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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-02-15 · 7 (15.2.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
7 (15.2.1871)
Date
1871-02-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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63 Unter dem 4. grfrour schreibt Herr Dr. Lewin: ' »Heute habe ich hier wieder mit der v. Division in der Synagoge Gottesdienst gehalten und zwar u» 8 Uhr, so daß wir ganz regelmäßig rrw «nd rfpco beten konnten. Ich predigte am Schluff«, nachdem die wenige» enragirtea Franzosen die Synagoge verlaffen hatte», über 2 Mos. 14, 31. ES wohnten etwa 50 Soldaten bet, dieselben vetthetltm sich auf dt« Regimenter 7, 58, 59, Jäger-Bataillon 5, SanitätS - Detachement, Feld-Gendarmerie und Dragoner; auch einen Arzt »ollen Einige im Hintergründe bemerkt habe». Neu waren die Lieferanten, von denen eine nicht unbettächtliche Zahl anwesend war. Bon de» kleinm Sidduri« habe ich trotz aller Sparsamkeit schon 7 auügegeben. Uebermorgen» Montag, 4 Uhr Nachm., ist für di« 21. Division in Meudon Gottesdienst anbefohlea. Nächste» Sabbat rrr gedenke ich bei den Bayem zu fein/ — Boa Herrn Dr. Blumenstein haben wir nur einm Brief aus Rouen vom 20. Januar. »Ich befinde mich fett Mittwoch hier und benutze die Zett zum Besuche der Lazarethe und zur Beraustaltung etneS Gottesdienstes für die hiefizen Soldaten. In der Easerue Mattlnville lagen zwei jüdffche Kranke, von denen der eine durch die Strapazen und de« Pulverdampf fast daS Augenlicht verloren hätte. Zudem hatte dieser daS Unglück, während seines Aufenthalts in Frankreich sein« Bater zu verlieren. Sie können sich die Freud« bei armm Menschen denken, als ich ihn besuchte, seiner Mutter für ihn schrieb — da er dieses uicht vermag — ihm auch aus meiner Kaffe eine Unterstützung zu Theil werden ließ. Auch veranlaßte ich den hiesigen Caator» daß demselben etwas koscheres Esten von Zett zu Zeit in die Easerue gebracht würde. Da der Großherzog von Mecklenburg gegenwärtig hier sei« Hauptquartier hat und starke Truppendurchmärsch« stattfinden, ließ ich durch di« Kommandantur den Hierselbst garnisonireuden Truppen per Parole einen Gottesdienst auf Sonnabend früh 81/» Uhr in der Synagoge anordnen. Dies wurde beim Apell Freitag den Soldaten verkündigt. Leider konnte» nicht viele daran Theil nehmen, da beretts gegen 11 Uhr auSmarfchtrt wurde. Einige Soldaten, die über Sonnabend hier blieben, konnten auf meine Leranlaffung koscher speisen. UebrigeuS sagen alle Soldaten, daß sie von de» jüdischen Glaubensbrüder» in Frankreich sehr zuvorkommend behandelt würden. Auch ich erfreut« mich einer sehr zuvorkommende» Behandlung von Seiten der hiesige« Juden. Ich wurde bet einer der bester situirten Familie» etnquarttert und konnte auch koscher speise». ES wohnen hier etwa 60 Familie», von denen aber kau« 10 am Sonnabmd die Synagoge besuchen. Der jüdisch« Tempel, einfach «nd schön, war früher eine Kirche und wurde von den Judm für 80,000 FrcS. angttauft. DaS fchönste Palais in Rouen, daS P*l«ia de Jutioe, war vor Vertreibung der Jude» a«S der Normandi« «tue Synagoge; ich Hab« beste» Abbildung zum Andenken an dt« feldgeiftltche Angelegenheit für Sie gekauft. Morgen gehe ich »ach AmienS zurück, wo gegenwärtig daS Ober-Eommando (v. Göben) sich befindet. Während d«S Waffenstillstandes hoffe ich au verschiedenen Punkten religiöse Versammlungen abzuhalteu. Hier wurde ich von dm Offizieren t>«S GeueralstabeS d«S 1. ArmeeeorpS, die mich von St. Barbe snr kannten, sehr gut aufgmommen. Dteselbm vermittettm meine Anttäge der Commandaotur, welche dieselbm prompt ausführte. lZhre Briefe au mich bitte ich stetpoato roet. AmimS zu senden. Ich ttaf hier