Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 8 (22.2.1871)
- Date
- 1871-02-22
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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63 ix Statt anberamnt, Gottesdienst abbestellt Voten mußte, weil da« 5. Armeecorp« »ach Süden abmarschirte. Er klagt barttct, daß ffit tim immer erst ein Wage« requirirt »erde« muffe, was zwar bereilwittig «ad in anständiger Weise geschehe» aber doch höchst umständlich sei, während die christliche« Keldprediger ihre» eigene» Wag« mit Fuhrmann immer bereit haben. Die« hindere ihn besonder» im Besuche der Lazareth«. In dm zu Versailles im Schlöffe und im Lyeöe befindlichen habe er nur einen leicht erkrankten Israeliten getroffen. Auch sei er an bei der III., nicht zugleich bei der IV. Armee (Kronprinz von Sachsen), welche einen Theil der Pariser Enceinte hält, accreditiot, könne daher nicht zu dieser gelangen. vr. meck. Stein (Sohn de« Rabb. Leop. Stein in Frankfurt a. M.) ist vom Könige von Württemberg, in Berückfichttgung seiner 1866 geleisteten bezüglich« Dienste, zum Chefarzt de« 3. Cavallerie-Regimenl« »König Wilhelm', welche« bei Pari» liegt, ernannt worden. (vgl. auch die Corresp. Hannover.) Luch die Stettiner Synagogen-Gemeind«, deren im Feld« stehende Angehörige bi«her durch Gotte« Gnade vor Tod und schwereren Wunden beschützt worden warm, hat noch zuletzt einm ttaurigm Verlust erlittm. In einem Gefechte mst dm Nachzüglern der Bourbaki'schm Armee, in dm Schlechten de« Jura, fiel, von einer Kugel in» Herz getroffm, Albert Wald, einjährig Freiwilliger im hiefigm .KönigS-Regiment'. E» war am 4. Februar, wahrscheinlich in dem letzten offmen Treffen diese» Kriege«, e« ist eine der letztm in seinem 'ganzen blntigm Verlaufe abgeschoffmm Kugeln gewesm» welche dem trefflichen, vielversprechende« Jüngling dm Tod gab. Er ruht vorläufig noch in fremder Erde — Gott trockne die Thräaen, die um ihn und di« anderm Opfer fließ«! Berichte und Correspondenzen. -eutschlanü. 2. Han» «»er, im Februar. (Orig.-Corresp.) Hie habm jüngst bemerkt, daß die jüdisch« Soldat« in Frankreich schwerlich gewußt, daß Chanucka sei. Nachfolgender Auszug au« einem Briese eine« n>acker« hiefigm Freiwillig« an seine Mutter beweist, daß Einzelne doch daran gedacht Hab«. »Die Chanuckalichte (welche er fich von seiner Mutter erbet« hatte) find am erst« Tage Ehanucka angekommm, so daß ich am zweiten Abmd anzündm konnte. Geste« Abmd habe ich im kivouak entzündet, — auch recht romantisch!' Ueberall inacht fich da« religiöse Bedürfnis im Felde doch öfter nnd eindringlicher fühlbar al« man glaubt. Ein Soldat au» hiefiger Provinz schrieb an« dem Lager vrr Metz dem hiefig« Landrabltar die flehmtttche Bitte, ihm «in Paar Tefilltn N» smdm, da seine, welche er bi» dahin st«« auf der Brust gettag«, ihui abhanden gekomm« seien. lSelbftverständlich wurde ter Bit, « mtsprockm, — leider kam va« Z'acket nach einiger Zeit zurück, n ett der arme Mmsch inzwisch« im Lazareth verstarb« war. Ei» Anderer, der hier ans sein« Wunsch Koscher-Effm erhalt«, schreibt mit herzlich« Da»ke««ottm au« seinem Standquartier (allerdings nicht im Felde), daß er auch dort nicht tt-f« zu eff« braucht. »Bin jetzt der fest« Meinung, daß e« Niemand braucht, der d« Will« hat, e« nicht zu thun.' — von Au »zeichnuug« für Mische Soldat« au« unserer Provinz ist gi> bericht«, daß schon mehrere da« eiserne Krmz erhalt«. Edier, Rosmstern au» Eimbeck, ist auf dem Schlachtfeld« zum Lierumant avancirt, auch decorirt — aber vor Kurzem au sein« Wund« gestorb« uud mst groß« Ehr« bestattet. * Hauuover, 10. F^ruar. (Vrig^Coerefp.) Zn d» jüngst verflossen« «och« Hab« fich