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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-01-04 · 1 (4.1.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
1 (4.1.1871)
Date
1871-01-04
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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4 alledem auch in diesem Kriege eia Fortschritt der Humaattät schon darin•) zu erkennen, daß allseitig die Forderungen derselben wenigstentheoretisch unbestritten« Geltung haben k Wir erkenne» dal fret.big an, glauben als Juden erst recht an der Menschhet: Entwickelung und verzweifeln nie an deren endlicher Vollendanz. Wir glauben ferner, d. h. sind au» triftigen Gründen überzeugt, daß da» Prinetp der allgemeinen Menschenliebe die Erlösung der Menschhett von Krieg und socialem Uebel bringen wird und bring« muh; glaubten wir die» nicht, dann hätten wir ja in Vorstehendem auch da» Judenthum bekämpft, nämlich c l» nuxloi für die Menschhett hingestellt, da ja die angeblich neue Weit» und Lebenlanschauun; de» Ehristenthum» die alte jüdische ist. Wir «erden daher im nächsten Blatte zu zeigen versuchen, durch welchen Fehlgriff da» Christenthum, mit seinem dem Zureathum entlehnten princip und ttotz desselben, bi« hette noch, nach 1871 Jahren, die Menschheit nicht hat erlösen könne». Kriegs»-Nachrichten. Je weiter dnr KrllzSschauplatz in da» Innere von Frankreich verlegt wird, destc spärlicher gehen solch« Nachrichten ein, welche wir in diesen Blättern mittheilen könnten. Unsere jüdischen Soldaten, rrtt Au»nc.hme der in Straßbmg, Metz u. f. w. garnisonirenden, sind so zu sagen von jeder Verbindung mit dem religiösen Leben abgeschnttten. Wie wenige von ihnen mögen in den rauhen Cantmnementt, in den verwüsteten Dörfern, tn Gegenden, welche f *it den Tagen de» Mittelalter» keine jüdischen Gemeindm mehr gesehen haben, ein Chanuckaltcht auch nur von fern erdlickt, ja de» Feste» gedacht haben! Wir haben Briefe von jüdischen Sildaten gelesen, au» denen da» tiefe Weh de» weichfühlenden Herzen» über die Gräuel, welch« der Krieg tn seinem jetzigen Stadium mit fich bringt, hervorl'richt. Da ist e» genug, wenn der Kern de» religiösen Gefühl» unversehrt bleibt, um in besseren Laagen wieder aufzublühen; für de« Augenblick schweigt im Wafienlärm Alle»! Wir fahren jedoch fott, die Namen derjeaigea Juden, welche fich «»«gezeichnet haben und deccritt worden find, sorgfälttg und mit möglichster Vollständigkeit zusammenzustellen. E« haben daeiserne Kreuz fmier erhallen: der Asfistenzarzt vr. Rothmann, welcher schon üi den frühere« Feldzügen decortrt worden war, und der Unteroffizier Saul Da«», beide au» Wongrowiec, sowie der Soldat Heywann Rosenthal au» Braunfel», Krei» Wetzlar, letzterer für tapfere» Benehmen tn der Schlacht bei Gravelctte. — Al» der erste Jude au» der Provinz Pommern ist kürzlich der (Kaufmann) Ad. kesser von hier zum Lieutenant in dem Grmadt«<Rrgtment »Colberg' (Nr. 9), einem der berühmtesten der preußischen Armee, befördert worden. In den Kä npfen vor Pari» am SO. Novbr. und 2. Decbr. find von den wenigen Jute» der wüettembergtschea Division der Freiwillige Henle leicht, Soldat Max Baistnger (vier Schußwunden) und d«r Freiwillige Pflaum schwer verwundet; der letztere ist bereit« seinen Wunden «legen. Die .Gegeinoart' 'chreibt: »Deutsch« Blätt« bringen die Nachricht von d«m Tod« eine» hoffnungsvollen jungen Manne», d« durch die Anbindungen sein« Familie tn Oest«reich auch bet un» di« Theilnahme «wecken wird. Felix Oppenheimer, d« Bruder de» bekannten böhmischen Großgrundbesitz«» Ludwig Ritt« v. Opp«heim«, fiel tu d« Schlacht bei Brie am 8. Decemb« von einer Kugel in'» Herz