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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-03-01 · 9 (1.3.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
9 (1.3.1871)
Date
1871-03-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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68 sich im ganzen Preußischen Strate systematisch durchzuführm, wa4 in Posen, Pieschen und an andern Lrteu bereitversucht worden ist. Freilich wird die Inspektion aber jüdische VolkS» schulen und über den jüdischen Religion-unti'rricht au Simuttau» Schulen ausschließlich Juden übertragen werde» müssen. Der. etwaige Einwand, als ob in jeder einzelnen Gemeinde sich nicht immer eine geeignete Persönlichkeit für dre Schul»Inspektion finden lasten dürste, ist» darum nicht stichhaltig, weil man auf das Verfahren der Regierung bei den christlichen Schule» in den Dörfern und Flecken, die eines geistlichen Hirt« entbehren, hin» westen und anordnen kann, daß in solchen selten« Fall« daS Augenmerk auf eine geeignete Persönlichkeit in einer Nachbar- Gemeinde gerichtet werde. Mit gutem Will« last« sich hier alle Hindernisse ebnen. (Schlufi folgt.) Nachrichten vom Kriegsschauplätze. Vor Auszeichnung« jüdi cher Militäipersonm habm wir folgmde namhaft zu machen. Aus Lauenburg in Pommem sind 12 Jude» einberuf«, von dm« vier daS esterneKreuz erhalt« habm: vr. Hirschwalt, die Soldat« Löwin und zwei Brüder Wedel; ferner erhielt« denselb« Orden Regmt.»Arzt vr. Opaker auS Lötz« und der Freiwillige Lob« Sohn dr- Rittergutsbesitzers Löb auf Caldmhof in Westfalm. Die »Pos. Ztz.' macht sechs Vicefeldwebel namhaft, welche jüngst zu LieutmantS ernannt wordm find, und bemerft, wie eS erft«lich fei, daß unter dielen zwei Judm seien. Die betreffm» d« Nanim ließ« sich wohl heranSfind«, doch ist eS unser Bestreb«, bei unfern Notiz« stetS nur ThatsächlicheS, nicht Ver» mutheteS zu gebm. Wir Hab« hier noch eine, Stettin berühr«de Erzählung an» zuführ«. Der Sohn eines hiesig« christlichen Kaufmann- I. hatte als Nebenmann in seiner Compagnie ein« jüdisch« Soldat« Die Cameradschaft zwischm beiden wurde zu treuer Freundschaft. Der JSraeltt sagte dem Cameraden oft, er für seine Person fürchte d« Tod nicht, aber er sei die einzige Stütze seiner Mutter, einer arme^Wtttwe, uur für sie wünsch« er gesund zu bleib«, den« sie grenzenlos elend mach«. Da lag« nun'eine-»Lagebeide nahe bei einander t» Laufgrabm vor Belfort. I. «st dem Freunde zu: »Mich durstet entsetzlich, d« hast ja wohl noch ein« Tropf« in deiner Flaschet Behutsam genug, wie er meint, richtet dieser sich auf, um die Flasche zu reichen, aber sein Kopf war doch über d« Rand de- Grab«» aufzetaucht und war im Nu von einer Granate zerschmettert. Dieberichtete I. sein« Ettern, er erwähnte, daß ihn der Ge» danke, d« Tod detr«m Gefährt« verschuldet zu Hab«, gar nicht «hm laste, und bat, daß der Later um Gotte-will« die Mutter de- XNefallmm unterstütz« möge. Dieist gesteh«. Ein Sohn de- Her« I. ist nach dem ihm bezeichnet« Orte gerefft, hat die Greisin besucht, gettöstet, ihr eine Summe Gelde» eingehändizt und ihr in seine« Vater» Ramm eine lebeuSlängliche Unterstützung zugefichert. ~— Unsere Feldgeistlichen fahr« in ihrer Thättgkett rüstig fort. Daß Herr vr. Rippner, best« Abreise auS nicht früher zu besettigmdm Hindernisse« sich verzögert l-atte, noch nach Frankreich gegangm ist, habm wir am Schluffe vor. Ll. «.gezeigt und füg« dm dort angeführt« Gründm noch hinzu, daß der am Sitze degroßen HauptquartterS befindlich« vr. Lewin vielfach von hoh« Offizier« gefragt wordm ist, ob vr. Rippner auch am Platze fei, und daß er fvr. Lewin) sich überzmgt halte, daß eS einen üblen Eindruck*) mach« müsse, wenn er nicht erscheine. Von Her« vr. Blumenstein, welcher in SmimS, Roum, St. Quentin und ander« wett auseinander liegmdm Ort« um» herreist, dabei über sehr ungünstige Witterung (vom 1.