Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 6 (8.2.1871)
- Date
- 1871-02-08
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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44 audem Treffen de- 3. December, einige jedoch lagen leider auch sehr schwer danlieber. Heber die ihnen zu Theil werdende Pflege sprachen sich die Meisten befriedigend auS; alle aber hatten ein dringende- Verlangen nach einer guten Lektüre, da sie den vorhandenen Büch ein — ich brauche Ihnen dieselben wohl nicht näher zu bezeiciner! — durchaus keinen Geschmack abgewinnen können. Könrte nicht nach dieser Seite hin Etwageschehen?*) — In Lnbcttacht der Schwerverwundeten erkundigte ich mich, wie eit in kiesiger Stadt, in welcher nur sechs jüdische Familien sich kofinder., mit einer Begräbnisstätte stünde; ich erfuhr indeß, das) auf dem christlichen Kirchhofe ein kleiner Platz für jüdische Begräbnisse abgesondert ist. Demzufolge trug ich den Vorständen der Lazarethe auf, mich gefälligst durch den Tele, graphen benachrichtigen zu wollen, wmn (waS Gott verhüt« möge!) ein Todesfall bei jüdischen Soldaten rorkommen sollte; ich werde alsdann jedenfalls der Behörde gegenüber den confesstouellen Standpunkt zu wahren suchen, zumal mir der Obmann der hiesigen jüdischen Familien seine Unterstützung zusagte. Da die I. Armee sich fortwährend auf Märschen und Kämpfen befindet, so muß ich einstweilen von der Abhaltung eines Feldgottesdienstes absehen; ich werde indeß meine ganze Thättgkest den Lazarcthen widmen und mich zu diesem Zwecke merzen nach Rouen begeben, wo ich jedenfalls auch nähere Auskunft über den gegenwärtigen Aufenthalt des Hauptquartiers zu erhalten hoffe. Don dort solle» Sie, falls die Verhältnisse es gestatten, nähere Nachrichten von mir erhalten. Für jetzt bin ich durch den Anblick so vielen Jammers und Elends, auch durch die ansttengende Reise zu sehr erschöpft. Bei den hiesigen jüdischen Familien habe ich nicht essen können und daher seit 8 Tagen nichts Warmes genossen. Doch bin ich G. s. D. gesund und ttage in Anbettacht der guten und heiligen Sache die Entbehrungen gern; die Freude der Soldaten entschädigt mich reichlich. N. S. Lei der Capitulation von Paris, die hier al» ganz nahe bevorstehend gilt, wird der König einm allgemeinen Gottesdienst anordnen, alsdann werde ich einen solchen abhalten, wenn nicht früher. — Herr vr. Lewin schrieb von Montmorency, 21. Januar (p"tfa): -In Lagny gab es schlechtes Quartier, ohne Verpflegung, 3 Eier und Wein für 1 Thlr. 5 Sgr. Gestern, Freitag Morgen, wurde ich mit einer leer zurückkehrenden Sanitäts- Colonne bis hierher befördert, wo ich um 4 Uhr ankam und ro? halten mußte. Da heute das Bombardement von St. Denis eröffnet wurde, bot ich mich zur Hülfeleistung im Lazareth an, welche gern angenommen, aber 'glücklicherweise nicht gebraucht wurde. Abends stellte ich mich dem Oberstlieutenaat v. FuchS vom 93. Regiment vor, welcher anordnete, daß ich morgen früh nach St. Genr ain mit einer Colonne weiter fahren sollte und mich zum Abendbrod einlud. Nach den nöthigen kurz gegebenen Erklärungen über das Unmögliche deS MiteisenS genoß ich bei ihm Genießbares und freundlich Gereichtes. Juden sind hier wmize dabei.