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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-12-28 · 52 (28.12.1870) · p. Seite 427

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
52 (28.12.1870)
Date
1870-12-28
Page
Seite 427 (sequence 5)
Language
German
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427 bärmltch« Wirthschaft safere» Minifttruun» nicht gleich bei« Eintritt d» Geschmack an de» neu« Berhältnissm verderbe. Wir müsse» mit alle« Nachdruck für die ungeschmälerte Erhaltung der Misere» Brüdern zugestandmm Rechte eiatrete«; vielleicht gelingt e» un» bei dieser Gelegenheit, die Aufmerksamkeit auf manchen dunkeln Punkt zu richten, den wir bisher mit allzugroßer Schonung verschweigen zu müssen geglaubt haben. Möglich, daß sich auch für uns Manche» auf diesem Wege besser« wird. G. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Arantfnrt a. HA., 14. Decbr. In der gestrigen Stadtverordnetm-Dersammluug kam ein Gegenstand von großer principieller Tragweite in konfessioneller Beziehung zur Verhandlung. Er betraf die Senckenberg'sche Stiftung. Derselben wurden im Jahre 1866 zum Neubau de» Hospital» rc. 280,066 fl. von den gesetzgebenden Behörden der damals noch »freien* Stadt Frankfurt bewilligt. Diese Zahlungsverpflichtung ging nach der Annexion auf deu StadthauShaltSetat über, uud der Magistrat beantragte bei der Stadtverordneten-Bersammlung gestern die definitive Bewilligung dieser Summe. Die demokratisch« Stadtverordnet« wollt« diesem Anträge nur unter der Bedingung zustimmm, daß die konfessionell« Peschränkungm, welch« mit Gewährung der Vergünstigung« gebannter Stiftung verbünd« find, Wegfall«, und alle Coufessionm in Zukunft auf die Wohlthatm der Stiftung gleichmäßig« Anspruch Hab« sollten. Herr Sonnemaun betonte besonder», daß die Spitze dieser confeffiouellm Beschränkung gegm die J»raelitm gekehrt sei, da die Administration Deutschkatholik« und Mitglied«« der frei« Gemeinde Ausnahme t» da» Spital gewähre, obwohl tu der Stiftung»ur?unde nur von dm damal» al» solche anerkannt« drei christlich« Confessio«« die Rede sei. An der sehr lebhaft« Debatte über dies« Gegmstand betheiligte sich nach dem Sinne de» Vorredner» ». a. Herr Hadermann; ttotzdem wurde der Majoritätsauttag, d. h. anstandslose Bewilligung der Geldforderung mit 17 gegen 14 Stimmen und 2 Stimmenenthaltungen angenommen. Nachträglich wurde dann noch ein Antrag de» Her« v. Heyder an» gmomm«, dahin gehmd, daß der Magistrat die Administration der Smckmberg-Sttftung beweg« möge, auch die Jsraeltt« an den Wohlthatm der Stiftung Theil nehm« zu lassen. Die Gemeindevertretung hat sich mtt de« ersterwähnt» Beschluß entschied« eine« Unrecht» gegm unsere israelitisch« Mitbürger schuldig gemacht, d«n, wie die» auch in der Debatte hervorgehobm wurde, die in Rede stehend« Summe wird an» Gemeindemitteln genommm. Zu dm Eommnualabgaben «erd« aber alle Einwohner ohne Unterschied der Eonfesfion gleichmäßig herangezogen. Sind nun gleich« Pflicht« vorhanden, so müssm dmselbm auch gleiche Rechte gegmüberstehen. Die Jsraeltt« Hab« aber nur die Pflicht, Geld zu zahlen, da» Siecht, dasselbe wie vorstehmd zu verwmd«, beanspruch« die Christele demnach für sich. »Wo bleibt da die Moral?!* (A. va». L-Zt,.) Oesterreich. -j. Wie», 19. Decbr. (Ortg.