Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-02-22 · 8 (22.2.1871) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
8 (22.2.1871)
Date
1871-02-22
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/5369809-5934989-5935450--0624-5370316
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

60 die de- College» Or. Buchholz in Stargardt.P.,forderte ein« confessioa-lose» Religionsunterricht für alle Schulen, — ein Gedanke, der «ohl Anspruch auf «nprit und Neuheit machen durste, doch keine» Anfang fand. Denn außer einem 1» diese« Blättern darüber geführten Dialoge kann ich mich nicht entsinnen, daß dieser Plan von irgend einem Fach- oder polittschea Blatte ausgenommen oder besprochen worden wäre.*). Auch halte ich ihn für unpraktisch und undurchführbar: für unprastisch, weil wir bei dm Staatsbehörden auf einm unüberwindlichm Widerwillen dagegen stoßen würdm, wir aber ohne den RegierungSfactor nicht rechnen dürfm noch könnm; und für undurchführbar, «eil ich ei für unmöglich halte, daß die Religion wie jede andere große Wissenschaft rein objectiv behandelt werden könne. Ist doch die Religion nicht bloß eine Verstandes», sondern vorzüglich auch eine Herzm» - Angelegmheit, und wer steht dafür ein, daß daS Herz des Docenten nicht einmal auch mit seinem Verstände durchgehen könne? Man erinnere sich nur, wie eS schon schwer fällt, z. B. Geschichte rein objecttv zu lehrm, wie leicht der Franzose geneigt ist, dieselbe durch eine französische, der Germane dieselbe durch eine dmtsche, der Christ durch eine christliche Brille zu bettachrm, sobald nationale oder religiöse Mommte in dm KreiS der Crscheinungm treten — und die Religion sollte so sach- und fachgemäß «ine irn etstuäio gelehrt werden könnm, ohne daß der Lehrer unwillkürlich von seinem Herzm fortgettiebm wird, seinem Lehrzegenftande diejmige Färbung zu verleihm, welcher sein Herz am nächsten steht? — Aber auch die Forderung der Liberalm zur jüdischen par excellence zu machen, wäre ich durchaus abgeneigt. Nicht al» ob ich gezm confesfionSlose Schulm im Principe wäre, — nein! aber ich habe obm schon angedeutet, daß wir, nenn wir mit unseren gerechten Forderungm durchdringen wollm, nur mtt ge» *) Ii«4 ist allerdings geschehen, wie s. Z. in der Woch enschrift bemerkt wurde, ibied.) gebmm Thatsach« rech«« und dm Hauptfactor d«r Gesetz« gebuazlmaschtu« in unserer Rechnung nicht vergeff» dürfe». Keinem aufmerksamm Beobachter der Zeiterscheinuugm Um «ttgangm sein, daß die Forderung einer confesstonSlosm Schule dem elgmtlichm Begriffe nach von de« jetzig« und wahrscheinlich auch vorläufig von jedem andern preußischm CultuSmiuister ein mtschiedmeS Veto erhalt«, da» Herrmhau» auf dt« Sache selbst vielleicht gar nicht eingeh« und da« «bgeordnetmhauß in seiner jetzig« und vielleicht noch in der nächst« Legislaturperiode mit großer Majorität verwerfm würde; ja. ich geh« noch «etter und sage, da» ganze dmtsche Volk ist für die Idee einer wirklich confesstonSlosm Schule noch nicht reif genug, daß sich für ein« solchen Plan bisher nur einzelne Wenige erwärmten und daß di« ganze Strömung vorläufig spurlos t« Sande zu verrianm im Begriffe steht. Wa» kann uns aber dieser Gedanke fruchten, wenn unterdeß, wie e» den Anschein hat, organische Gesetze ins Leben ttetm, die nicht für Jahre, sondern für Jahrzehnte und vielleicht für ein sueonlum Lebenskraft mitbringen? Wollm wir die nächste Zukunft der jüdischm Schule nicht verzetteln, so müffm wir, wie gesagt, un» auf dm Boden der gegeben« That« sachm stellen und mit dm gegeben« Faktor« der Gesetzgebung rechnen. Hätte die konfessionslose Schule hmte schon AuSstcht auf LrbmSfähigkett, ich wäre der erste, der fie als jüdischer Schulmann auf meine Fahne schriebe; aber sie hat fie nicht, und die jüdische Schule kann bei ihr« ttaurigm Zuständm nicht warten, bi» die Zeit der Reife kommt. Kann un» al« Judm ja gar Nicht» daran liegm, irgmd ein polittsche» Prineip in der Schulgesetzgebung aufzustellm, durchzuführen oder zu unterstütz«, — wir könnm nur unter allm llmständm Gerechtigkeit fordem! Und wir dürfm al« Judm