Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 4 (25.1.1871)
- Date
- 1871-01-25
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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SS in die geschichtlich« Völker-Entwickeluug tretende Christenthu« ans da« 3 rinilättdogma. Indem es so einen der menschlichen Vernunft unfaßbaren Lehrsatz al« Grundlage der Religion hin» stellt, muß e« da« Glauben, die unbedingte Unterwerfung unter jene« Dogma» an die Spitze stellen. Jittem e« dann den Glauben an diese Lehre al« Bedingung der Seligkeit, also al» höchste« Gn: hinstellt, muß eS zu diesem Glauben zn bekehren suchen. Je innige» sokann seine Bekenner von der Wahrheit und der seligmachenden Kraft ihrer Lehre überzeugt find, desto kräftiger müssen sie sich angetrieben fühlen, Anderen zur Seligkest zu verhelfen. Ta« Streben Propaganda zu machen kann bei dem bloßen Belehrm nicht stehen bleiben, e» wird durch die eigene Consequm; üler sich selbst hiuausgetrieden; wo e« da« Höchste, die Rettung der Seelen vor ewiger Lerdammniß, gilt, kann ein gelinder Zwang, gegen die Leiber verübt, nicht al« ein Unrecht erscheinen, unt die Grenze zwischen sanfter und roher Gewalt ist schwer zu zieh«. So tritt gleich hier die Nächstenliebe mit sich selbst in Confllct; empfiehlt sie auf der einen Seite den Nächst« in Mieden zu lassen, so ruft sie auf der andern: laß deinen Bruder nicht dem Verderben anheimfallen! So lange der Re- > lizion keine a aderen Mittel zu Gebote stehen al« Belehrung und Ueberredung. wird sie freilich nur diese anwenden und Märtyrer erzeugen; sobald sie aber die Gewalt hat, wird sie von derselben Gebrauch machen, sie kann nicht ander». Thut sie e« nicht, so ist sie an sich selbst irre geworden, ist nicht mehr fest von ihrer allein zur Seligkeit helfend« Wahrheit überzeugt. Da haben wir den Ausgangspunkt, die erste logische Kette von Ursachen und Wirkungen; die geschichtlichen Beweise für diese erste Reihe beizubringen, werden «tt ersparen köunm; jeder weih, wie bald und in weichem Umfange die Lehre, welche Frieden bringen wollte, zum Schwert gegriffen hat. (Schl-ß folgt.) Kriegs-Nachrichten. Leipzig, 12. Januar. Unter den vielen J-raeltten, welche im deusschen Heere kämpfen, befindet sich auch ein sächsischer Feuilleton. A u a n i t a. (Schl-».) Diego erzählte nun nach einander die Ereignisse, die sich mit ihm seit jener geheimnihvolleu Nacht zuzetragen hatten. Er war in j>mer Höhle geblieben und stet« von denselben Handlangern der Garbunja bewacht worden, bi« einmal de« Nacht» Mateo zu ihm gekcmmen sei. Er habe ihm erzählt, daß Junnita sich der Äquisitton übergeben habe. Trotz seine« Sträuben« habe er ihn gezwungen, ihm zu folgen, und nach ungeheuren Anstrengungen and nach einem Marsch über unwegsame Bergrücken feien sie hierher in diese« Dorf gekommen. Mateo aber sei plötzlich verschwunden. »Und hier/ schloß er seinen Bericht, »war meine einzige Beschäftigung, täglich an die Grenze zu gehen und auSzu schaue» nach meinen Lieben. Ich wußte nicht, wie die Rettung kommen sollte, aber ich ahnte ein ftöhliche« Wiedersehens Ju mila war von so heftigen unt entgegengesetzten Gemüth«- bewegungen stark mitgenommen Word«; aber ihre Jugend, ihre starke Constitutton und besonder« der Gedanke an da« Glück, nach so vielen Leiden einen todt geglaubten Bater wiedergefunden zu hnbeir, besiegte ihre Krankheit, und bald befand sie sich außer aller Grfahr. Nur «in Gedanke wirkte betrübend auf da« arm« junge Mädchen «in; r« war der Gedanke an Fernando, der in den