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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-02-22 · 8 (22.2.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
8 (22.2.1871)
Date
1871-02-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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»9 «fegefcf«) zu brr Zeit, alt Mcfe Mil«er »Mit«! ®» steht ja hfikrifch fest» baß Mirabeu» sei« be» Jud« günstig« Sa* sichtest rat Berlin mttgebracht hat, baß die Jud« im Elsaß, »» «tue Schutzschrtst für sich anferttgm zu laste», sich ebendaht» «eud« maßten. Die Jvide» t» all« Eultnrstaat« stehen in ihrer Bildung, soweit biese silbisch ist, a»f de» Schultern der brutschen, ober nicht höher, ihre hervorragende» Märmer find zum größt« Lheile Deutsch« von Geburt oder nächster Abstammung. Und welche Mühe Hab« sich die d«1sch« Jud« gegeben, um «ine Verbrfferung ihrer Lag« zu erring«! Die Emanzipationsschrift« büd« schier eine Bibliothek, die Opfer, nicht nur die pecuutärm, welche Private und Gemeind« oder Landesverbände gebracht haben, find unermeßlich und unberechenbar. I» b« meist« andern Ländern ist das Alles «tbehrlich gewesm! Andere Hab« für dir Jod« Wort und Feder geführt, es ist dies« als reife Frucht in d« Schooß gefall«. Uud seltsam — oder bedeutungsvoll I Die Jod« in England und Holland, Frankreich und Italien*) find dabet als Gesammthett, in der öffentlichen Bethätigung ihre« religiös« Leb«», hauptsächlich ihre»Kultus, .orthodox' geblieben; fi« Hab« »der Emanzipation »Mm* weder die Gebete um die Rückkehr nach Palästina »och auch nur die Selichoth und Sefirajozervth abgeschafft, Hab« in ihr« Synagog« weder Gebete in der Landessprache — mit Verdrängung der überliefert« — noch Orgel« etngeführt, Hab« fich weder vom Talmud losgesagt, «och in Synoden Erklärungen über die modem-social« Prtncipi« des Jubmthnm» formulirt n. s.«. — und doch —. Das sollte «ns nicht zwing«, »ach dem Warum zu fragen? Wir werd« Antwort zu geb« suche». *) Qm lhK|m habe» wie, »ach Berit»«» Qlstter», von einer ktefonn- Ah»»-»-« in Nizza — dt« Juden in Nizza sind fite «t» Italiener — berichtet «d dt« stngat« b»z»«is»lt. D«r gsr." belehrt unf, dat in Nizza ein« jsdtsch« Arstsschaft brßiht, »ulch« fich «rrfonntsttsch" nenn», mit Tnttns-Nefonn «b»r zar nicht« z» schaffen hat. Briefe s»r Ichulfrage. Qa» vr. Qal»»»n Galdschmtdt, Nabbiner. II. Eolberg, dm 31. Januar 1871. Wie ist das coustitutionelle Nebel der jüdisch« Schule mst der Wurzel zu entfernen? — Im Grunde genommen wäre theoretisch die Antwort leicht: Entweder — oder. Entweder der Staat erklärt d« Religionsunterricht für obligatorisch, — und dann müßte es der jüdische nicht minder fein als der christliche; oder der Staat streicht dm Religionsunterricht ganz und gar au» dem Lehrplan einer jedm Schule und überweist dmselben der Fürsorge einer jedm Religions-Gesellschaft. Allem, so leicht uud gerecht ein solche« Princip hinzu stell« wäre, — die Frage ist hiermit nicht leant» wortet; der alte Prediger hat auch heute noch recht mit seinem weisen Worte: »Gott hat die Mensch« zwar gerade geschaffen, sie selbst aber suchen viel Berechnungen und Berwickelon;«.' Es ist ja allgemein bekannt, daß wir Jud« mit einer selch« Forderung nicht erst seit gestern und h«te hervortret«; und nicht minder bekannt ist es, daß «n» vom Ministertisch he» eindringlich zu Gemüthe geführt wird, wie alle öff«tlich« Schulen «tweder bereit» Vorhand«« oder n« zu begründende wärm, wie die erster« ein« christlich«eonfessionellen Charakter bereits besäßen und die letzter« stets einen solch« erhalt« müßt«, und wie ein jüdischer Religionsunterricht in einer christlichen Schule undenkbar wäre. Dem gegenüber ist feit dem Breslauer Schulstrelt*) die liberale Partei mit der Forderung hervorgetret«, konfessionslose