Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 52 (28.12.1870)
- Date
- 1870-12-28
- Page
- Seite 428 (sequence 6)
- Language
- German
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428 £om Cie »m fmiet behaupt«, Cchulchau-nruch mb R sei« *U\t gut vereinbar, werden Ci« H ht* p* Mich find«, Mn ich, der ich doch wesentlich dieser lleberl »gnng Ubt, gegen diese Ihr« Behauptung auftrete. Scho« der Umstand, »aß der Schulchan-amch nur so zu sage» ein Tom» peudinm der talmnttsch« und casuiftischm Auffassungen ist, daß er über «inen «ad denselb« Gegenstand verschiedene Meinungen bringt, genüg» «ir, für die Meinungsfreiheit deffelben eine Lanze einzulegen. Und «er hat denn behauptet, daß der Schulchanarnch unverbrüchlich seif Ducht doch dar „tradit. Judenthum," des Organ der starr« Orthodoxie, diese Behauptung in feiner jüngsten Nummer zu mtkrästigm, und steht doch, nach der Au»« sage orthodoxer Autoritäten, selbst der Pester Tempel auf dem Boden de» Schulchan «aruch. — Daß der Schulchan«aruch»Jude nicht gezwungen w<rdm kann zu Institutionen ieizusteuern, die nicht begründet sind im Codex oder gar mit demselben in Widerspruche stehen, ist selbstverständlich. Dahingegen verlangt er auch nicht, daß der neologe Jude zu seinen Institutionen zahle, obwohl derselbe sich im Gewissen bei koscherer Schechita, Gotte-dienst ohne Orgel rc. nicht behelligt fühlt, höchstens im Gefchmacke, im bvn ton! — Dahingezm heben Sie Recht, wenn Sie behaupten, unsere Radikalen leiden an dem chronisch« Nebel: Unwissenheit. Und dcch lieben sie eS, auSzupofaunm, die orthodoxen Juden eben seien e«, die in Finsterniß und Unwissenheit wandeln, und nur von ihn« ginge alle» Heil für J-rael auS. Wu; sich nun die Sache immer gestalien möge, ob die Trennung dm Streit au»- gleich« wird oder daS Congreß-Statut zu dm Tobt« geht: wir wollm gottergebm in die Zukunft schau« und mcht muffig di« Hände in dm Schooß legen.") Italien. H«. Bor etwa 17 Jahr« gelang et d« Jesuiten, «in«! Jud« Ramm» De' Cori zum Katholiciömuzu bekehr« und ' dadurch die Familie de» Heb «getretenen zu sprmg«. Man nahm; nämlich der Mutter ihre drei Kinder von fech», vier und einem; halb« Jahre weg und erzog dieselbm »christlich'. Die Unglück- , liche Israelitin verließ in ihrer Verzweiflung Rom und fiedelte > fich in Livomo an. Endlich nach 17 Jahr« wurde die Sehn« j sucht nach dm Verlor«« zu mächtig; Frau De' Cori machte ' fich auf und reiste nach der ewig« Stadt, wo fie vor etwa vier! Doch« anlangte. Nach tausmdfachm Bemühungen wurde fie > zu ihr« Söhn«, die inzwischen die erfreulichsten Fortschritte in! der Gottseligkett gemacht hatten, zugelassm; allein fie durste mit ihr« unrein« Händm keine» der Kinder berühren. Die Audi«;! dauerte zehn Minuten. Auf ihre inständig« Bittm verttöstetr man fie auf ein andermal. Sie möge am 26. November wieder kcmmm. Als fie jedoch rm diese Zett bei den Jesuit« anpochte, ward ihr nicht aufgethan. Sie läuft seitdem von Hinz zu Kunz, aber ihre Söhne bekommt fie nicht zu sehm! Und der Gmeral Lamarmora? Er läßt die Vergewaltigung ungestraft! Die Kinder find sämmtlich minorenn, über die Rechtsansprüche der Mutter kann also kein Zweifel obwalt«. Trotzdem blieb bi» jetzt dieser Akt der Willkür völlig ungestraft. (Magd. Ztg.) Vermischte und neueste Ztachrichten. Lönigtwinter (bei Bonn). Bernh. Sommer von hier hat für bewies«« Tapferknt in dem Treff« bei Le Bourget da» eiserne Kreuz erhalten. Altona. Durch eine Trauerbotschaft vom Kriegsschauplatz« wurde di« Familie de» OliergerichtS-Advocatm Her« M. War» •) wir wrrbrn ttn da» hier Vrspuxhen« in nächster Rnmmrr «ch «iu Schlngwart gebe». (Wed.) bürg hier hart betroffen. Der zweite Sohn desselbm, der 0tn4. jnr. Jacob Sarburg, ei» liebmlwürdiger junger Mann, a« so. v. M. bei Ortean» zur RecognoSeirung ansgeschickt, wnrd« bei dieser Gelegmhett von einer