Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 4 (25.1.1871)
- Date
- 1871-01-25
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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27 Mm 14. (8. Pomw.) Regiment »sein Jahr gedient' «ad wird auch hier von zahlreiche» junge» Freunde« beklagt. — Den Tod de» einjähr. Freiwilligen Warburg au» Altona betreffend, geht der .Reform' von einem Freund« und Waffen« bruder de» Berstorbenea folgend« Berichtigung zu: »Marburg fiel nicht durch Franettreur»«Hand, sondern durch di« Kugel einer Chaffeur» Patrouille von 18 Mann, welche wir bei eingebrochener Dunkelheit auf einer Chaussee vorrückmd antrafen »ad welche in nächster Nähe ihr Feuer auf «n» abgab. Die Gefangennahme sämmtlicher Chaffeur» konnte un» näheren Bekannten Warburg» den Verlust unsere» lieb« Fr«ndeü nicht ersetz« und manche Thräne ist währmd der unter Beisein de» ganzen Regimmt» vollzog«« Begräbnißfeier und der dabei gehaltenen zu Herzen gehend« Red« unsere» Regimmtt-Command«r» geftoff«. Zur Linderung de» Schmerze» der vielleicht diese Zeilm lesend« Berwandtm diene noch die Hiazufügung, daß fast blitzschnell auf einander gefolgte Kugel und Kolb«schlag an dm Kopf seinem Leb« ein rasche» schmerzlose» Ende macht«.'— Die Ausweisung der Pol« au» Metz ist fistirt. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. 0. Brrslck», 8. Januar. (Original-Eorresp.) Nur sehr seit« nimmt die jüdische Publicistik von dm Angelegenheit« der hiesig« Gemeinde Notiz. Vielleicht dürft« sich die Bre»- laoer Judm diese Thatsache zum Ruhme anrechn«. Dmn ebmso wie von d« Frau« kann man oft auch von dm Gemeind« behaupte«, daß e» zumeist nicht die schlechtest« sind, von dm« «an am wenigst« zn reden gewohnt ist. Und in der That liegt e» zum Theil an d« gesünder« Verhältnissen der hiesig« Gemeinde» bah st« so wmig Veranlaffung zu öffentlicher Besprechung gtebt. Die Zett der aufregmd« partetkämpfe, die vorzugsweise da» Jntereffe de» größer» Publikum« auf sich zieh«, ist hier dm zu «tgeh«, und kaum war er eine Stund« rüstig vorwärt» geschrtttm» al« er tu nächster Näh« bemerUe, wie sich Jemand hinter dem niedrig« Gestrüpp zu verberg« bemühte. Der Mann schtm sehr erschöpft. Der Mönch trat auf ihn zu. »Lo ammi!' sagte Enttquez zu ihm. Man wird sich «rinne«, daß die» da» geheime Losungswort der Marann« war. »Lo ammil' antwortete der junge Mann, dem Mönch die Hand «tgegmstreckend. Zu gleicher Zeit erkannte er Enriquez' Züge. »Wo ist Juantta?' ftagte er. »Sie ist gerettet,' antwortete Enriquez, »und erwartet Dich.' »Gelobt fei Gott! und Du, «ei» Retter, seiest gepriesm!' Bor alle« erquickt« Enriquez dm jung« Mann durch die mttgenommmm Leb«»mt1tel. Fernando hatte sich fett drei Tag« von Wurzeln nähr« müfl« Dana eilt« sie vorwärts zu d« Ihrige». Da hörte «au nur Freudengeschrei, sah nur Freudmthränm. Hier war« vier glückliche Mensche». Keiner konnte sprech«; ihre Herz« warm z« voll. Fernando fand zuerst di« Sprache wieder. »So hat un» dmn der Himmel all» erhalte», alle gerettet!' »Ja, gerettet,' sagte der Münch, »dmn wir find in Frankreich, und hier köanm uu» unsere Feind« nicht erreiche».' » » » Wir Hab« uur »och Wenige» htnzuzufüzm. Die Inquisition hatte ein» zweit« versuch gemacht, Antonio Perez in ihr« Hände zu bring«. Bet dieser Gelegenheit war eine heftige glücklicher Weise vorüber, seitdem der große Reformator dm Schauplatz seiner unermüdlich« Thätigkeit anderswohin verlegt hat. Die