Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 5 (1.2.1871)
- Date
- 1871-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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34 mißverstanden, seine Absicht übel gedeutet; iudeß da die« einstimmig gesch-chen ist, so muß zugestandm werden, daß er sich etwa« undeut ich ausgesprochen haben wird. Da« neueste Blatt de« »Edue. 3»r.4 hebt lobend hervor, daß die deutsche jüdische Presse für d>ni uugeändess« Fortbestand der Alliance eiutrete, nachdem der Nosschlag laut geworden sei, sie nach Frankfurt a. M. zu verlegen. — Von letzterem Vorschläge ist unS nichts bekannt geworden. Nied.) Elsaß und Lothringea. M.') Um unserem schon vor einigen Wochen gegebenen Versprechen nachzukomrieu, wolle» wir heute die Wiedererwerbung von Elsaß und Deussch» Lothringen mit den deutschen Landen noch einmal in'« Auge fassen und sie von einem anderen, bisher noch nicht berücksichtigten Gesichtspunkte auS betrachten. 8« gehört freilich im gegeuwärnze» Augenblicke eine gewisse lleberwindung dazu, von dem «ZikgeSprssse eine« Kampfe» zu reden, der leider an Ausdehnung noch immer zunimmt, und dessen Ende trotz der fürchterlichm Opfer, die er bisher schon gekostet, sich mtt Bestimmtheit nicht Voraussagen läßt. Man kan» jedoch die von deutscher kreite gestellte Forderung einer Gebietsabtretung für berechtigt haltm oder nicht, darüber kann wohl unter ruhig denkenden Mäumrn kein Zweifel mehr fein» daß da» Endresultat diese- Kriege« fe» Erwartungen der deutschen Heerführuug und M deutschea Volke» entsprechen und eine Abtretung französischen Läutergebiot« zur Folge haben wird. Da» preußische Beamtenthum hat sich denn auch in dieser Voraussicht bereit» in allen DenoaltunzSzweigen der occupirteu Provinzen recht häuslich eingerichtet und deu regelmäßigen Geschäftsgang unserer Büreaubratie auf die ihre» Schicksal» harreudeu LandeStheile übertragen. •; Artikel L trab IL stehe Nr. 43 und 52 ». I. Bedürfte e« afür noch eine« äußerlichen Anzeichen«, so würde» die maanigfe hea Stimmen genügen, welch« jüngst in der Presse laut geworden und mtt Besorzniß auf dt« Versuche aufmerksam machen, durch welche Herr r. Wühler der Ausbreitung seine« System« im Elsaß vorzuarbeitea sich bemüht. Die Einsetzung kirchlicher Schulrevtsoren soll nämlich de« Vernehmen nach z« den ersten Geschäft« der preußischen Eivil-Verwaltung gehört habe». ES wäre interessant und vielleicht nicht ohne vorthsslhast« Einfluß auf die zu ergreifenden Maßregeln in der endgültigen Regulirunz dieser Verhältnisse, wenn von kundiger Seite Bericht erstattet würde über die seither etwa verspürten Einwirkung« de» neu« Regime'« auf die dortig« Judm-Verhältniffe. Doch wir möchtm un» nicht wiedmim in eine Besprechung deS Mühler'schm Systemverirr« und von unserem Thema abkomm«. Wir Hab« eS früher schon angedeutet, daß die Wiedervereinigung von Elsaß und D«ssch-Lothring« mit ihrem deussch« Stammlande d« jüdisch« Bewohne« dieser Provinz« gar manch« Vortheil bring« muß. Wir versteh« freilich von d» industriell« und national-ökonomisch« Verhältnissen zu wenig, um darüber ein Urtheil abgeb« zu könn«, ob die Befürchtung« - gerechtfertigt fei«, welche eine Schädigung der Industrie und Gewerbthätigkeit im Elsaß durch die Aufrichtung französischer Zoll» schrank« einerseits und die größere Concnrreuz de« deussch« Markte« anderseits in Aussicht stell«. Daß sich d« Jud« aber in Deutschland ein bei Weitem größere« Gebiet für ihre Thätigkeit eröffnet, kann auch in materieller Beziehung durchaus nicht gleichgültig fein. Frankreich wird mtt Ausnahme von Elsaß und Lothringen» einig« Städt« im Süd« und der Pariser Gemeinde nur sehr sporadisch von Jud« bewohnt, eine Thatsache, die doch immerhin^ einer Erklärung bedass. Wir könn« «unicht denk«, daß der b SpeculationSgeist der jüdisch« Gewerbetreibend« eine Sustede» Hh lung im June« Frankreich», da» durch fein« Reichthum sicher» Feuilleton. Hundert Jahre jLdischer Geschichte.