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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-01-04 · 1 (4.1.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
1 (4.1.1871)
Date
1871-01-04
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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3 geteilten Sähen offenbar der Gedanke: wie ist doch dal, wa» wir zo unserem Weh erleben» möglich, nachdem vor 1871 Jahren »eine neue Welt- und LebenSanschauung auf», und ein neue» Priucip, da» der allgemeinen Menschenliebe, eingetretea ist?' Wo ist die »gewaltige Umgestaltung der Welt' und die ,Beredelunz der Menschheit'? Nicht genug, daß überhaupt noch Krieg geführt wird, nachdem vor 1871 Jahren der Ruf ergangen: »Frieden auf Erden und den Menschen ei« Wohlgefallen!' — wehlgemerkt, nicht al» Wunsch und Ideal, sondern al» Bcrkündizung von Geschehenem, Fleischgewordenem, »der durch sein Fleisch hat weggenommen die Feindschaft' (Eph. 2, 17) — nicht genug, daß zwei Völker einander bekriegen, die seit fast 1800, resp. seit mehr al» 1000 Jahren »zum Heil geführt worden'; sondern e» hat der Krieg einen Character angenommen, in dem er mit den Kriegen, die wir erlebt haben, auch mit den Kriegen von 1792—1815, mit dem siebenjährigen u. s. w. keine Verwandtschaft mehr zeigt. Von Woche zu Woche wird er mehr dem 30jährigen äsmlich, nur mit dem Unterschiede und dem erschwereudeu Umstande, daß, wa» damal» naturwüchsige und im jahrelangen Kriegszustände gesteigerte Rohheft gewesen, jetzt au» bewußter Erbitterung hervorgeht, nach wenigen Monaten schon hervortritt (weil jetzt Alles schneller geht?), bei der steigenden Anspannung aller Kräfte mit überfluthender Gewalt sich Lahn bricht, die Schranken der Humanität durchbricht, in gegenseitigen Repressalien sich steigert, so daß die »Humanität', oder gelegentlich auch »die christliche Civilisatton' uud die Sanktion de« rothen Kreuze« nur noch Stichworte zu gegenseitigen Bor- Würfen, krieg»diplomattschen Anklage- und Abwehr-Noten hergeben. Der oben erwähnte Leitartikel ist sicherlich nicht der einzige, diese» Thema auf Weihnachten oder Neujahr besprechende. Aehnliche Bettachtungen müssen unfern Lesern in den Zeitungen vielfach begegnet sein, der Gedanke: da« Jahr ist im Sturm geschieden, und da» neue öffnet sich mit Mord» liegt zu nahe, e« kann sich ihm Niemand entziehen, selbst die Press« de» Au»lande« wird zum Jahreswechsel von ihm reden. Wa» nun jener Leitartikel auf die Frage antwortet, ist km Wesentlichen Folgende»: Bei dem deutschen Volke hat die christliche Weltanschauung am festesten Wurzel gefaßt, da» römischdeutsche Volkskaiserthum wollte die Einigung der Völker in dem lassen und die Reise wieder zu Fuß fortgesetzt werden. Die Thiere überließ der Mönch einfach ihrem Schicksal. So waren die Flüchtlinge in die Näh« de» letzten bewohnte« Platze» gekommen, und Enriquez mußte sich für die nächsten Tage mit Mundvorrath versorgen. Er zog deshalb in da» Dorf» um Leben»mittel einzukaufen. Da» alte geschwätzige Weib, der er sie abkaufte, erzählte ihm dabei, daß heut« Nacht Diener der Jnquisitton angekommen feien, sie wären zwei Flüchtlinge» auf der Spur, auf derm Habhaftwerdung der Großinquisitor die Summe von zehntausend Gulden gesetzt habe. Enriquez mußte all« Kraft zufammennehme«, um bet dies« Mittheilungen den Schein der Ruh« zu bewahren. E» war also verdoppelte Vorsicht nothwendig, denn nun stand Alle» auf dem Spiele. Doch trug er da» Geheimntß für sich. Eine Mittheiluug an Juanita hätte dt« Lage natürlich noch verzweifelter gemacht. Er mußt« den schwierigsten, mtt scharfem Geröll bedeckten Weg auöfuchen, da er nur hier darauf rechnm konnte, de« Feinden zu entgehe». Enriquez kletterte voran und da» jung« Mädchen