feindlich« Kugel tödtlich ge» troff«. (H«f.) Hamburg. Frau Rasa Loh«, ged. Magnu», Wittw« de« sel. Herrn Leopold Lehen, hat pan Luden len aa ihren verstorbenen Lhemaon et« Stiftung errichtet, welche den Zweck hat, Zöglinge de« hiesigen Pauliaea. Stift» nach Vollendung ihrer Schuljahre, während st« fich ftir einen Beruf oder eia Gewerbe vorbereiten, zu unterstützen. Ul» Grund-Capital dieser Stiftung find von Frau Leopold Lohen Wittw« 3000 Mk. Sp«. hergegeben. Ferner eingehend« Gelder von Freunden de» Zweck» dieser Stisnmg werde» je nach dem Wunsch der Gebende» entweder zur Vermehrung de» Capital» der Stiftung oder zur sofortige» Verwendung dienen. (Sief.) Rom Zwei JSraelitm, Sam. Alatri und Settimo Piperno, find zu M tgliedern des StadtratheS und ersterer auch zum Mit» gltede deS ProvinzialratheS erwählt wordm. Diese Wahl« sind noch bedmtungSvoller, wenn wir erfahr«, daß sie mit großen Majoritäten erfolgt sind. Bedmken wir dm Zustand, in welchem noch vor drei Monat« die päpstliche Regierung die Jud« in Rom hielt, so fühl« wir unS von Bewunderung und Dankbarkeit gegm die römische Bürgerschaft erfüllt, welche die erste Gelegmheit ergriff« hat, um zu zeig«, wie tief sie von dm heilig« Grundsätz« der Gleichheit und Brüderlichkeit erfüllt sei. («duc. J»r.) Turin. Tiefbettauert von der ganz« Gemeinde ist hier der Biee-Rabbiner Felice Jarak nach kurzer Krankheit im 66. Lebensjahre gestorbm. Er war der Vater der Armen, Rathgeber und Friedensstifter in all« Familim. Such die liberalen Blätter der Stadt enthalt« Nachrufe und selbst die »Anita Cattolica' zeigt dm Todesfall an; sie sagt weder Gutenoch Böse» von dem Verstorbmm, ärgert sich aber darüber, daß ihn die »Gazzetta del Popolo' »ein« Verehrer der wahren Religion' nmnt, und bmützt die Gelegmhett, um gleichzeitig von der im Bau be» griff«« großartig« Synagoge mtt Mißbehag« zu sprich«. (Das.) Lereelli. Aron vedaridda ist zum Professor der Physik am königlich« Lycmm ernannt wordm. Eine graumhaste Mordgeschichte «tnehm« wir der Lemberger ,Jüd. Zeitung': Hirsch Bergmann, Sohn de» Abraham Bergmann, stand in Dimstm de» Beffarabische» Landmarschall» Leonhard, der ihm die Erlaubniß ertheitte, 20 Ochs« auf seine Weide zu tteibm. Al» nun im vorig« Jahr der Marschall seine eigmm Ochs« verkaufte, da veräußette er zugleich die 20 Ochs« de» Dimer», ohne ihn wetter um sein« Einwilligung zu ftagm. Da die Sache einmal gescheh« war, so glaubte Hirsch Bergmann wmigst«» da» für die 20 Ochs« gelöste Geld zurückforde« zu dürfen, wurde aber statt deffm von dem Marschall in unglaublicher Weise mißhandelt, dann in ein« Heuschober geschleppt, den dieser anzünden ließ, und so starb der unglücklich« Bergmann unter furchtbar« Qualm d« Flammentod. So lautete der Bericht, dm man dem Vater A. Bergmann erstattete, al» er nach seinem verschwundmm Sohn Erkundigung« «»stellte, und er soll sogar, als er fich an dm Ort de» Verbrechm» begab, noch lleberreste von verbxanntm mmschlichm Gebein« gesund« habm. Der Vater, der sofort von diesem grau«» voll« Morde beim Gericht Anzeige machte, wurde nicht nur mtt seiner Anklage zurückgewiesm, sondern mußte, weil er fich nicht mehr sicher in seiner Heimath fühlte, um dm Verfolgung« de» MarschallS zu entrinn«, sich nach Oesterreich flächt«. Von Wi« au», wo er fich jetzt fett einig« Monaten aufhält, hat er fich dttect an dm russisch« Kaiser gewandt, aber bi» jetzt nicht die geringste Antwott erhalt«. — Der »Jbri Lnocht. berichtet von eine« junge» Mädchen «amen» Amalie Lbfieiu, deren Vater kürzlich nach Brodtz kam. Da» junge Mädchen besitzt »ich« nur vermöge ihre» wunderbare» Gedächwiffe« di« Gäbe, alle» einmal Gelesene, fei e» hebräisch, deutsch. frauMsch, russisch »der Mutsch, fasi wörtlich hersagen p, Wunen, sonder» auch i, »er Bibel ist sie bi» p, eine« «rsiannvchen Grade dem«»««, sie lernt Talmud sammt fem Tchsafot n»