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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-01-25 · 4 (25.1.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
4 (25.1.1871)
Date
1871-01-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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T L. Jahrgang. NÄ4.-187L AkpOeMseke Wochen-Schrisl für die religiöse« u«d sociale« Interesse« des Judenthums. Erscheint i«bm Mittwoch. Preir »ierteljLhrlich 20 SUbergroschea. fit Mt dreispaltige Petitzeile »der bereu Raum BeranNoortlich« Nedakte« «ab Herausgeber Rabbiner Dr. JU in Stettin. Breslau. 25. Januar 1871. Zu beziehe» durch all« vuchhandluugea uud Postaastalten. A« serale» - Auuach»« t» der Gchletter'scheu «uchhaudluug (H. «lutsch) in Breslau. Inhalt. Leiteuder Artikel: Mutter uud Lachter. Krieg»»Muchrichte». FeuiLeto»: Juauita. (Schluß.) «utschke, hebräisch. Berichte uud Larrespeudeuze«: Deutschlaud: Breslau. Berlia. Berlin. Hauuover. Magdeburg, «merita: Nordamerika. (Schluß.) Bermischte »ad »eurtte Nachrichte»: Berlin. «iffa. «lexaudrie». Rew-Yart. Atr^aturdertchr. Anzeige »euer Bücher. Vaeauzen-Lifte. Inserate. Mutter uud Sachter. Wenn da» Christenthum den Anspruch erhebt, der Menschhktt da» Heil gebracht zu haben, oder überhaupt dem Iudenthum gegenüber eine höhere Stufe offenbarter kehre, religiöser Wahrheit oder menschlicher Entwickelung zu sein, so weisen wir diesen Anspruch zurück. Wir haben die» in dem Leitartikel »Zu« »men Jahr«' gethan; wir haben freilich nur hundertmal Ae» sagte» ««»gesprochen, aber da da» Gegentheil noch »eit öfter und natürlich von weit mehr b'.i«men wiederholt pird, so 1 ^l ollten wir die tranrige Telegenbeit nicht vorübergehen lassen, tun, gestützt auf tief erschütternde Thatsachen, jenen Anspruch al» grundlose Anmaßung zu kennzeichnen. Wir haben dabet von einer specifisch jüdischen Beurtheilung der Thatsachen ganz absehen können, haben un» aber auch nicht auf den deutsch-nationalen Standpunkt gestellt. Daß da» Elend de» Kriege« für Deutschland Segen bringen werde, ist hoffentlich oiehr al» patriotische Erwartung. Schon der Sturz de» Cäsari»mu» und da» Ende der weltlichen Herrschaft de» Papstthum« find Ereignisse, welche für große Opfer und furchtbare Leiden gtrsatz gewähren — mit andern Worten: Gott lenkt alle Begebenheiten zum Guten — aber e« ist gewiß, daß da» »Gott gedachte e« zum Gut« zu führen' an dem »Ihr gedachtet Böse« zu thu»' nicht» ändert. Da» Kriegführm und die Völker, welche ätrieg führen, werde» weder durch heilsame, noch durch günstige brrfolge gerechtfertigt. Wenn nun aber alle» dasjenige, wa» allgemein gültig und wahr in der Tochterreltgio« ist, von der Mutterreligion herstammt» jo ist wiederum anzuerkennen, daß da» Judenthum keine Lehr« der allgemein« Sittlichkeit und Humanttät besitzt, welche »icht auch dm Christ« bekannt wäre; daher komm« wir, wie bereit» angedeutet, ans die der Erörterung werthe Frage: Warum ist da» Christenthum nicht im Stande gewesen, die von ihm fett mehr al» einem Jahrtausmd durchdmngmm Nation« vor der Völkerfünde, vor dm Gräueln de» Kriege», zu bewahr«? Liegt die» an der Tochter» oder trifft dieser Borwurf auch die Mutter? Oder keine von beid«? Kann man die Religion nicht dafür verantwortlich «ach«, wenn mehr oder wenige, gemeine Lridmschaftm die Völker in bluttge Kämpfe treib«? Aber Völker sind keine Jndividuml Sie Hab« ohne Zweifel ihre «igmartigm Anlag«, schlimme Neigung« uud Leidenschaften, aber diese muß die Religion bändig« und dämpf«; vermag sie da» nicht, so »erkennt man au ihr« Früchten', daß sie dem Ideal nicht entspricht, währmd die Fehler de» einzelnen Bekenner» der Religion nicht zur Last gelegt werd« dürfen. Un» ISraelitm ist dieser Unterschied vollkommen klar. Die Schlechtigkeit eine» einzeln« Judm lassen wir weder der Gesammthett noch dem Judenthum zur Lost leg«, wir gebm sie daher, wenn sie sonst erwiesen ist, ruhig zu; aber wir wehren un» gegen die Aadichtung wirklicher grober Volk«fehler, «eil wir fühl«, daß ^llßch shr^Vorhand«?eia über^daS^Judmthum^ selbst der Stab gekrochen wäre. Nun hat man freilich gerade in Beziehung auf dm gegen- «ärttgm Krieg behauptet, daß nicht die Völker, sondem ihre Herrscher und Leiter für seine Entstehung und Verlängerung verantwortlich seien. Wir könnm un» auf diese Erötterung hier nicht einlass«, sie führt auf un» fernlicgende Gebiete, wir habm e» auch nicht nöthig, denn wir reden ja nicht ausschließlich von dem gegenwärtigen Kriege, so daß wir dessen EntstehungSgründe prüf« müßt«. Genug, e» wird Krieg geführt, Mensch« werdm zu Zehntausendei geschlachtet, alle Errungmschaftm langer Jahrzehmte vernichtet, mit dm Frücht« wird auch der Stamm, die mühsam gepflegte Cultur, Civilisation, Humanität bi« in» Lebensmark getroffm, geschädigt, und so wiederholt sich, wa» seit Jahrtausmd«, vor und nach dem Anfänge der christlich« Aera, der Fall gewesen ist. E» bleibt im lleberblick der Weltgeschichte zwetfelhast, ob FriedmSzeit eine Pause in dem vermauentm Kriegszustände, oder Krieg die Unterbrechung de« Frieden« bildet. Und doch lehtt und predigt die christliche Religion dm Fried« und verdammt in der Theorie dm Krieg ganz ebmso wie die jüdische. Sm« wir nun sag«, daß die UnterscheidungSlehre zwischm der Mutter- und der Tochterreligion, daß da» Grunddogma der letzter« die Schuld an dm der Lehre und der Th«rie zum Trotz immer wieder auSbrechmdm Krieg« trage, so wird diese Behauptung auf dm erstm Blick seltsam, besang«, grundlos erschein«; doch wftd e» uuü nicht schwer fall« sie theorettsch uud thatsächlich zu erhärt«, sowohl dm logisch« Zusammmhong von Ursache und Wirkung, wie die geschichtliche Gntwickelimg nachzuweism. Wa» da» Urchristmthum in der Periode seiner Entstehung an» dem Zudmthum gewollt »ad gelehrt hat, ist schwer zu ermitteln und geht un» hier nicht» an; thatsächllch basirt sich bat

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