auch meinm Borbeter (pP) von ©t Barbe, der Borsteher eines LazarethS ist; derselbe klagte mir Densall» über dm Mangel au paffend« Lectüre/ — Vielleicht ist die» d« Schreib« nachstehendm Briefe», den wir für mittheilenSwetth halten: Au d. Redact. der.JSr.Wochenschr.' Hrn. vr.TrmenfelS in Stettin. Rouen, dm 29. Januar '871. Dies« Tage hattm wir da» B«gnügm und die Freude, von he» jüdisch« Feldgeistlichen Herrn Dr. vlummstet« au» Man» hei« besucht zu werden. Derselbe stattet, dm verwundet« und Krank« unsere« Glauben« in ü« hiesig« Lazarethm «in« Besuch ab, und wurde daselbst mit groß« Freude begrüßt. Innige Worte de» Tröste» und d« «ckrmunterung sprach « an im Krankenbette uns«« leidend« Brüd«. Wie schr e» dm jüdisch« Krieg« auf sein« SchmerzmSstätt« «hebt, wenn « sieht, daß auch für seine GlaubmSbrüd« etwas geschieht, kann ich Ihn« kaum schildern. H«r Dr. Blomenstein vertrat die Jnteveffm uns«« GlaubmSgmossm dm Behördm gegmüb« auf da« Veste. Such ließ derselbe durch di« hiesige Commandantur die jüdisch« Soldat« auf Sonnabend früh 8'/, Uhr in die hiesige Synagoge beordem, wa» auch durch Parole bekannt gemacht wurde. Leid« könnt« weg« de» AuSmarsche» uicht all« Soldat« mosaisch« Glaub«« daran Theil nehm« «nd hoff« wir, daß d« Waffenstillstand d« religiös« Sache günstig« sein wird. St« «laubm einm Uebelstand zu berühr«, d« in dm hiesig« Lazarethm sich allzu fühlbar macht. D« kranke jüdische Soldat schmachtet nämlich nach Lectüre jüdisch« JnhatteS, und würd« Sie gewiß de» Dankes All« gewärtig fein, w«n Sie mi« ein Exemplar Ihrer geschätzt« Wochmschrift zukommm ließen. Gmehmigm Sie dm Ausdruck d« vorzüglichste» Hochachtung Ihres «gebmm L. Josephsohn, Uuttroffizi« »ad Sa-arethDehülft dr« II. Frld-ka-arrch« 1. «rmerrirp«. Bitte untn dies« Adresse mir Ihre Zeitschrift zukomm« zu laffm, für d«m Berthellong ich best«» Sorge ttaz« werde. D. O. — D« Füsilier Georg Sonnenthal au» DreSdm, 58. Regt. 11. Comp., hat für tapf««S B«haltm in d« Schlacht bei Wetffenburg das eiseme Krmz «halte». Berichte und Correspondenzen. Deutschland. H Berlin, 1. Februar. (Orig.»Eorresp.) Zu den viel« Vorlesung«, welche wir dies« Wint« Hab«, ist eia um« EyciuS hinzogettet«, welch« von drn Mitglied«« de» hiesig« B«etnS G«phat Emeth gehaUen wird. Die jung« strebsam« Kräfte, welche dies« B«etn bilde», last« «n», wmn auch nicht Bollendete», doch Jat«effanteS und AaregendeS erwart«^ und ist d« erste Bortrag von Dr. KarpeleS: »Die Frau« in d« jüdisch« Ltteratur', mit vielem Bestalle von d« zahlreich« Zuhörem «nd Zuhörerinn« ausgmommm Word«. Die von mehr«« hiesig« jüdisch« Mttgliedem ne««dtugS eingebracht« Petition an da» Sbgeordnetmhau» »weg« gesetzlich« Regelung d« Gemei»d«-B«hältuiffe d« Judm in Preußer/ hat unter d» nevlog« Beherrsch«» d« hiesig« Gemeinde groß« Unmhe vemrsacht. Sie fühl« sich nicht sich« nnd laffm «» in ihrem Organe, d« Phtltppson'sch« Zeitung, an Angriff« zeg« dt« glaubmttrme Pattei uicht fehlen. Da sprechm diese H«r«, welch« e« dahin gebracht, daß die nme Synagoge le« steht und di« Besuch« d« alt« daraus vertrieb« werde«, von Aufgabm. welch« die »Gemeind« Israeli* zu erfüll« hob«. Ja gewiß find solche zu «füll« und die all««ste ist, daß wir di« Religion uns«« Bät« wird« d« Kindern als Erbtheil, nervo, zu überliefern Hab«. Wie ab«, 'v«n die Gemeiude Schul« «nt«- hält, der« Lehr« d« Kinde« da» GotteSwott als mythische Goschichtm darstellm? W«n Rabbin« dm Talmud läch«lich mach« und gegm Satzung« und Gebote sprechm? Ist eine solche Gemeinde »och in Wahrheit eine jüdische? Ad« wenn wir auch de» Fried«» weg« un« Alle» g.-fallen ließ«, un» zurückzoz« in die kleine «»zureichende Synagoge und nur bat«, un» dort «nge-

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