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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-03-08 · 10 (8.3.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
10 (8.3.1871)
Date
1871-03-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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tat Fall! durch bcn Gebrauch de« Formular« «icht Erbauung, souder» «Sefühle von sehr zwetfelhaster Natur i» de« Gemrtndeu erwach« werde«, indem, wie e« uuu etmual ist, die mehrst« uicht die Kläuze de" Liebe, fouderu da« Geläut etue« Fluche« für tat verirrte» au« dem Ganze« herausböre» würden. Mau kan« sagen, eil ist bSs« von den Leute», aber ste denken einmal so und e« dürft«: deshalli bester sein,'ihnen diesen Anlaß, der ihnen-zum Aergeruiß gereichen würde, nicht zu gebe«. Gelbst von de» Brr» stäudigen in den Gemeinden klingen un« schon die Reden au ihreu Hwrn Pastor, der nach dem Schluß der Predigt sie mit solchem Nachzruß erquick« muß, entgegen: Ist e« dir mit deiner Liebe ur, den armen verirrten heiliger Ernst, geh' und sprich sanftmüihig «ater vier Augen mit ihm, ob du ihn nicht ge» wtunest. Hilst e« nicht, und will deine Liebe sich dann im G^et genug lhun, geh' in dein Kämmerlein und rede über den lln» glücklich» allein mst deinem Gott. Da» Aergerniß de« Abfall« ist geschehe», zu der Gemeind« gehört der Betreffende nicht mehr, verschon,: die Gemeinde damit, tu ihrer Mitte über einen uun» mehr stunden Knecht da« Gericht zu halten. Aber noch viel bedenklicher klingt un« ein llrtheil de« König» lichen Lonsistorium« in seinem Erlaß, weil derselbe un« mit der Wirklichkeit iu den stärksten Conflict zu gerathen scheint.... Bon bei: jüdischen Gemeinschaft wird hier geurtheilt, sie Hab«. ,nicht «llein zur Zett der Erscheinung de« Sohne» Gotte« im Fleische unseren Heiland Jefum Christum verworfen, sondern sie verharre auch heute noch im gleichen Haß und iu der nämlichen Feindschift gegen ihn'. Eine solche wahrhaft ungeheuere De» hauptung zu rechtferttgm, dazu bedarf r« sicherlich der Anführung von Lhttsachen, der Beläge, der schlagenden Beweise. Laste» diese sich »icht in voller, überzeugender Klarheit beibrtngen, oder unterläslt mau sie auch nur wie in vomehmer Nachlässigkeit, so wird di: davon betroffene Partei, also hier die Judenschast, dergleichen fast mit Nothwendigkett al« arge Ber'äumdung, al« Zruzniß hoffärtiger Verachtung, fanattsche» Tlaubeu«haste« und uubesomwuer Ungerechtigkeit aoffafleu. Di« Waltere Folge da» von» Haß erweckt Haß, und Fckudschast gebiert «ckndschaft. Cs ist tu der Lhat zu befürchten, baß sckch« «usücksunge», welche schwerst» Anklagen, Haß »ud -eiudschast -oM die Jude» schast schleudern, iu derselben Haß «ud -eiudschast Hervorrufe». Ist da« aber auch um tu geringem Maße der Fall, da»» erhebt sich die schwere Frage: Steht e« einer Köuigl. Behörde wohl an, zwischen den Bürger» desselbe» Laterlande« verschiedener Coufefstou da« unheimliche Feuer eine« finsteren Glaubenshasses schüre» z» helfe»? Ist dam auch tu dieser groß» Zeit, wo alle Bürger diese« Reiche« iu der opferwillige» Hingabe für da« Volk, für König «ad Vaterland so großartig Ein« find, soll dam auch jetzt bet König!. Behörden so wenig von diesem vaterländische» Geiste verföhnltcher Eintracht zu spüren feint* »Dieser ,0u»jng* mag genügen, um zu zeige«, wie selbst iu gebildeten christliche» Kreisen dieser »Erlaß' angesehen wird. Und wir Juden? Wa« werden «Ir lhun? Werden wir uns diese Schmähung »nserer Religion ruhig m stau sehen? Werden wir die Ohrfeige, die die »Tochter' der »Mutter' öffentlich gickst, füll htunehmeu? Wird man da« Schweigen nicht für Zugeständnis» > ansehen? Giebt e« denn kein Gesetzbuch, da« un« vor solch« öffentliche» Derläumdungen schützt? Giebt e« denn keine» Staatsanwalt, der