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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-12-21 · 51 (21.12.1870) · p. Seite 420

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
51 (21.12.1870)
Date
1870-12-21
Page
Seite 420 (sequence 6)
Language
German
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420 unserer Provinz allein i» Stand« fei» «erden, trotz de» wie vom Himmel gefallenen Grundkapital» eine derartige Anstatt selbstständig zu erhalten, «ährend der in einer Prcvinzial-Waisenanstalt zum ersten Male gebotene Mittelpuntt nicht wenig zur Weckung de» zur Stunde fehlenden Gen einfinne» beitragen und al» erste gemeinsame jüdischeThal der Provinz zur Ehre gereichen würde. Auf diese Envägungen hin und vornehmlich im Interesse der Waisen setzte fich der Vorstand de» Waisenhause» mtt einigen Mitgliedern der Elfer-Commission in Verbindung und einigte fich mit diesen vollständig über die Bedingungen eine« demnächstigen Anschlüsse». Wenn nun auch der in Folge jener Verhandlungen von den betreffenden Mitgliedern der Commission bet dem Präsidium gestellte Antrag, eine Versammlung zu diesem Zwecke zu berufen und den Vorstand de» Waisenhauses zur Theilnahme aufzufordern, weiter keine Berücksichtigung fand, ja die betreffenden CommisfionSmitglieder, die die Verhandlungen geführt, zu der erwähnten Bartensteiner Versammlung gar nicht hinzugezogen wurden: so fand doch der Plan der Vereinigung bei dieser Versammlung selbst warme Fürsprecher, wenn auch nicht die Majorität, die Schippenbeil zwar definitiv ablehnte, aber dafür sich rar Lyck entschied und bei der könizl. Regierung sofort um die Genehurigung vorstellig wurde; frellich unter dem Widerspruche der Schippenbeiler Comitö--Mitglieder. Diesen war e» mittlerweile gelungen, aus den Restbeständen der Mittel de» Vaterländ. Flauer-Hilfsvereins die Summe von 3000 Thlr., sowie von dem Comtt«! des Herrn Heymann zu Berlin 800 Thlr. für ein jüdische» Wa renhaus in Ostpreußen zu erhalten, und kamen sie nun ihrerseits oh« Weiteres um die Bestätigung für Schippenbeil ein. Diesen beiden fich entgegenstehenden Anträgen gegenüber verwies die Regierung die ganze Angelegenheit an den Ober-Präsidenten der Provinz Preußen zur Entscheidung, welchem Konsortium die Genehmigung zu ertheil« fei. Ob und wem diese letztere schoa ertheilt worden, wissen wir nicht; jedenfall» ist eine Einigung und mit derselbe« eine zweckmäßige Verwendung der Gelder in wette Ferne gerückt. Wir haben in Verstehendem jede noch so nahe liegende Bemerkung über diese Vorgänge unterdrückt und un» auf eine unparteiische und sachgeniäße Darstellung beschrankt, umsomehr da wir im Vertrauen auf die Einsicht und auf da» warme Interesse einzelner un» persönlich bekannter Mttglieder der Commission und nach privaten Mittheilungen derselben die Hoffnung auf eine schließlich« Verständigung mtt un« nicht aufgeben mögen; wohl aber glaubte« wir, daß dies« Mittheilungen für da» größere Publikum, da» zu den in Frage stehenden Summen beigesteuert, von Interesse sein dürften. Schäuetzeck, 5. 3>ecember. Unsere KreitgerichtS-Deputation iu Gr.-Salze hat zuweilen Auffassungen, bet denen fich die Interessenten nicht beruhi gen wollen. Ein Fall dieser Art ist folgender : Eia Handwerk»g«sell, der fett dem Frühjahr hier domieilirt und gleichzeittg au» dir evangelisch« Kirchen zemeinschast au»geschiedm ist» will fich ratt einer Jüdin verheirathm und beantragt deshalb vor Gericht eine Eivilehe. Da» Civilstand»register weigert fich. wett die Braut uicht Disfidentin ist; sie müsse gleichfalls au» dem Judentlmme au»scheiden. Die Brautl«te halt« da» für unnöthig und Hab« da» Sppellationtgettcht provocirt. Sie beruf« sich auf die Schwester der Braut, die, obschon mosaisch« Glaub«», dennoch, aber ftettich nicht ohne Schwierigkeit«, i» Magdeburg eine Civilehe mtt einem Disfidmtm einzegaugm ist. Erwägt man nun, daß e» außerhalb der VerwaltungSmaxime liegt, die Zahl der 313,1öS Jud« um eine Eiahett zu vermiudr«, die Zahl der 62,174 Disfidmtm um eine Einhett zu vermehr«, so schwebte dem Richter gewiß keine andere Rücksicht al» der Buchstabe vor. Da» Patent vom 30. März 1847 »erlangt $. 