Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 9 (1.3.1871)
- Date
- 1871-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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«6 0 abwahuen, thunlichstzvrück weisen soll. Doch würdm wir iüMwrhin gegen eine vorder Kttchmbehörde erlassene besondere Warnung und damit verbundene anständige Bekämpfung de« Judenthumnicht« emzuwmd« habe»; ji wir würden selbst dazu schwelgen, daß der fragliche Schritt »uerabschmuugSwerth^ genannt wird. Aber die genannte^Behörde spricht e« au«, daß es »beim Abfall zum Judenthum sich um den Zutritt zu einer Gemeinschaft handelt, die nicht allein zw: Zeit der Erscheinung de« Sohne- Gotte« in Fleische unfern Heiland Jesum >Lhristum verläugnet hat, sondern auch heute noch in gleichem Haß und der nämlichen Feindschaft gegen ihtt verharrt'. »Haß und Feindschaft' gegen wen? Gezer eine vor mehr als 1800 Jahre» an« dem Leben geschiedene Persönlichkett?! (Denn um ändere« handelt ,« sich doch für Juden nicht!) Diese Insinuation ist zu lächerlich, als daß wir ein Wort dagegen verlieren sollten! Oder ist' JesuU nicht für Gott hatten gleichbedeutend mit: ihn hass«?! Ist daS (Hegel'fche) Logik? Aber wir verstehen die Äorte ganz wohl; sie zollen reden vonHaß und Feindschaft gegen die Kirche Christi,'!?. h. gegen seine Belmner, die ühristgläubige». Ist da« nicht ein Schüren de« GlaubeuShaffe«, würdig der längst versunke^os Tage de« Mittelalter«? Wir Protest«» lgvt gegen den uns angedichteten Haß gegen unsere christlichen Mitbürger und Mitmenschen! Ein Wittere« hätte» wir au unsere« Lheil« nicht' zu sagen; wir hatten auch die« nicht gesagt, hätten achselzuckend «nd verachtend gtzchwiezen, denn wrr leb« der Hoffnung, daß das deutsche Volk dem Toben fanattscher Glaubenswächter daS Ohr verschließen wird. Aber an unsere christlich«« Mitbürger richten wir ein mahnende« Won. Wollt ihr da» neue deutsche Reich, welche« nach uus^ Aller heißesten Wünschen ein Reich de« Frieden« nach innen und außen, ein Reich der Liebe und de« gleichen Rechte« für Alle sein soll, wollt ihr da« neue Reich durch Glaubenshaß und gegenseittge Verdammung und Verfluchung alSbald zerreißen lassen? Heut gilt es ein winziges Häuflein, die Juden, morgen werden ttebertritte vom Protestantismus zum Katholicismus oder zu itiiM MW»CIi»uiiid> mit denselben Ausbrüchen rohest« ZoMe^Ikttldltü/Mi randmarkt werde«. Heut deuumirt mau die Ist« ak?^Hkmde'Christi', morgen wird man eEfo gegeadie getauften Läuguer seiner Göttlichkett hetz« und »Haß^md Feindschaft' zwisch« den Bekenneru der verschiedenen Kirchen l^rm und prckig». Braudmarft nicht Rom ebenso d« Abfall zu« Proteftckntisüib«? Hab« wir e« nicht erlebt, wie bet evangelische Ober-Kirchenrath gegen gemischte Ehen mtt demBerfprechchr katholischer- Kiuder«TrziehuiH> iu ähnlicher Weise nw. Aaathhiu auSgesproch« hat? " *. Laßt da« neue deutsche Reich auf Religionsfried«, aus einträchtige« Zutammenlebe»Ärr Anhänger verschied«« Bekenntnisse gegründet sein! * Nicht « «n«, an -euch ist e« zu protestirm, 'eS-ad«zusprechen, -daß ihr an glaukunSwüthigem Treib«'kein« Antheil habt, daß ihr «ch loSfagtt von jm« Ausgeburt barbarisch«' Religion-Hasse«» welche euch, nicht un«, zu beschimpf« geeignet wäre. *• / . » : v » i * *■ « » - ^N. T. Wir empftwgen dm vom Vorstände d« B«lia« jüdischen Gemeinde an d« Lwer-Kirchenrath