den »Haß»Erregung«»Paragraphen' einmal gegen Ober-Kirchenrath, Coufistorium, Verleger der »Amtliche» Mit« thcklungen' in Anwendung brächte? oder schützt der kirchliche Charakter vor Anklage und Bestrafung? »Bon «eine« Altar« sollst du ihn htnweguehmen.!' Oder wäre «» vielleicht am gerathensten, daß die jüdischen Gemeinden tu einer Jmmedtat» Eingabe au den Kaiser und König selbst Beschwerde führend sich wenden? Zckgea wir »Jude«', daß wir auch »Protestant«»' sei» »ud protesttreu könne»!' n Ein anderer geehrter College hat uus aufgefordert eine Eollectiv'Erklärung der Rabbine» der größeren preuß. Gemeinde» Feuilleton. Sine Zrieden,frier in -er Synagoge. Hannover, Ende Februar 1871. In der festbegründeten — und so Sott will beim Erschetue» Diese« schon erfüllte» — Hoffnung, daß der hckßersehnte Friede endlich dem bluttgen Ringe« eia End« machen werde, regen sich aller Orte» iu Deutschland stöhliche Herzen uud fleißige Hände, um ein, würdige Frieden-feier vorzubercktea. Daß die Syna» goge, eb aufgefordert oder nicht, nicht zurückbleibe« werde, be» trachte« wir al» selbstverständlich. Ist e« doch ihre Pflicht ebensowohl wie ihr Recht, auch in ihre» Mauern de» Jubck de» ganzen Baterlande« widerhallen zu lassen, mit de» sie sich in allen nicht rcktgiöse» Strebungen ein« «ad etutg weiß, dessen Schlachten ihre Söhne mtt geschlagen, dessen Siege sie mit ihre« beste» .herzblute mit erfochten haben. Wa» Unverstand mäkeln, wa« kuduldsamkett bekrtttela, wa» Undankbarkeit entstellen uud alleugne» mag — wir werde» un» unser Thell a» der Freude, a» dem Jubck dei Vaterlande» eben so wenig raube» lasse», al« wir mst unfein vollgemesseuen Theile au feinen Echmeqm «ud Leide», an seine» Opfem uud Anstrengung» gegckzt Habens Ta« aber ist nicht etwa eine Errungenschaft der Neuzeit uud ihrer fortgeschrittene» Bildung — vickmehr zeigt gefchicht» liche Lsttrachtuug — hier wie überall da« beste Correrti» vorgefaßter Meinungen, klappernder Phrase» «ud de« banale» »Wie haben wir e« doch 'so herrlich weit gebracht' — daß Israel« Gemeinden stet« auch in ihre» Gotte«Häusern sich am Wohl uud Weh de« Ganze» bckheiligt haben. E« würde zu wett führen, aus früherer vergauge»h«tt Be» weis« heran;» ho len. Au« de» Beginne der Meudelsfohu'sche» Zeit aber — lange ehe »och au eine active Theilnahm« der Jude» am Staat« leben gedacht werden konnte — find« wir «tue gauze Reihe hierauf bezüglicher Lhatfacheu. Mendellfohn sckbst hat es «icht verschmäht, sei»« bekannte» Sieges- und Friedenspredigten zu schrckbe» und halten zu lass«; außerdem aber für feierlich« Gckegenhckten Gedichte zu machen, bi« für de» Vortrag t» der Synagoge bestimmt waren; so die i» seine« Werke» (Baud VI, S. 393 uud 898) befindlichen auf die Vermählung der Prinzeffi» von Orant«» und die Entbindung der Prinzessin von Preußen, tu denen Gemeinde (bezw. Chor) und vorbeter abwechscku. Und uicht mir für Berlin, auch für Sklow hat er angckilich «ine» »Freudengckaug der Judeuschast bei« Durchzug« Catharina'« IL' verfaßt. (Das. S. 401.) Ja schon im Jahre 17S3 wird in Königsberg von dem dortigen Rabbiner «de Lrauergottesdi«»st wegen Absterbens der russische» Kaiserin veraustaltrt; wobck er freilich da« Mißgeschick hat, daß ihm, weg« der Wahl des dabck reeitirten 49. Psalme«, «ajestäübckeidtgeud« Abstchir» untergeschoben worden. (Das. S. 424.) ‘ Ein vor Kurze« dem Schreiber dieses durch die Freundlich« kckt des Herr» Director« vr. Ehre»berg ja Wolfenbüttck zugekommeue« Arwustück zeigt «■» timt Friedeusfete« t» der Synagoge schon vor 79Jahr»und «uüdertarer Weise für edw» Fried« mtt dem .Erbfeinde',- der frcklkch nicht la»ge gedauert hat. AMt omeo! E« ist et» gedruckter Foliobogeu mtt folge»» de« Tttck:

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