getroffen. D« junge, kaum 20jährige Mami unterbrach seine Studien in Heid«lb«g, rückte *) Mad) in Nt £scatt$r«ag de» tkriege» nab manchen andern Umstünden, ans di« wir hi« nicht en^ehen. al« Freiwillig« au» und war vor Kurzem zum Offizt« ernannt worden. Unt« dem Schriftstellernamen »Felix Wtldek' war vor dem Kriege von ihm ein Band Gedichte «schiene«, di« mit Beifall aufgenommen wurden.' Ein Ballonbrtef au» pari», welchen eine Mainz« Famüi« «halte» hat,' meldet, daß d« Vnkauf von frischem Koscherfletsch mit dem 15. D«emb« aufgehört hat, daß aber viele Familien fwenn sie Geld gmug dazu besitze») sich mtt Pökelfleisch u. dgll versehen habe». »Je». R«.' berichtet: Durch Ballonbrief haben «tt dt« Nachricht von dem Tode de» Eommandanten Fanchetti in Part», eine» reichen Glauben»genofle«, «halte», dt hatte vor d« Be» lag«ung ein Corp» t«eg«lär« Reit«ei zusammengebracht und keine Gelegeuhett fich au»zuzetchn«n versäumt. Ll» « dem Gen«al Du«ot eine Ordre ülvrbringea wollt«, wurde « schw« verwundet und starb im Grand Hütet, umgeben von seine« Freunden. — Dn »Figaro' gtebt un» folgende Erzählung üb« seinen Heldenmuth: »Ja Erfüllung sein« Pflicht wurde «durch et» Sprengstück getroffen, welche» sei» Pferd verwundete und ihm selbst den Schenkel nah« unt« d« Hüfte z«brach. Sr fiel jedoch nicht. Mit de« Stolze eine» verwundeten Löwen bekämpfte « den Schmerz, blftb zu ps«de und ««suchte sogar Dn«ot'» Hauptquartt« zu «reichen, ad« da» Leide« war zu groß.' — Seine leicht« Schwadron und die Eavallerie d« Nationalgarde geleiteten ihn zu Grabe. Jule» Favre folgte d« Leiche zu Fuß und sah sehr ttaurtg au». Eommandant Fanchetti war erst 80 Jahr alt; seine junge Frau mtt ihrem Kind« hatte pari» vor d« Einschließung v«lafleu. Berichte und Eorrespondenzen.! Deutschland. I II. Berlin, 26. D«br. (Orlg.-Eorresp.) D« Leitarttkel > in Nr. 51 Ihr« Zeitschrift „Ehanucka und Weihnachten" ist ei» Wott zu sein« Zeit. Die darin gegeiffelte Jämmerlichkeit, eine christlich« Sitte tn jüdischen Häusern »achzuahmen, ward auch von den hiesigen Rabbtnen vr. Hilde»heim« und Ungerleid« tn d« jüngsten Sabbatpredtgt gerügt. Wa» helfen jedoch predigten und Zettungsstimmen, wenn selbst die jüdisch« Schule da» Weihnacht-fest statt de» Chanuckafeste» adopttrt. Bilh« hatte die hiesig« jüdische Gemetndeschule für dt« Ehanuckatag« den Unterricht dahin beschränkt, daß solch« statt um 8 Uhr erst um 9 Uhr begann und die Nachmittage frei bliebe». E» war demnach Lehrern und Schülern wenigsten» die Gelegeuhett geboten, dem Ehanucka-Gotte-dienste Morgen» und Abend» beizuwohnen. In diesem Jahre hat d« jüdisch« (f) Schulvorstand die» aufgehoben und statt dessen di« Wethaacht-fei« «tngeführt. Wir habe» nicht gehört, daß von Setten d« jüdischen Lehr« od« de» Rabbinat» hiergegen Einspruch «hoben worden; wäre tt nicht Zeit, daß die Herren die Marke endlich ganz falle» ließen und offen sagten: IT3 DW Hi HVU >«s Westfale». Die Einberufung zu de» Waffe» hat tu manch« Gemeinde Westfalen» Störung tn Schul» und Syaagogenleitunz und in einzelnen Fälle» von d« Ara« zurückkehrend« Lehr« 1« eine» Kampf mit d« Gemeinde gebracht. E» haadett fich nämlich um die Frage, ob dem einberufenen Lehr« da» Salatt für dt« Zeit fein« Abwesenheit gezahlt ««de» soll. Dies« Fall wird demnächst durch gerichtliche Entscheidung festgestellt werdea. Diejenigen, welch« fich durch praktische Beispiele zur Nachachtung «ollen belehre» laffe«, mögen fich au» Folgmdem da» Eine od« Andne zu« Must« nehme». Dem Lehr« L. zu R., Regierungsbezirk Münster, weigerte im Jahr« 1866 die Gemeiud« da» Salaft für die zwei Monate,

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