Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 51 (21.12.1870)
- Date
- 1870-12-21
- Page
- Seite 421 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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421 jüdischen Eultulgrmetnde alle drei Jahre am 15. September gewählt werde» solle«. In genauer Befolgung dieser Vorschrift wählten die i-raelitischen Gemeinden Galizien» 1867 ihre Vor» steher, und obwohl hierauf die December« Verfassung auch dar Eingang» gedachten legislatorisch« Bau vergangener Jahrhunderte in Schutt legte, fand mau e» erst jetzt an da Zeit, „provisorisch regelnde Andeutungen zur BmehmungSwiffmschaft" herauSzugeben. Nach der jofephinifchm Judenordnung dursten nur Hausbesitzer da» active Wahlrecht auSübeu, während die passive Wahl» fähigkell Jenen zuerkaunt war, die „ein eigene» Hau» besitz«« und sich auch über dieKenntniß de» deutschen Schulunterrichte» (?) au»wetsen können". Diese Bestimmungen fallen nun weg, und wer zur Bedeckung der CultuSauSlagen Beiträge leistet, darf wählen und gewählt werden. Die au» der Wahlurne her» vorzehenden Vorsteher haben künftighin als solche weder einen Eid »och eia Gelöbniß in die Hände der Behörden abzulegen, und beschränkt sich die Einflußnahme der letzteren auf die CultuS- Gemeinde »Wahlen lediglich auf da» übliche Oberaufsichtsrecht. Gleichzeitig wird den Cultu»gemeinden eröffnet, daß c» ihnen steisteht, unter Betheüigung aller Mitglieder diesbezügliche Statuten zu entwerfen, solche von der Statthalterei bestätigen zu lassen und dann die „provisorisch regelnden Andeutungen" außer Kraft zu setzen. In Folge diese» bedeutungsvollen Winke» herrscht derzeit in den größeren CultuSgemeindm Galizien» eine Art „Statutenrummel", und obwohl da die bereit» fertigen Statuten der Krakauer und Lemberger Judenschaft zum Muster vor» liegen, können dennoch die diversen Comitö» über die Principien nicht schlüssig werden. .Krakau und Lemberg machten sich nämlich die Sache leicht, indem sie mit kleinen Abänderungen da» so sehr verschriene Gemeindestatut copirtm. Auf dem flachen Lande bietet jedoch dieser Vorgang hie und da ein Häkchen de» Widerstande», und wa» am meist« die Gemüther aufregt, ist die Wahlkörperfrage. Die Ultramontanen in Israel hingegen, welche, angekränkelt von der Bornirtheit Bläffe, im starren Conservatitmu» da» ganze Hell suchen, stemmen sich auch bei dieser Gelegenheit gegm jedwede Neuerung und sehen im Umwerfen der josephinifchen Judenordnung eine flagrante Verletzung der Gebote Gotte» I In den kleineren Orten, wo die jüdische Orthodoxie da» Heft in Händen hat, ist und bleibt daher die angeregte CultuSgemeinde- Reform ein Ruf in die Wüste. Gleichzeitig mit den obigen „Andeutungen" wird den Cultu»- gemeinden bekannt gemacht, daß die ehemalige Institution der KreiS-Rabbtner al» aufgehoben zu betrachten fei, und daß die Regierung keinen Grund mehr habe, auf die Besetzung der oacanteu Rabbinrrposten zu dringen. Sie sehen, daß da die Logik gerade nicht stark zum Leisten guter Dienste herangezogen worden ist. Die eine Seite dringt nicht, aber „der Bien" muß! (*. Kr. Pr.) Vermischte und neueste Nachrichtm. In Nr. 15 de» „GlobuS" bespricht Richard Andrer in einem Artikel „Elsäffer Beiträge" auch die Berhältniffe der elsässischen Juden mit wenigen, aber durch ihre Gehässigkeit hervorragenden Worten. Die EmancipationS-Geschichte der ftanzösischen Juden wird daselbst von urteutonischem Standpunkte au» erzählt, d. h. der Racmhaß wird durch erkünstelte Klagen über den schauerlichen Wucher und die Träghell der Juden bemäntelt. Hierbei giebt sich Herr Andrer zum Wortführer der elsässischen Judenfeinde von Anno 90 her, ohne daß ihm der naheliegende Gedanke gekommen wäre, daß alle jene Beschuldiguugm und Befürchtung« der Straßburger Bürger — SuSsaugen de» Lande» und Tobtgeschlagmwerdm der Judm — sich al» völlig unbegründet erwies« haben. — Traurig ist e» hierbei