Ge» föngniff» der Jnquisttton zurückgeblieben war und nun den Namen« Gonnenthal, früher in Leipzig, welcher al« jfüstlier beim 58. (Pofener) Regiment« steht und wegen seiner in viel« Kämpf« bewähttm Tapferkeit da» eiserne Kkeuz erhalt« hat. — Dem Dr. med. und praktischen Arzt in BreSlau ksamuel Mise«, welcher seit dem August fortwährend auf de« Krieg»- schauplatze thättg war, ist in Ehartte» vom Großherzog von Mccklmburg eigenhändig da« goldene Berdimstkreuz der (inecklen» bmgischen) wendisch« Krone angchestet wordm. (Magd. &g.) Ferner haben Moritz Hirsch au« Nassau und ein Soldat Namen« Prinz da« eiserne Kreuz erhalt«, letzterer fiir Rettung eine« höher« Offizier«. Er hat bi« kurz vor dem Kriege al» Commis in Stettin gestand«; wir werdm Geburtsort und Tcuppmtheil Nachtrag«. Posen, 17. Januar, vr. Hermann Beigel au« lZarocin, erster Professor an dem bedeutendst« Hospital London«, dem Charing-croß-Hospital, ttat bei Beginn de« Kriege« freiwillig in die Santtätspflege de« deutsch« Heere« und wurde einem rheinischen Regimmt al« Ober-Stabsarzt zugethellt. Für die Dimste, welche er dem Regiment bei der Belagerung von Verdun und in einer Reihe von Schlacht« geleistet, hat derselbe da« eiserne Kr«z erhalt«. («r-l. Ztg.) Wohl bemerkenSwerth ist folgmder in verschied«« Zeitung«, unter andem auch in der .Kreuz-Zeitung' erschienener Nachruf: »Am 3. d. M. starb im Lazareth zu Chatmoi« vor Belfort am Typhu« der Seconde-Lieutmant vom Landwehr-Llataillon Schneidemühl Salli Cohn. Der Verstorbme, erst kurze Zeit Offizier, hat sich durch Thatkraft, Hingebung und Unerschrockenheit sowohl bei der Belagerung von Sttaßburg wie bei der von Belfort rühmlichst ausgezeichnet. Sein früher Tod wird vom Offizier »Corp« wahrhaft und innig bettauert. C.-O Meaux, 1 dm 5. Januar 1871. Im Namen de» Offizier-Corp« de« erst« . comb. Pommerschen Landwehr-Regiment«: v. Zitzewttz, Oberst und Regiment«-Commandeur/ Der Verstorbme ist au« Samoczyn gebürtig, woselbst seine Elte« ihn bettaue«. Sr hatte hier in Stettin vor kurzer Zett Folterqual« allein unterlieg« mußte, währmd alle Deiuigm gerettet warm. Tage und Wochm verging«; der Mönch war ab und zu nach Saint - Jean-Pied-de-Port gegangm, um Erkundigung« über die Ereignisse in Aragoni« einzuziehen. Er hatte nie eine wichttge Nachricht gebracht, und Juanita verlor nach und nach die Hoffnung, Femando je wieder zu sehen. Da kam« eine» Tage« zwei Flüchtlinge in Larrau an, die au« dem Gefängnisse der Jnquisttton mtkommm waren. Ihre Flucht war so ellig gewesen, daß sie nicht wußten, wa« in Saragossa vorgegang« war. Nur so viel könnt« sie sagen, e« sei eine« Tage« ein großer Lärm auSgebroch«, Mmsch« sei« ein» gedrungen, die die Schließer der Aljaferia gemißhandeli und die Kerketthürm geöffnet hätten. E« sei übrigen« noch ein junger Mann, den sie nicht kannten, mit ihn« entflohen. Sie sei« eine Zeit lang zusammmgereist, dann habe er sich von ihn« ge» ttmnt, sie müßt« nicht, wo er geblieben sei. Lei dieser Erzählung zweifettm Enriquez und Juantta ebenso wie Diego nicht ein« Augmblick; e» handette sich um Fernando, er war gerettet. Me drei stand« nun an derselbm Stelle, in der sie Diego jüngst bemerkt hattm, und «arteten. Aber vergeblich; schon warm einige Stunden langsam dahin geschlichen, und rioch zeigte sich nicht«. Juantta war wieder der Verzweiflung nahe. Da entschloß sich der Mönch'kurz. Sr wollte sich noch einmal zu« Wöhle der Familte Diego« in Gefahr begeben: er ging Fernando «tgegm. , Sr nah« dm Weg, dm er verfolgt hatte, um sein« Fein-