folgt« willig allen Bewegungen de» Mönche», der st« ermuthtgte, ttöstete und ohne Unterlaß auftecht erhielt; nur noch ein« kurz« Gttecke trrnatt sie vom Land« de» Helle»; nur uoch einmal mvßten st« dem vergabhauge folg«, dann führte sie ein verborgener Weg direct »ach Frankreich. - Seit vierundzwanztg Stunde» hatten sie nicht» Feindliche» gehört und gesehen, neoea geistigen und sittlichen Princip de» Ehristenthum» vollziehe», auf deutschem Boden ist der Ko»mopoliti»mu», die Weltliebe erwachsen. Aber Deutschland hat über der Anerkennung und Bewunderung de» Guten aller Nationen, über den geistigen Gütern de» Materielle« und Realen vergessen und e» versäumt, einen machtvollen Staat, al» Hort aller Güter, aufzubauen. Die» geschieht jetzt, und wir feiern da« Geburt-fest diese« Staates, fest gewillt, da» neue Reich mit christticher allgemeiner Mmschenliebe zu beseelen. Da» heißt also: die Deutschen, al» Träger de« guten, de» christlichen Princip», müssen den Todeskampf gegen die Feinde desselben führen.- Wir überlassen e» unfern Lesern, ob sie — noch einmal nicht vom jüdischen» sondern vom allgemein menschlichen Standpunkte au» — diese Erörterung befriedigend finden wollen. Wir können da» nicht, begründen jedoch unfern Einspruch hier nicht weiter. E» genügt in unserem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß die Franzosen auch Christen sind und die Principien der allgemeinen Menschenliebe, auch der Gleichheit und Brüderlichkeit, wie man dort lieber sagt, ebensowohl kennen und bekennen, ja daß e» sogar ziemlich leicht nachweisbar ist, daß sie diese Principien nicht erst au» Deutschland geholt haben. E» kann daher die Frage, welche» Volk den Krieg verschuldet, ganz außer Acht gelassen werden. Der Krieg ist da, mit allen feinen fast ungeahnten Gräueln, die« genügt. Ir mehr nun da» Christenthum, sowohl da» orthodoxe wie da» liberale, dm Anspruch erhebt, vor 1871 Jahrm der Mmschheit die nme erlösmde Lehre gebracht zu haben, desto mehr schlagm die Thatsachen diesem Anspruch in» Gesicht. 1870 oder wann sonst, da ließ e» sich wmigstm» noch anhörm, c» war kein Widerspruch in sich selbst, aber ,1871 Jahre nachdem da» Heil gekommen'?! Entweder — oder. Entweder man will die erste Verkündigung de« Princip» der allgemeinm Mmschmliebe al» dm Ausgangspunkt einer nmm Zeitrechnung bettachtm — dann muß man 1400 Jahre früher beginnen, die Büch er de» Alten Bunde» find noch da und prottstirm gegm die Entwendung ihre» Eigmthum»; oder man kann erst die beginnende Verwirklichung de« neum Princip» al« AusganzSpunft gelten lassm, dann ist dieser noch nicht da! Aber läugnen wir dmn dm Fortschritt, und ist nicht ttotz und schon glaubtm sie sich gerettet, al» bei einer jähm Wendung de» felstgm Wege», wo da» Gebüsch plötzlich aufhörte, Enriquez unter sich ungefähr ein Dutzmd Dimer der Inquisition am Abhange erblickte, an einer Stelle, an der er durchau» vorbeikommen mußte. Der Felsm bildete hier eine Art Plattform, wo da» Gebüsch zu Ende war; link« ging er steil in die Höhe und recht» war zwar die Smkung de« Berge» sanfter, aber er fiel sehr stell zu dem Punfte ab, an dem die Dimer der Jnquisitton Posto gefaßt hatten. Al» er seine Feinde sah, zog sich der Mönch plötzlich zurück; er verbarg sich, so gut et eben anging, hinter dem hohm Geröll; zugleich machte er Juanita, die ihm auf dem Fuße folgte, ei» Zeichen, nicht weiter vorwärts zu gehm. Aber da» junge Mädchm hatte ebenfall» die Männer bemerft, die dm Dez bewachten. Sie hielt an, stieß aber unwillkürlich ein Anzstgeschrei au». Gleichzeittg vemahmm beide in ihrem Versteck ein sehr dmtliche» Stimmengewirr und Waffmgeklirr von unten herauftöam. (Jmisetzuu, folgt.) ,

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