Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 6 (8.2.1871)
- Date
- 1871-02-08
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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u für dal labelurt'jril über Hub, et sprach von .der Pflicht der barmherzigen Grausamkeit'; darum nennt Theod. Beza, der-Reformator, die Geivtffenlsreiheit et, .teuflische» Dogma', und Calvin läßt Gerr-t, der die Gkttlichkett Christi bestreitet, ebensogut verbrennen, wie e» Lorquemada gethan haben würde. Wie konnte au« die Religion, d. h. die Kirche, gegen den Krieg predige«, wie war ste im Stande für Bölkerfrtedeu ihre mächtige Stimme zu erheben, da Bischöfe da» Schwert führten, Heidenschlächter kanonistrt wurden und bald hier, bald dort rin heiliger.'krieg gepredigt wurde, da ste jeden Augenblick bereit war den Ai m zu bewaffnen oder den bewaffnete» in ihren Dienst zu rufen, wo irgend eine nicht genau rechtgläubige Regung auftauchen wollte»! Da blieb vom Frieden, von der Milde, von der .Liebe' nicht!» al» jener widerliche Phrasenschimmer, jener Hohn z. V., mit dem der Inquisitor den verurtheilten Ketzer de« weltlichen Henker 1 bergab und ihn dabei — seinem Mitleid empfahl! Rur in einer, Punkte hatte die Kirche nichl ganz ihren Ursprung. ihre Aufgabe vergessen. Sie wollte allerding» Frieden den Menschen bringen; der Papst wollte Richter zwischen Völkern, zwischen Für'ten sein, er wollte Thron«, Erb«, Grmzstretttgketten schlichten, Gotteöfrtedm gebieten — und in dieser Idee lag die Quelle bei päpstliche» Macht in ihrer vlüthezeit — aber mm ist wieder allbekannt, wie au» dieser Frteden»mtsfion die lange Reihe bluttzster Kämpfe entsprang, an denen Papstthum und Kaiserthum zugleich sich verblutet:». Seit dem Ende de» 30jährigen Kriege» haben die Religion»« kriege aufgehört, bald wurde» auch die Religton»verfolgungm seltener, schwächer hätten auf. War nun dal Christenthum tolerant geworden» Da» wäre wieder eine grobe Beschicht»- fälschung. Nein, die Geister der kettenden Völker sagtm sich von dem christlick m Dogma lo», die .Aufklärung' warf der Kirche die ganze Oogmatik vor die Füße. Nr-n stritt man nichtmehr über tbeolo zische Spitzfindigkeiten, fand e» thöricht, abscheulich, daß .nan je darüber gehadett, beklagte da» Blut, welche» darübrr geflossen; aber da» geschah von denen, welche Orthodoxie und .peterodoxie, JansmiSmu», Jesuitenlehre, lutherische und reformitte Rechtgl iubigkeit mit demselben Spctte übergossen. Feuilleton. Die Tartaren und die Juden. von Dt. Hermann Nah».-) (?8 war im Mittelalter nicht» Seltene», daß große Kalamitäten, mochten diese nun ganze Länder oder einzelne Ortschaften betreffen, durch die Natur oder sonstige Ereizniffe herbeigefiihtt worden sein, den Juden entweder direct zur Last gelegt oder nur für Stiafm de» Himmel» wegen der Duldung der Ungläubigen erklät und somit sttt» al» gute Gelegenheiten angeseheir wurden, über die unglückliche» Bekenner de» Mosai»mu» herzufallen und sie zu verderben. Und mochten diese auch selbst vom Unglücke mi betroffen worden sein, e» half ihnen wenig; denn der Haß war blind und lechzte nach seinen Opfern, ohne erst nach Vernunft- oder Gerechtigkeittgründm viel zu fragen. — So beschuldk;te man in de» Jahre« 1348 und 1349, al» der .schwarze Tot' in Europa wüthete und Städte und Länder entvölkette, die Jude», daß sie die Brunnen, die Luft vergisttt und so da» schreckliche Sterbe» verursacht hätten, und Tausende von Unschuldigen wurden verfolgt, gemattett und verbrannt.') Ei» furchtbarer £ rkau raste am 1. September 1535 über Oel», *> Der verfass» dieses Aufsatzes ist leider durch eine« allzufrüh« Tod