Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 2 (11.1.1871)
- Date
- 1871-01-11
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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io für die sie mH erke rötlicher wären, wenn sie von deutscher Le» fcheidmhett filh «ehr hätten zu eigen mache» wollen. 0. Nachwort der Redaktion. De« rorstehmd«, ebenso begründeten eil ene-gischen und doch maßvoll gehaltenen Proteste haben wir edmsoverig etwa» hinzuzufügm, al» wir Herrn >lb. Cohn zu entschuldig« im Sinne haben. Aber um der Wahr» heit willen ist eine Bemerkung wohl am Plag«. Herr Cohn hat sein Vaterland vor mehr alt drei Jahrzeherten verlassen; in Ungarn geboren, in Wie« den orientalischen Studien obliegend, fand er in d«r Hetrrath jede Pforte zu einer ehrenvollen Laufbahn verschlossen; in Parifand er alle«, Lehrer, Wohlthäter, Freunde, ball) Ansehen, Ehre und ein Feld der Thätigkeit zum Wohle von zahlloser Armen und Gedrückten. Wer will es ihm verarge», wem er Zrankretch al« fein wahre« Vaterland liebt, da ihm die Heimat? nicht» al« Schmach geboten hatte? Er hat deu bedeutenden Umschwung der Verhältnisse und — der Gesinnung, der fich seit 1830 in Deutschland vollzogen hat, nicht richtig erkannt, er steht tu seiner Leurtheiluug deutscher Zustände und Stimmungen noch auf einem glücklicherweise längst überwundenen Standpunkte. Wir find« dasselbe bet vielen vor 1848 nach Amwika auSzewanderten Deutschen, zumal Juden — ganz bescnder« xn au» Bayern und Oesterreich gebürtigen — sie sehen in )m Deutschen noch immer die »Fürstenknechte', abhängig von!Zunkern und Pfaffen, und in dm dmtschm Judm die »Paria«'. Nicht gut llnterrichtetseiu ist kein moralische» Gebrechm; wmn eia Fehler vorliegt, so liegt er nicht in dm AuSgewandertm, A rSgestohmm, sondern in dmjmigm, welche sie damal« fortgedräng: haben. Unsere Erinnerungm reichm weiter zurück, al« die de« noch jugmdlichm Verfasser« vorstehmder »Abwehr'; wir Hab« t« Knabe». und 3üngli»g«altrr die Zeit erlebt, al« auf die überspannte und doch kr«sstlos» Deutschthümelet die tief« Abspaauuug folgte, die ZeH da Deutsche Dmtschlaad in Wort und Lied »erspottete», an seiner Erhebuug au« dm Kette«, die ihm die heilig» Slliauz schmiedet, »erzweifeltm, oder sie nur mtt Hülse Frankreich« brechen zu könnm hofften. Frankreich galt damal« (1880—40) Unzähligen, und nicht dm Schlechtest«, nicht dm Juden, nicht dm Unpatriotischm, als da» gelolbte Land de« Eonstttutiouali«mu«, der menschmwürdigm Existenz, Pari« war ihr Mekka. Und wer gar am Rhein gelebt, der weiß wie «uverholm und mächtig damal» dort di« französisch« Sympathtm auftraten, ja wie noch 1848 tu Mainz «. s. w. die »rothm Hosm' herdeigesehut «mdm! Wenn daher, wie allerding» wahrscheinlich, die Partei der »Kreuzzeitung' au« dm Cohn'sch« Aeußenmgm Waffm gegm uns zu schmtedm vorhat, so find wir zur Abwehr gerüstet. Äbgesehm davon, daß Cohn nie eia Deutscher gewesm ist, würde er auch aur die Gesinnung sehr vieler dmtscherChristm der dreißiger Jahre vertreten. WaS geht da« uu«, «a» geh« di« deutsch« Juden von 1870 die Ansicht« eine« damal« Au«gewandert« an? Und ganz besonder« werdm wir auf di« ebeuso offmen, wie «ergischm Amßerung« der Ultramontan« von 1870 Hinweis« Ehe die »Krmzzeitung' ihr Müthchm au d« — für die Cohuschm Ansicht« nicht mtfernt verantwortlich« — deutsch« Juden kühlt, habe sie dm