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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-12-28 · 52 (28.12.1870) · p. Seite 426

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
52 (28.12.1870)
Date
1870-12-28
Page
Seite 426 (sequence 4)
Language
German
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426 anerkannte« Seancen zr gertren, und bis anf die Adresse erstreikt sich in der Pi eußifihm Seamtemvelt die pünktliche Beachtung de« von oben!er m fgestelltm PrincipS. Ein „Ehrwürden" auf der Udreffe deS an einen Rabbiner gerichtetm Briefe- und die Kraft der altprmßifä«« Büreaukratie wäre für immer gebrochen. Ewird vielleicht mancher unserer Leser die Erwähnung der eben angeführten 3 Hatsache alS kleinlich l'ezeichne», aber unserer lleberzeuzung nach sicherlich mit Unrecht Freilich stellt sich in diesem Verfahren davon unserer Regienmg dem Juden gegenüber beobachtete Princip in feiner lächerlichsten Seite dar, aber um so charakt«ristisll>er ist efür den AnfchauungSkreiS der in diesem Reffort lntmdm Persönlichkeiten. Und unter solchen Verhältnissen könnt,n wir noch die Hoffnung hegen, daß Herr v. Mähler sich zur Anstellung von Seelsorgern für die Soldaten jüdischen Bekenntniffeim Felde würde entschließen können? Die Ernennung einejütischen Theologm etwa gar officiell im Staat-« Anzeiger zur Kmvtniß bringen! Welche Blalphemie! Wir würden un-, offen gestand«, selber unsere- Optimi-muschämen, wenn uu» nicht die wahrhaft gehobene und zuweilen sogar überschwängliche Stnnn ung, welche bei Beginn diese- Kriegeunser gaeze Volk so mächtig durchdrang, eine kleine Entschuldigung ge oährte. Da- Wonnegefühl der rückhaltslosen Hingabe an da- Vat rland, die gemeinsame Empfindung von Hoffnung und Sorge, welch« alle Glieder degroßen Ganzen so innig aneinander schu.iezte, sie hatte auch i>nfür einen Augenblick vergeffen taffen die erbärmliche Miföre, mit welcher man von obmherab unS zu behandeln gewohnt ist. Wir hatten geglaubt, daß in einer Zeit, wo ein so wunderbarer Aufschwung sich aller Geister bemächtigte, wo da- Gefühl der Einigkeit siegreich wie noch nie gewaltig alle Schranken durchbrach, wir hatten geglaubt, daß in einem solchen Moment nicht Raum sei für jene verrotteten Vorurtheile, die Der Mönch hatte schnell de« Zusammenhang der Ereigniffe erfahren. Aber wa» war nun zu thun? Beide konnte er auf keinen Fall retten, (fr hätte den sofortigen Verrath de- Schließerfürchten müssen. Denn taheilige Officium hatte es so eingerichtet, daß es jeden einzelnen Beamten zum Spion für die Handlungen deandern benutzte. Der habsüchtige Schließer hätte ihn ohne Weiterel enuncirt. Und Juanita allein wollte nicht gerettet sein, wenn ie den Geliebten in den Händen der Inquisition wußte. Aber die Zeit drängte, denn ein Verhör der Jnquisitton dauerte nicht lange. E» mußte demnach ein kurzer Entschluß gefaßt .--erde«. Der Mönch überlegte eine Weile schweigend, und die l riden jungen Leute harrten erwartungsvoll seiner Worte. Endln? begann er: »Ich kann nur Dich mitnehmen, Juanita. ...* »Ich soll fliehen/ unterbrach ihn Juantta, »und er? Mein Gott! mein Gott!* »Für ihn ist noch nicht Alleverloren. Du, mein Kind, bist reich, man wird Dir niemals verzeihen. Er aber, er ist arm, man wird sich viellücht gar nicht so sehr um ihn kümmern. Die Inquisitoren haben genng andere Sachen z» thun. Die kurzsichtigen Leute glauben, daß die Angelegenhett mit Antonio Perez jetzt zu End« und die Jnquisitton besiegt ist. Ich aber weiß, daß sie, ebenso wenig wie der Köniz, je nachgebm wird, und ich hoffe, daß das Volk von Saragossa bald seine Drohung, diese« Schreckensort vom Erdboden zu vertilg«,, wahr machen wird. — Daist meine Hoffnung, * fuhr der Mönch, zu Fernando gewandt, fort. »Nimm diesen Schlüssel; ich habe ihn mitgebracht, um Juanita von ihren Fesseln zu befteien, er wird Dir dazu dienen, Dich der Dittngen zu entledig«, nenn