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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-01-18 · 3 (18.1.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
3 (18.1.1871)
Date
1871-01-18
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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21 haß haben. — Ich will et euch nennen. Ihr liebt die deutsche Ordnung nicht, die euch und eurem unsteten Treibe» nur hindernd in den Weg tretm kann; bei der bisherigen Zerrissenheit Deutschland« aber konute vom Ausländer so hübsch im Trüben gefischt Berten*) und eure nationalen Polengelüste gründeten sich auf die gnuode Nation. Deutschland ist in der Thal viel zu konservativ, al» daß ihr von ihm eine» polnischen Reichstag, »wo Alle zugleid» sprechen/ erwarten könntet; auch der deutsche Jöraelit ist viel konservativer, als ihr e« seid — auf religiösem Gebiete. Da« sagt ihr doch selbst, daß sich der polnische Jude vor gewichsten Stiefeln hüten müsse, well mtt ihnen häufig der erste Schritt zur leichtsinnigen Convertirung gethan wurde; eure Leute haben aber wirklich kein Maaß und kein Ziel — da« wissen wir, die wir in Deutschland oft mll euren armen Landsleuten tnConflict gerathen, weil fie »kleine* Gaben anzunehmen sich nicht für verpflichtet haltea.>i Doch auf eine» andern Punkt gestatten Die mir hierbei zurückzukommen. Auch ich möchte nicht leugnen, daß die Israeliten in Preußen und im gesammten Deutschland noch lange nicht im vollen Besitz« aller bürgerlichen Rechte sind. Ferner weiß ich auch sehr wohl» daß Napoleon L — gleichviel ob auS humanen oder rein polilischeu Gründen — viel für unsere Glaubensgenossen gethan hat. Sagte man doch darum in jener Zeit: VvixvMxa Kipn rrna US j6k! Aber ich denke, e« ließe sich ein Sehnliche« gerade von Preußen gegenüber den kleinere» norddeutschen Staaten behaupte». Woher kam e« den», daß ehemals große tSraelittsche Gemeinden in diesen letzteren btS zur Gründung denorddeutschen Lunde« alljährlich kleiner wurden, während die preußischen Jtraeltteagemeindea, besonder« an größere« Plätzen, sich unverhältaißmäßig vermehrten? Ich habe ein« Grei« gekannt, der im hohe« Lebensalter noch um da» preußssche Bürgerrecht etnkam, nur um feinen Söhnen ein freiere« Feld ihrer Wirksamkeit zu »erschaffen. Doch e« handelt sich hier auch weniger um Preußen al« um Deutschland, da» entstehende neue Reich. Die gesammte deutsch« Judenhett denkt und handelt loyal gegen den Staat, de« wir schon jetzt so viele« Gute verdank« und unsere volle bürgerlich« Gleichstellung in praxi bald verdau!« werden. Polen- und Franzosm-Anstchtm soll« und wer» dm un« aber in unserer anererbtm, anerzog«« Bürgerttme niemals beirr« I -dt. Bftjck, Ende December. (Orig-Correfp.) Währmd ihr erleuchteten Söhne Borussia« noch unermüdlich kämpf« müsset gegm allerlei Willkür, währmd Ihr Euch noch hmte nicht de« uuverkümmertm Bollgenusse« Eurer bürgerlich« Siechte erfreu« köturet und da» Judmthum in dm Aug« de« Her« v. Mühler zur Stunde noch keine Gnade find« konnte, ist bei un« die Gleichberechttgung aller Religion« so in Fleisch und Blut über« geg'Mgen, daß nicht nur die welllich« Würdmträger keine Gelegenhett unbmützt taff«, für diese« Priurip zu fprechm und zu handeln — ja, daß selbst die Ktrchmfürstm die Mauern, die sie von andem Confessio»« Kenn«, allmählich niederreißm und dem Ju!