ganz zuftiedm sein, wmn zwar vorläufig der Religionsunterricht für obligatorisch und die Schule für konfessionell erklärt wird, man un« aber selbst nach diesem System Gerechtigkeit widerfahr« läßt. — uitzer Stadtarchiv« aufgefundme hebräische Urkunde '*) au» jener Zeit (1451) läßt e» deutlich erkenn«, wie sehr die unglücklich« Judm von BreSlau der Gefahr und ihrer Ursache, sich bewußt warm, ohne sich jedoch helfen zu könnm. Ein R. Pincha«, Sohn deS R. Meier, quittirt einem R. Chabiah, Sohn de« R. Mansah, von ihm Alle» richtig zurückempfangm zu habm, was er ihm üb>wgebm hatte. Wir sehen in R. PinibaS einm der reichern Juden, der »sein ganzes Geld und GeldeSwerth' (*p3 me' p p tfwo 0T3 rrrsr no ^3) dem ärmer« R. Chabiah anvertraut hatte, da man doch bei diesen, ein« solch« Reichthum nicht vermuthm dürfte. So übergab m die Juden ihr Vermögm häufig selbst an Christ«, nur um den gefährlichen Verdacht des ReichthumS von sich abzuwenden. Was half e» den Armen? Gab es auch keinm Rechtsgrund, sie zu berauben und zu verfolgen, so bot ja die Religio« den geschicktesten Vorwand, sie auszuplündern. Konnte man doch aus purer Frömmigkeit über sie und ihre Schätze herfallm! — Auch der Rath von Breslau nahm die Maske des Glaubens vor, um unter derselben seine habsüchtigen Pläne zu realisirm. Ein Umstand, der sich gerade damals ereignete, kam ihm dabei sehr zu Statten.") (Schluß folg,., i) Heine, Shakespeares Mädchen und Frau«, Jesfika. — ») Lloreute'« trit Gesch. der span. Inquisition. I. 160. — -) „Jadaei timent dbi propter fernem,“ sqreibt der Br-Slauer Rath schon am 27. März 1349 an SL Karl (OelSner, Uri zur Äesch. der Inden in Schles.). Dr. Wiener conjicirt in Sir. 41 der „Allgem. Judeuzeitung“ vom 4. Del 1864 mü Unrecht fenuun statt fernem. — *) Ärätz VL 112, VUL 60, 71, DL 215 «. «. D. — 8) Lwreute L 165, Lafaente, hist. gen. de Espans VUL 227.— «) OelSner, llrt 37. Bgl. auch da« Glätzer AmtSbuch im fchlef. LdelSbuch von Graf Srillfried S. 4, 16, 33 rc. — *) Stenzel, Gesch. Schles. S. 28tz vgl. auch HeuricuS Pauper, ed. Srünhag« E. 72. — «) Stenzel, äeript Ber. gll. L 211. — *) L hmel, Material, zur öftere. Gesch. IL 306. — *) Schirr macher, Urkundenbnch der Stad« Liegnitz zn» «ngeg. Jahre. Inch dei Sammler, Lhronlk v. Liegnitz I. 496. — ») Stenzel, Gesch. Schles. 285 ff. — ,*) Vir dürfte die ältest«, in hehr. Sprach« geschr. Urk. in Schles. sein. Ausgestellt Breslau am 2. Slvau 5211, mitgetheilt von Sammler in der .Leitschrift der schles. Gesellsch rft für »aterländ. Lultur" Jahr 1868 p. 121. — **) lieber da« Folg.: -schealoer, Denkwürdigkeiten der Stadt BreSlan, ed. Luuisch I. 13. PolS Jahrbücher der Stadt BreSlau IL 3 ff. Schicks»^ schles. Lhrou. IV. 86. Lhebeslu«, Lieg«. Jahrb. I. 34. Klose, von BreSlau (nach Nik. de Fara) ll. 37. Henel v. Hennelfeld, Silenognphfe IL 787. Schnd» I. 387, und des. OelSner, der auch di« betr. BreSlaner Urkunden (Rr. 35—39) in orig, aoführt. vgl auch Brlltz V1IL 204 und Sammter, llhrouik von iieguttz L 467. Der Iritbljof der portugiesisch-jüdischen Gemeinden in Hamburg-Altona. Au die Schließung diese- Kttchhofe», deS. ältest« unter dm sämmtlichm zur Zeit noch im Gebrauch befindlichen Begräbuiß» Plätzen Hamburg» und der Nachbarstadt, knipfm sich mannigfache Reminisceuzm au» der Geschichte der religtösm Bewegung« in unserer Stadt. ES war dm portugiefischm Famllim, die sich vor dm Verfolgung« der Inquisition nach Hamburg gerettet hatten, erst nach langm Verhandlung« und unter sehr erschweren» dm Bedingungm gestattet wordm, daselbst auf die Dauer ihr« Wohnsitz zu nehmen. In der „Designatio articolorom, darauf sich E. E. Rath mit der portugiefischm Nation verglich« und dieselbe in Schutz und Schirm genommen', war u. A. festgvstellt, daß die Portugiesm »keine Synagoge halt« und ihre Religion in dieser Stadt Botmäßigkeü durch heimliche und öffentliche Zusammmkünste nicht exercireu' sollte«. Und selbst diese an harte Bedingung« geknüpfte Srlaubaiß war nur »ach lang« Kämpfen errunzm worden, in den« die lutherisch« Geistlichkeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.