Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 52 (28.12.1870)
- Date
- 1870-12-28
- Page
- Seite 425 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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426 hat, al* Dogme» Anstelle«, alle» etumal Entstanden«. Hergebrachte, Geschriebene, Uebiiche, durch Brauch oder Mißbrauch Eingebürgerte für unverbrüchlich erklären. Da ist ihnen denn da» Studium der Geschichte vom Hebel; Literaturgeschichte lassen st« gelten, da» gehört zu« wissenschaftlichen Kolorit, aber keine Forschung «ach Entstehung und Entwickelung de» Codistzirteu oder lieblich« gewordenen. Und wer gar zu der Behauptung geführt wird, daß die Entwickelung einmal rtue falsch« Bahn etngeschlagm habe, der ist ein Heterodoxer. di tft ihnen alle» Thora. Al» ob man uns ein Beispiel frisch an die Hand hätte geben wollen, proclamirt Herr Dr. Enoch soeben, daß auch da» Naturgeschichtliche in den «gada« de« Talmud nicht profan", sondern ntm nchv, Religion sei, und daß die Wistenschast, al« menschlich« Erkenntuiß, zurückkehren müffe — rfoss rtm sei. Und al, Beispiel nimmt er ein naturgeschichtliche» Märchen*) — wer da« nun nicht für Thora erklärt, der ist kein rechtgläubiger Jude! Man sehe denn, wohin l a» geführt hat und führen muh! Elsaß und Lothringen. n. Wir habm in einem früheren Artikel**) auf all die Nachtheile aufmerksam gemacht, welche bei der Einverleibung der Provinzen Elsaß und Lothringen in den preußischen S. :i»- •) Nämlich fern TT» de» "ram, insofern er Mm 3JP wo entstehe. Dabei hat die Uebergiäubigkeit übersehe», daß Aruch von leicht und deutlichst von dem tphn Jtilaim 8, 6 unterscheidet. Mit diesem haben «oir hier nicht» zu thun, er ist N7i fv nach der Halacha, und dagegen hat die Naturgeschichte auch stcherlich nicht die leisest« riawendung. wa« VN skn damit >n thun haben soll, ist «ndegreiflich. —) Nr. »3. Derselbe wurde im »Mag. s.d.8it.d. Ausl.« Nr. 46 abgedruckt. geben kann, so will ich ihr wenigsten» ihre Martern abnehmen.* — In derselben Nacht stellte sich eia junger Mann in der Aljaferia al» Gefangener: e» war Fernando. 16. Indessen hatte die Inquisition geglaubt, e» sei endlich der Zeitpunkt gekommen, mit ihr« lange gehegten Absichten hervor» zutreten, «n demselben Tage, an welchem Juanita» erste» peinliche» Verhör abgehaltm worden war, hatte der Großinquisitor Molina de Modrano im Namm de» allerheiligsten Tribunal» dem weltlichen Gerichte di« Weisung zugehe« laffen, dm Angeklagtm Antonio Perez fofort in da» geistliche Gesäugniß abzulirferu. Aber da» heilige Officium hatte sich verrechnet. Al» die Nachricht von der versuchten Ueberführuug in die Oeffentlichkett drang, brach der von dm Aristokratm längst geschürte Aus» stand au», und zum erst« Mal mußte die Inquisition zurückweichen. Man hatte sogar dm Versuch gemacht, dt« Aljaferia zu stürmm und die daselbst Gefangmm zu befteim Dadurch war im Gesäugniß eine unsägliche Verwirrung etngetretm» und al» sich Femando freiwillig dm Händm de« uuversöhnlichm Gerichtshöfe» überlieferte, wurde er in der allgemeinm Bestürzung in rine Zelle gebracht, die bereit» besetzt war. Welch« Feder vermöchte die Seme zu schildem, al» er in seinem Mitgefangenen die Geliebte, die seinetwegm gefolterte Geliebte erkannte!