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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-01-04 · 1 (4.1.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
1 (4.1.1871)
Date
1871-01-04
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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2 Jttm neuen Jahre. »Neujahr!* Jubelnd und brausend, oft genug auch unerquicklich toben!«» wälzt sich der Ruf um Mitternacht durch die Straßen und verkündet, daß ein Iahe geht und ein Jahr kommt. ES hat diese Form gar nichtgemein mit der Weise, in welcher der Israelit den Beginn leinereligiös« Neujahrfeiert, e- Hab« auch unsere Gedanken und Gefühle am bürgerlich« Neujahrstrge keine Nemeinschaft, keine Sehnlichkeit mit d«jmigm» die unam Rosch haschana beseel« und mit tiefstem und heiligstem Ernste durchdrinzm. Aber abzuschließen vermöz« wir un» gegm dm Jahreiladschluß rnserer Mitbürger nicht» ein« Abschnitt de- Leben» und der Geschichte bezeichnet der Tag auch für un». Wie un» die geft)ästtichen, gewerblichen, vertrag-» und rechnung-» gemäß« Verhä wisse aler Art, in dm« wehr oder wmiger jeder von un» steht, ein llebersehm debürgerlich« Nmjahr»- tage< gauz unmöglich machen, wie er im llelerblick demateriell« Erfolges d« Ein« mit Sorge, den Andem mit Befriedigung erfüll!, so treten mit dieser unabweisbar« Erinnerung an ein« neu« Abschnitt auch gemüthliche Beziehung« und Anregung« an uuheran, die abzuweism übertrieb«« Prüderie sein würde. H,tt dcch da- Judenthu« von Alter» her ein« bürgerlich«, geschäftlichen NmjahrStag neben dem religiös« und nicht mit diesem zusammmfallmd gehabt. »Neujahr 1871.' Zn dm beid« Ländern, welche jetzt die Augen der lVelt ruf sich zieh«, unter den beid« Bölkern, welche den Wettkamp' cvilisato rischen Streben- und die schöne Culturarbeit in Waff nknmpf und Llutarbeit verwandelt Hab«, wird der Jubel der?teuj ahr-nacht sehr gedämpft erschall«, e» wird ihn mancher vermiss«, dem er sonst ein Aergerniß gewesm; auch die dem Kampfe zuschaumdm Nation« empfind« in de» Herz«» Tiefe oder kalt lerechneud an dm Frücht« ihrer gewerblichen Thätigker: die Folg« de» ablaufmdm Jahreschmerzlich, der NeujahrStag 1871 wird fast überall mehr ein trüber al» ein fröhlicher sein. »Neujahr 1871.* In wmigm Tagen wird sich unsere Fedean die neue Ziffer gewöhnt Hab«. Wir J-raelit« schreib« sie auch, wo e» sich nicht um religiöse Dinge handelt, theil» weil eS nicht ande.S möglich, theil» weil eS un» einfach bürgerliche Rechnung gtl:; und bedeute: die Zahl weiter nicht». Aber Feuilleton. A u a n i t a. (S«r<setz>mg.) In der T)at hätte Niemand daran gedacht, daß der Hand« werk-mann, de: Enriquez begleitete, eine Gefangme de» heilig« OfficinmS wäre, die durch den Geheiinschreiber de» Großinquisitorselber befreit wer»« sollte. In einigen Stund« brach die Nacht an; trotzdem wollte Enriquez nicht in Sarcgosta bleib«, er schlug sofort dm Weg in'» Gebirge, der nach Frankreich führte, ein. Bor dem siran» zöfischm Thon auf der Brücke zog er sein weiße» Dominikaner- Gewand, unter dem er ebmfall» Handwerker-Kleidung angelegt hatte, au«, daim walzte er einen groß« Stein heran und band ihn fest in die Kleider eia, und warf alle« in die Fluthew»d«» Ebro. *; M^dumpfem Geräusch woODa» Packet in die Tiefe gesunken. «rauf war Alle» ring» umhsr still wie zuvor. Dana ergriff er Juanita» Arm und setzt« eilig d« Weg fort. Enriquez kämetc gmau jedm Steg im üöebtrg«, da» sie noch in dieser Nacht erreichten. Er war selber läufig von den Inquisitor« abg:saadt worden, Ketzern, die sich den Verfolgung« gerade 1871 regt doch eia« anderen Jdemgang an, und ungesucht bietet da» ebm über die