Math, gegm die, verhältutßmäßtg immer noch mächtig« Mtramontänm in'« Feld zu rückm! Sie zeige uu», ob wir Anlaß zar Anklage gegeb« Schließlich noch die Bemerkung, daß Herr Alb. Cohn allerdings durchao» französirt ist und, wie wir zu bemerk« Gelegmheit hattm, auch in fein« in deutscher Sprache gehaltmm Red« Feuilleton. A u a n i 1 a. (Fortsetzung.) Sei et> durch Zufall oder durch Zuanita« Geschrei, die Schergm hattm die beidm Flüchtlinge entdeckt. Diese Männer zweifelt« nicht eiam Augmblick daran, daß sie der Mönch uns die Jüdin seien. Da« verrieth ihn« ihr Versteck. Ader wie warm sie da hinauf gekcmmen? Da« konnten fich die Schergm nicht erklären. Kein bekannter Weg führte auf diese urersteiglichea Gipfel; man konnte ihn nur von Feme emporragm sehm, und der einzige Weg, durch dm man in seine möglichste Nähe ko »mm könnte, war der, dm sie selbst bewacht« »Wie )at ditser Schuft da hinauf kommm könnm?' »Diese: verdummte Mönch ist der Tmfel selber.' »Und die Jüdin ist eine Hexe!' »Wmn man einige Schüsse hinaussckickte?' So riefen die Schergm wild durcheinander. »Rede: keine, Unsinn,' sagte ihr Anführer. »Wir müffm sie lebendig Hab«. Siebmtausmdfünfhundert Real« stehen auf d« Kopf de« ll iönche« und Zweitauserdfünfhundert auf die Jüdin! d. h. wenu wir sie lebendig wiederbringm.' »Da« wird chwer fein.' ,O, sie soll« un« schon nicht mtgch«' mtgegoete der Hauptmanr. »Meine Ansicht ist,' sagte ein And««, .daß wir dm ganz« Pah beobachtm; hier könnm wir lange wart« denn hinauf zu gehen ist unmöglich.' »Unmöglich?' «tgegnete der Anführer, »da« wollm wir doch erst sehm. Zehn ausend Realm ist ein nette« Sümmchm. Wa will sie mit mir theilm?' Die Schergen bettachtetm dm Bergabhang; er war ungemein stell. Alle schüttettm dm Kopf. »Geht, Ihr seid Alle kein« Schuß Pulo«« werth,' fugte ber Anfuhr«. »Ich werde e« allein probtrm; ab« wenn ich obm bin, müßt Ihr Alle nachkomm«' Und in d« Thal begann « auf allm Bin« hinauf zu Nettem, indem « sich mit dm Häudm an dm geringstm Unebenheit«, an Gra«staudm und spitz hemorttetmdem Gestein anklammerte. Oft glitt « plötzlich blitzschnell ein Stück znrüch ab« imm« wird« rutschte « mit nmem Eis« vorwärt«. Enriquez war dm Bewegung« de« Hauptmann« ängstlich gefolgt; ein« Augmblick hatte « daran gedacht, ihm entgegm zu gehm und ihn von d« Höhe de« B«ge« hinabzustürzm; aber « mußte rtSkiren, selb« von ihm mit hinuntergezerrt zu «erd« Wa« wäre dann ohne ihn au« Juanita gewordm? Ander»- seit», wenn erst d« Anführ» d« Dch«gm obm war, war alle« v«lor«, denn sein« Lmte wärm ihm, durch sein Beispiel angefmert, sofort gefolgt, und dann gab e» kein Mittel mehr, tf«m zu mtgehen. D« Mönch üb«legte einige Augenblicke, ohne dm Haichtmann dabei au» dm Augm zu verlinm. Er faßt« ein« v«- zweifeltm Entschluß. Der Hauptmann hatte fast die Nein« Plattform, auf d» fich Enriquez und Juanita befandm, erreicht; ab» hi« sprang d» Fel« scharfkantig vor, so daß sich d» Anführ« d« Scherge» nach recht« wmdm mußte, wo d» einzige leicht zugängliche Ort war; hatte » diesm »reicht, so war e» eine Kleinigkeit, d» betdm Flüchtlinge habhaft zu werdm. Diesm Augmblick wählte Enriquez, um gegm ihn vcrzugehm. D» Sch»ge hieb an; » glaubte, daß d« Mönch eiu Hondgemmge mtt ihm beginn« wolle, in welchem Letzter« ihm gegmüber dm Borthell ein« guten Stellung gehabt.hätte; deshalb bereitete n fich zur Abwehr vor.