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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-12-21 · 51 (21.12.1870) · p. Seite 418

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
51 (21.12.1870)
Date
1870-12-21
Page
Seite 418 (sequence 4)
Language
German
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418 einflußreichen Männer «och gekannt und gesprochen haben, die in der wichtig« Epoche am Ende d«S vorig« und zu Anfang diese- Jahrhunderts hier gewirkt und diese Epoche mit gemacht Hab«. Jndess« unser autokratische Borstand hat eS geeigneter gesund«, einem jung« Manne diese wichtige Arbeit zu übergeb«, der wohl schwerlich im Stande ist ohne Hülfe Sachverständiger die hebräisch« D«kmäler zu mtziffem, welche ein gute» Stück hiesiger jüdisch« Geschichte mthaltm. — Dm neu zusammentretenden Kammern ist von einig« hiesig« Mstgliedem neuerdings die Petition um Revision de- Juden» Gefetze» von 1847 übergeb« Word«. In der letzt« Session kam solche nicht mehr zur 8«athuog. G. HoSerg, 9. Decbr. (Oriz^Corresp.) Unter dm Hinselbst internirt« 5000 französisch« Gesang«« Hab« sich bisher drei GlaubmSgmoff« gemeldet, ein Bnhältniß, daS wohl der jüdisch« Bevölkerung in Frankreich, nicht ab« dm Anfangin Umlauf gewesmm und sichnlich wohl übertrieb«« Nachricht« üb« eine große Anzahl in Deutschland intemirt« jüdisch« Gefangmm mtspricht. Don dies« drei GlaubmSgmoff« gehörte nur ein« d« Linie, und zwar dm chasseurs k pied an, — die andern beiden find je ein Franctirmr und ein Mobilgardist. T« eine von ihn« ist schon bei Chateaud'u», die andem beidm dagegm vor Pari- und zwar bei Versailles gefaogm Word«. Jntneffant sind die Beobachtung«, die an ihn« als GlaubmSgmoffm gemacht w«d«. D« eine von ihn« ist ein Straßburger Kind, d« sich in 4—5 Sprach« auSzuorücken versteht und üb«haupt ein gewandt« Bursche zu fein scheint; « unt«- scheid« sich in Nichts von einem deutsch« Jud«, ist intelligmt, kennt uns« ganzes Ceremouial-Gefetz, wenn n eS auch nicht übt, und versteht auch die Liturgie, wie sie die iTJ? auch bei unS verstehen. Ganz and«S ab« vnhält eS sich mit den andem beid« Gefanzmm. D« eine von ihn«, ein Tischler, ist in Pari» geborm und «zog« und macht ganz d« Eindruck eines Paris« Gamin; d« and«e, ein Schomsteinfeg«, ist ein Luxemburger, ab« seit 15 Jahren schon naturalisirt« Franzose und in Paris wohnhaft. Beide Hab« von dem C«emonial-Gesetz auch nicht »Die Inquisition 'ann dem Eide ein« Ketznin kein«! Glaub« schmkm.... Gestehe ein.... Widersetzr Dich nicht, oder zitt«e!....' .Ich kann doch unmöglich mehr sag«, als ich selb« weiß.' .Vorwärts!' sagre d« Inquisitor zu dm beidm Männern, die hint« ihm stand«. D« eine von ihn« packte daS junge Mädchm brutal am Arme, währmd d« and«e ihr daS Kleid von dm Schulte« riß. Juanita stieß vor Schreck und Schmerz ein« gellmdm Schrei aus. .Gestehe!* wiederholte der Inquisitor. .Sch!' rief Juanita bittend, .ach, ich weiß ja nicht....' ,Thut Eure Pflicht!' sagte d« Inquisitor zu dm Hmkem. Der eine der Folt«knechte «griff ein« dick« eisemm Ring, in inwendig mit scharfen Spitz« besetzt war und d« man durch eine Schraube zuziehen konnte. Er steckte Juanita- Hand in das furchtbare Marterwerkzeug und stieß e« bis in die Mitte de- Armes; dann blickte n den Inquisitor fragend an. .Weit«'.' sagte dies«. D« Henk« gab d« Schraube eine Drehung, so daß da» Armband dm schön« weiß« Arm de» jung«, Mädchen» heftig zusammm preßte. Diese stieß ein« tief« stumm« Seufzer au». .Gestehe!' fing d« Inquisitor wird« an. .Ich neiß nicht,' murmette Juanita mit vor Schmerz gepreßt« Stimme, .ab« w«n