Empfindung« an diesem R«. jahr Ausgesprochene dm Uebergang z« der Frage: Wa» heißt da» ,1871*? welch« geschichtlich«, real« Recht»grund hat diese Arrak worauf vermag sich die Ansicht zu stütz«, daß mit dem Anfang dieser Zeitrechnung eine neue Epoche, der mtscheidmde Wendepunkt der Weltgeschichte, begonam habe? welche thatsächlichm Beweise lass« sich dafür auführmk Wollt« wir diese Frag« vom jüdisch«, da» christliche Gruaddogma einfach verneinmdm Standpunkte au» auswerf«, so wäre dak ganz zwecklos, ja thöricht; wir glaub« nicht, daß mit Christi Geburt die Welterlösung einzetret« sei, wozu danach einmal sag« oder darüber di-cutirmk Aber wir Juden find mit nicht« die Einzigen, die also sag«; im Gegenthell, zum Neujahr 1871 muß dem dmkmdm Christ« die Frage nach der Berechtigung der Sera sich noch mehr aufdräagm als un», die wir sonst kein« Anlaß Hab«, bet dem Gedanken zu verweilen, weil wir zu der Ziffer 1871 nicht in Gedankm hinzufüzm: »im Jahre de» Heil».* Wir stehen wirklich mst jener Frage nicht allein. In dem Leitartikel einefreisinnig« polttischm Blatte» haben wir unter der Ueber» schrist »Weihaacht-betrachtunz* nachstehmde Sätze geles«: »Die christliche Welt feiert im Weihnacht-feste da» Auftret« einer n«m Welt- und 8eben»auschauung, dm Eintritt eine» n«« Princip», der allgemein« Mmschmliebe. Diese» Princip hat gewalttg die Welt umgestaltet und die Menschheit veredelt. Die Beziehung« der Völker und der Einzeln« zu einander find andere und bessere gewordm. Nicht, daß die Leidenschaft die Menschen nicht noch wie in alt« Zeit« in wildem Haß gegm einander führte — die heutige Zeit lehrt ernst gmug, in welchem Maße da» noch der Fall sein kann — aber unsere und die allgemeine Anschauung beklagt die» al» unselige Verblendung und Verirrung, al» ein Bergest« best«, wa« allein nufer, der Mmfch« würdig ist.* ES ist überflüssig, in diesem Blatte dm zehntaosmdmal wiederholt« Satz, daß erst da» Christmtbum die allgemeine Mmschmliebe verkündet Hab«, zu widerlegen. Unsere Leser werden da gegm mit un» find« und au» dem weiter Mitzutheilendm noch deutlicher erkmnm, daß hier von einem Christ« die von un» angeregte Frage besproch« wird. E» liegt in dm mitde» helligm Officium» durch die Flucht «tzogm hattm, hier nachzuspürm. Deshalb war er auf Schritt und Tritt sicher» und wußte auch, welch« Sttaße er nehm« müsse, um jedem Auge und nammtlich dm Diene« der Inquisition verborg» zu bleib«. Vor Allem war e» aothwendiz, dm Vorsprung, d« er hatte, nach Kräftm au-zunutzen. Aber bald sab er ein, daß er zu Fuß nicht weit kommen würde. Juantta hatte noch nicht Zeit gehabt, sich nach dm aulgestaaden« Fotterqualm gmügend zu erhol«, und ihre ohnehin schwachen Kräfte sollt« demnach für die letzte, höchste Gefahr aufgespart werden. Darum kaufte Enriquez in dem ersten GebirgSdorf, da» sie erreicht«, zwei Anzüge, wie sie die Bewohner der dottigen Gezmd trugen, und zwei Maulesel. Sr wollte jede Spur seiner Flucht unkrnntltch mach«. Nach fünftägig« unsäglich« Ansttmgung« erreicht« sie glücklich da» Hochgebirge, und nur noch zwei Tagereif« ttmot« sie von Frankreich, dem Lande der Befteiung. Aber diese Tage warm di« schwierigst«, denn sie mußt« auf «tlegenm, seit« betretmen Pfad« in de« ohnehin unwegsam« und zerklüftet« Gebirge zurückgelegt «erd». Bisher hatte Inanita muthig all« Gefahr« gettotzt; «erd« ihre Kräfte auch dt« bevorstehend« Anstrmgung« zu ertrag« vermögen? Durch Srqsiquez' gmaue Kenutniß der Wege und die größte Vorsicht war« sie bisher ntrgmd» dm Scherz« der Jnqnifittoa begegnet. Jetzt mußt« weg« der Stetlhett der Berg« dt« Maulesel »er»

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