5 Aufgebot, §. 1 Eintragung in da» Civilstaud»r»ßistrr, §. 7 Rachwei» der Handlung, welche in einer geduldet« Religion« - Gesellschaft zum Abschluß der ehelich» verbtndung erforderlich ist. Wer zu einer solch« Gesellschaft nicht gehört, ist «ach IS lediglich wie ad f 1 und 7 zu behandeln. Da» Toleranzpatmt vom 80. März 1847 dmtt nicht i« Entferntest« an jüdische Disfidmtm und beschränk fich feiner ganz« Auffassung nach nur auf diejmigm, die au» einer der anerkannt« christlichen Religionr-Gemeinfchaftm geschtedm find. Da nun Jud« eine Civilehe so gut wie Dissident« schließ«, so ist selbstverständlich der Staat zufried«, wen» er die Eh« zwssch« einem Disfidmtm und einer Jüdin einfach zu sein« bürgerlich« Act« nimmt. (Ragdeb. Z.) Oesterreich. -rz. Me», 4. December. (Orig.-Corresp.) Während auf dm Gefildm Frankeich« der »große Krieg geführt wird, spielte fich hier ein Keiner ab, und zwar eia ganz keiner, ein Wahlkieg. Um jedweder Beängstigung, die Sie bei dieser säbelrasselnd« Nachricht befall« könnte, zuvorzukommm, bemerkeich: wir halt« schon beim Fried«. Zwar ließ sich die Sache sehr ernst an. Einige Wochen vor dem Wahltermin erhob« bereit» die üblichen Schreier da» obligate Geräusch. Die Stichwörter Jntelligmz, Fortschritt, Orgel u. s. w. durchflog« einzelne Kaffeehäuser und die Spalt« unser» jüdisch« Moniteur», und »zahlreiche Wähler' lagen sich in dm Zeitung« mit einer »großen Anzahl Wähler' für ihr schwere» Geld in dm Haaren. Die StabSttompeter der »Jntelligmz', der »jüdisch« Wiffmschaft' und de» »Fortschritt»', die »ehrlich« Leute' pur »vollen«« halt« ein« Advocat« vorgeschoben, der früher auf dem Rück« der Orthodoxie die Palme der Vorsteherschaft zu erkettem vergeblich gesucht hatte und der die»mal sein Ziel auf einig« dargebotenen fortschrittlichen Schulte« glücklicher zu erreich« hoffte. Die« war bei einem Advocat« immerhin verzeihlich, zumal der Mann »namhafte Berdimste um da» Judmthu«' Hab« soll. Ich kann sie leider nicht „namhaft" mach«. Hinter diesem Eandidatm bewegte fich noch ein ganzer Kometmschwanz von Viettel-, Duodez- und Sedez-Candidatm. Keiner von d« Erwähnt« oder vielmehr Richterwähntm ging au» der U«e hervor. Da» Resuttat, da» am 27. Novbr. (und in einer mger« Wahl am 4. December) erhalt« wurde, ergab die Wiederwahl der vier auSgeloostm Herr«: Dr. Kuranda, Wilhelm Frankl, Dr. Mauthner, Dr. Jgn. v. HofmannSthal, und die an Stelle der a«»zettet«m Herr« Baron Friedr. v. Schey und Dr. Matzel erfo'qte Wahl der Herr« Siegmund Pollak und Gustav Simon. Beide Herr« gehör« ihre» Zeichm» dem Kaufmannsstande an. Der Umstand, daß sie au» Kein« Anfänge« durch eigme Arbett zu angcseh«« Kaufleuten fich ausgeschwungen, läßt bei ihn« dm Kar« Blick für praktische Verhältnisse, der einem Gemeinde- Vorsteher so nothwendig ist, vorau-setzen. Beide Herr« habm auch durch jahrelange Thätigkeit in dem Bethausvorstaude und der Ehewra kadischa für dm ihn« jetzt zufallmdm Beruf fich vorderettet. Die Gemeinde, die in circa 560 Wähle« vertret« war, zog mit richtigem Tarte diese selbstständig« Männer d« unter dem Sttchwort der Jntelligmz ausgeschrimm Creatur« und Crratürchm vor, die man von bekannter Seite her doch nur für persönliche Zwecke auSgebeutet hätte, wäre e» auch nm, um sie zu dem Erlag der Eaution für eine altersschwache Zeitung zu veranlassen. Da man die „Orgel" schon lange vorher al» die Angel „u»häugte, an welcher die Sttmmm festhak« sollt«, so dürfm die ttotzdem gewählt« Herr« in ihrer Wahl selbst schon eine unzweidmtige Aufforderung erblick«, fich in diese« PunKe abweisend zu verhalt«. E» wäre auch wirklich zu schade, wenn in diese in ihrer Att einzige jüdische Gemeinde durch die» Instrument der Berliner, Hamburger oder Frankfutter Jammer eingeschleppt werdm sollte! Au» OaKzie», 4. December. Me,Ludenordnung" «i» dem Jahre 1789 besagt in ihrem f. 18, dH die Vorsteher der

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