der jütische» Siffeufhast eatriffe» morde». (Vieh« Seite RS der vacheuschrist t. I.) wir b trachte» es als eiue» Net der Pietät, diese »ad »och eine andere vollendet hiuterlaffeue Leine Arbeit zu verüffemücheu. (Red.) «bsr anch öhüsbie» hatte bis Kirche ihre Macht» welch« fl« zu Gunst« de» Frieden« hätte verwende, «Mn» verloren» selbst aufpgchm. Da» Christ«« hu» hatte, u« Slnattreltgiou zu sei» «ad zu bleib«» sich i, den Dimst de» Staat« gestellt. Dafür» daß Herrscher die Kirche schützt«» ihr Pttvttegten verlieh«, begab sie sich de» edelst« Rechte»: Fürst« di« vahrhett zu sag«, dm Leidenschaft«, hier tntbesondere der Kttegtsucht und Evoberunglluft, ein Halt enIgegMMufeu. Höchsten« «hob stch ich, Geistlicher einmal dazu, Laster eine« Hofe» z« geißeln, aber in d« souverän« Will« etnzugrttf« — gleich d« prophttm — V Und umgekehrt lieft man wohl die Krieger und ihre vaffep kirchlich segn«, aber ein« Cinspruch geg« den Krieg, und wäre er der schreiendst ungerechteste gewes«, »er hat solch« gewa-t und wer gestattet?! vir komm« zum Schluffe. Trifft nun irgmd etwa» von allem hier Srörtett« auch da» Judmthum, di« Mutterreligto»? Qff«bar nicht. Vetter könn« wir fretttch nicht gehe». Di« Frag«, ob da» Judmthum, so <« dt« extensiv« Macht de» Chttstmthnm» besäße, dm völkem Ftted« gebracht und dm Krieg« ei» Cnde gemacht Hab« würde, läßt kein« positive historisch« Antwort zu. Die Prob« ist nicht gemacht. Aber «tu» steht fest: dt« Mutter» reltgto« an sich könnt« dm Anlaß zu Krieg« nicht gebe«, fl« will ja nicht bekehren, d« Glaub« Anderer nicht einmal prüf«, geschweige bekämpf«, ihr Wahlspruch lautttr .möge jede» Volk im Ramm seine» Gotte» wandeln, wir geh« im Ramm unser» Gotte«!' (Mich. 4, b.) Da» ist doch dt« praktisch« Grundlage de» Frieden»! Nachrichten vom Kriegsschauplätze. Die Waffe?ruh'». So widerstrebt e» »n«, auch «»''tu unserm harmlos« Blättern .Krteg»»Rachttchtm' zu schreib«. .Möge der (Krieg«-) Tod verntchttt verdm auf immerdar, es trockne Gott, der Herr, die Thrine von jedem Angesicht und nehme die Eibmach seine» Volke» von der ganz« Erd«.' Um riß die Dächer von den Häufe« und schleuderte Mensch« und Thier« hoch in die Lust. Wenn nun auch Judm dabei ihr Leb« verlor«, ihre Druckertt daselbst ein Opfer de» Sturme» wmche: da» Elementar-llnglück ward al» eine Rache der Vorsehung au»- gelegt, herbeigefühtt durch die Judm, und fl« mußt« ohne Weitere» die Stadt, ihr« Tempel, ihre Tobt« verlasse».') I« » Prag und andern Städten Böhmen» warm um'» Jahr 1542 verheerende FeuerSbrünste entstanden. Wer ander» al» die Judm solltm sie angelegt haben? — und schonmrgölo» wurden sie au» dem Lande gejagt.') — Auch der Einfall der Tattarm im Jahre 1341 wmde von dm Feinden der Jude» auSgebmttt, um eine Verfolgung über diese heraufzubeschwören. Gin lächetticher Aberglaube machte nämlich jme furchtbaren afiattschm Kttegerhordm zu Abkömmling« von Judm, die einst Alexander der Große in die Gebirge am kadpischm Meere abgefühtt Hab« sollte. Auf da» Gckbet de» macedonischm Heldm hätte Gott durch ei» Wunder die Felsm ttngSum vereinigt so daß die Judm wie in eine« Kessel eingeschloffm warm — bi» zum Jahre 1240, wo sich durch ei» neue» Wunder ihr Gefängntß geösfntt habe. Don daher »ttm nun jme ungeheure» Mmschmmaffm gekommen, die Europa überschwemmt« und Rache nahm« für die ihr« GlaubRckgmossm zugefügtm Unbilden. Die' europäisch« Judm hüttm nicht so bald von der Ankunft ihrer fmchtbarm Rächer erftchre», al» sie sich auch schon im Geheim« versammelt« und beriech«, wie sie sich zudm'ihnen vou Sott gesandt« Brüdem verhattm soLen. Natüttich wurde befchloffm, die' Gvtte»ftrettrr, dir da»