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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-03-08 · 10 (8.3.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
10 (8.3.1871)
Date
1871-03-08
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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77 «Mfcntof«M^l m§m Savdfug fcrfM Daarttet* tf» iM bub« fft ka SdMMnft Da ge—iwtiwt, «i» Major, wollte »tr durchaus die hiesige Kirche oetroyir», uud wa mHw wiederholt» Hinweisung, «ft M«if bell« Seit» nifcfcfaau ErStternng» Hervorruf«« »febe, sowie nräu Bereit. »Nlgklt, mit jedem anbei», wa» auch beschttdeu» Raume fürlieb zu nehm», ließ cha davou «bsteha. Ein ziemlich große«, günstig gelegeue« Zimmer war bald gefunden und da Gottesdtarst tu Rücksicht auf die bi« 1»/, Meile» entfernt liegenden Mannschaft« auf halb S Uhr anbefohl«. Ich selbst erhielt Onartier uud Lapflegnng, d. h. Kaffee, Brot und Cigarren; da« Fleisch hatte ich di« Ordonnanz angewiesen zu behalten uud hatte so da« erste Mal wirkliche» Nutze« von da Mundportio». Hatte Früh waren üba 80 Mau», daruuta einige Einjährige und viele Deeoritte— deren Name» ich aba leida nicht notiren kouute — versammelt. Sie gehörte», so wett ich'» gesehen, den Regimentern 10, 22, 38, 51, 62, den Jägern, dem Sanität»- Detachement und da Artillerie an. Ich sprach üba O^fW — daß chre Hingebung, ihr Math de» »halben Schekel' dem Bata» lande gezahlt und daß so deutlich geworden, wieda Mensch nicht vom Brote allein leb«, sonder» Ideale erstrebe. Hier Baterlaud, für da« sie da» Leben eingesetzt, dort die Religion, da sie ihr chnen ne» geschenkte« Leb« weihen sollt« — da« ist da halbe Schekel, den Gott fordere. 8eita schreibt vr. L. üba da« unwürdige Benehmm eine« jüdisch» Geschäftsmannes, doch woll« wir die Geschichte nicht veröffentlich«. Am verwichen« Sabbath, dm 25., hat « wieda in Lersaille« Gottesdienst gehalt«; in da Woche war weg« beständiga Dislokationen diesmal nicht« z» vamtstalt«. 8r erzählt darüba: Ich hatte die hia ihr» Stab habmde 22. Division aufgefordert, die jüdisch« Mannschaft» dazu zn beurlaub», was auch 1» so ausgedehnte« Maße geschehen, daß sogar/ wie mir «in Mau» vom 05. Regiment erzählte, a heute direkt von Borpost« abgelöst worb» ist. Auf d» mir knudgegebenen Wunsch da Jud« bei da 21. Division, anch an eine» Sabbat-Gottesdienste Theil zu nehmen, ersuchte ich dieselbe, wenigst«» dm 1» da Nähe von Lersaille« Cantounttmdm die Lheilnahme zu alanden. Mir ward dr. m. der Bescheid, »daß, sowett e« da Dienst erlaubt, di« Beurlaubung da qn. Mannschaft» stattfindm wirb' gez. Prinz zn Psenburg, Prem.»8ient. und Division» - Adjutant.' So war dm» die Keine Synagoge bi« in dm Flnr hinan« gefüllt. Die genaue Zahl vermag ich nicht «mzngebea, doch waren alle Lrnppmthelle vatretm, besonder« stark die Regiment« 80, 82, 83, 87 — weniger von 32 «ab 95 (wenige Bahetrathete!). E» wurde, «»ich gewöhnlich, vom Rabbi» gebetet und «ach Schluß de« Gottesdienste« sprach ich üba Jes. 51» 4—6, im Anschluß an rem. Mincha betet« wir gegm 1 Uhr, wobei ei« Soldat (Soanenbaga au« Fraukfnrt a. M) Borbeta uud Borlesa war. Anch zu 3H5D warm die Soldat« stark vertreten. Daß unsere Mission ein Auflckm de« religiös« Geiste« bewirkt, «oll« Biele an dem HLufigerwerd« de« Tischgebete« j«N2 bemerk». Bon heute an ist mir «ach viel« Schreiberei« statt da »Mnudportiou' von da Commaodautur eine tägliche Bagütignng von 6 Krane« gleich dm Offizia« zugebilligt worden. Berichte und Correspondenzm. Deutschümd. J. Berlin, 24. Fdr. Da Protest, dm der Vorstand der jüdische» Gemeinde in Berlin geg« dm Erlaß