- Aber auch Euriquez war nicht «athätig. Die Empörung konnte seinm Fluchtplänm dimm. Er kannte dm Großinquisitor gmau und wußte, daß er nach dm heftig« Aufregungen der letzt« Tage in seinem unbändig« Zorne Niemand« vorlafsm würde. Da» hatte er bei ander« Anlässm zu erfahr« Gelegmhett gehabt. Deshalb konnte er die Aeberzeugzmg habm, daß er mindesten» in dm nächst« drei Tag« nicht zu ihm gerufm werdm würde. Dazu kam noch die Erwägung, daß e« sicherlich I Organt»mu» dm jüdisch« vewohnem dieser Lande»theile droh« würdm, wmn nicht rasch ein« durchgreifmde Senderung de» von der »rmßtschm Regierung bisher beliebten Berfahrm« dm Judm gegmüber vorgmommm werdm sollte. Die Art und Weise, wie Herr von Mühler noch jüngst die jüdisch« Feldpredigerfrage zu lös« versuchte, hat unser« Befürchtungen leider nur allzusehr gerechtfertigt. Wer dm Judmverhältntssm in Preußm je seine Aufmerksau,keit zugewendet hat, der weiß e», daß der unsere Staat»männer beherrschmde Gedanke de» „christlichen" Staate» da» leitmde Princip ist bet der Behandlung aller die jüdischen Staatsbürger berührenden Angelegmheiten. E« läßt sich nicht lmgnm, daß die Durchführung diese» System» von einem gewiffm Scharfsinn zeugt und der „strammen" Eonsequmz, welche die preußische» Staat»einrichtungm überhaupt auSzeichnet, alle Ehre macht. Li» in die untersten BerwaltungSkreise und RegierungSorgune ist dtese» Princip mit unerbittlicher Strenge durchgeführt und der Aufmerksamkeit unserer bureaukratischen Genie» ist nach dieser Sette hin Nicht» entgangen. Da» Judenthum ist eine nur geduldete Religion und kann al« solche auf officielle Anerkmnung l'einm Anspruch machen. Mit liebmoller Sorzfatt wird daher die logische Scheidung zwischen dem Juden al» Staaftbürger und al» Genoffen der jüdisch« ReligionSzesellschaft d, in ihre feinst« Consequenzen verfolgt. Der Vertreter der jüdrschm Religion darf natürlich nicht mit dem Scheine einer amtlich« Autorität bekleidet sein. Also nur recht vorsichtig zu Werke gegangm, um dem jüdischm „Schriftgelehrten" bei Leibe nicht ein Titelchen :inzuräumen, da» ihm etwa die Würde einer officiellen Persönlichkeit verleih« könnre. Mit rührmder Gewissenhaftigkeit wird vom Minister bi» zur niedrigstm Schreiberseele herab strengsten» darauf geachtet, daß der jüdische Theologe nicht auf dm hochmürhigm Einfall komme, sich al» ein« vom Staat einiger Zeit bedürfe» bi» die Zustände im Gesäugniß wieder in da« alte Geleise kommen würden. Der Mommt war also günfttg, die nöthtgm Vorkehrung« warm getroffm, und e» galt nur muthig und mit Gottvertraum an'» Werk zu gehm. Er gab dem Schließer den Befehl, ihm die Zelle Juanita« zu öffnen, da er den Auftrag habe, sie zu einem zweiten Verhör in da« Sitzunz»zimmer der Jnqutfitton abzuholen. Dieser Befehl konnte dm Grfangenenwärter nicht beftemdm, da der Mönch, al» Geheimschreiber de« Großinquisitor», häufig tergleichm Aufttäge zu vollführm hatte. Der Mönch trat, mit einer Lateme in der Hand, ein. Femando und Juaatta erbleicht«, al» sie dm Neuangekommmm bemerkt«, dm sie im erst« Augmblick nicht erkmnm könnt«. Sta! brachte er ihnen? Enriquez selber war ein« Augenblick überrascht, al» er eine zweite Person im Kerker bemerkte. Jndeffm hattm beide Gefangene, derm Augm an da» Helle Licht nicht mehr gewöhnt warm, die Züge de» Mönche» erkannt. »Euriquez I* riefen sie. Da« Erstaun« de» Mönche» wurde noch größer. Er bückte sich mit dem Lichte herab, um dem Unglücklich«, der ihn ebmso wie Juanita kannte, in'» Antlitz zu schau« »Ich bin e«, Femando,* sagte der junge Mann. »Femando!* erwiderte der Mönch jschreckmSbleich. »Fernando hier? wartet.* Er ging hinan». Der Schließer war an der Thür steh« gebliebm. Er war ein Zmge, der in einer Lage, die der Mönch nicht erwartet hatte, gefährlich werdm konnte. »Ich habe die Gefangme zu verhör«, eh« ich sie abführe,* jagte er zum Schließer. »Ihr könnt indessen andern Geschäfte» nachgehm, bi» ich Euch mfe. llebrigm» ist der zwette Gefangene gefessÄt, e» hat also keine Gefahr.* — Der Schließer entfernte sich und Enriquez kehrte in die Zelle zurück.