**) — Unsere Ernennung ist durch Armeebefehl allen Truppentheilen bekannt gegeben worden und genügt die Nennung meines NamenS größteathcilS zu meiner Legitimation. — Dann we ter aus Versailles, 24. Januar: Sonntag ftüh gings auf beladenen Proviantwagen nach St. Germain und von da in einer requirirten Kutsch« hierher. Einquartiert wurde ich auf meine Bitte „de me loger chez un correligioaaire, ce qne me serait trfes - agr&able & ' cause de norrriture“ bei dem Rabbi« Mr. Weil. Dort war Wir mache» alle, welche Rach und Hülfe schaffe» Banen, auf diesem Wunsch aufmerksam! (Red.) •*) I» jener »egend liegen di« Sachsen, als» selbstversläudlich wenig Indem. (Red.) große Freude über mein Komm«, doch da sek« Fra» uicht ge« fund ist, bat er mich in eine Umquartterung zu willigen, und so wohne ich denn fett heute „Rae de Mannpaa 11". Ich meldete mich zunächst bei Her« v. Blumenthal, der mich an den Oberst v. Gottberg wies. Dort wurde mir anheimgegeben mich mit bm einzelnen RegimentS-Commandeur« in Verbindung zu setzen «sfe so wurde zunächst vom Commando der S. Division Requirtnmg der Synagoge — nach dem Gottesdienste der Gemeinde, etwa >/, 11 Uhr — sowie auf vorhergehende Anzeige Divisionsbefehl versprochen. Doch diesen Sonnabend gehthier nicht, da gerade Vorpostenwechfkl ist. So will ich denn heute nochmal» auf» Hauptquartier, um für die Woche anderweittge Directiou zu er» halten. Berichte und Correfpondenzen. Deutschland. B. Bretla», 29. Januar. (Orig.-Corresp.) Die hiesige »Morgen-Zeitung* berichtet, daß die Judm in Nakel endlich durchgrdrungen sind, indem der dortige Rabbiner vr. Cohn, nachdem er bei der Regierung eine pädagogische Arbeit eingereicht hatte, zum Schulinspector (der jüdisch« Schule) emaunt ist. Diesei für die Provinz Pos« der erste Fall. Ich kan» Ihn« mittheilen, daß der Rabbiner Deutsch in Sohrau bereits Anfang» diese» Monats ohne vorgängigeS Examen Schuirevisor geworden ist. 6. Eolberg, 29. Januar. (Orig.'Corresp.) Am 26. d. M. hielt in der Aula de» hiesig« Gymnasiums vor einem größer« Auditorium der Rabbiner vr. Goldschmidt zum Best« der Verwundeten eine Vorlesung über Nathan, dm Weisen. Der Redner zeigte zunächst die Verdienste Lesfing» um daS dmtsche Volk im Allgemein« und die Judm im Besonder«, ging dann auf Nathan über, beleuchtete die einzeln« Person« deflelbm und zeigte sie im Lichte ter jüdischmZustände de» vor. Jahrhunderts. DaS Publikum, auch da» uichtjüdische, unter dem sich auch der hiesige Commandant, der Bürgermeister und ei« Pastor befand«, folgte dem Redner mit sichtlicher Spannung und schim sich angeregt zu fühlen, als der Redner mit dem Wunsche schloß, daß »über d« Gräbern der in Frankreich gefall«« Held», die in ihrem kühl« Grunde Christ und Jude friedlich umschließen, jeder Religion», haß und jede Unduldsamkeit verstummen möge*. Erwähnen», werth bleibt es, daß die hiesige sogenanute liberale Partei fast durch kein« Zuhörer verttetm war. — In dm Chanucka-Tagen starb hier einer der jüdisch« KriegSzefangmm, Simon Silver, dm Vergiftung»!^ durch KohlwoxydgaS. Seme Leiche wurde sofort von der Synagogen- Gemeinde reclamirt, um sie nach jüdischem Rüu» zu bestatte». Der Commaudant ließ cs sich jedoch nicht nehme», ihn auch mtt all« militärisch« Ehr«, mit gedämpftem Trommelschlag und den üblich« dr«i Salvm bestatt« zu lassen. — Ich bin in der Lage zu bericht«, daß da» Frl. Franziska Bernhard, Tochter de» Her« Meyer Bernhard in Berlin, gleichzeitig mtt Frau Hlldesheimer dm Augusta-Ordmfür tytc Verdienste in dm Lazareth« erhalt« hat. Hamburg, 17. Januar. Die Verwaltung der Eduard vley- Stiftung für alte wohlverdiente und unversorgte Lehrer und Lehrerinn« hat ihre Abrechnung für da» Jahr 1879 veröffentlicht, wonach dieselbe beim Beginn de» Jahre» einm Capitalbestand von 17,639 Mk. Art. 10 Sch. hatten die regelmäßig« Beiträge betrug« 1031 Mk. Crt.1L Sch., Geschmke 5Ü0 Mk. Crt. und ei« Legat de» verstorben« vr. Bett 630 Mk. Crt. 12 Sch. Hierzu komm« di« Zins« der belogt« Capttalim mtt 543 Mk. Crt. 8 Sch., zusammm 30,39b Mk. Er». 11 Sch. Am Schluffe de»