de« Obrr-Kirchenrath« gerichtet hat, ist innerhalb da Gemeinde auf lebhaft« WLafpruch gestoßen. Man kam üba die Legitimation de« Vorstand«-, überhaupt hia da« Wort zu ergreif«, recht»; jedenfalls wäre et gebot» gewesen, d» Protest nicht an d» Oba-Kirchenrath» sonda» a» d» Riuista zu richten. Taktvoll wäre e» fern« gewejm einfach zu eonstattreu, daß seiten« eina kirchlich« Behörde durch jm« Erlaß nicht Eintracht und Duldung, sonda» da« Gegentheil gesäet und Etwa« uuternommm worden, wa« — Privatperson» in Kollision mit de« Sttafgesetzbuch bringt. Wa» darüba war, war vom Hebel, und da versuch dm evangelisch« Oba-Kirchenrath darüb« zu belehr«, wa« ein recht« und wa« ei» falst^r Jünger Jesu Christi sei, seiten« de« Borftande» einer jüdischen Gemeinde, bleibt, gelinde gesagt, eine Naivetät, die ihresgleichen sucht. Da oberkirchmräthliche Erlaß ist ein so markante« Zeichm für Alle«, wa» hinter uns in wesmlojem Scheine bleib» muß, daß nicht einmal jener uugeschickteProtestimStande ist seine Wirkung abzuschwächen. So schreibt die »Tribüne', ein Blatt, da» sonst nicht seit« die Pattei de« Baldur Borstande« «griff« hat. Wtt füg« Nicht« hinzu, weil wir zu viel hiuzuznfügm hätte». (Hiagegm ist jedoch zu eoastatirm, daß in dm Balina Blättern ei» vom 25. Februar datirtrr »Dank und Anakmuuug dem Vorstand« da jüdische« Gemeinde' überschriebma offen« Brief abgedruckt ist. E« heißt in demselb«: »Wir, die Unterzeichnet«, wenden uns, wie gewiß da überwiegend größte Theil unsera christlich» Mitbürger, von jma »Bekanntmachung' ihrem ganz« Inhalte »ach mit eine« kam» »äha zu bezeichnend« Gefühle ab. Wir versichern de« geehttm Vorstände, dessen Glaubensgenossen unsera Bürgerschaft jedazett in all« Werk« da Lüde und da Humanität eia hell and wett leuchtende» Beispiel geben, daß daselbe unta all« Um» ständm die in seinem so würdig» Proteste ausgesprochene üeberzeugung festhattm darf: »daß chre christlich« Mitbürga» wett entfernt, die gehässige! »Besinnung, welche da Erlaß bloßlegt, zu theil» uud zu »billig«, im Geg«theil dieselbe entschied« von sich weifen.' llnterzeichutt von.KochHann, Stadtverordnetm-Borsteh« nnd viel« weitbekannt« Mitglied«» de« Bettina Magistritt» und Stadtvcrordnttm-Collegium». Red. d. Jsr. Woch.) Au« Lltoa, 27. Februar, «hielt« wir nachstehende« .Schreib«: Geehrt« Herr! Ihrem Protest geg« dm Oba-Kirchenrath in Bali» schließ« sich Legion« Ihr« christlich« Mttbürg« an. — Lei dem viel« Groß« und Erhaben« in da vaterländisch« Geschichte muß da deutsche Pattiot doch auch oft betrübt die Sag« Niederschlag», besonder« weuu « von d« Himmel, schreiende», alle« Blut in d« Ada» erstarrend« Jud «-Verfolgung« de« Mittelalter« die viele», viel« unglaublich klingend« und dennoch vollkomm« beglaubigt« und historisch traun Schilderungen liest. Was Schill« fühl« mochte, als « die Worte „Da fite» ich «ns MriwuM» mmfchüche Sebeine, — Sie hat« Mcht. — Sie »«ff». Daß Sie könne» Wa» Sie zu nrKffe» ein geleh», hat mich Mit schanernder Sewnndeenn» dnrchdrnng« —" de« Philipp IL ins Antlitz schleuderte, da» fühl« wir jetzt »och All« und proteftirm magisch mtt Ihn« gegm dm Balina Oba-Kirchenrath — und um so magischer, well wir nicht mehr in Philipp» Zeit« leb« und in de« «m erstanden« deutsch« Reich solche Schmach nicht duldm dürfm! Da Bettina Kircheurarh sink tief unta da« Niveau da spanisch« Inquisition» dm» diese hatte wenigstens dm schwach« Schalt» «in« Entschuldigung durch di« Furcht vor da Reformatio», während da Bettina Oba-Kircheurath Weda die früh« von sein« Gesinnungsgenossen vollzogen« Verabscheuung«.

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