der passmde Mom»t da sei» wird. Hier hast Du Gold, Du wirst es Deinem Schließer geben, sobald mein« Flucht bekannt sein wird. Der Man» ist habsüchtig, da» weiß ich. Sage chm, daß ick ihm diese Summe zurücklasse, und daß ich chm bti» Dreifach« z». * ihren Ursprung der Zett nuferer ärgst« staatlich« Schmach verdank« und unfern modern« Staatsmännern so widrig zu Gesicht« stehen. Doch Herr v. Mühl er! Wie ein Fel« im Meere steht er da. unerschütterlich, unbezwingbar, audem Moder vergangener Jahchunderte ragt er versteinert in unsere lebenüfrsscheZeft hinüber. Selssam; wir wollt« von Elsaß und Lothring« spreche» und find dmnoch wieder glücklich biauf dm H—err» v. Mühler gekommen. Wir wollt« zeigen, daß die Wiedervereinigung der israelittschm Bwölkerung von Elsaß und Lothringen mit chrm deutschen Glauben-brüdern dm Hin zu tretend« nebm dm schon erwähnten Nachthellen doch auch manchm Gewinn brächte, und wider unfern Willm hat sich unsere Auseinandersetzung wiederum der eutgegmgesetztm Richtung zugewandt. Freilich find die Vortheile, welche der Anschluß an Dmtschland dm Judm der z« annectirmdm Provinzen bringm wird, ganz anderer Natur und könnm selbst von einem noch so übelwollendm Minister nicht verkümmert werdm — denn sie find ein Geschmk, welcheda» dmssche Volk und in'- Besondere die deutsche Judenhett un» serm Glaubm-gmoffm mtgegmbringt, ein Geschenk, gegen deffm Annahme ihn sogar kein Widerstreben und keine noch so emste Weigerung schützen kann. Doch wir wollm undiesm Puuft für eine spätere Besprechung Vorbehalten. Unselber aber könnte der Anschluß nmer Gemeinden, die bisher mü dm höchstm Recht« auSgestattet warm, von nicht geringem Vorthelle sein, wenn wir unsere Aufgabe im rechtm Augmblicke ernst erfaßt«. Wir waren bisher an die Zurücksetzung qnd an davomehm ignorirmde Verfahr« von Seit« unserer Regierung nur allzusehr gewöhnt und habm Manchevielleicht schweigend ertrag«, wa» wft mit Entrüstung hättm zurückweisen müssen Nun e» liegt un» jetzt die dringende Verpflichtung ob, mit all« Mitteln dafür Sorge zu ttagm, daß dm hinzuttetmdm Judm die erkommm lassen werden «mn e» Dir zu mttommm gelingt. Verlange nicht, dakj er Deine Flucht begünstige, nur daß er Dich nicht verrathe. Er hat mir verttaum gelernt und zwessett nie an meinem Wor. . Sei also immer berett, mein Sohn; Du bist jung und kühn, wenn die Gelegmheit da ist, wirst Dn sie bebenutzen; übrigen« setze Deine Zuv^flcht in dm Herrn.* Bei diesm Wort« hatte er Femando ein Zeichen gemacht, und, ohne daß e» Juanita bemerkte, ließ er ein kleine- Fläsch» chm in die Hand dejung« Manne» gleiten. E» mthielt ein starke-, schnell wirkmde» Gift. »Und nun komm, mein Kind/ sagte der Mönch zu Juantta, »die Zett drängt; die Reise ist lang und gefährlich. Aber «er weiß, vielleicht werdm wtt Alle noch eine» Tageglücklich fetel* Der Mönch faßte Juantta bei der Hand und öffnete dt« Thür. Daunglückliche junge Mädchm wandte sich noch einmal um, um Femando et« letzte» Lebewohl zuzumfm Dt« Stimme versagte ihr; aber sie legte ihre ganz« Seele in ta| letzt« Blick, dm sie dem Geliebt« zuwarf. Enriquez zog sie schnell htnau» und mußt« selber die Thür hinter dem arm« Femando -«schließen. Dan« rief er dm Schließer und übergab ihm mhig dm Schlüsselbund. Er durchschritt die öd« Corridorde» unterirdisch« Gefängnisse» und stieg die zahlreich« Stufen, die zum Sitzung-saal führt«, hinauf. Aber anstatt hier einzutreten, «ahm er die Richtung nach seinem eigmen Cabinet. Hier holte er au» einem Kleiderschrank ein einfache- Handwerkerkostüm hervor, da- Juantta anztehm mußte, und schlug ihr dm Mantelkragm über da- Gesicht; er ergriff darauf ei» andere- Fläschchm «tt Gift, steckte einig« Mundvorrath und eine Flasche Wein zu sich, ging mtt dem jung« Mädchm hinab, und beide verließ« ohne Schwierigkeit die Aljaferia. Amchtzn», stl-e.)

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