ich eS wüßte, würde ich «S jetzt gesagt Hab«.' setzte sie unwillig hinzu. D« Inquisitor gab ein Zeichen. die leiseste Ahnung, sie wtffm von nop* und ]tan wed« die Sache noch d« Ramm und wollm auch ule etwa» davon gehört habe»; nur die NNW an d« Thürpfoste war ihn« dem Ramm uüd d« Sache »ach bekannt dm nfa ab« kamt« sie nur al» priest«- lichm Omat, wie z. v. in d« Kirche die Stola uur von d« Geistlich« gettag« wird. Die hebräisch« Charaktere warm ihn« wirkliche Hi«ozlyph« «ad selbst von dem btCttfi VCßV hattm sie nicht die geringste Kenntuiß, wogegen fteilich hi« hinzugefügt werdm muß, daß sie auch ftanzöfisch weder schreib« noch lesm können. Bon dm Festtag« mußt« sie uur etwa» von m mtb — und da» ist ihre ganze Wiffmschast vom Jude»- thum, die flch«lich noch unt« dem Niveau d« Wiffmschast eine» Christ« von uns«em Judenthum steht. Wenn man von dies« beidm auf da» Wiffm d« ganz« Paris« Judmschast ein« Rückschluß zu machm b«echtigt (??) wäre, dann muß e» dort noch bei Wettem ttauriger bestellt fein» al» iu «ns«em lieb« Dmtschland. Nur wäre man im Rechte» auch dort die Rabbiner für solche Zustände ganz und gar »«antwortlich zu machm, well dort die jüdisch« Geistiichm alsolche vom Staate auerkauut und in ihre Hand dieselbm Befugniffe gelegt sind, d«m sich dt« Geistlich« d« andem Confessionm rühmen*), — waS bekanntlich in unf«em lieb« Dmtschland nach all«, ehrwürdig« Bäter» Sitte bei Weitem nicht d« Fall ist. — Um zu unfern Gefangm« zurückzukehrm, so wird d« erste von ihnen als Dolmetsch« benützt; die beidm andern sind bet hiesig« Handw«k«n unt«gebracht, jedoch unt« d« ausdrücklich« Bedingung, daß sie am Sabbat nicht arbellm dürfen. Dagegen sind sie von d« Militärbehörde angewiesen, an jedem Sabbat dm Gottesdienst in uns«« Synagoge zu besuchen. — W. Mrtßei« «. b. K., 5. D«emb«. (Orig.-Conesp.) Am letzt« Sonntag bewegte sich ein still« «nst« Zug durch uns«e Straß«, es galt die st«blichm Ueberreste uns«« v«ehrtm Fra» vr. Salvendi zur Ruhe zu geleiten. Dieselbe war tu Folge *) Aber in Frankreich ist der Schnlbrsnch überhaupt nicht obligattrisch, di« Rabbiner Wunen also für jüdischen Religion«. Unterricht noch weniger thun al« die deutschen. (Red.) D« Folterknecht gab d« Schraube eine zweite Drehung. Juanita schrie furchtbar auf; das unglückliche Kind hielt eine doppelte Qual auS; die eisemm Spitze» drang« ihr in'» Fleisch, und zugleich wurde die Quetschung heftig«; sie bebte am ganz« Körp«. .Gestehe!' wied«holte dn Jnquifiwr käst und ungerührt. Juanita antwortete nicht mehr. D« Foltnknecht drehte noch einmal die Schraube um. Die Ad«n de- Armes schwoll« schrecklich auf; bläuliche, blutunt«laufene Streif« zeigt« sich auf dem Arme ring» um da» etseme Band; Juantta befiel ein conoulsivische» Zittem; ihre bleichm farblos« Lippm zog« sich schrecklich zusammm, ihre Zahne schlugen aufeinander und ein kalter Schweiß bmetzte ihr Haar. Sie wandte ihre Blicke tnstinktmäßig auf dm zerschmettert« Arm; dann ließ sie da» Haupt zurückstnkm; Thrinm bmetztm ihre Dang«. D« Hmker hielt an. .Fahrt fort!' sagte d« Inquisitor. »DaS Armband ist zu,' sagte d« Folterknecht. .Fangt mll dem andem Arm an,' antwottete d« Inquisitor. Dn erste Hmk« öffnete die Schraube, währmd d« zwette dm andem Arm Juanita» «griff. Ab« da» junge Mädchm fiel rückling» zu Boden. Sie war ohnmächtig. .Wir w«dm da« Bnhör ein audne» Mal fortsetzm,' sagte d«!^,quifitor. »Bringt sie wird« zur Besinnung.' Und « verließ da» Gefänguiß, Juantta dm Händm bet beidm Folterknechte überlassend. Aortsetznn, fa(gt)

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