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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-03-01 · 9 (1.3.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
9 (1.3.1871)
Date
1871-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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schreibt er, auch die Spttalstationm für Pocken- «ndl- Lyphn»- kranke besucht, obwohl Ich Hörei daß mauche meiner christliche» Colleg« sich von diesen fern hatte«.' (Obwohl dai diesen Satz enthaltend« Schreiben den Charakter vertraulicher Mittheilung trägt, glauben wir doch recht zu thun, wenn wir ihn hier ab» drucken.) Herr vr. Blmnenstein hat femer, unser,in Wunsche gemäß, eine Aste der von ihm bi» jetzt gesprochen« 34 Ver» wuudeten und Kranken mit genauer Angabe über ihre» Zustand — nach den ärztlichen Tabellen — und sonstige» Bemerkungen eingesendet. Wir glauben, daß damst Angehörigen und Freunden der so wett Entfernten gedimt sein könne. <S. Jnseratentheil.) Derselbe hat ferner vielfache Gelegenheit gefunden, Unterstützungen zu verthetlm, hatte wett mehr dort verausgabt, al» er bi» dahin zu diesem Zwecke von un» erhalten hatte. 6r bittet um noch recht viel Geld zu diesem Behufe, und obgleich wir augenblicklich noch dem entsprechen könne«, so bitten doch auch wtt die Leser, beherzigen zu wollen, wie verkästen, wie fern von jeder Hülfe gerade diese Unglücklichen sind, wie einzelne von ihnen noch lange nicht in die Heimath überführt werden können, wie hier also Gelegenheit zu einer Wohlthat geboten ist, die wahrlich eine doppelte und drestache genannt werden kann. Bon Herrn vr. Lewin, besten Wirkungskreis dn räumlich nicht so ausgedehnter ist, haben wir mehrere Briefe empfangen. I« dm Lazarethen zu Bttoflay, Rue Bibliothüque zu Versailles. St. Cyr, Biövre, Ablon und Billmmve St. Georg«», welch« er außer dm früher gmanntm besucht hat, liegm nur 2—3 Juden, „in dem zu Biroflay fand ich in vier Häusem nur einm, schreibt er, und der war gesund, nämlich der Arzt vr. Leoy". Wohl seim mehrere verwundete und kranke Judm dort gewesen, aber berett» nach Deustchland gebracht. Am Sabbat ntr (11.) war di« Abhaltung eine» GotteSdimste» verdtelt worden. Er hatte »ach Eceaux zu der 4. bayerstchm Division kommen follm» wo ihn 48 Mann zur bestimmtm Zett in dem angewiesmm Lokale» einem Saale im erstm Stock der Präfektur, erwartet hattm, aber — da» betreffende, dem Styl nach sehr entgegenkommende Schrdbm der bayerstchm Division vom 7. Februar war Inder in natnra sehr langsam gekommm und erst Montag. 13., in vr. Lewin'» Hände gelangt. Dagegm hat daun die 3. Division, durch 69:- dies« dem Adjutant« «ttgetheilte» Unfall vorsichtig gemacht» einen Gottesdienst für dm 17. in BiÄnr» durch Post und Ordonnanz angesagt. Ueber diesm schrdbt Herr vr. Lewin: Da» Bersprechm von 2 Francs paar boire hatte dm Wagen präci» 7 Uhr vor meine Thür gebracht und fort ging'» die Bergstraße, von der eine entzückende Aussicht iu'S Clamatt-Thal, besonders bei les RocherS, sich «öffnete, nach Bitzvre. Dort meldete ich mich beim Brigade-General, und da dies« noch verhindett war mich zu empfangm, sorgte dn Adjutant für mein Gespann und führte mich zu dm Ambulanten. Hi« fand ich einm verwundet« Judm, dem drei Finger an d« rechtm Hand abgeschoffen warm. AIS ich h«auSttat, fand ich dm Brigade-General, d« mich auffuchte, um mir an Stelle des von der Division bestimmtm SchullokalS — in welchem Betten standm — dn passenderes zu suchen. DaS fand sich in dem Saale d« Mairie. Dann stattete ich dem General meinen Besuch ab und wurde sehr freundlich empfang«, wie mir dmn üb«haupt dort von allm Offizi«m daS beste Entgegenkommen zu Theil wurde. Punkt 1 Uhr warm in dem Saale d« Maine 27 Mann versammelt — die Division zählt im Ganz« einige 30 Juden — unter ihn« die bddea früh« in d« »Woch.' gmanntm Tecorirtm: Rosenfeld aus Schopfloch und Fried aus Nürnberg. (TaS dferne Kreuz besitzen in d« Compagnie de» erster« nur noch d« Hauptmann und ein Gefreit«.) Die meisten d« Leute hattm sogar m und 3"’ Dienst gehabt, einige am letzt«m Tage so anstrengendm, daß sie nur dnm halb« Tag hattm fasten könnm. — Sonnabend abpv '5 war Gottesdienst in Billmmve le Roi. Darüb« nächstens. — Schließlich noch die Noriz, daß die vvr. Lewin und Btumenstdn recht sehr die Smdung von Siddurim wünschen. