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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-03-01 · 9 (1.3.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
9 (1.3.1871)
Date
1871-03-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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70 ,Jn hiesiger Synagoge ist der Gottesdienst seit einiger Zeit mehrfach ausgefallen, weil das üblicheMinjan nicht vorhanden gewesen. Da vor der Hand eia regerer Synagogmbefuch nicht in AuSncht steht, so steht der unterzeichnet« Borstand sich zu folgenden Maßregeln veranlaßt: n. Der Gottesdienst beginnt genau zur festgesetzten Zeit; d. derselbe findet statt, wenn auch nicht 10 Personen vorhanden; o. in dem Falle d. unterbleibt daS Aufrufen zur Thora und spricht dann der Rabbiner (?) den SegmSspruch über die Thora. Bemerkt wird, daß die >nd d. u. c. vorgeschlagenen Aenderunzen von der jüngsten Rabbiner-Versammlung (?) zu Leipzig , für statthaft erachtet worden und n«r wegen deS eiligen Schluffe« derfelbm nicht zum Beschluß erhoben find. Naugard, 15. Januar 1871. Der Borstand der Synagogen-Gemeinde. «scher, Behrendt. «rudt. Cireulair an die Mitglieder und den Cantor.* Eine Besprechung dieses Erlasses halten wir für überflüssig; wir wollen jedoch erläuternd hinzu^ügm daß der Vorstand zu N. verschiedene gottesdienstliche Reformen dccretirt hat, welche wohl an sich unwesentlich sind» durch die Art ihrer Einführung aber rnd durch sonstige — Willkürlichkeiren (wie man behauptet) einen Theil der Gemeinde veranlaßt haben, einm Separat- Gottetdienst einzurichten. Sonst wäre in der Synagoge immer Minjan vorhanden. Daher obigeveorstuw nrdi — non orbi. So lehrt dies Stürmchen in einem Gläschen, wie man Reformen r.icht einführe» dürfe, und wohin man bei SeparationSgelüstm in kleinen Gemeinden kommt, denn wahrscheinlich haben die separftten .Orthodoxen* — rickttger sich zu hoch besteuert Glaulenden — auch nicht immer Minjan. (In der ,A. 3d. 3.* ist die Sache fteilich so hingestellt, daß der Vorstand zu N. sich ohne Zweifel im Lichte des Bahnbrechers einer bedmtmdm Reform erglänzen sieht.) E. Au» Württemberg, 15. Februir. (Orig.-(Eomfp.) Der Reche», schastsbericht unserer Waisenanflatt „Wilhelm »pflege" in Lßlmgen pro 1870 ist erschienen. Die Anstalt beherberg: znr Zeit 22 Zöglinge und ü Köstlinge. Ausgetreteu find au» dem Berband der Zöglinge 2; dagegen wnrden 5 ausgenommen. Da» B«reiu»vermöge» beträgt 84,200 fl., davon kommen 16,800 fl. auf Liegenschaften und Mobilien. I n laufenden Jahre hat da» Bermögeu »m 5006 fl. zngeuommen. Die Sl fwugeu zum Grundstock betrugen in diesem Jahre 2226 fl. Die freiwilli zen Beiträge beliefen sich aul 4855 >».; dazu kamen lausende Linnabmer. au» Activ-Lapital-Zinseu u. s. w. 2852 fl. Die Ausgaben betrugen 6575 fl. Mit der Anstalt steht in Berbiodung eine Fortbildungsschule für Mädchen, die sich nach dem Austritt au» der Schule auf den weiblichen häuslichen B eruf vsrberriten. Die israelitischen SchulamtS-Zöglinge, di« da» Schirllehrer.Semiuar besuchen, und die SchulPräparanden, wie einige Zöglinge,der Taubstummen-Anstalt erhalten gegen eine mäßig« Vergütung Loft im israelitischen Waisenhaus«. — Der Vorstand de» Waisenvereiu» ist der Privatgelehrl« vr. Adolph Levi, Ober, striche »Vorsteher, Ritter rc. in Stuttgart. Ihm gebührt da» Verdienst, diese« heilbringende Institut auf diefe Höh« gebracht zu haben, und diese Anstalt wird ein schöne» Monument für die Rachotelt bleiben, dafür, wa» die rettende Menschenliebe Lurch da» aosopfernd« Streben eine» edelgestnnten Manne» leiste» kann. Möge dieser Vater der Waisen »och laug« in GeisteSsnsche und ungestörter Gesundheit für unsere Wiisenanstalt wirken und schaff«. Sesterreich. -tz. Sita, 17. Februar. (Orig.