>en1hum die Hand zur Versöhnung reichen. — Sin Beispiel diene für viele: Erzbischof Haynald in Kalocsa, derselbe, der best» Conctl so kühn für die Rettung der menschlich« Vernunft gegm die päpstliche Unfehlbarkeit in die Schrank« trat, war vor einig« Wochen hier, um eine durch ihn in« Leb« gerufene Mcdchm-ErziehungS-Anstalt zu eröffn«. Bei dieser Gelegmheit lud er auch d« in wetterm Kreis« gekannt«, auch dm Lese« dieser Wochenschrift nicht ftemd« vr. Heinrich Lemberger zur Tafel und behandelte ihn mtt einer Auszeichnung, die man *) wir möchte» da» Gegentheil behaupte». Der Norddeutsch« Bund hat die'tzaßgesetz« aufgehoben «w Freigftgigkrit gewöhr«. di« dm Pole» zu statt«» traara. G« ist als» Nntzauk auf ihrer Vettel (Red.) bet Kftchmfürstm dm Juden gegenüber seit« findet. — Wir geben hier den von Dr. Lemberger bet dieser Gelegmhett ge» sprach«« lateinisch« Toast im Original« und in einer von ihm selbst verfertigt« deutsch« Uebersctzung und bemerk« noch schließlich, daß Haynald sich an vr. Lemberger bittend wandte, ihm besagt« Toast zu übersend«, welchem Wunsche letzterer den» auch nachkam. Der Toast lautet: Lomano »aper priooornrn mor« diiertiim — Bo«tn fori Marco« Um redidira patet — Fu adoriri eito liornana rooe loqaenti; Vt derint rires rit Tolaime »atu: Stlrnm Te rolo, Te «alr-sm Petrin» capit orbu Qniqoe «innm placida laoe torere capit Enamre Tom, Praeial doctiadme! Unde» Crediderim Clio» rix potii eae itjrlum. Alt ex Oceano guttam rapniae licebit, Qua modo «abdacta ponta» at »nte flnet. „Dexter» pmedpue capit indnlgentU mente« Qnaqne relit, nim corda potente rapit.“ Sic, qnoa lingna, flde», ritae aon ieparat, otnnei Foedere mox nno nnnc ooiiaie ridea. Nexerat hoc Tun, rir aancte, indnlgentU vinclnm — Prindpu eiemplo xirere rnlgua amat. Zu dmssch: Dich, der jüngst so beredt im gleiste der römischen Vorzeit, Da« str de« Forum« vühn' wiedererstande» gewöhnt — Lei mir gegönnt mir girn« de« allen Nom zn begrüßen, Vo e« an Kraft mir gebrichr, sei Dir der Will« genug! Heil Dir! rufe ich selbst, ruft mit mir der heimische Boden, Wer da am fteundlichen Licht wärme» den Busen auch wollt'. Auszuzählen, « Herr, di« Füll' all' Deiner Verdienste, Fiele dem Griffel — mir döncht'« — einsten» der Klio noch schwer: Uber de« Cuant Fluch einen Dropse» entziehe», da« darf ich: Bleibt er doch Ocean »och, so ihm der Dropse» entfällt. Mild« mll Weil hei« im innige» Bund, st« seffeU die Geister, Lenket die Herze» nach Lust, unwiderstehlich au Macht. >ls» die Glaubt nud Sprach und Lebeulgeschicke getrennt hat, Liebst Du im einige» Bunt jetzo versammelt am Lisch. Und Dein« Milbe allein, st« knüpfte den Knoten so enge, Den» in de« Fürsten Gebrauch fügt sich di« Menge so gern! Amerika. W. Nordamerika, im Decbr. (Ortg.-Eorresp.*) Währmd ihr da drauß« «re Siege feiert und Moltke'« Gttategie sowie BiSmarck'« Diplomatie abwechselnd bewundert, habm auch wft auf jüdischem Gebiete Schlachten, aber unblutige, Feldzüge, aber in Form von Winkelzügen, Diplomatie, aber in Form von Schliche.«. Wie Sie wissen, hat im November v. 3. eine Confermz der Radikal-Refom«» Rabbiner in Philadelphia stattgefundm, «eich« von dm Rabbinern Adler und Eiuhom in New-Pork zu zu dem Zwecke berufm war, um über die Princtpien de« Cultu«, sowie über Eheftagm Beschlüsse zu fassen. Sie habm seiner Zeit vo« dtesm Beschlüssen Notiz genommm und ich brauche sie hier nicht zu «iederholm. Dagegm ist die Gttategie auch hierbei tntereffant. Herr Wts« in Cincinnati hatte einige Monate vorher in Gemeinschaft mtt Herrn vr. LUienthal eine Synode von Gemeinde» Berttetern berufm, und da ttotz aller angewandtm Mittel die Anmetdungm nur schwach waren, rief Herr Wise beständig wie eia Thorwagmkutscher in Berlin: »Man noch eine lumpigte Perschohn,* aber da» Gefährte wolltt sich nicht bi« zur Zwanzig, zahl füllen. Da kam zufällig (?) jener obengenannte Ruf nach Philadelphia, der sich nur an die mtschiedmm Reformer und akademtsch gedildetm Rabbium wandte. Offenbar wollte man Herrn Wise nicht habm, der bisher eine von dm öftlichm Re- •) Obgleich wir bereit« in Nr. 18 un» 49 v. I. einen Lorrespoudenzbericht über di« Newyorker Versammlung gebracht haben» bietet doch diese« Neserat noch viel Interessante«. (Nrd.)

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