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. NaugarL (Pomm.), im Febr. Wir erhalten nachstehmdeS Schdststück, welches wir, der Curiofität halb«, mittheilm: Um dieselbe Zett mußlm die Judm auch die Städte Ndste und Stdegau vedastm, und e» dürfte damals auß« Groß-Glogau kaum mehr dne Stadt in Schlefim gegebm Hab«, in welcher sich Judm aufhaltm durstm. — Zum Schlüsse mögen hi« noch einige Udheile von zdtgmöffifchm und fpät«m Chronist« üb« diese» grausame Berfahrm gegm die Judm ihrm Plaß finden. — Eschenlör, d« am 17. Mai 1^55 BreSlau« Stadl schrdber wurde, schrdbt: »Ob die» göttlich sd ob« nicht, setze ich auf Erkmntniß d« geistlich« Lehr«, wenn die Evangelist« sagen, daß Chdstu» gesagt hat, daß die» jüdisch Geschlecht nicht sol vergehm bi» an da» Ende d« Welt, do ei« Hüte und ein Schafstal sein wird.' — Noch schärf« verurtheilt Cur«»,") d« ein Jahrhunded spät« seine Xnualso Silosiao schrieb, und »ach ihm Schtckfuß»») die Umnmschlichkett gegm die Judm: »Die große Tyranney hat sonda Zwetffel Gotte» Zorn und die Sttaffm, so bev den nachfolgend« unglückhasstigm Krieg« vb« Schlefim «gangm, «» «eget vnd vervrsacht. Dm» Gott strafft zum hesftlgstm vnrechten Mord da man oh« vnterscheid alle» htndchtet.' — Nachbemerkung: Bon dem Banem, d« die Hosti-n gestohlm und an die Judm verkauft hatte, erzählt n»r d« einzige Rositz» daß « gleich z» Anfang de» Prozesse» fammt seinem Weib« verbrannt Word« sei. All« and«» Chronist« schweigm über da» Schicksal de» eigentlich« Urheber« d« Hosttenschändung. oanon dcc oioftf iQc onmt jtjt Mtitiyttg und die» um so mchr, al» de» geistlich« Chronist«, bet vielleicht sogar Nicht« im Judmprozeste war, ohne Zwdfel daran lieg« mußte, die G«echttgkeit der Derudhdluug zu beweis«. Die and«m Aunalistm mochten von dies« G«echttgknt nicht so üb«zeugt gewesm fein, obzwar sie sonst (mü Ausnahme Efchealör'S) gut kirchlich gesinnt waren. i) Nur so taffen fich die Widersprüche der Chronisten anSgleichen, von denen die einen (Cschenloer n. Lud.) die Initiative dem Rache znsprechen, die anderen (Pol, Lnrae, Heunelfeld x.) den Capiftran „ble Obrigkeit ersetzen" taffen. — *) Nach den AnnaL Wrat. onüq. bei Somm«»b«g (ZL 175) am 1. Mai — und Pertz Hon. vorm. HX. 530. — *) Albrecht EL hatte schon 1421 die Inden in Oesterreich wegen Hostienschänbung verbrennen taffen (Wiener, Regesten ®. 239, 185) und SabUL hatte auch berett» 1453 den Wienern ein Privileg gegeben, niemaU Inden in die Stadt ansznnehmen (NotizenbL zmn Archiv für Lunde österr. Besch ich ttqnellen. 1854, S. 134.) Mit sein« Erlaubnis durste auch lkapiftrnn Schlesien bereisen, da « Böhmen nicht betreten durste. — *) Heunelfeld, Sileriogr. renor. a. M. Fibiger S. 790. Dat Nimae proz. kor. V ante :Fe«t 8t VitL — •) Garen», Oent 8iL Annnl. 149 und Schicksuß a. a. O. Dhebes. (IL 316) bestreitet zwar ihre Angabe, doch hat schon SamnU« in sein« Chronik von tziegnitz S. 487 die Blandwürdigteit d« beiden Chronisten in diesem Datum nachgewtesen. — Auch d« Zeitgenoffe Rosttz bestätigt die Indenverbremrung im Sefingniffe. — *) Heyne, Denkwürdigk. an» d« Kirchengesch. Schlesien 1 L 8. n. 15. — i) Hiftor.-top«gr. Bef ihr. v. Löwenberg v. v«gemam» 808. — — *} „SjTULgögie Magister m «trsngnladt, alioogn» habait i ml tato re«.“ Heunelselfeld S. 787. — •) Eschenlo« L 14. — ü) Orig^Urt. im Breil. Stadtarch. L 9 b. E. 12a. Roch nirgend« abgedenckt. — »>) Da« Deere« (im Stadtarch.il. 8b) ist sehr häuftadgedrmtt, bei Oel»>« R.39. ktlnig ReichSorchi», Rr. 53, Weingarten, Vind. jodle. tu Beilag. p. 833 tu — >*) Sergemann a. a. D. — *•) Schmidt, Beschicht» v. Schweidnitz 1,180. — w) Laren» S. 150. — ») Schicksnh.I. 113,

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