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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-02-01 · 5 (1.2.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
5 (1.2.1871)
Date
1871-02-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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36 triotismu« cmitMblickllL feine Befriedigung sucht in der Verunglimpfung de« wälschen Geiste-, dem sie selber vielleicht sich einst allzu willig nuterworfen. Eine Eultur, die Jahrhunderte hindurch dtt lLelt beherrscht hat, wird auch heute noch neben ihren Auswlichs« eine stttigmde und erziehliche Araft außzuüben vermögen. Allein auf die Masse der Juden im Elsaß und in Deutsch-Lothringen hat eben die franzöfische Eultur keinen Einfluß geübt, weil sie von derselben überhaupt ganz unberührt geblieben ist. Wir haben schon einmal der eigeuthümlichen Erfahrung Erwähnung gethan, nach welcher die Juden, wem» sie irgend einmal mit de« deutschen Eulturleb« in die leiseste Berührung getreten find, dessen Einflüsse in Sprache und Sitte hartnäckig f,schalt« und sich den entgegenwirkenden Strömungen fast instinktiv entziehen. Die Juden in Elsaß und Deutsch- Lothringen {«Een an der Eultur »Entwickelung des französischen Volkes aber umsoweniger Antheil genommen, je mehr dieselbe von der Peripherie dem Zentrum zustrebte und sich dem Einflüsse des iri'vinzleüen Leben« entzog. E« ist bekannt, daß das Eenttalssatiousprinrip, da« Stteben nach Bereinigung aller aus da« Staa «wesen einflußreichen Bewegungen, selbst auf dem Gebiete der Literatur uno Eultur, in Frankreich au« den Lagen Ludwig« XIV. stammt, also au« einer Zeit, in welcher die früher deutschen ReichSlande von Frankreich annectirt wurden. Go sind dem, die Jude, in Elsaß und Deutsch-Lothringen von den Fortschritten de: franzöfischen Eivilisation aulgeichloss« geblieben, während ihr; liostrennung von Deutschland ste nicht in den mächtigen Entwickelung«-Prozeh hineinzog, welcher i« letzten Jahrhunderte die deutschen Juden ergriffen hat und sie zu einer ftauneulwerlheu Höhe emporsteigen ließ. Die Juden der früheren Reichslande find im Ganzen und Großen auf der niedrigen Stufe geistiger Bildung stehen geblieben, welche die deutschen Juden ,« Allgemeinen »ährend de« fiebzehnten Jahrhundert« einnahmen. Die Wieder sei einigung mit dem deutschen Reiche und ihren deutschen Glaub« sbrüdern kam, daher auf die neu Hinzuttetendeu standen, ging zwar zu Grunde, «eil er allzuweit die Gräuzen seiner ThätgklNt absteckte, aber da« Saatkom, da« er in die Zett gelegt h.ttte, ging nicht verloren; Zunz schrieb jene gelehrten Werke, ohre welche Gräh viele Partien seiner Geschichte nicht hätte schreil»« können. Auf dem Boden de« deutschen Judmthum«, den Mendelssohn für moderne Ideen urbar gemacht hatte, gediehen fröhlich die Saaten der Wissenschaft. Polen erzeugt nur wilde Crchößlinge; in Italien blühte hier und da eine Blume der jüdischen Poesie; in Deutschland erstanden, gezeitigt und erzogen von deutscher Gelehrsamkest, die Frankel, Zunz» Jost, die Riesser, Steinheim, Bernay», die Geiger, Herxheimer und Sacht, die Erneuerer de« Judenthum«. Wa» in Frankreich an jütischer Wissenschaft blühte, war, wieSalomonMnnk, nur eine deutsche Pflanze im fremden Kunstgatten. Auch der Kampf zwisih« dem alten, abgelebten Ghetto »Judenthum und dem neuen, iwm Geist de« Jahrhundert« durchhauchten entbrannte da am hesttgsten, wo geistige Regsamkett und warme Hingabe un die Ideale de« Leben« am häufigsten fich vorfanden, iu Deutschland; und wiederum war et Berlin, wo die Gegensätze am schärfst«, aufeinander stteßen und wo in Sach«, dem hochgestimmten 'Prediger, welcher an den Ufern de« Jordan heimisch war, wie in den Gefilden Attika'«, welcher Griechen- und Juden» Ihn« in herrliche» Einklang