-'Zorresp.) Der Telegraph und die Zeitungen werden Sie längst u Kmntniß gesetzt haben von der lleberfchwemmuug, welche Wien heimgesucht hat. Dadurch ist zwar Viele» in Fluß gekommen, aber die letzten Beweg'tugen im Gemeindevorstand find »durch in'S Swcken gerathen. Die Orgelftage ist nur insoweit erledigt, als der Vorstand aünahm, sie sei »empfehlmSwetth*. Die Versammlungen der Orthodoxen waren aufgeregt genug, doch rieth in der zweit« der Rabbiner Spitzer von de« in der ersten beschlossenen Protest ab und befürwortete die Eingabe «ine» Bittgesuche», über dessen Erfolg «chAkcht» Nähere« bekannt ist. Inzwischen ist der SohlthätigkeiOfinn der hiesigen Juden durch die Wasser«noth wieder lebhaft angeregt worden. Jüdische Namen stehen mtt den größte» Summen an der Spitze der Gaben «Verzeichnisse, welche die Zeitungen veröffentlichen. Gelegeattich will ich hier auch de» Rothschild'schen Spital» erwähnen, da» im Baue rüstig fortschreitet. Für dasselbe hatte der Sttster, Herr Baron A. v. Rothschild, ursprünglich nur 300,000 fl. au-gesetzt; 'e» wird indessen nach der Aussage von Fachmännern auf mindesten» 800,000 fl. zu stehen kommen. E» ist auf 120 Betten und 40 Reservebetten berechnet. — Au» den Zeitungen werdm Sie berest» ent» nommen habe», daß der neue Unterrtcht-minister Jireczek eine Commission behuf» Statutenentwurf» für die jüdisch« Fakultät eingesetzt hat. Die Thellnehmer, welche die Zeitungen nur unvollständig brachten, sind die beiden Prediger, Lector Weiß, Ritter v. Wertheimer, Arminio Kohn, vr. Engel, Adolf Neu» stadtl, vr. Kompert. — Der Dichter Mosenthal ist zu seinem 25 jährigen Jubiläum mit dem Orden der eisernen Krone, welche den Adel verleiht, bedacht worden. Lemberg, 3. Februar. E» beschleicht «n» stet» ein eigne» Gefühl, nenn wir unsere modernen Zeittdeen auch dort auftauchen sehen, wo sie am allerwenigsten aufrichttge Sympathim zu rechnen haben. Momentane Bedürfnisse und Nebenzwecke fügen e» nämlich biSwellea» daß Gegner jeder Reform ihren Widerstand fahren lassen, um den von einer solchm gebotene» augenblicklichen Bortheil auSzunützen. Zu diesen Betrachtungen werden wir durch die übettaschende aber sichere Kunde veranlaßt, daß die orthodoxen Mttglieder unserer StatuteN-Commission die Absicht haben, für die Frauen einzustehen und den Antrag auf aetive» Wahlrecht derselben im Schooße der Eommisfion einzubringm und zu verfechten. Wer hätte je gedacht, daß gerade diese Henen die Jnittative ergreifen würde», um der modernste« aller modernen Zeitftagen in unserer Gemeinde Bahn zu brechen? Freilich ist e» offenbar nicht die Sttmme der Zeit, nicht da» Gerechtigkeit»- gefühl, nicht die Galanterie, die den Anttag Hervorgerufe« haben, sondern praftische Gründe, denn man glaubt, daß durch da» Wahlrecht der Frauen, welche bekanntlich frommen Einflüssen leicht zugänglich sind, der eigenen Partei ei» Zuwachs von Stimmen gebracht werden wird. — So weit au» einem Attikel de» in Lemberg erscheinenden .JSraelit', welcher für da» Frauen» Wahlrecht lebhaft und in sehr ausführlicher Motivirmig eintritt, indem er dabei von dm angedeutetm Partei-Nebmabsichtm mit Recht ganz absieht. Er spricht für Fraum-Emancipatton, oder gmauer für daS active Wahlrecht solcher Krauen, welche selbstständig sind, ihre eigmm Jnteressm in anderen Beziehungm selbst verttetm und Steuern zahlm. Er hebt hervor, daß die meistm Bedmkm, welche gegm Fraum- Emancipation geltmd gemacht werdm, gerade bei dm jüdischm Fraum wmig Berechtigung habm, da diese durch ihrm tiefm Familim- und religiösm Sinn doch niemals ihrm wahrm Lebmizweck verkennm werdm. In socialer Beziehung, meint er» sei gerade unter dm Judm die Frage zu Gunstm der Fraum prakttsch gelöst, da r» (einen einzigen Geschäftszweig gebe» in dem nicht unsere Fraum selbstständig wirkm und e» häufig ihrm Männem zuvor thun, ohne daß dadurch im Allgemeium oder doch in dm betreffende» einzelnm Fällm die Gmndlage deS Familimleben» irgmdwie verrückt werde. Me Redaction de» Blatte» ihrerseits drückt sich in einer Anmerkung über die Frage vorsichtig-schüchtem au» und glaubt, daß sie noch reiflicher lleberlegung bedürfe, jedmfall» erscheine «» zweifelhaft, ob die Emancipation der jüdisch« Fraum gerade mit Srthellung von Wahlrecht« begonum «erd« müsse. (Wir wollm auch nicht entscheide«; glaub« jedoch, daß jüdische Fraum gerade in jüdisch« Genwttche-Vahl-Auzelegmhettm ihr

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