Schulen d. h. solch» zu verlang«, an d«« Lehrer ohne Unterschied de« Glaub«« angrstellt «erd«, uud Religionsunterricht «tweder g a r n t ch t oder in a l l e n G l a u l e n «- bekenutnisse» zugleich erthellt wird. Eine einzelue Stimme, ») Di« Idee selbst ist »,U Liter. (N«d.) ihn« erpress« wollt«/) verdankt doch selbst das furchtbare Glaubms-Trtbunal der Inquisition sein fluchwürdiges Entsteh« der niedrigen Geldgier des katholisch« Ferdinand, der nur die Gelegmhett suchte, viel« Güter zu confiscir« und sein« stet» leer« Kaff« mit der reich« Hab« der unschuldig Berurtheiltm zu füll«») Wir könnt« auch aus der neuer« und nmest« Geschichte der Jud« mehrfache Beweise für obige Behauptung betbring«, »ollen jedoch lieber bet einem Falle aus früher« Jahrhundert« steh« bleib«, der beim erst« Anblicke eine Ausnahme von dem aufgeftellt« Satz« zu blld« scheint, bet näherer Untersuchung jedoch ergiebt, daß auch hier die Religion nur dm Deckmantel für gemeine Habsucht bildete. Im 15. Jahrhundert gab es fast in all« größer« Städtm Schlefims bede»t«be Jubmgemeind«, unter weichm fich besonders dt« der Hauptstadt Breslau durch groß« Reichthum aus» zetchnete. Man kau» fich ein« Begriff von demselbm mach«, wen» man erfährt» daß sie die Herzögr Ludwig von Lübm, Eonrad d» Weis« von Eofel, Ruprecht von Lübm und Hainau, Eourad von Oels, Volk» von Oppeln und Ober-Glogau, Hans mb Heinrich zu Münsterberg, b« stets geldbedürftigm Bischof Eomad von Breslau und außerdem »och viele Städte zu ihr« Schuld«« zählte».») Entrichtet« fi« doch schon tm I. 1845 an jährlicher Steuer 345 Mark, während der Schoß «ad da» Wikizgeld der ganz« Stadt nur 630 Mark betrugen.') Sie lebt« »ach dem Maßstab« der damalig« Zeit in ziemlich gut« Berhältutffeu, mußt« zwar ungehmrre Schutzgelber und andere Sie»«« dm Städtm und de» Kaiser zahl», lebt» aber sonst in Friede», trieb« ihre Geschäfte, halt« ihre Synagog« und .^Bischöfe' und breitet« fich immer «ehe aus. »Sie awib« dick und fett und mach« fich breit/ sagte der zettgmösfische Abt Ludolf von Sagan von ihn««/) Wie man schon aus tief« Wort« des würdigen Abts ersehm kann, warm es auch hier, wie überall, die Geistlich«, die d« Jud« ihre thmer erkaufte Ruh« mißgönnt« und fi« zu stör« sucht«. Sie eiferten von der Kanzel herab gegen dteselbm, verweigert« dm Richtern, die in Prozeffm zwischm Jud« und Christ« zu Gunsten der Erster« «tschied«, die Absolution und versäumt« überhaupt Licht», um dm Haß gegen di« .übermüthig« und reich« Juden' zu schür«.') Doch lonntm sie lange ihr« Zweck nicht erreich«, da der Kaiser (als Vormund des uachgebor«« Ladislaus) sie schützte, und der Rath der Stadt, der wohl längst nach dem ungehmem Bcrmögm der Jvdmschaft ein Lüftchen hegte, es nicht wagte fie off« anzugreif«, ohne auch nnr den geringsten Schein de« Recht» für fich zu Hab«. — In Lieznitz wußte man sich damals (1447) der Juden auf einfache Weise zu «tledigen. Der dortige Bürgermeister, dem die Rivalität der Jud« als Gläubiger de» Herzog» höchst unbequem und gefährlich war, erwirkt« als allmächtiger Günstling bei der Herpgin Elisabeth dm Befehl, daß die außerhalb der Stadtmauer sich befindende Judmgaffe mit Ausnahme von vier Häusem »der Fortifikation weg«' niedergeriffm werde; die Jud«, die tu der Stadt nicht wohn« dürft«, mußt« natürlich Liegnitz verlass«.") In Breslau ging aber ein solcher Grund schon darum nicht an, well die Judmhäuser in Mitt« der Stadt lag« (in der Gegmd der heutig« Kupferschmiede» und Altbüßevstraße) und di« Gemeind« schon seit 1845 jährlich 30 Mark zier Stadtmauer zu zahl« hatte.") Man würde irr« zu glaub«, daß dt« Jud« dt« Volk« nicht bemerkt hltt«, die sich drohend über ihr« Häuptern zusamwmzogm. Ein« jüugst erst tm Lieg.

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