Partei« find zwar nicht geschwund«, aber ihre gegenfettig« Beziehung« Hab« viel von jener Schroffheit und Feindseligkett eingebüßt, welche durch die Rücksichtslosigkeit ihrer früher« Vertreter nur allzusehr gefördert wurdm. Da» aggressive Verfahr« von früher hat jetzt einer gewiffm Milde und Versöhnlichkeit Platz gemacht, der e» gelungen ist die Gegensätze ein wenig abzustumpfm und hierdurch die gemäßigt« Elemente beider Partei« einander näher zu bringen. Gerade der Breslauer Gemeinde würde e» zu großem Segen gereichen, wenn die Erstarkung einer gefunden Mittelpartei durch die endgültige Fixirung de» in der neuerbaut«, wahrhaft prachtvollen Synagoge üblich« Cultu» allen berechtigt« Parteischattirungen, soweit sie dem modernen Geiste zugänglich sind, zu ermöglichen vermöchte. Die widerwärtig« und an die Zett der schlimmsten Kehillasrreitizkeiten erinnernden Ereignisse innerhalb der Berliner Gemeinde sollt« d« extremen Elementen von beiden Seiten zur Warnung dienen und der Stimme der vernünftigen Mäßigung und der Gerechtigkeit Gehör verschaffen. Wa» die sonsttgm Verhältnisse der hiesigen Gemeirde betrifft, so läßt sich nicht leugnm, daß für humanitäre und wohlthätige Zwecke gar manches geschieht Aber an groß« und gemeinuütziz« Institution«, wie sie andere Gemeind« dem Edelsinn und dem Opfermuthe einzelner Mitglieder verdanken, ist BreSlau verhältnißmäßig arm. Don außerordmtlichen Akt« hochherzigen WohlthätigkeitSsinne», wie sie zuweilen au» Wien, Prag, Berlin, Königsberg gemeldet werden, hat BreSlau in jüngster Zett nur wmig oder gar nicht« aufzuweisen. Desto erfreulicher ist die Entwickelung der großartigen Institute, mtt welch« vor zwei Decmnien die großdenkend« Brüder Fränckel die jüdische Gemeinde und Stadt beschmkt Hab«, Anstatt« von so außerordentlicher Bedeutung, wie sie keine andere Gemeinde Dmtschland» BreSlau an die Seite stellen kann. Ein großer Theil de» Verdimste» gebührt fteilich der vottrefflich« Verwaltung der Gesammtstiftung und der musterhaft« Leitung der Empörung in Daragoffa »»»gebrochen. Der Jnquisition»palast war gestürmt und et» Theil der Gefangen« befreit worden. Auch dem Hauptangeklagten Antonio Perez war r» gelungm, nach Frankreich zu mtkommm. Al» Philipp 11. erfuhr, daß sein Opfer ihm mtgangen sei, kannte seine Wuth keine Grenz«. Er sandte ein kasttltantsche» Heer nach Aragoni« und unterdrückt« nach vielem Blutvergießen dm gefährlich« Aufstand. Die Inquisition vermehrte dm allgemein« Schreck« durch ihre Blutgerichte. Neunundsechzig Unglückliche «urt« theil« lebendig, theil» nachdem sie vom Hmker erdroffelt waren, verbrannt. Unter dm zum Fmertode Berurtheiltm befand« sich der Graf von Ramira und sein Sohn Alonzo; an der Spitz« de« feierlich« Aufzuge» wurdm die lebmSgroßm Bilder von Anconio Perez, Enriquez, Femando und Juantta einher getragen, die ebmso in» Feuer geworf« wurdm wie die Gebeine de« Wander»manne», der anter Diego« Nam« beerdigt wordm war. Während sich die Inquisition da» unschädliche Vergnüg« machte, Enriquez, Fernando, Juantta und Diego in effigie zu mMimra, begab« sich diese selber wohlbehaltm zu ihr« Brüdem in Bayonne. Diego hatte, wie wir wiffm, schon lang« ein« Theil seine» Vermögm« nach Frankreich bring« lass«. Nach so viel« hatten Schtcksal»schlägm verlebt« sie «blich ruhige Tage in gegmseittger Liebe, die durch die Srtnnemng an die Opfer, die sie einst einander gebracht hatt«, nur noch gefestigt und gekrästigt wurde.