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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-02-22 · 8 (22.2.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
8 (22.2.1871)
Date
1871-02-22
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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61' . U» -«Uebel i» d« Atlftünd» d«r jüdisch« Schnls kräftig z» ftattrn, ist d meta« Meinung «ach nicht nöthig, un» dies« ed« jener politisch« Partei i» der Schulgesetzgebuug «izuschlteßeu, so«d«r, wir müssen von alle» partete», gleichviel welch« Richtung fl« angehör«, Gerechtigkeit fordern und zuvörderst und innerhalb d« Kreuz« der Möglichkeit bewegen. Wa» möglich, wa« unmöglich ist, hierfür gtedt un» eine kleine Episode au» ein« d« letzt« Sitzung« de« Abgeorduetmhause» ein« leis«, doch deutlich« Wink. Herr v. Kardorff, «in hervorragende« Mitglied der freteonfervativ« Partei, nah« gegm Her« v. Müht« Stellung und erklärte «nt« >nd«rm» dah nach d« Verfassung nur die Volksschule konfessionell sei und daß ihm und sein« Partei nie in d« Sinn gekommen wäre, die Con» fesstonalität d« Volksschule auzugreifm und zu bekämpf«. 8b« di« Confessionalität der höheren Schulen fechte « an als verfaffungswidrig und mache dem Cultusminist« ein« Borwurf daraus, daß « die Begründung höh«« Unterrichtsanstalten ohne konfessionellen Eharakt« v«hind«t habe. 3a, « müsse sag«, daß höhne Lehranstalten mit strmg konfessionellem Charakter vom Staate keine Subv«tion «halt« dürfm. Auf dies« Angriff wußte d« aalglatte Minist« Nichts zu antwortm, waS die Richttgkeit dies« Anschauung umzustoßen geeignet gewesm wäre. Hi« Hab« wir also dm Fingerzeig, d« wir brauch«; hi« ist der Weg bezeichnet, dm wir in dn Hoffnung beschreitm dürfm, daß wir im Abgeordnetenhaus« und bei der Staatsbehörde Gehör «halt«; hic Rhodos, hio aalt»! Im nächst« Briefe voll« wir unnäh« hierüber verständig«. — Nachrichten vom Kriegsschauplätze. Au» zwei wett«« Brief« deü Herrn Dr. Lewtn theilen wir noch einige Auszüge mit. vom 6. Feiruar schreibt « aut Versailles über dm am Schluffe des vorig« Briefes angekündigt« (sstochentsg-Nachmittags«) Gottesitimst: »Um lVt Uhr langte ich in Meudon au. und da keine andere Eommandantur dort ist, fuhr ich auf Anrath« eine« Iäg«r-Hanptmaan» nach dem nahe gelegm« Fleurp, wo bet Major wohnt. Dies« gab mir ein« Ordonnanz mit, welche die Wache beauftrag« sollte, ihre Post«, anzuweism, die ankommeaden jüdisch« Soldaten nach dem von mir requirirtm Hause — Meudon steht ganz 'ohne Einwohna — zu weis«, sowie um einen jüdisch« Befreit« aufzusuchm, ,d« doch mtt mehr Eifn mir zur Seite steh« würdet Auf dem Wege zu diesem ttafen wir 5 Mann in voll« Armatur. Das orimtalische Besicht einiger derselbm bewog mich sie abzufragm: Wohin, woh«, wozu? und die Antwort: Vom Borpostm-Repli vor Fort Jssy nach Meudon zum Bottesdimste. Natürlich nahm ich sie mit. Wir sucht« ein leerstehendes Haus aus — Rue Bourgogne 5 — da» reinigten meine 8«te. Licht hatte ich mitgebracht und gegm 4 Uhr warm ea. 80 Mann versammelt, alle der 21. Division, dm Regi««t«n 30, 82, 87, 88, dm 11. 3äg«u, 11. Husar«, d« Artillerie und dem Train angehörig, darunt« auch mehr«« Einjährige. Auch d« decorirte Unteroffizi« Btbo aus Erfurt, von dem die »Wochenschrift' schon berichtet hat, war anwesmd. Mit dem Versprechen, wo möglich noch ein« Sabbat» Bottesdimst zu veranstalten, schied ich von dm Leuten. Manche war« im Helm und mit Gewehr erschimm — denn so ging« ja auch ihre christlichen Cam«aben zum Gotlesdimst. Einige Compagnien hattm dm Eis« so weit getrirbm, daß sie di« Mannschaft« commandirt hatten — ander« hatten im Gegmtheil selbst die Mtttheilung des Divisionsbefehls «nterlaffm. (Dies ist nicht möglich, d. h. kann nicht mtt Absicht geschehm sein. Red.) Erstaunlich ist die ungemein groß« Zahl von Israeliten im 11. Armeekorps.'