald dort, Ausbrüche des Jndenhaffrs, einmal 1« Worten, et» andermal in Thal»», zu Tage komme» und uns an all» Acht» - nnd^Mchchtcht» erinnn Amalek gethan l' Man schreibt «ns ans B., daß Herr 0r. 9 auch in diese« Jahre wieder ein« Eontrovers-Predigt gegen de» Sabbat Sachor gehalten und di« Blitz« der Satyr« und den Donner des Zornes gegen da» Auffrischen alter Erinnerungen losgelaffm hat. D« lieber Bott! vir Alle möchten herzlich gm» »ergessen und Amalek endlich definitiv begraben sei« lassen, wenn man uns nur vergessen ließe! I» diesem Jahr« hieß der vertrcher von »Amalek, Haman Nachfolger &6o.* — Hegel; wer nicht gar zu kurzen Gedächtnisses ist, weiß eine ganze Reihe von Name» zu nennen, die in de« Jahren, welch« er durchlebt hat, di« ftaglich« Firma geführt haben. Aber die Achten find doch durch die Gnade Gottes besser geworden. Wir stehe» nicht . «ehr wehr« und hilflos da, auch nicht verlassen von alle» unsren Mitmensch«; »vir reden frch und stade« Anklang, und es bestätigt sich das alt« Purimvort: BIN ‘pBTUl »e» wandelt sich 1« das Gegentheil, die Jude« werden ihrer Widersacher $trr'; wir haben in dem neuesten Streite nicht nur die Lacher, sondern all« ernftea Freunde des Lichtes, de» Rechte«, des Frieden- und der Wahrheit auf unserer Sette gesehen. Wir schrchbe» darum unfm» Artikel »nach dem Feste', denn wir wolle» nicht allgemeine Betrachtung geben, Predigt, die auf Jahre in Lörrach gehalten «erd« kann. Wer vermag Ereignisse vorher zu bestimmen? Selbst längst und ficher Erwartete» läßt noch den Zeitpunkt des Eintretens fraglich. Kurz vor dem Eingänge des Sabbat Sachor war die lang ersehnte Kunde von de« Abschlüsse der Friedens-Berhandlungen endllch in verbürgtester Form überall «^getroffen. Noch einmal öffnete« dt« Geschütze ihr« Mund, aber diesmal um »Frieden, Frieden!' in das Land zu rufe«. Sp schien es dem Herausgeber d.Bl. naheliegend (und es mag,« manchem Orte so geschehe» sei»), gleich am Schluffe des Freitag-Abend-GotteSdimsteS eine gleichsam provisorische Friedmsseier abzuhalte». Sachor, Purim, Friedensfeier — sehr disparat« Motive — doch nur scheinbar. Den Juden war einst in diesen Tagen »Licht und Freude und Wonne und Glanz* geworden; so hieß es nunmehr bei allen Deusschen, ja bei de« lheilnehmende« Herzen in allen Ländern, die längst ei« Ende de» Schlachten» herbeigesehnt hatten, ja selbst dt« bisherigen Kriegsfetnde müssen an der Freud« tbeilgmommm habe«, mochte der Mund sich noch so sehr sträube., die» zu bekenne». Aber die Beziehungen zwischen de» atten und dm neuestm »Ged«k. Mi Dir^ Begebe»heiten liegen tiefer als in einem zufälligen Zusammmtteffm von Tagm und Stunde». Würdm wir nicht gem auf SiegeSfreude und FrledmSfeter verzichtm, wenn der Friede gar nicht gestört worden wäre, könnm wir di« Sttöme theuerm Blutes vrrgessm, durch welche Siez und Friedm errungen werden mußt«? Aber auch unsere Vorfahrm mußtm die Purimfteud« der Erlösung durch' lange bange», Todesangst erkaufen. Ein übermüthiger, gottvergeffmer Monarch und sein ränkevoller Minister hattm böse Anschläge gefaßt, eS galt herzufallm über Schuld- und Ahnungslose, Verderben in friedliche Hüttm zu bringm, rohe Hordm, beutelustige und mordgierige, loszulassm gegm Mmschm, die ruhig ihrem bürzerlichm Gewerbe nachgehm welltm. Gott aber hielt Wacht »in jener Nacht', er richtet die Welt in Gerechtigkeit. Und mag die Geschichte des purtmfesteS mit der de« ebm bce.idetm Krieges nur di« flüchtigste, oberflächlichste Sehnlichkeit habm, die Lehre bleibt dieselbe. Dmn der Kem jmer alten Geschichte liegt in den Wortm: MN "perui »es ist daS Gegmtheil von dem ge« schehm, waS di» Mmschm geplant hatim' und in dem Satze »es kommt sein böser Anschlag auf sein Haupt'. Ist nicht in de» neuestm Begebmheitm ganz dasselbe geschehm? Der Sabbat Sachor erinnert aber an Begebmheitm, die noch älter sin.) als da» drittehalb-taufendjährige Purimfest: an Amalek, der da »überfiel ruhig ihres Wege» Ziehende und jich nicht vor Gott fürchtete'; dämm »soll sein Name und Andmken auSgelöscht werden'. Der Name de» großm SchlachtmkaiserS war e», der mit seinem Glanze also die Welt geblendet hatte, daß dieser Glanz die nunmehr bloßgelegte Armseligkeit deS Erbm jene- Namens gedeckt und ihn zu einer Geißel zweier Völker gemacht hatte. Dieses NammS Glanz ist nun ausgelöscht, man wird seiner nimmer gedenkm ohne zugleich erinnert zu werdm an noch nie erhörtm Schimpf; beladm ist er mit dem Fluche zweier Nationm, ja der Mmschhett »auf ewig'. Doch Amalek ist keine Person, er