zu einer erhabenen Persönlichkett verschmolz auch die Versöhnung dieser scheinbar so schroffen Eontraste fih vollzog. Gegeiiib« diesem reich« Lehen der deutschen Juden nimmt sich Alle«, »a» dieser Stamm anderswo geleistet hat, recht geringfügig und ärmlich au«, und e« muß wohl sein, daß Deutschland etwa« vom »nordisch« Judäa« an fich hat, da e« sonst fast unerklärlich iviire, warum gerade in unserem Laterlande die Juden nur erfrischend und belebend »Kien, fie wird ihrer de« jüdische» Stamme eigeuthümlichen Regsamkett ein weite» Feld geistiger Bethättgung eröffnen, fie wird die Starrhett von ihren Glied«» lösen, welche Jahrhunderte lang jeden erfreuliche» Fortschritt unmöglich gemacht hat. Und wem, die franzöfischen Juden bisher einen nur sehr geringen Anthell an de« bewundenttwerth« Aufschwung der jüdischen Wissenschaft genommen haben, wem, fie den heftigen religiösen Kämpfen fern gestanden, welche in den letzt« Decennim die Jud« Deutschland» so mächttg aufgeregt, so werdm unsere wied«kehrmd« Brüder uns Dank »iss« müff« für die Errungenschaft« unverdroffm« Geistesarbeit, deren Resultate »tt ihn« bei ihrem Wiedereintritt in da« Vater» hau« freudig entgeg«bring«. Anfang« Januar. 0. Kriegs-Nachrichtm. Stettin. Der Soldat Schwarz vom 26. Reg. (biß zum Au«- bruch de« Kriege« Eommi« in einem hiefig« Geschäfte) hat a» 7. d. M. d« Hohenzollern-Hausord« mit Schwerte« am Ringe «halten. Er hat die« sein« hiefig« Freund« mttgetheüt. Nähere» üb« die B«anlaffung dies« Auszeichnung ««dm «tt wohl spät« erfahr«. Danzig- Die,vro«b«g« Zeitung* berichtet nach einem Briefe von httr folgende seltsame Geschichte, angeblich au» zuverlässiger Queller »Ein jung« Israelit hatte fich bei Ausbruch de« Kriege« «tt einem christlich« jung« Rann vereinigt, »« gemeinschaftlich ein Marketendergeschäft zu betreib«; dasselbe war auch recht einttäglich, und hatte ihn« bnett» ein« Verdienst von einig» Lausend Lhale« eingetragen. In einer der letzr« Schlacht« «urd« Beide gefangen, von ihr« vorräth« und llt«fili« getrennt und als Spione vor ein französische» Kriegsgericht gestellt. Ohne nie! Aufheben» verurtheilte die« sowohl in ihr.r eigen« Wiff«schast, als in d« Wissenschaft nnd dem Leb« de» Lande«, fich so regsam nnd ihättg zeigen. Natürlich konnte in dies« flüchtig« Siüzze nur «tt kurz« Andeutung« d« Zusammmhang zwisch« Deutschthu« und Indenthu« aufgezeigt ««den. Gründliche und gmauere Belege hierzu bietet da« Luch von Grätz in überreicher Zahl. Ab« damit ist der Werth d« Grätz'sch« Arbeit nicht erschöpft. L tollt« wir ans We« Hinweis«, was in diese« Buche den gebildet« Geist anzuzieh« im Stande ist, wtt mißten e« fast ganz ans- , schreiben. Besonder« leh«eich ist die Dmflellung de« stihasfidismu«. für dess« Geschichte Grätz neue Quell« entdeck!: hat. Reich an bisher unbekannt« Datm ist auch da« Kapitel, welche» von dm Leiden erzählt, die dtt Bermmstreiigttu de» Eoiwent» üi« dtt ftanzöfischm Jud« gebracht hat; »tt Göttin d« Vernunft war eine gestrenge Herrin und litt nicht, daß dtt Jud» den Sabbat hielt«, dtt Synagogen besncht» und dtt Bibel lasen» ein todeswürdige« verbrechen war e» gar Ribbin« zu sein, »luf dtt» Alle« nnd noch viele« And«e hat Grätz zuerst anfumcksam gemacht; sein Werk, für dess« Lheile bi» zum fiebenten Band schon eine zweite Auflage nothwendig gewoid« ist, bildet durch da« glänzmde Eottrit d« Darstellung, durch dtt »arme Begeisterung de» verfass«» für sein« Geg«si«nd auch eine angenehm fesselnde Lectüre; besonder» ab« dies« letzte Band «thätt viele fett» gezeichnete Porttait» und spannt da» Interesse de» Leser» sowohl durch dtt Nmhett de» Stoffe«, al» dtt mtt tief« Lemnkuug« durchwebtt künstlerische Darstellung. fttr Me «terM» de» ta«(i«M.)

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