-Eorresp.) Wenn ich Ihn« heute auch nicht» von jüdsschm Angelegmheitm bericht« kann, so will ich Ihn« doch von Angelegmhettm einzelner Judm bericht«. Die Judm spiel« hier ja fast tu all« Angelegenheiten «ine Rolle, so daß Dinge, die an sich durchaus nicht jüdisch stad, durch die Mitwirkung von Judm doch gewtffermatz« jüdisch, oder wmtgstm» für Jud« interessant «erd«. Auf de« Gebiete der hoh« Polttik ist neulich wieder Kuranda hervorgetreten, »der richtiger hervorgezogm worden. Der Kaiser hat ihn in Pest, wo die Delegation tagte, durch «ine längere ostensible Ansprache au »gezeichnet. Da der Jude an Alle» Folgerung« knüpft, die auf ei» .Lachlis" geh«, so konnte natürlich die Bermuthung, die kaiserliche Ansprache dente auf eia ihm zugedachte» Porrefmille, nicht fehl«. Er würde ihm sicherlich kein« Unehre machen. Sein biedere», charaktervolle» Wes«, da» sich in seiner Thätigkett al» Vorsteher der jüdisch« Gemeinde sehr wohlthättg geltend macht, würde dem Staate auch von Borthell sein. E» giebt auch in dem groß« Staatslebm kein« Ueberfluß an charaktervoll«, erbaulich« Menschen; Dtogeue« könnte hier zwei Latem« brauch«! — Die große Welt führt mich naturgemäß auf die Bretter, die sie bedeut«. Herr Mosenthal hat ein neue» Stück, Maryna, über die Bühne geh« lassen. Inhalt, Erfolg desselben geht un» hier nicht» an, aber! et Dichter gehört noch zu dm llnsrigm, und insofem mag feine Tragödie hier erwähnt werdm. Wie wir hör«, geht man damit um, sein Jubiläum zu feiern. Herr Mosmthal ist auch Mitvorsteher der Taubstummenanstalt. Die» ist da» einzige Zeugniß seiner Thctlnahme an jüdisch« Angelegmheitm, da» frellich kein »sprechend«»* genannt werd« kann. Sein Schwiegervater, Herr Regiemngsrath von Weil, im Gegmtheil legt seinerseits gerade ein solche» ab. Er verfehlt nie, die jährlichen Wahlversammlung« zu besuchen und zu bespreche». Ich habe diese» Einschiebsel gemacht, um auf ein andere» Dichterjubiläum zu kommen, da» Grillparzer'», der sein« 80. Geburtstag feiert. E» mag in dies« Blättern erwähnt werdm, weil, wie ich höre, die hiesige Judmschaft, zumal die Dammwelt, auf da» Eifrigste sich daran bethelligt. E» kann ihr nur zur Ehre gereichen. Auf Wiedersehn! -. An» Aieder-Hlngar», 4. December. (Orig.-Corresp.)- Haben Sir Dank für Ihr« Brief >in Nr. 45 und 46 d. Bl., dm ich ja wohl al» an mich gerichtet bettachten darf. Sie habm in demselbm offen und öffentlich Ihre Meinung über die „ungarischea Wirr«" dargelegt und sicherlich allen Dm« au» der Seele gesprochm, die sich nicht in Jubelhymnm über dm Eongreß ergeh«, der doch am Ende nur ein Mmscheawerk ist und manche» Unhell geschaffm hat, die aber auch nicht, ohne zu prüfen, zur Parole der „GlaubmSwache" schwör«, wenn sie zur Wühlerei, zum Widerstande anetfert. Wmn ich aber trotz alledem in nachfolgend« Zeilm einige Ihrer Behauptung« bekämpfe» werdm Sie da» gütizst dem religiös« Standpunkte zuschretben, dm ich eianehme, der nach Inn« hin ttme» Festhaltm an d« überkommmen Satzung« und Bräuche« heischt, nach Auß« aber unbedingte Religionsfreiheit fordert. Mir kommt'» komisch vor, wenn die Gutachten für die Eongreß »Statut« au»sagm, die Anhänger derselbm sei« nicht an» dem Judmthum« geschieden. Al» ob je Jemand geglaubt hätte, Herr Rabbiner Bamberger in Würzburg z. B. meine u ernstlich, wenn er behauptet, die Anhänger de» Eongreß-Statut» sei« »me Juden. (Aber warum denn nicht? Red.) — Vom jüdisch-religiös« Standpunkte au» kan» der orthodoxest« Schulchauaruch-Jude die Distrikt»-Repräsentanz beschick« und in seiner Synagoge doch mit Taltth umhüll«« Haupte, mtt R. Zorn’» Tqchiltn beten. — Aber e» ist «in andere» Moment, da» di« liberale Presse gegm die Eongreß-Statut« geltend machte. Diesel b« sind nämlich durch und durch rmcttonär, beraub« da» Individuum seine» Selbstbeftimmungsrecht«, schaff» konfessionell« Schul«, machen d« Lehrer zum Paria und leist« dem Repotismu» und Emttalismu» Vorschub. Da» ist'», was viele dem Statute abwendig machte, da» ist'», was Ober-Rabbiner Löw in fernem neuest« Buche: „Der jüdssch« Eongreß in Ungam", mtt der ganz« Wucht seine» Worte» und Geiste» geißelt. Wird Jemand darum -«neigt sein, Löw der Orthodoxie zu zeih«? So lächerlich wird sich doch Niemand mache». (Die Motive zu Löw'» Auftreten find z» durchsichtig, fl« beweis« daher nicht». Red.)

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