in «nfrver Gemeind« mehrere schmerzliche Todesfälle ereignet. Der letzte betrifft die vittme de« weil. Finanzrath« J«rack Jacobsohn und wird in jüdische« Kreis« «uffehm emg«, weil die Wmtgstm astr« möcht«, daß die Fra« de« Manne«, der schon so lange und für immer der jüdisch« Geschichte angehört, ihn so lange überlrbt hat. (Sie war die zweite Frau de« ehemalig« Prästd«tm de« westfälisch« Eoofistorium«, eine geb. Eohm an« Hannover.) Sie war eine unermüdliche und mit voll« Händ« spmdmde Wohlthäterin, so daß unsere Gemeinde schon in dieser Beziehung Ursache hat, ihr« Tod al« ein« immer noch zu früh erfolgt« zu beklag«. Oesterreich. -ckt. Ln« Rieder-Ungar«, 6. Februar. (Orig.-Corresp.) Ich habe längere Zeit geschwiegm; ich wollte Ihre Leser nicht mit Bericht« über die ewig« Zänkerei« im ungarisch« Israel langweil«, wollte fie auf einige Zeit verschon«, all« Chlllul haschem mst anzuhörm, dm die congreßparagraphen-stürmende Schomre hadath-Legion einerseits und die Linimtrupp« nnd die Franktireur« fothanm Statute« anderseit« in unjüdischer, an Eigennutz und Gemeinheit alle« übertreffmder Weise Tag für Tag auSübm. Wa» mir h«te wieder die Feder in die Hand drückt, ist der Schmerz über da» Hinfcheid« eine« Manne«, dem da« ungarische Israel viel, sehr viel—seine endlich erfolgte Emancipation, die Hebung seiner Cultur, die Entfaltung seine« Gemeindeleben« und leider auch dm Gährung»- und Klärung-Prozeß, dm e« jetzt durchmacht, verdanft. Der Cultuiminister Baron Joseph v. Eötvö« ist am 8. d. M. gestorb«! — E« ist nicht Aufgabe der jüdisch« Preffe, als di« hohm verdimste aofznzähl«, die der verewigte fich um die Äteratur und da« Gedeih« seine« Vaterlande« erwarb. Der Staat«manu, der Dichter gehört der ungarisch« Natton an. Aber für die Dimste, die er de« Judmthum leistete, muß ihm dasselbe eia wonnwontam »er« perennial stell« und e« steht fest, daß Baron Eötvö« in dm Anna!« der ungarisch-jüdische» Geschichte einm hervorragend« Platz einnimmt, von dem ihn selbst — die Titan« de« Unverstände« nicht vertreib« werd«, die in unserem Riesenkampfe mst solch grob« Kmlm dreiuschlagen. — Im Jahre 1840 veröffentlichte Eötvö« ein« Schrift: »Die Smancipation der Judm,' der« Motto der bekannte Byron'sch« kratz „The wild dar« h»th h«r Bett, th« tot hU »re, Mukiod their eonntry — Insel bat th* gisre" war und in welcher er die ganze thränmvolle Geschichte unsere« Volke« in kühn« Züg« schilderte »ad dm Gegnern der Emancipation Schritt für Schritt folgte, fie überall widerlegend mtt dm Waffm der Vernunft, mst der Glut de« Dichter«. Die Wirkung dieser Schrift war außtrordeutlich. In der ganz« Natton widerhallte der Schmerzensschrei, d« et» christlicher Magnat über da« übergroße Weh eine« getreten« Volke« au»- stieß. Wenn dies« Schrift dennoch keine materiell» Folg» hatte, muß da« dem Umstand« znzeschriebm werd«, daß di« Nation damal« d« Kampf der Selbsterhaltung gegm die Willkür der österreichisch« Monarchie kämpfte und daher ihre Aufmerksamkeit anderwestig beansprucht war. — Im Jahre 1848, al« Minister de« Cult«» und Unterricht«, arbeitet« Eötvö« em Schulstatut au«, da« der EonsesfionS-Genossenschaft 4t, Aufvechthaltung ihrer crnfeffionell« Schul« freistellt« und so auch dem Judenthum seine eb« damal« jung anfblühmdm Schul« beließ. — Die im Jahre 1867 erfolgte Emancipation der Judm hat zu ihre« eigentlich« Urheber, wie wir ob« gezeigt Hab«, auch Baron Eötvö«, der, «ach der endlich erfolgt« Wiederherstellung der ungarisch« Verfassung, e« al« erste Pflicht der Ratte» erkannte, 3«dm diese .Ehrenschuld' zu Mt«. — Der jetzt so derüchtigte Coagreß, an deff« NMwehen die ungarisch, Judent