- Unt« dem 9. Februar erzählt Herr vr. Lewtn, daß d« und die von ihr beeinflußte Bürg«schaft eine den Iudm sehr feindselige Gesinnung an dm Tag legtm. Der Senat war mtt fortwährenden Protesten gegen die Duldung dies« neuen Ansiedler förmlich üb«schüttet worden und hatte, um nur die erwähnte „designatio“ zu bring«, da» Gutachten zwei« Facuttäten bedurft, welche es für »vät«lich und christlich' erklärt«, die »portugiesische Nation' zu dulden. Es kann dahn nicht auffallm, daß in den Artikeln dies« designatio die Bewilligung zur Erwerbung eine» jüdisch« Bezräbnißplatzes auf hamburgischem Gebiete nicht mthaltm war. Da» äußerste Zugeständniß, zu welchem sich die Bürgerschaft nach wied«holten dringlich« Vorstellungen de» Senats beweg« ließ, lautete dahin, daß es dm Portuzies« freistehm sollte, ihre Todtm nach »Altonahe od« anderswohin fahr« zu lass«'. Wmige Monate vor Abschluß dies« B«einbarung war von dm Portugies« bereits ein Stück Land zum Begräbnißplatze in Altona käuflich erworbm Word«. Derselbe ist mithin volle 260 Jahre lang von d« hiesig« und d« von dies« abgezweigtm portugiesisch« Gemeind« in Altona benutzt Word«. Dort lieg« die vertrieb«« Söhne d« iberisch« Halbinsel begrab«, die, in d« Heimath von Tortur und Scheit«haufm bedroht» nach manch« Irrfahrt« im femeu Norden die letzte Ruhe geftmdm. Dort modem die Gebeine de» in Salamanca zum Doetor medieinae et philosophiae promovirten Rodrigo de Castro, d« von geistlich« und weltlichen Machthabe« consultirt wurde und bei d« um 1600 in Hamburg ausgebrochenen Pest durch seine aufopfemde ärztliche Thättgkett und Tüchttgkett sich d«art hervorthat, daß ihm d« Besitz eines Grundstück» gestattet wurde, währmd es sein« Glaubmsgmoffen verbot« war, »einige Fm« od« andere liegend« Gründe in dies« Stadt «b- und «igmthümlich zu kauf« od« an sich zu bring«'. Dort rnht d« Rabbin« Isaak Eohe» de Lara, d« gelehrte Freund des Hamburg« Hauptpastor» und Orientalistm Esdras Edzardi, sowie d« Dicht« Joseph France», dem die gebildete Welt durch dm Beinamm de» »Hamburg« CamoSn»' ihr« Anerkmaung zollte; dort befindet sich auch die Grabstätte de» bekannt« Emanuel Texeira, des Agent« und Residmten d« Königin Christine von Schweden, in dessen Hause ' (auf dem Kraienkamp) letzt«« während ihr« Anwesmheit in ' Hamburg ihren Aufmthalt nahm, nachdem sie die vom Senat j für sie bereit gehalten» Wohnung abgelehnt hatte. Dort ist auch! David Abensur begrab«, der Resident de» König» von Pol«, und neben ihm Viele, der« Ramm in d« GründungSacte d« Hamburg« Bank zu lesen sind — Männer, die durch ihre Rangstellung und großartige Behandlung kaufmännischer D«hältniffe dem Senat die Erklärung abnöthigtm, daß die Bedrückung d« »portugiesisch« Ration' vm hamburgischen Staat leicht in diplomatische Händel verwickeln könne und dem Handel und V«kehr d« Stadt zum Nachthell g«eich« ««de — zum Thell weg« ihr« schriftstellerisch« Thätigkeit noch hmte da» Jnt«effe gelehrt« Specialistm feffeln. Eine Garantie nach d« andern ist ihn« seitdmi auf dem letzt« Wege zur Nachbarstadt gefolgt; I »mild«« Jahrhundnte' Hab« dm Grift d« Unduldsamkeü verdrängt, der die andersgläubig« Einwanderer aus dem Süd« empfing, und jetzt, da die P'ortm jme» altehrwürdig« Fried- Hofe» sich für imm« schließ« w«dm, scheidet die Gemeinde von d« Ruhestätte ihrer Anzehürigm mit dem freudig« Bewußtsein, daß die Macht der fortschrellrnden Humanität den hamburgi» scheu Staat au« d« Feffeln de« Glaubm«jwauge» «löst und in ihm d« Glaub«»- und Gewissensfreiheit eine dauernde Stätte gegründet hat.

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