—15. Febr. Stürme und Regmwetter!) klagt, sich jedoch, Gott sei Dank» wohl befindet, habm wir nur zwei Eorrespondenzkattm empfang«. Ein angeküudigter ausführlicher Brief ist erst kurz vor Schluß eingegangm, wir könnm daher heute nur einige Notiz« gebm. Er hat an mehrerm Tag« Gottesdienst abgehaltm und mehrere Lazarethe besucht, in welch« sich noch viele, leider auch schwer verwundete oder kranke jüdische Soldat« befind« „Ich habe. *) Wir mciacn natürlich nicht für dir Person de« Herr» «ippner. gcdmtete« Weise zu retten (?) gewußt, da letzteres sonst im Vergleiche zu dem vorgefundmen Schuldvermögm von 25,000 Goldguldm vwmuthlich mehr als bloß 1800 Guldm bettagen hätte. Es ist interessant zu erfahr«, wie viel von dem letzteren die GerichtSkostm absorbirtm. Eine im Stadtarchive zu Breslau noch vorhandene Ralhsrechuunz (auch bei OelSner abzedruckt) belehtt uns, daß die Schreiber für die doppelte Abfassung der Protokolle und Register 32 Guldm erhielt«, daß d« .fromm« Leut«', die die flüchtig« Judm vier Taze lang verfolgt und eingefangm.haben, für ihre gottselige Bemühung 3V Guldm gezahlt ward«; die Gesandt«, die 20 Pferde zur Verfügung halt«, kostet« nebst der Verpflegung der Gefangenen 832 Gul- £>« u. s. w. Nach dm Angabm des Chronisten Rositz, der im Jahre 1430 in der Sandkttche zum Priester geweiht wurde und im Jahre 1470 sein Werk geschrieben,«) sei« berettS am 5. Juli zwei Judm in Breslau verbrannt wordm, und nach einer andern Quelle hält« am 13. August deffeltea Jahre« 16 andere Judm zu Breslau dmselbm Tod erlitten.') — Die letztere Angabe bezieht sich aber ohne Zweifel auf Schweidnitz, wo am gmanntea Tage (13. August 1453) nach Rositz, der al« Zettgmoste und Domcapitular jedmfallS durchaus glaubwürdig ist, 10 Juden und 7 Jüdinnm verbrannt «urd« — In BreSlau fand das furchtbare GlaubenSichauspiel erst am 11. Mai 1454 statt. Ll» diesem Tage bestieg« 41 als kanptfchuldig Erkannte auf dem Ealzringe (jetzigem Blücherplatz«) d« Schetterhaufm und wurdm »nach ttem verdien«' verbranut; die Uebrig«, obwohl unschuldig, wurdm »um dieser und anderer großer Mistethat und schuld will«* nackt und aller Mittel entblößt au« der Stadt verwies« (25. Juni) und alle mehr al« ficheujährigrn Kinder dm Elte« «triff« und getauft. Der greise Rabbiner gab sich die Nacht vor der Exemtiou im Gefängniffe durch Erhäng« selbst dm Tod. und viele seiner LeidmSgmoffm folgt« seinem Beispiele.') So war denn der Stretch geluugm, d« wahnbethörter Fanatismus im Bund« mtt schmutziger Habsucht gegm die unglücklich« Jud« geführt hätte; Capisttano jubette, er hatte seinem »Feuereifer', wie ein witziger Ehrontst sich an«, drückt, im sollst« Maße Genüge gethan. Nicht ebmfo hatte d« hochweise Rath Grund zu trtumphirm, dem» der hatte seine Rechnung ohne König Ladi-lau» gemacht. Wohl mochtm die öd« Judmhäufer der Stadt zugefallm sein, da« confi-cirte Gut aber, »da« doch die ratlnann« halt« z« der Etat nutz mögia behalt«, wurde zu Hand« LadiSlat genommm',') dem sie noch außerdem für die ewige Verweisung der Judm au- BreSlau 15,000 Guldm Stmer versprechm mußt«") — Diese- Au»- weisungSdecret «ließ Ladi-lau» bei seiner Snwesmhett in Breslau am 30. Januar 1455.»') — AuS Löwenberg warm die Judm schon am 4. December 1453 vertrieb« ward«, ohne daß jedoch hierbei Blut gefloffm war.") Nicht so glücklich warm die von Jauer, wo a» 2. Mai 1454 16 Judm dm Flammentod für ihr« Glaub« erlitt« — An demselben Tage wurdm sie auch au- Schweidnitz abgeführt, während der Befehl ihrer ewig« Verbannung au» dieser Stadt erst vom 26. Juli 1457 datirte.")

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