*) 175»—1848. Hm Professor Grätz hat vor Kurzem dm elstm Band feiner Geschichte der Jud« veröffentlicht und damit ein« vorläufig« Abschluß dieses Werkes, welche» ein« Zeitraum von zwei Jahrtausenden, von d« Tag« der Makkabäer bi» auf unsere Zett, 'imspannt, erzielt. Der Vers, kann mir stolzer Befriedigung auf seine Arbeit blick«. Al» er an diese» Unternehnim herantrat» Hab« wohl die Kundig« ihr leise» Bedmkm geäußert, ob dmn eine quellenmäßige, umfassende Behandlung der südischm Geschichte überhaupt schon möglich sei; viele waren der Meinung, eS fehle noch an Baustein«, um der jüdisch« Geschichte eiren ihrer würdig« Dom zu erricht«; die Forschung im Einzeln«, »erst feit einig« Jahrzehnten betrieb«, habe noch nicht so zahlreiche und sichere Resultate gewonnen, al« daß man schon jetzt da» Facit desselben zieh« könnte. * Iudeß Herr Grätz bat bisse Bedenken glänzmd dadurch widerlegt, daß er weit mehr geleistet hat, al» jemals erwartet werden konnte; er hat e» sehr ««st genommen mit der Quellenforschung, sich gewissermaßm die Monographien über die einzelnen Gegmstände selbst geschrieben und eine Fülle neue» Materials herbeigeschafft. ES ist natürlich, daß, wer auS verborg««, fast verschüttet« Schacht« so massenhaften Stoff an'» Tageslicht fördert, nicht *) Geschäft« der Jaden vom vegiaa der MeadelSsaha'sche» Zeit <1750) tis in dt« nmel«'Zeit (1846) uou Prof. vr. H. GrLtz (Gsschichte der Juden, XL Band). Leipzig, Oskar Lriner. lauter gediegme« schlackenreiue« Gold an dm Markt bringt; eine Kritik, die am Achill die verwuudbare Fesse ausspürt trab nun frisch darauf loS schließt: Achill ist an der Fesse verwundbar, also ist er e» am ganz« Körper» hat bss Grätz kein allzuschwerer Spiel; aber wem Nörgeln und Verkleinern kein HerzmSbedüssniß ist, der wird nicht vergessen, daß, wer eine Wissenfchisst fast um anbaut, nicht zu vergleich« ist mit dem, der auf gegebenem Grund fortbaut. Bss de« Fosscher, der GssechmlandS Schicksale darstellt, dass auch ein kleine» Vessehm strmg gerügt wer» den; wer bss der Nachlsse auf einem längst abgemäht« Fssde » dennoch Aehr« übersieht, der verdient Tadss; bringt jedoch Einer reiche unerwartete E«te in die Spsscher der Wissenschaft, so sollte man'» nicht so gmau nehmm, wenn beim rasch« Mähe« auch eine Kornblume in die Gssrssde-Garbm gekommen. Da« Werk von Grätz wird, die Grandlage für die jÜdssche Geschichtsforschung blssben; e» wird verbessert aber nicht übertroffm werd«; die Spätem werdm wsster sehm al« er, aber auch der Zwerg, der auf d« Schulte« de« Ries« steht, blickt über deflm Gesichtskreis hinan«. Ja, wir wag« die Behauptung: manche fssner Tadler Hab« nur an« fein« Büche« ihn tadeln gelerat. Auch der neusste Band «thält eine Fülle rsscher Belehrung über die dm Jetztlebendm interessantsste Pessode der Mischen Gsschichte, über die letzt« hundess Jahre. Mose« Mendelssohn eröffnet d« Rssgm: e» war ein Mommt von der gikößtm Tragwsste, al« Lessing und MmdelSsohn sich beim Schachfpiss kn Berlin kmnm lernt«. E« war die GebussSftundk de« m-demm Judenthum«, H war auch die GeburtSstuude jene» erhabm« Evangelium« der Humanität, de» »Nathan«, auf wsschen Deusschland wtt Recht stolz ist; denn wa« auch