Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 5 (1.2.1871)
- Date
- 1871-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Ocfte zu« Lode, unb zwar zur Strangulation. Dal Com- «ando, dal zur Execution bestimmt war, rückte, einen Major «» der Spitze, au», und vollzog tu der Thal die Hinrichtung zuaächst au dem eium, dem christlich«« jungen Maane. Eben «oird auch dem ander», dem Israeliten, die Schlinge um den Hals gelegt, al» er tu die Worte, die jeder Israelit vor dem Tod« spricht: »Schma Jisroel', da» Anfang des Sterbegebets, ausbricht. Da die Executiou commandireude Major, dies hörend, gab sofort den Befehl zum Jnaehalte» der Hinrichtung. Er wandte stch an seine Leute, sagte ihnen, der Delinquent möge doch wohl unschuldig sei« und ließ ihn in da» Gefängniß zurückführen. Dort sah der Major die vorher nur oberflächlich besichtigten Papiere des Gefangenen genau« durch, gewann die Ueberzeugung von d« Unschuld, bewirkte seine Freilassung und seine« Rücktransport zu de» preußischen Vorposten. D« Major war nämlich ein Israelit, wie d«en viele im franzöfische« Heere als Offiziere dienen, sein Gewissen ließ es nicht zu, möglich«- »veise etu »«-«echtes llrtheil au einem Glaubensgenosse» zu voll strecke». Nach d« Rückkehr des Marketend«» zu seinem Lruppentheil legte« die Offizt«e so viel zusammen, um ihn wird« tu die Lag« zu setzen, sein Geschäft beginnen zu können. D« auf so wuud«bar« Weise G«ettete ist etu geboren« Danzig«.' — Ein« Co«espoadenz des »Je«. Mess.' aus Marseille entneha»«u »vir folgende Rachrichteu aus Frankreich: »Lassen Sie «ich Ihne» einen rührende» Zug väterlich« Lieb« erzählen. Ein Israelit«, dessen «in« Sohn sich bereits als Kriegsgefangener in Deutschland befindet, mußte auch seinen zweiten Sohn, einen Jüngling vo» 20 Iahte», zur Arme« gehe« lasse». D«Lat«, et» Wtttiv«, d« um diese zwei Riad« hat und besond«» a« de« jüng«en hängt, trat als Freiwillig« in das Regiment ein, ..fe JKbtan.iff* Sohü dient, ohglchh « bereits üb« 50 Jahr« alt ist und etu blühendes Geschäft aufgeben mußt«.' ,D« JustizminiK« hat an die katholische», protestantische» xnb israelitische» Geistliche» «in Circular ergehen lassen, «vorjn « sie 1» warm« und b««dt« Weis« bittet, für dt« in deutsche Gefangenschaft gerathene» Soldaten Sammlung« in de» Ktrchm und Synagoge» zu v«austalten. Er räth de» Rabbi««, »den«» ihr Gesetz verbietet, an Sabbate» und Festtag« Geld entgegen zu nehme» (to handle eoina)', die Sammlung« am Freitag Abend eiae Stund« vor Sonne»-Untergang abzuhaltm. »Es scheint — setzt d« Correspondent Hinz» — daß H«r Erömieux sich nicht nur nicht schämt d« jüdisch« Gemeinde anzugehörm, soadem daß « auch sein« Glaub« laut vor all« Welt bekennt «ad dm Rabbin« räth, die gewetheten Gebräuche aufrecht zu halt«, kein Geld am Sabbat zu handhaben. D« franzö« fisch« Justizmiutst« wird Ihr« Reformern gewiß für eia« orthodox« Schwätz« gelt«, d« vo» d« dr ngendm Nothwmdig» kett, die v«altet« Gesetz« üb« Heiltghaltunz des fiebmtm Tage» zu refonair«, keim Idee hat.' In Fraukretch ist bekanntlich d« Iustizminister zugleich Cultusmkaist«, hat jedoch auch »ur mit de« äußer«, säkular«, d. h. hauptsächlich d« Geld - Angelegenheit«: d« Kirchm zu thun. Eröuieur hat dieses Amt auch 1848 verwaltet. Dt« ,A. Z. d. I.' hatte belichtet, daß « diesmal die Cultus-Angelegmheitm nicht mit übernommen habe. D« ftauzöfische Co«espo»dmt dürste es ab« wohl bess« wisse«. Dl: Aeußerung des He«n vr. Alb. Cohn in Paris» welche uns«» Lesern genügend bekannt ist, wird von all« jüdisch« Blättmi Deutschlands ««gisch zurückgewiesen. Wir reproducirm jedoch folgend« Bemerkung des »Jsr. Lehrers', welche beachten»« »erth scheint: »Wenn »vir auch mit allem Ernste gegm die B«- dächtigrng dn dmtschm Soldat« protestire», die in den obig« Wort« Alb. Cohns ausgesprochm sst uud die durch die Thatm d« deutsch-jüdische» Soldat« Lüg« gestraft »v«d«, so thun wir 87 - dies doch mit de« Vorbehalte, daß die llebersetzuug und d« Wortlaut gmau so ist, wie ob« angedeutet, was wir übrigens bei d« hoh« Einsicht und dem edlm Charakt« Albert Cohn» sehr bezweifeln. Daß eine Entstellung solcher Worte in d« Gegenwart sehr möglich und sogar wahrscheinlich ist, versteht fich von selbst.' Die Redaction gedacht« Blattes «acht f«n« darauf aufmerksam, daß in de« betreffenden Berichte in der ,A. A. Z.' «nt« d« bei d« Fei« anwesend« jüdisch« Notabilitäte» auch Crömieux gmannt ist. Sin handgreiflich« Un> sinn, d« die Genauigkeit d« ganz« Relation d« .Jndöpen» danc»' v«dächtig macht. (Die .Jndöpmdance' ist in dm Küsten« ländem v«botm — wir wisse» daher nicht, ob Cr4»»imx in diesem Blatte selbst gmauni »vordm ist.) Berichte und (Korrespondenzen. Deutschland. ' ' verliu, 25. Januar. (Privat-Mittheilung.) H«r v. F. Peixotto, d« fich vo« London nach Frankfurt a. M. begebm hatte, ist »origen Frettag hi« etngetross« und reift harte 'Sbmd nach Wien wett«. El steht zu hoff«, daß die Aufnahme, die « hi« gesund«, ihn befriedigt habm wird. Gewichtige Gründe ließ« von öffentlicher Ovation, die man dem liebenswürdig«, wohlunterrichtet« Manne, d« fich für seine Misfion offenbar auch lit«arisch gründlich vorberettet hat, g«n bereitet Hab« würde, absehe». Dieselb« Gründe gebiet« uns auch, uns vorläufig auf diese Zeil« zu beschränk«. — Aruukfurt a. M., 12. Januar. I» d« Stadtverordnetenversammlung gelangte hmte eiae Rückantwort des Magistrats auf die vo« H«rn Nolte am Schlüsse des vorig« Jahres gesellte Jaterpeüatton, die Erthefiung des Berechtigungs-Scheine« zum einjährig« Militärdienst auch auf die christlich« Zöglinge . d« israelitischen Realschule auszudehnm, zur Kenatniß d« Versammlung. D« Magistrat «klärte, « habe «ach dem vernehmen d« betreffend« Schulbehörde uut« de« 26. Januar 1869 dm Autrag mit eia« uut«stütz«dm Eingabe an die Regierung, Abtheilung für Kirchm und Schulen, gerichtet, auf dieselbe jchoch noch keine Verfügung «halt«. Er habe aus d« «folgt« Jnterpellation Anlaß g«ommm, dt« Sache abermals in Erinnnung zu brtngm. H«r Nolte bemerkte dabei, es sei nun bald ein Jahr h«, daß die Dache in Anregung gekommm; hätte «an sich derselbe» anzmommm und sie eifrig« betrieben, so würde sie vielleicht schon durchgesetzt sein. — * Hatußurß, 6. Januar. (Orig.-Conesp.) Wied« ist au» unser« Stadt von großartig« Legat« jüngst verstorben« Mitglied« uns«« Gemeinde zu bertchtm. Es betrifft die letztwillig« Verfügungen de» Her« G. B. Oppenheimer, dessm Tod Sie jüngst «wähnt haben, und des am 2V. v. M. gestorbenen Her« Jacob Meyer. Ueb« dm Erst«« w«d« Ihre Les« zuvor einige Notizen wohl tnteresstren. D« Berstorbme hatte sich von einem ziemlich ,armm Jung«' zu einem d« bedeutmdst« Kaufimte hier emporgeschwungen. Er war und blieb stet» ei» gut« Jude, sei« Geschäft war am Sabbat und Festtag .streng' geschlossen. In seinem Haus; hielt « eine Prtvatsynagoge uud war selbst d«m fletßtgst« und püaftltchst« Besuch«. Au» dies« Dsstinung find auch manche sein« Testammisbestimmungm hervorgegangm, üb« welche die .Reform' berichtet. ,A« Stnbetagr des v«storbmm soll« zeh» schristgelehrte Männ« für da« Seelmheil des v«storb«m beten. Jedem sind hierfür 25 Mark autzuzahsm. 20,609 Mark Banco soll« dem Fonds zugeschrieb« »«den, welch« bereite für die in dem Oppen» hettner'schen Hause auf dem Nmmwall bestehmde Synagoge vorhanden ist. Wenn dies« Synagoge «tust durch v«kaus des Hauses