nur, daß die elsäsfisch« Jud« in solch« Begrüßung« mit Recht eine Bestätigung ihrer bang« Furcht vor deutscher Intoleranz find« werde«. Hoff« wir, daß solch mittelalterliche» Gebahrm graue Theorie bleib« und von unserer Regierung nicht beachtet werdm wird. Sonst könnt« allerding» die Jud« nicht wie 1791 „jubelnd in da» bi» dahin judmfteie Sttaßburz", so auch in ihr u«e» Vaterland Deutschland einzieh«. Petersburg. Der durch sei« wohlthütigkeit „»»gezeichnete P. Rosen» berg (derselbe hat, wir wir früher berichtet, da» Gitter i» Jerusalem geschenkt, bei deffeu Limoeihuag eiu diplomatischer iloaslict entstanden ist) ist von der Regieruug ,um Mitglied de» Aufstchwrath« über die Gefüugniffe ernannt worden. (Mag.) Ja kSellinzkoi, (Ren-Seeland) ward kürzlich ei« «« Synagoge ei» gewecht. »in Berichterstatter de» ,Ls. The." schreibt darüber: G» dürfte vielleicht für unsere jüdische» Brüder in London nicht uninteressant sein zu erfahren, daß Juden selbst hier darnach streben, die großen Wahrheiten ihrer Religion zu verkünden. Diese« schöne Gebüude ist nicht ohne grotze Anstrengung und Freigebigkeit von Seiten einiger Mtglieder dieser Gemeinde, die um zwanzig Mtglieder zählt, errichtet worden. Der Synagozenüau kostet 1500 bi» 1600 Pf. «r.. worauf wir 7bi» 800 Pst. St. schulden. Wir füg« noch zwei Curiosa an. Die »Jll. St. Zeit.' berichtet über große Auftegung, welche in Chicago geherrscht hat, well man Robert Laird Collier, ein« Geistlich«, am Sonntag mit einer Cigarre im Munde in der Wabash-Allee gesehm haben wollte. Seine Gemeinde wollte einen Untersuchung»- Aus'chuß einsetzm; aber Collier erklärte öffentlich, er habe nicht geraucht, und e» sei auch gegm sein Prinzip am Sabbath (d. h. Sonntag) zu rauch«. Aber den Dr. Chronik, setzt da» Blatt hinzu, habe man am Sabbath (da» heißt p"C, dmn Dr. Chronik ist .Rabbiner') schon oft eine Cigarre rauchmd gesehen. — Da» »I Thron.' spricht von dm Triumph«, welche .die jüdische Gesange»-Königtn Marie Seebach' jetzt in Amerika feiert. Sie ist bekanntlich weder Sängerin noch Jüdin. Literaturbericht. Da» Werk, deffeu wir in Rr. I I, S. SS, der Wochenschrift erwühutra, ist erschienen unter de« Titel: „Lndenkeu an Moritz Veit." Da et „für Freunde ol« Manuskript gedruckt" ist, ««halte« wir un» jeder Besprechuag. Und et bedarf einer solchen nicht, wo der Name und da» Lebe» de« Manne« so laut für die« „sein Andenken" spricht. E« euthillt «ine trefflich« Lrben»sktz,e von Wehreapseanig, Gedichte und Sprüche, theil» uagedruckte, »heil« au» früheren Sammlungen, besonder» den „Stimmen vom Jordan und Guphrat", «« herau»g«gebe«. Gar viele von de» erstereu würden für unsere Leser von Jntereffe seiu. Wir theilea nur FolgeumU' «u M(ichael) S(ach«), Die Folianten liegen aufaeschlagea Und unter ihrer Bürde seufzt «eiu Pult, Da» nur Ocrav mit rührender Geduld Und einen Quartband selten wohl getragen. Da» sind sie nun, der Borwelt heil'« Sage«, Darin verzeichnet steh« der Väter Schuld, Di« straft de« Wort», der Patriarchen Huld, Um unser Volk die nie erlosch'«« Klage». Mir find st« stumm. Da aber, kund'ger Fremd, Nimm Deinen Mose«stab zur Hand und schlage Au» diesem Fel» den Quell der alte» Sage. harre dürsteud, bi» er mir erscheint, hohlen Händen schöpf ich daun die Strahle», — Die goldne Leben»slirth in ird« Schalen! Der »J»r. stözlöuy» wird von Neujahr an unter dem Titel »Ungarischjüdische Wochenschrift» unter Redactioa der Herren Dr. stayserkng und stöhn, Prediger in Pest, erscheinen. Nur die amtlichen Actenstücke werden strtan ungarisch, in besonderen Beilagen, «itgetheilt werden. vriefkaste» der «edaetto». Dr. st. Ihre Attstchi, daß da« Schnlgesetz wohl nicht i« nächste» Jahre, - sicherlich nicht in der erste» Session Vorkommen »erde, wird richtig sei».' Darm» ist e» aber dnrchar» nicht oerfeüht, Material über msere Desiderie» z» sammeln. Ihre Einser dangen z» diese« Punkte «ik sonstige erwünscht.