gerichtet« Protest. Luch dbes« wird unsnn LefUN' bekannt w«den. Wir halt« uns« Obige« durch dm sehr gemessenen, ab« auch schwächlich« Protest iflcht für^überflüssig gemacht. * S odann" sendet'un» ei» Eve^espondent ein« länger« Artikel üb« den Erlaß und ein« desgleichen au« d« »Protestanttschm Ki.chen-Zeitung'; au« beiden einige Auszüge in nächst« Woche '9cmA)i. Salomo» Aoldschmidt, Rabbiner. . . m. Colberg» dm 3. Februar 1871. Al« Juden habm wir demnach nicht diese« od« jmeS System iu d« Schulgesetzgebung auf dm Schild zu heb«, sondern jede« beliebige muß un« recht sein bi« auf jme« eine, da« schon von vom herein da« Judenthum im Principe au«schließt und sich Feuilleton. Ein Auto-da-f6 in Breslau.! Bon Dt. Hermann lkoha. (Schwß.) Im Anfänge des Jahre« 1453 (13. Fekr.) kam nämlich d« Beruhardinermönch Johann Capistrano (au« Capistro in dm Abmzz«) als Bevollmächtigter des Papstes in Sach« der husfltischen Ketzerei, nachdem ihm Georg von Podiebrad die Thore Prag« verschlossen hatte, nach Breslau. Dies« fanattsche Mönch, »die Geißel d« Hebrä«,' wie ihn seine Verehr« nanutm, predigte überall, wohin « kam, gegen die sittmv«d«bte Zeit und zuchtlose Geistlichkeit, ab-r auch gegen die Hussitm, Türk« und besonders die Jud« und entflammte dal Volk durch seine! glühende B«edsamkeit. Mit ihm v.-rdand sich nun der Rath, und — wonach man längst vergeblich gespäht, wessen man die schlesisch« Jud« fett Jahrhundettm nicht b.-schuldigt hatte, noch niemals anklazm konnte, jetzt kam r« an d« Tag, jetzt ward da» Eapiralvnbrechm verübt. — Ein Bauer au« Langenwiese bei Oelü habe neun geweihte Hostien gestohlen und im Gefängnisse au»gesagt, sie dem Jud« Meyer au« Dretlau verkaust zu habe». So klagt« die Rathmauum bet (iapistran, d« höchst wahrscheinlich selbst dm tmflisckm Plan eir« solch« Beschuldigung gezm die Jud« au«geb eütet und d« Etadtvätem von BreSlau ang«athen hatte.') — Darauf hin wurden am 2. Mai *) sämmtliche Juden, Männ«, Frau« und Kinder, »«hastet und; all ihre Habe versiegelt. — Einige d« Unglücklich« waren gefloh«, wurdm ab« verfolgt und nach vi« Tag« wird« gefang« eingebracht. Schon am 5. Mai wurde in Anwesmheit deS kais«lich« Notar«, Johann'« von Kiczingk, de« Schöffen Son« und noch drei« Zmgm ein sorgfälttge« Jnvmtar de« consiscittm Gute« aufgenommm und diese« selbst in die kaiserliche Burg (daS jetzige Univ«fitätSgebäude) geschafft. Zugleich schickte d« Rath an König LadiSlaw ein« Bericht über fein Vorgeh« und erbat sich befand«« in Betteff de« Judenvermögm« femere Verhaltungsbefehle. — LadiSlaw, mtt dem Beiuamm kostuwus, war sehr bigott «zog« und gleich seinem Vat«, dem österreichischen Slbrecht, von dm feindlichstm Gesinnung« gegm die Jud« beseelt.') I» seinem Antwortschreiben vom 22. Mai! dankt « dem Rathe für sein« religiös« Eis«, wie für die bewiesene Unterthanmtreue und schickte zwei Gesandte, dm Siegwund Potemprunu« und Oswald Reicholf mtt voll« Gewalt »mit demselbm Jud« und jüdin, auch irm leib und gut «ach evrem (de» RatheS) rat und gefall« zu richt« und zu straf«.' — Anfang« Juni traf« die Gesandt« in Bre«la« ein, und al-bald wurdm di« Jud« in Gegenwart derselbe«, sowte de« Capistrano, mehr«« Theolog« vom Dome, de« Etadthauptmann«» Bürgermeister« und Rathe« »«hört. V«gebm« such« wtt dm Mschos von BreSlau bei diesem für die Kirche doch so hochwichtigen Prozesse. Er befand sich während dies« Zett in